Deutscher Gottesdienst im »Temple«

19. Juli 2017 von Gemeinsame Redaktion  
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Kirche im Urlaub erlebt man ganz anders, bilanziert Andreas Braun: »Da nimmt die Schwellenangst ab.« Seit drei Jahren lädt der evangelische Pfarrer im Sommer zum deutschsprachigen Gottesdienst in das französische Soulac-sur-Mer bei Bordeaux ein.

Veranstaltet werden diese Gottesdienste zusammen mit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Braun sieht das Angebot als Dienst am Touristen. Oft loben ihn die Urlauber, mittlerweile kündigen sogar die meisten örtlichen Tourismus-Ämter die Gottesdienste an: »Das Label EKD hilft uns dabei sehr«, so Braun.

»Soulac-sur-Mer liegt auf der ›Route du Médoc‹«, erklärt Andreas Braun. Diese Weinstraße führt, einige Kilometer bevor die Gironde bei Le-Verdon ins Meer fließt, nach Soulac. Der Ort hat knapp 3000 Einwohner. Was hat ihn hierhin verschlagen? »Ich habe zunächst in Tübingen und Heidelberg studiert«, erzählt der 57-Jährige. »Dazwischen war ich ein halbes Jahr Student in Paris. Und ein Jahr Vikar im Hinterland von Montpellier. Als ich mein Studium in Baden abschloss, sind viele Kandidaten in der badischen Landeskirche geblieben, wo man nicht wusste, wohin mit all den Absolventen. Wenige sind ins Ausland gegangen. Etwa nach Frankreich, wo ich den Eindruck hatte, dass die Kirche mich herzlich willkommen hieß.«

Treffpunkt in den Sommermonaten für Touristen und Einheimische gleichermaßen: »Le temple de Soulac-sur-Mer«, die kleine evangelische Kirche des Badeortes am Atlantik. – Foto: Holger Wetjen

Treffpunkt in den Sommermonaten für Touristen und Einheimische gleichermaßen: »Le temple de Soulac-sur-Mer«, die kleine evangelische Kirche des Badeortes am Atlantik. – Foto: Holger Wetjen

Das war vor fünfundzwanzig Jahren. Später hat Andreas Braun die Pfarrerin der deutschsprachigen Gemeinde von Toulouse kennengelernt: Gesine Bertaux. Infolge dieser Bekanntschaft sind dann in den nächsten Jahren immer wieder Pfarrer aus der EKD auch nach Soulac gekommen und haben Gottesdienst gehalten. In der kleinen evangelischen Kirche, deren Bau die Gemeinde 1939 durch Spenden finanziert hat.

Diese Kirche ist einer der Gründe, warum Andreas Braun in seiner französischen Wahlheimat EKD-Gottesdienste anbietet. Der andere: der starke Touristenstrom im Sommer. Während der großen Reisewellen im Juli und August halten sich in Soulac und den benachbarten Urlaubsorten Lacanau und Montalivet jedes Jahr stets zwischen 80000 und 90000 Menschen in der Region auf.

Warum es gerade Urlauber sind, die zu ihm kommen? »Im Urlaub sagt man leichter mal: ›Hey, wir gehen mal wieder in den Gottesdienst!‹«

Die deutschsprachigen Gottesdienste ziehen viele kirchenferne Protestanten an. Und die EKD stellt Andreas Braun einen Urlaubsseelsorger an die Seite.

In den letzten Jahren seien Gläubige fast aller Konfessionen nach Soulac gekommen: Pfingstler, Liberale, Baptisten und Lutheraner. Schon zu den französischen Gottesdiensten – sie finden auch im Sommer weiterhin jeden Sonntag um 10.30 Uhr statt – kämen Franzosen, Holländer, Belgier, Schweizer, Mexikaner oder Brasilianer.

»Ich kann mir vorstellen, dass die Holländer oder Schweizer, die Deutschen oder auch Skandinavier sich im deutschsprachigen Gottesdienst besonders wohlfühlen, da das Kirchenbewusstsein vergleichbar ist.« Das liege daran, dass etwa in Holland die Kirche ganz ähnlich organisiert sei wie in Deutschland: als Landeskirche und Volkskirche.

Aber es kämen jedes Jahr auch Franzosen in den deutschen Gottesdienst. Protestanten aus der Gemeindeleitung und andere. Andreas Braun hat als Pfarrer aus Deutschland das Renommee, ein »echter Protestant« zu sein. Immer wieder fragen ihn Kollegen aus den benachbarten Kirchen: »Andreas, willst du nicht mal kommen und bei uns predigen? Damit meine Leute mal einen echten Protestanten sehen!«

Immerhin sei das Médoc dünn besät an Protestanten. In diesem 10000 Quadratkilometer großen Landstrich, der von Verdon im Norden bis in die südlichen Lande reiche, seien es nur etwa 1700 Menschen, an die der Pfarrbrief der evangelischen Gemeinde ausgehändigt werde. Die meisten Mitgliedsfamilien lebten in konfessioneller Mischung: Protestanten seien verheiratet mit Katholiken. Insgesamt zähle Frankreich heute zwischen 1,5 und 1,8 Millionen Protestanten, wenn man alle Konfessionen, Freikirchen und Gemeindearten zusammenrechne.

Die Protestantisch-Unierte Kirche Frankreichs, zu der die Gemeinde von Soulac gehört, definiere sich als pluralistische Kirche: Das sei in Frankreich ein Novum. Denn in Frankreich kenne man die Kirche vom Katholizismus her noch immer als einen Ort, wo gesagt werde: »Das und das musst du glauben.« Dazu stelle die protestantische Kirche einen Kontrast mit ihrem Pluralismus, den viele überraschend fänden.

