Iran: Haft und Peitschenhiebe für christliche Konvertiten

25. Juli 2017 von Gemeinsame Redaktion  
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Im Jahr 2012 entging Pfarrer Youcef Nadarkhani im Iran nur knapp der Todesstrafe, die ein Gericht 2010 wegen Apostasie (»Abfall vom Islam«) gegen ihn verhängt hatte. Jetzt ist Nadarkhani wieder ins Visier der iranischen Justiz geraten und am 24. Juni zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) erklärte, ist der Hintergrund der Verurteilung die erfolgreiche Mitarbeit des ehemaligen Muslims an der Gründung inoffizieller Hausgemeinden. Außerdem werde er beschuldigt, »Zionist« zu sein. Wie es im Urteil heißt, das seinem Anwalt am 6. Juli zugestellt wurde, muss Pfarrer Nadarkhani nach Verbüßung seiner Haft weitere zwei Jahre zur Verbannung in Nikshahr im äußersten Süden der Islamischen Republik – rund 2 000 Straßenkilometer entfernt von seiner Familie und seiner Gemeinde.

»Sein Anwalt hat zumindest auf dem Papier noch die Möglichkeit, innerhalb von 20 Tagen gegen das Urteil vom 6. Juli Berufung einzulegen«, erklärte IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin. Die Justiz der Islamischen Republik sei jedoch dafür bekannt, dass sie nicht nur internationales Recht missachte, sondern sogar das eigene, iranische Recht.

Zusammen mit Youcef Nadarkhani wurden laut IGFM weitere christliche Konvertiten zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. In drei Fällen beinhaltete das Strafmaß zudem jeweils 80 Peitschenhiebe wegen des Trinkens von Wein beim Abendmahl.

Der 40-jährige Youcef Nadarkhani lebt wie die anderen Verurteilten in Rasht, der Hauptstadt der Provinz Gilan im Norden des Irans am Kaspischen Meer. Er ist verheiratet und Vater zweier Söhne. Im Alter von 19 Jahren konvertierte er vom Islam zum Christentum. Seit 2001 ist er Pfarrer in einem Netzwerk von Hauskirchen, zu der auch die Freikirche »Church of Iran« gehört, eine der größten Hauskirchen im Iran. Zudem war er bis zu seiner Verhaftung Gemeindeleiter einer 400 Mitglieder großen Gemeinde.

Das erste Mal wurde Nadarkhani 2006 verhaftet. Die Vorwürfe schon damals: Apostasie (Abfall vom Islam – ein Straftatbestand, der nach dem islamischen Recht im Iran mit dem Tode bestraft werden kann) und Evangelisierung. Seinerzeit kam er ohne Verurteilung frei. Doch in den nächsten Jahren folgten weitere Verhaftungen, auch seine Frau Fatemeh Pasandideh wurde inhaftiert. Die Behörden drohten, den Eltern das Erziehungsrecht zu entziehen und ihre Kinder einer muslimischen Familie zuzuführen.

Weltweite Bekanntheit erlangte Nadarkhani 2010, als ihn ein islamisches Revolutionsgericht wegen Apos­tasie und Evangelisierung zum Tod durch den Strang verurteilte. »Der einzige Weg, dieses Urteil außer Kraft zu setzen, wäre die Lossagung von seinem Glauben gewesen«, heißt es dazu beim IGFM. Wäre die Todesstrafe vollstreckt worden, wäre Nadarkhani seit Jahren der erste Konvertit gewesen, der offiziell aufgrund seines christlichen Glaubens hingerichtet worden wäre.

Die Verurteilung löste internationale Proteste aus. Im September 2012 wurde der Pfarrer freigelassen, aber laut IGFM seither weiter drangsaliert, weil er seine Gemeindearbeit nicht aufgab. Nun also die Verurteilung zu zehn Jahren Haft und zwei Jahren Verbannung.

Adrienne Uebbing

www.igfm.de/iran/aktuelle-appelle/

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