Parallel zu den Gottesdiensten (29. Juli bis 19. August, immer sonnabends um 19.30 Uhr) zieht in diesem Sommer auch der Reformator selbst an den Atlantik – in Form der Ausstellung »Luther öffnet der Moderne die Türen«. »Diese Ausstellung der Evangelischen Kirche Frankreichs hatte schon in Bordeaux, Lyon, Marseille und vielen anderen Orten Erfolg«, erklärt Braun. »Darum wollen wir sie vom 11. bis 20. August in Soulac-sur-Mer wieder zeigen.«

Holger Wetjen

www.ekd.de/urlaubsseelsorge

Der Vorsprung

18. Juli 2017 von Gemeinsame Redaktion  
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Eine Erzählung von Stefan Petermann mit einer Illustration von Maria Landgraf

Der Vorsprung war die einzige Unebenheit am Berg. Einen knappen Meter ragte er aus dem ansonsten glatten Fels heraus und war kaum zwei Meter lang. Bis zum Boden musste es einen guten Kilometer sein, zum Gipfel deutlich mehr.

Ich trug warme Kleidung, dazu eine wasserabweisende Outdoor-Jacke und hatte außer einem sauber gefalteten Zellstofftaschentuch nichts bei mir. Von meinem Leben besaß ich eine ungefähre Vorstellung, ahnte, wo ich gewesen war, wen und was ich geliebt, wie ich meine Tage verbracht hatte. Einzelheiten konnte ich nur wenige benennen, Jahre keine. Gestern war so unfassbar wie alle Zeiten. Es gab den Vorsprung, und das, was sich zuvor ereignet hatte, verbarg sich in einem Nebel.

Illustration: Maria Landgraf

Illustration: Maria Landgraf

Ich blickte vom Vorsprung hinab. Weit ins Land konnte ich schauen. Da lagen Felder brach und Wälder rot, herrlich grün ein See, schwarz die Dörfer, rauchgrau die Straßen. In der Ferne zeichnete sich eine Gebirgskette ab. Ohne es genau bestimmen zu können, schien mir die Gegend vertraut. Menschen waren nicht auszumachen. Es war auffällig still. Geräusche, die zu einer solchen Landschaft gehören sollten, fehlten.

Wie ich auf den Vorsprung gekommen war, wusste ich nicht, doch musste ich alles daransetzen, ihn zu verlassen. Sorgfältig untersuchte ich den Felsen, fuhr mit den Fingern die Oberfläche des Gesteins ab, hoffte so, Unregelmäßigkeiten zu entdecken, Kanten, Zacken oder Brüche, die meinen Füßen und Händen Halt fürs Klettern bieten konnten. Doch da war nichts. Nur eine glatte Fläche. Stein war Stein.

Auch wenn ich keine Höhenangst verspürte, hatte ich Respekt vor der Höhe. Ein falscher Schritt würde den sicheren Tod bringen. Ich hatte von Fallschirmspringern gehört, die viele tausend Meter in die Tiefe gefallen waren und überlebt hatten, weil ein Heuhaufen ihren Sturz gedämpft hatte. Auf einen solchen Zufall durfte ich nicht hoffen. Würde ich vom Vorsprung stürzen, würde, noch bevor ich den Boden erreicht hätte, mein Körper an der Felswand zerschmettert sein. Ein Sprung würde mich vom Vorsprung bringen und zugleich töten.

Besser, ich würde gerettet werden. Also schrie ich. Schall verbreitet sich schnell und wird weit getragen. Im günstigen Fall würde ein Echo entstehen. Zuerst versuchte ich, meine Situation mit vielen Worten zu beschreiben. Bald gab ich die vielen Worte zugunsten eines einzelnen auf. Nach Stunden versagte mir die Stimme. Als ich sie wiedererlangte, schrie ich erneut. Sie versagte, ich schrie, ich schrie, sie versagte, ich verstummte, ich schrie.

Niemand hörte mich.

Ich warf winzige Steinchen den Vorsprung hinab. Trotz ihrer geringen Größe erreichten die Steine eine enorme Geschwindigkeit. Sie konnten eine Gerölllawine auslösen und jemanden verletzen, möglicherweise sogar töten. Insgeheim hoffte ich darauf. Der Tod eines Fremden würde die Wahrscheinlichkeit meiner Entdeckung erhöhen.

Bald stellte ich fest, dass Hunger und Durst mir keine Sorgen bereiten würden. Wenn ich ein Ziehen im Bauch verspürte, kratzte ich Flechten vom Fels. Den Flechten haftete ein erdiger Geschmack an, was mich gut sättigte. Tau, der sich am Morgen gebildet hatte, leckte ich von den Steinen. Wenn ich auf dem Vorsprung bliebe, würde ich überleben können.

Ich verstand, dass ich auf dem Vorsprung nichts zu befürchten hatte. Wenn ich genügsam Flechten kratzen und Tau lecken und mich wenig bewegen würde, würde ich in Sicherheit sein. Niemand würde zu mir sprechen, niemand mich bedrohen, nichts mir etwas anhaben können.

Als ich das begriff, lernte ich, den Vorsprung zu schätzen. Wenn mir die Tage lang wurden und ich in den Nächten kaum zur Ruhe kam, weil ich fürchtete, im Dämmern das Gleichgewicht zu verlieren und zu fallen, machte ich mir bewusst, welchen Schutz solch ein Ort bot und wie dankbar ich sein musste, ihn genießen zu dürfen.

Das Wetter blieb beständig. Ein Wechsel der Jahreszeiten war nicht auszumachen. Das Land lag unheilvoll friedlich vor mir. Die Flechten wuchsen nach, der Morgen brachte beständig neuen Tau. Nichts änderte sich, ich war geschützt.

Auch wenn ich wusste, dass der glatte Felsen mich nicht halten würde, ging ich eines Tages in die Knie, schloss die Finger um den Rand und ließ mich hinab, dem Boden entgegen, um den Vorsprung zu verlassen.

Aus: Petermann, Stefan: Der weiße Globus. Geschichten, Edition Muschelkalk der Literarischen Gesellschaft Thüringen, Wartburg Verlag, 87 S., ISBN 978-3-86160-345-0, 14 Euro

»Sie machen die Predigt und wir fahren den Mähdrescher«

16. Juli 2017 von Gemeinsame Redaktion  
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Perspektivwechsel: Der Blick auf die kleiner werdenden Zahlen macht den Gemeinden zu schaffen. Dabei gibt es in der Kirche viel Positives zu sehen, meint Propst Dr. Christian Stawenow, Regionalbischof des Sprengels Eisenach-Erfurt. Mit ihm sprach Sabine Kuschel.

Was beschäftigt Sie momentan hier im Propstsprengel?
Stawenow: Die Frage nach den strukturellen Veränderungen. Laut Stellenplan 2019 müssen in den Kirchenkreisen Pfarrstellen gestrichen werden. Nicht alle Kirchenkreise haben den gleichen Druck, manche mehr, manche weniger. Aber insgesamt verursachen die geplanten Veränderungen eine große Beunruhigung und eine gewisse Frustration. Trotz aller Mühe und fleißiger Arbeit sind diese Veränderungen nicht aufzuhalten.

Wenn Stellen reduziert werden, betrifft das immer Menschen und Gemeinden, die die Probleme zu bewältigen haben. Keine Gemeinde kann sich plötzlich mehr Gemeindeglieder schaffen. Das ist das Grundproblem.

Wie viele Stellen müssen eingespart werden?
Stawenow: Genau kann ich das nicht sagen. Das ist in den Kirchenkreisen unterschiedlich. Durchschnittlich müssen etwa zwei Stellen pro Kirchenkreis durch die veränderten Kriterien gespart werden, dazu kommen die Anpassungen an die Gemeindegliederzahlen. Nimmt man eine Prognose von zehn Jahren hinzu, kommt im ländlichen Bereich schnell ein um 25 Prozent reduzierter Stellenplan heraus. Diese Reduzierungen führen dazu, dass auch Grenzen verändert, Gemeinden und Mitarbeitende anders zugeordnet werden müssen.

Christian Stawenow: »Wir müssen vom Glauben sprechen, die Sprachfähigkeit stärken, indem wir uns intensiver mit Glaubensfragen auseinandersetzen.« – Foto: Sabine Kuschel

Christian Stawenow: »Wir müssen vom Glauben sprechen, die Sprachfähigkeit stärken, indem wir uns intensiver mit Glaubensfragen auseinandersetzen.« – Foto: Sabine Kuschel

Das Problem ist: Wie sollen die Gemeinden eine Lösung finden? Sollen sie abzählen, wer geht? Was sind die Kriterien? Das ist wirklich ein mühsamer Prozess. Zukunftsweisend ist tatsächlich, regional vernetzter zu arbeiten, Mitarbeitendeteams zu bilden. Längst denken wir nicht mehr nur in den Grenzen der Kirchengemeinden.

Was ist gegen diesen Frust, gegen diese Ratlosigkeit zu tun?
Stawenow: Bei allem, was es zu kritisieren gibt, können wir feststellen: Wir sind eine dynamische und kraftvolle Kirche. Wir haben eine wunderbare Botschaft und sie hat auch Ausstrahlungskraft. Das haben viele Menschen bei den Kirchentagen auf dem Weg und bei dem großen Deutschen Evangelischen Kirchentag erlebt.

Ich habe eine sehr interessante Beobachtung gemacht. Prädikantinnen und Prädikanten teilen die Sorgen um die kleiner werdende Kirche nicht in derselben bedrohlichen Weise. Sie wissen, dass sie gebraucht werden, wollen in Verkündigung und Seelsorge mitwirken. Sie sehen mit ihrer Arbeit etwas wachsen, sind in den Gemeinden zu Hause.

Die Konzentration auf die Zahlen und auf Strukturen schränkt die Wahrnehmung ein?
Stawenow: Ja, vielleicht brauchen wir eine andere Perspektive, weg von den Zahlen. Die Abhängigkeit von den Zahlen und Einnahmen macht unsere Stimmung aus. Wenn wir nicht auf die Zahlen schauen würden, könnten wir manches viel positiver sehen. Wir würden uns über Einzelnes sicher viel mehr freuen – über jede Taufe, über jeden Gottesdienst, über jeden Chor, die Kirchenmusik …, über alles, was gelingt. Wir haben fantastische Schulen. Wir haben Großartiges, wir sind reich, unendlich reich, auch an Gemeindeleben.

Gelassener werden? Wie können die Gemeinden zu dieser Gelassenheit finden?
Stawenow: Kirche kreiert sich nicht selbst. Die Kirche baut der Herr. Wenn man genauer achtgibt, sieht man auch, wie er sie baut. Jesus beruft Menschen in die Nachfolge. Die vielen Menschen, die bereit sind, mitzuarbeiten. Die Zahl der Danke-Veranstaltungen für ehrenamtliches Engagement hat erheblich zugenommen. Hier weiter zu fördern, Raum zu geben, das halte ich für eine aktuelle Herausforderung. Sie bedarf auch Weiterbildungen, zu denen ich auch die Glaubenskurse rechne. Es gibt Aufbruchstimmungen in unserer Kirche. In Krisensituationen, wenn vieles nicht mehr so bleibt wie es war, wird auch Neues entstehen. Darin bin ich mir sehr, sehr sicher. Dieses Neue zeigt sich schon.

Wir feiern das 500. Reformationsjubiläum. Es heißt: Reformation geht weiter! Wie geht sie weiter?
Stawenow: Reformation geht weiter, indem wir uns immer wieder auf das Evangelium besinnen. Der Slogan »Reformation geht weiter« stammt, wenn ich das richtig sehe, von Werner Krusche (1907–2009; von 1968 bis 1983 war Krusche Bischof der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen; Anm. d. Redaktion).

Krusche sagte vor genau 50 Jahren im gleichlautenden Vortrag, dass in der Reformationszeit die Menschen einen gnädigen Gott suchten. Heute müsse die Kirche die Empfänger des Evangeliums neu ermitteln. Die Botschaft ist dieselbe geblieben, aber wir haben immer wieder neue Wege zu finden, wie sie gehört werden kann.

Die Säkularisierung ist eine große Herausforderung für die Kirche. Haben Sie eine Lösung, einen Rat?
Stawenow: Das Problem von Säkularisierung und Entfremdung von Kirche ist, dass die Frage der Reformation – wie bekomme ich einen gnädigen Gott – nicht mehr die Frage der Menschen heute ist. Es gibt aber andere Fragen, die wesentlich mit dieser Frage zusammenhängen. Es sind die nach der Gerechtigkeit in der Welt, nach Frieden, nach Zukunft, nach Bewahrung der Schöpfung. Diese Themen gehen die Menschen elementar an.

Die religiöse Frage kommt von Seiten des Islams auf uns zu. Wir merken auf einmal: Es gibt Menschen, die sind zutiefst religiös, und sie wollen beten jeden Tag.

Wie ist das mit unserer Religiosität? Als Kirche haben wir Antworten. Das Evangelium antwortet mit der Ermöglichung der Nächstenliebe. Hierin müssen wir erkennbar bleiben. Christus befreit zu einem Leben in der Liebe. Der Glaube verknüpft sich mit der Tat und umgekehrt. Die Fragen der modernen Gesellschaft brauchen Antworten vom Evangelium her. Mir werden die Seligpreisungen Jesu immer wichtiger.

Schwerpunkt in dieser Ausgabe ist das Thema »Sprachfähigkeit – Vom Glauben reden«. Denn wir sind nicht geübt, über unsere Beziehung zu Gott zu sprechen …
Stawenow: Ja, es fällt uns schwer, über den Glauben zu reden. Vielleicht sind wir ein bisschen zu ungeübt für dieses Gespräch. Aber wir müssen vom Glauben sprechen, die Sprachfähigkeit stärken, indem wir uns intensiver mit Glaubensfragen auseinandersetzen.

Dabei ist es spannend zu erleben, dass Menschen an den Dingen des Glaubens gar nicht so uninteressiert sind, an den letzten Fragen.

Sommerlogo GuHIn der Wohlstandsgesellschaft redet man nicht gern über das Sterben. Man redet nicht mehr darüber, dass dieses schöne Leben, wenn man es denn schön getroffen hat, irgendwann einmal zu Ende gehen muss. Wir Christen reden vom ewigen Leben – dass Christus auferstanden ist von den Toten. Darüber müssen wir reden, aber auch darüber, wie die Menschen da hinkommen – zur Auferstehung der Toten. Und zugleich müssen wir nach unserer Lebensweise fragen, sonst bleiben unsere Worte leer.

Das Gleichnis vom reichen Mann und dem armen Lazarus kann einen in Schrecken versetzen, weil wir tatsächlich eher die Reichen sind. Vor unserer Tür liegt der arme Lazarus. Afrika liegt vor unseren Türen. Das ist sehr ernst. Feiern wir nicht allzu oft wie der reiche Mann – tafeln, haben Kultur, Musik, Theater? Das Wesen von Kirche ist, den Auftrag für den Dienst in der Welt zu empfangen.

In der Landeskirche ist manchmal die Kritik zu hören, die Ruhestandsbezüge der Pfarrer seien Geldfresser. Hintergrund dafür ist die Tatsache, dass die Einnahmen der Kirchen in den vergangenen Jahren gestiegen sind, gleichzeitig die Zwänge zum Sparen immer deutlicher werden.
Stawenow: Die strukturellen Veränderungen der Kirche sind nicht den Ruhestandsbezügen geschuldet. Aber das Geld, das für die Ruhestandsbezüge angelegt werden muss, belastet die Kirche, selbstverständlich. Als Institution muss sie ihre Sorgepflicht einlösen.

Die Frage ist doch eine andere: Wie lange sind Gemeinden bereit, das Hauptamt zu tragen? Meine Kirchenältesten haben mir in den 1980er-Jahren, als ich Mähdrescher fahren wollte, gesagt: »Nein, Herr Pastor, Sie machen die Predigt und wir fahren den Mähdrescher.« Damit hat der Kirchenälteste gesagt: Wir wollen von dir, dass du da bist für uns, und dafür sorgen wir. Wenn das nicht mehr gelten sollte, wenn die Gemeinde nicht mehr für die hauptamtlichen Verkündigungsdienstmitarbeitenden sorgen könnte, dann wird sich Kirche umstellen.

Die Frage nach den Besitzständen hat Werner Krusche schon damals gestellt. »Sind unsere Besitzstände nicht Hinderungsgründe für den Fortgang der Reformation?« Er redet in dem Zusammenhang dann auch von der Babylonischen Gefangenschaft. Wir sind gefesselt an Tradition, an Besitz, die marktüblichen Gesetze. Übrigens, so denke ich, ist keine Reformation aus eigenem Willen hervorgebracht worden.

Zu guter Letzt: Wenn Sie sich nicht mit solchen Fragen beschäftigen, wie und wo tanken Sie auf?
Stawenow: Es ist vor allem die beständige Beschäftigung mit dem Wort Gottes, in Gemeinschaft oder allein, die Bibellese am Morgen mit meiner Frau oder die Predigtvorbereitung, die Bibelarbeiten im Bischofskonvent oder der sonntägliche Gottesdienst, Tagungen.

Aber auch der Urlaub ist wichtig und die kleinen Auszeiten dazwischen, Tage bei den Kindern oder Eltern. Wenn es geht, setzen meine Frau und ich uns abends noch mal zusammen, haben Zeit miteinander und genießen sie. Das ist wie ein kleines Ritual.

Gern spiele ich im Posaunenchor mit. Leider kann ich nicht immer bei den Gottesdiensten und Auftritten dabei sein. Aber auch das Proben macht mir sehr viel Freude.

Ist bald Urlaub in Sicht?
Stawenow: Demnächst. Wir wissen noch nicht, wohin wir fahren. Höchstwahrscheinlich nach Mecklenburg. Mit den Fahrrädern entlang der Mecklenburger Seenplatte, und wir nehmen das Zelt mit.

Dr. Christian Stawenow wurde 1955 in Seegrehna (bei Wittenberg) geboren. Nach seinem Studium der Theologie in Naumburg war er als Gemeindepfarrer in Schafstädt und Delitzsch tätig. Nebenbei war er Dozent an der Kirchenmusikhochschule Halle sowie beim Kirchlichen Fernunterricht. 1996 wurde er Superintendent des Kirchenkreises Eilenburg. 2006 wurde er Superintendent des Kirchenkreises Torgau-Delitzsch. Die Landessynode der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) wählte ihn im März 2012 zum Regionalbischof des Propstsprengels Eisenach-Erfurt. Christian Stawenow ist verheiratet und hat fünf Kinder.

Als Christ im Alltag vom Glauben reden

Impulse für das Gespräch über die kleinen und großen Erfahrungen mit Gott

Ein Besuch zum 80. Geburtstag: Da wir uns noch nicht begegnet sind, tasten wir uns ein wenig ab. Er ist nervös, weil der Herr Pfarrer zu Besuch ist. Geistliches spielt erst einmal keine Rolle. Ich frage mich aber, ob ich eine Botschaft für diesen Mann habe. Die Enkel wohnen weit weg. Am Wochenende wollen sie kommen. Soll ich ihm anbieten, ihn zu segnen? Vielleicht ist es (noch) nicht dran. Ich will schließlich eine Beziehung aufbauen und nicht übergriffig wirken.

Selbst Pfarrer kennen diesen Konflikt: Ist jetzt die Zeit, dass ich von meinem Glauben rede – oder nicht. Was wird man von mir halten, wenn ich es wage? Zugegeben, wer den ganzen Tag mit Menschen außerhalb der Gemeinde zu tun hat, empfindet den Konflikt stärker. Religion wird im öffentlichen Leben problematisiert. Glaubensfragen sind kein Smalltalk-Thema. Wissen die in der Firma eigentlich, dass ich Christ bin? Gleichzeitig haben Christen die Worte Jesu im Hinterkopf: Stellt euer Licht nicht unter einen Scheffel! Ihr seid das Licht der Welt! Machet zu Jüngern alle Völker! Und dann gab es da noch diese Verheißung, dass der Heilige Geist selbst den herausgeforderten Christen die richtigen Worte geben will (Matthäus 10,20).

Oft hadere ich: »Wo warst du, Heiliger Geist, als ich vorhin wieder verulkt wurde, warum ich meinen Einfluss auf das Wetter nicht geltend mache?« Die vermeintlich richtige Antwort ist mir mal wieder Stunden zu spät eingefallen.

Eine Lösung für das Problem könnte sein, Taten sprechen zu lassen. Entsprechend zitiert man Franziskus: »Verkündigt das Evangelium, und wenn es nötig sein sollte, benutze Worte.« Bloß dass an den meisten Tagen weder meine Taten noch mein erlöstes Lächeln überzeugend sind. Vor allem aber: Was als guter Ratschlag gemeint ist, taugt nicht zur Ausrede. Es wäre etwas billig, mich nur deswegen auf Taten zu verlegen, weil ich für Worte zu ängstlich bin.

Daneben gibt es auch die »Super-Missionare«, die jede öffentliche Wortmeldung zu benutzen wissen. Scheinbar nehmen sie es auch in Kauf, andere dabei zu verprellen. Wo liegt denn nun die goldene Mitte?

Schließlich traue ich mich und frage den 80-Jährigen, ob ich für ihn und seine Enkel beten dürfe. Hinterher sind wir beide berührt. Er erzählt von seinen Erfahrungen mit dem Gebet. Ich staune. Es war gut, dass ich den Sprung gewagt habe. Ein Gebet anzubieten, miteinander das Vaterunser zu sprechen, das ist oft gerade nicht der Abschluss eines Gespräches, sondern ein Anfang. Auf einmal ist der Geist doch da. Ich bezeuge mit dem Gebet meinen Glauben, dass Gott wirkt. So spreche ich nicht von oben herab von meinem Glauben, sondern als ein Zeuge.

Drei Impulse erwachsen daraus:

Erstens: Mit Angst muss man sich nicht abfinden. Wer die Mutmuskeln trainieren möchte, findet Gelegenheit: Beim Schreiben der nächsten Beileidskarte; beim Segenswunsch an der Supermarktkasse vor den nächsten Feiertagen; beim ehrlichen »Gott sei Dank«, wenn ein Kollege etwas Schönes erzählt.

Zweitens: Im Gespräch lassen sich durchaus Signale der Hoffnung setzen. Dass wir dabei oft ängstlich sind, ist auch ein Hinweis unserer Seele. Sie sagt: »Hier ist eine geistliche Aufgabe, die du nicht aus eigener Kraft tun sollst, sondern aus Gebet und Hören auf Gott.« Das gilt ebenso im Vorfeld, wenn mir Menschen bewusst werden, denen ich gerne etwas sagen würde.

Drittens: Wer über seinen Glauben reden will, kann sich zunächst fragen, was er bezeugen kann. Wie viele kleine und große Erfahrungen mit Gott gibt es! Da ist eine Frau, die einen Berg bestiegen hat. Sie blickt über die Täler und sieht einen kleinen See schöner als der schönste Edelstein. Und dann schleicht sich in ihr Gefühl der Satz: »Das alles gibt es doch nicht zufällig. Das hat Gott gemacht.« Das ist eine Glaubenserfahrung, die ihr niemand nehmen kann. Ein anderer erfährt Trost beim Abendmahl: »Ich weiß, dass Christus mich kennt und mir nah ist.« Er merkt, dass er mit Gott und sich dadurch ins Reine kommt. Eine andere sucht die Ruhe unserer Kirche. Sie hat ein schweres Schicksal, aber sie sagt: »Ohne meinen Glauben würde ich es nicht aushalten.«

Wer authentisch über seine Erfahrungen redet, wird in der Regel dafür respektiert. Ohne dass man gleich von ihm erwartet, auf jede Frage eine Antwort zu wissen.

Gregor Heidbrink

Der Autor ist promovierter Theologe und Pfarrer in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Naher Osten: Schulfernsehen für Flüchtlingskinder

12. Juli 2017 von Gemeinsame Redaktion  
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Der christliche Fernsehsender SAT-7 plant, ab September rund um die Uhr ein eigenes Schulfernsehen für Kinder in den Flüchtlingslagern des Nahen Ostens zu senden. »Wir wollen acht bis zehn Stunden am Tag Mathematikunterricht, Englisch oder Naturwissenschaften für Kinder im Grundschulalter ausstrahlen«, so der Europa-Referent des Senders, Kurt Johansen (Christiansfeld/Dänemark). In den Flüchtlingslagern des Nahen Ostens gebe es kaum Schulen. Aber fast in jedem Flüchtlingszelt stehe ein Fernseher, mit dem die Programme empfangen werden könnten.

Kleiner Bildschirm, große Wirkung: In einem Flüchtlingslager im Nahen Osten schauen Kinder den Sender SAT-7; bald soll hier ein eigenes Schulfernsehen ausgestrahlt werden. – Foto: DMG/SAT-7

Kleiner Bildschirm, große Wirkung: In einem Flüchtlingslager im Nahen Osten schauen Kinder den Sender SAT-7; bald soll hier ein eigenes Schulfernsehen ausgestrahlt werden. – Foto: DMG/SAT-7

Derzeit sendet das 1995 gegründete Medienunternehmen aus Studios in Kairo, Istanbul, Beirut und Zypern auf vier Kanälen in Arabisch, Farsi und Türkisch. Ferner gibt es ein eigenes Kinderprogramm.

Einer Umfrage des renommierten Instituts »Ipsos« zufolge, die im vergangenen Jahr unter 28 000 Menschen im Nahen Osten per Telefon durchgeführt wurde, könnten mehr als 21 Millionen Menschen regelmäßig die Programme von SAT-7 verfolgen.

Neben dezidiert christlichen Programmen, die der Glaubensstärkung der christlichen Minderheiten im Nahen Osten dienen, werden auch Programme zu Frauen- und Menschenrechten ausgestrahlt. Dabei arbeitet SAT-7 eng mit den Kirchen der Region zusammen: So gehört der Generalvikar des maronitischen Patriarchen, Erzbischof Paul Sayah, ebenso zum Aufsichtsrat des Senders wie der Generalsekretär des mittelöstlichen Kirchenrates, Michel Jalakh.

In Deutschland wird SAT-7 nach Angaben von Johansen von immer mehr Landeskirchen, Bistümern und kirchlichen Werken unterstützt. So beteiligen sich die Erzdiözese Köln, das Bistum Rottenburg-Stuttgart und die evangelischen Landeskirchen von Bayern, Württemberg, Baden, Hessen-Nassau und dem Rheinland an der Finanzierung des Senders. Auch vom Evangelischen Missionswerk, dem christlichen Hilfs- und Missionswerk DMG, dem Aachener Hilfswerk Missio, dem Kindermissionswerk »Die Sternsinger« und der Hilfsorganisation »Kirche in Not« werde SAT-7 unterstützt.

Benjamin Lassiwe

Haushalten und Mund halten

10. Juli 2017 von Gemeinsame Redaktion  
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Gender: Die Reformation wurde wesentlich vom Engagement religiöser Laien getragen. Auch Frauen bekamen am Beginn des 16. Jahrhunderts neue Möglichkeiten. Leider nur für kurze Zeit.

Ein Zeitgenosse urteilte über Elisabeth von Sachsen (1502–1557): »Die hertzogin von Rochlitz treibt viel unnutz gewesch.« Der Satz kann exemplarisch dafür stehen, wie das Handeln der Frauen zu Beginn der Frühen Neuzeit gesehen wurde, die sich über das hinwegsetzten, was die Gesellschaft für sie vorsah: haushalten und Mund halten.

Die verwitwete Elisabeth erlaubte ab 1537 in ihrem Wittum Rochlitz Priesterehe und evangelisches Abendmahl, während im albertinischen Sachsen erst nach dem Tod des altgläubigen Herzogs Georg 1539 die Reformation eingeführt wurde. Lange Zeit sei Elisabeth fast vergessen worden, so der Dresdner Historiker und Theologe Jens Klinger. Zurzeit werde ihre über 2 000 Briefe zählende Korrespondenz ediert und ihr Leben weiter erforscht. In ihrem Wittum habe sie auf reformatorische Bestrebungen aufbauen können, die es dort ab 1523 gab, so Klinger. Zudem sei sie von ihrem Bruder, dem mächtigen Landgrafen Philipp von Hessen, unterstützt worden. Jedoch habe Elisabeth in Konfessionsfragen eine eigene Meinung besessen, die sie auch deutlich vertrat.

Das Frauenmuseum in Bonn widmet sich bis 31. Oktober der weiblichen Seite der Reformation. Die Ausstellung »Katharina von Bora – von der Pfarrfrau zur Bischöfin« zeichnet den Weg zur Gleichberechtigung in der evangelischen Kirche nach. – Foto: epd-bild

Das Frauenmuseum in Bonn widmet sich bis 31. Oktober der weiblichen Seite der Reformation. Die Ausstellung »Katharina von Bora – von der Pfarrfrau zur Bischöfin« zeichnet den Weg zur Gleichberechtigung in der evangelischen Kirche nach. – Foto: epd-bild

So wie Elisabeth ging es vielen Frauen. Sie wurden angefeindet und später vergessen. Trotz der starken gesellschaftlichen Veränderungen in der Frühen Neuzeit blieben die Möglichkeiten von Frauen begrenzt. Erst Jahrhunderte später sollte sich das ändern.

Je mehr aber die Reformation zur Institution wurde, desto mehr wurden Akteurinnen wieder an den Rand gedrängt, so die Historikerin und Geschlechterforscherin Eva Labouvie bei der Eröffnung einer Tagung unter dem Thema »Glaube und Geschlecht – Gender Reformation« an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Zudem sei die Aufwertung der Ehe durch Martin Luther mit der Abwertung anderer Lebensformen einhergegangen und mit einer Verhäuslichung des weiblichen Lebens mit ihren bis heute spürbaren Folgen. Auch die Auflösung der Klöster sei als ambivalent anzusehen.

Maria Jepsen, vor 25 Jahren zur ersten lutherischen Bischöfin der Welt gewählt, erinnerte daran, dass die Kirchenleitung und das Lehren über Jahrhunderte in Männerhand gelegen haben. »Frauen hatten zu schweigen und sich unterzuordnen«, so die Theologin. Nicht nur die Frauen der Reformationszeit, auch die der frühen Kirche seien vergessen worden. Aber man müsse »nur graben und dann wird man Schätze im Acker finden«. Die Reformation sei eben eine Reformation gewesen und keine Revolution. Veränderungen der patriarchalischen Ordnung habe es erst nach der Aufklärung gegeben. Die Frauenbewegung des 19. und 20. Jahrhunderts habe dann auch die Kirchen verändert. Heute müsse man aufpassen, dass nicht wieder der Pragmatismus siegt, dass offene und versteckte Diskriminierung nicht fortgesetzt würde, so die Theologin Jepsen.

Heide Wunder ist eine der ersten Historikerinnen in Deutschland, die die Geschlechtergeschichte erforschte. »Die Folgen der Reformation für die Geschlechtergeschichte sind gravierend, aber umstritten«, sagte sie, denn die Reformation habe die Rechtsperson des Ehemannes gestärkt. Aus der behaupteten Inferiorität des weiblichen Geschlechts folgte die Unterordnung unter den Mann. Für Luther sei die Ehe zwar nicht mehr heilig, sondern ein »weltlich Ding« gewesen, zugleich habe er aber die Ehe als Lebensform aufgewertet. Zwar hatte die Frau als Hausmutter eines christlichen Haushaltes auch Teil an der Macht, war aber trotzdem dem Mann zum Gehorsam verpflichtet und sollte auch Züchtigungen klaglos hinnehmen. In evangelischen wie katholischen Ehen wollten die Frauen jedoch Bildung und ein »tätiges Leben in der Welt«, so die Hochschullehrerin im Ruhestand.

Dorothee Kommer, Pfarrerin aus Haigerloch in Württemberg, stellte Frauen als Verfasserinnen reformatorischer Flugschriften vor. 19 Schriften sind bekannt. Viele davon schrieb die bayrische adelige Argula von Grumbach (um 1492–1568). Sie und Ursula Weyda (1504–1565) aus Altenburg seien die ersten namentlich bekannten Autorinnen von Flugschriften gewesen. Dafür seien sie Anfeindungen ausgesetzt gewesen. Dennoch: »Frauen traten in die Öffentlichkeit und durchbrachen damit die Rollenbilder ihrer Zeit«, so Dorothee Kommer.

Lyndal Roper, Historikerin aus Oxford, verwies auf die in den Tischreden Martin Luthers überlieferten Scherze, die oft auf Kosten von Frauen gingen. Diese würden ihren Leistungen nicht gerecht – auch nicht denen seiner Frau Katharina. Es bestehe ein krasser Widerspruch von Luthers Theologie, in der die prinzipielle Gleichheit zwischen Frau und Mann herrsche, sowie schriftlichen Zeugnissen der Reformatoren über Frauen.

Anne Conrad, Historikerin und katholische Theologin aus Saarbrücken, nahm die Folgen der Klosteraustritte von Frauen und Männern in den Blick. »Der Austritt aus dem Kloster war eine existenzielle Gewissensentscheidung«, so Conrad. »Kritik und gesellschaftliche Ausgrenzung waren oft die Folgen.« Ein Gewinn sei der Austritt aus dem Kloster wohl für solche Frauen und Männer gewesen, die dorthin gezwungen worden waren. Die reformierte Theologin Marie Dentière (1495–1561) schrieb, dass sie erst durch den Austritt aus dem Kloster »zum hellen Licht der Wahrheit gelangt« sei. Ob andere ehemalige Nonnen und Mönche das auch so gesehen haben, lässt es zumindest für einige fraglich erscheinen.

Angela Stoye

Keine Bilder, nur Gottes Wort

Ökumene: Was die reformierte Kirche von der lutherischen unterscheidet

Wenn sich die Tür zum Gottesdienstraum der meisten reformierten Kirchen öffnet, tritt der Besucher in einen schlichten, um nicht zu sagen kargen Raum ein. Bilder oder Verzierungen an den Wänden oder den gottesdienstlichen Gegenständen sucht man hier vergebens. Die Kirchen sind so schlicht, so ganz ohne Bilder oder ein Kreuz, weil die Reformierten das zweite Gebot sehr ernst nehmen. Es lautet: Du sollst dir kein Bild machen. So schön Bilderszenen aus der Bibel oder ein prächtiges Kruzifix auch sein mögen, solche Darstellungen lehnen die Reformierten ab. Sie lesen oder hören die Bibel und machen sich ihre eigenen Bilder von dem, was Gott ihnen durch das Wort sagt. Das Wort Gottes, die Bibel, nimmt im Glauben der reformierten Kirche die zentrale Stellung ein. Nichts soll davon ablenken. Daher sind reformierte Kirchenräume sehr schlicht gestaltet.

Johannes Calvin: Kirchenfenster mit dem Reformator in der Heidelberger Peterskirche. Die reformierte Kirche geht unter anderem auf Calvin zurück. Darum werden die Reformierten häufig auch als Calvinisten bezeichnet. – Foto: epd-bild

Johannes Calvin: Kirchenfenster mit dem Reformator in der Heidelberger Peterskirche. Die reformierte Kirche geht unter anderem auf Calvin zurück. Darum werden die Reformierten häufig auch als Calvinisten bezeichnet. – Foto: epd-bild

Die Wurzeln der reformierten Kirche liegen in der Schweizer Reformation des 16. Jahrhunderts. Zu ihren Vätern zählen unter anderem die Reformatoren Ulrich Zwingli (1484–1531) aus Zürich und Johannes Calvin (1509–1564), der in Genf wirkte. Beide setzten auf eine radikale Erneuerung der Kirche. Während der Reformator Martin Luther vor allem die protestantische Entwicklung in Deutschland geprägt hat, sind die Schweiz und Frankreich Gegenden, in denen sich die reformierte Theologie durchgesetzt hat.

Die Reformierten haben in einigen Bereichen ganz eigene Traditionen entwickelt, sagt der Kirchenhistoriker Thomas Kaufmann von der Universität Göttingen: »In den reformierten Kirchen entscheidet die Gemeinde, wie der Gottesdienst aussehen soll. Daher gibt es ganz unterschiedliche Gottesdienstformen innerhalb dieser Glaubensrichtung.« In einigen reformierten Gottesdiensten wird gesungen und werden Psalmen gelesen, in anderen ist das nicht denkbar.

Bei den Reformierten gilt ein striktes Gleichheitsprinzip: Keine Gemeinde und kein Gemeindeglied darf einen Vorrang beanspruchen.

International ist die reformierte Kirche sehr verbreitet. Reformierte Christen gibt es auf allen Kontinenten. Doch nur in wenigen Ländern sind sie in der Mehrheit. Die Reformierten sind stolz auf ihre Traditionen. Zum einen auf ihr Arbeitsethos. Gottesfürchtig zu leben impliziert für Reformierte auch, fleißig und strebsam zu sein. Außerdem wird bei den Reformierten seit jeher auf Bildung großer Wert gelegt. Jeder sollte befähigt werden, die Bibel zu lesen, und jeder sollte in Glaubensfragen mündig sein.

Die Calvinisten, die lange Zeit in vielen Gegenden verfolgt wurden, nahmen ihren Bildungsauftrag auch im Privaten wahr. Dass sie durch die lange Verfolgung gezwungen waren, auf einen institutionellen Apparat zu verzichten, prägt die Reformierten bis heute. Wie andere protestantische Kirchen geht auch die reformierte Kirche vom Prinzip des Priestertums aller Gläubigen aus.

In Deutschland sind Reformierte, Lutheraner und Unierte heute gemeinsam Mitglieder der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Einträchtig war das Verhältnis zueinander nicht immer. Vor allem die Abendmahlsfrage war lange Zeit ein Streitpunkt. Die Reformierten bestanden darauf zu sagen, dass das Abendmahl ein reines Gedächtnismahl sei. Es wandelt sich nichts. Reformierte Christen feiern das Abendmahl, um in die Gemeinschaft mit Jesus Christus hineingenommen zu werden, in die Gemeinschaft derer, die Christus nachfolgen. Martin Luther dagegen hat an der »Realpräsenz« von Christus in Brot und Wein festgehalten.

Heute gibt es in der Abendmahlsfrage keine trennenden Differenzen mehr unter den beiden protestantischen Kirchen. Mit der Leuenberger Konkordie von 1973 haben die reformierten, lutherischen und unierten Kirchen Europas ihr gemeinsames Verständnis des Evangeliums bekundet. Reformierte, Lutheraner und Unierte räumen einander Kanzelrecht und Abendmahlsrecht ein und feiern Letzteres auch ganz selbstverständlich miteinander.

Diana Steinbauer

Aus: Morgenroth, Matthias (Hg.): Was glaubt Bayern? Weltanschauungen von A bis Z, Echter Verlag


Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen

Die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (WGRK) gehört zu den großen protestantischen Vereinigungen. Der internationale Dachverband repräsentiert rund 80 Millionen reformierte Christen. Weitere große Konfessionsfamilien innerhalb des Protestantismus sind etwa die Lutheraner, die Anglikaner, die Methodisten und die Baptisten. Die Gemeinschaft der Reformierten unterstützt mit ihren rund 225 Mitgliedskirchen Aktivitäten in den Bereichen Theologie, soziale Gerechtigkeit, kirchliche Einheit und Mission in mehr als 100 Ländern.

Höchstes Gremium der Weltgemeinschaft ist die Vollversammlung, die sich etwa alle sieben Jahre trifft. Vom 29. Juni bis 7. Juli tagte sie in Leipzig. In Deutschland wird die Zahl der Reformierten unter den insgesamt rund 22 Millionen Protestanten auf rund anderthalb Millionen geschätzt. Reformierten Einfluss brachte auch der Zuzug der französischen Hugenotten im 17. Jahrhundert.

2014 hat die Weltgemeinschaft ihren Sitz von Genf nach Hannover verlegt. Dachverband der reformierten Christen in Deutschland ist der Reformierte Bund mit Sitz in Hannover, der etwa 430 reformierte Gemeinden, Synoden und Kirchen vereint.

In der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland gibt es den Reformierten Kirchenkreis. Gebildet wird er von fünf Evangelisch-reformierten Gemeinden in Aschersleben, Burg, Halberstadt, Halle und Magdeburg. In Sachsen existieren reformierte Gemeinden in Chemnitz, Dresden und Leipzig.

(epd)

Die fröhliche Dienstgemeinschaft

8. Juli 2017 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Im Blickpunkt

Neustart: Pfarrer Christoph Stolte hat am 1. Juli sein Amt als Vorsitzender von Ostdeutschlands größtem Wohlfahrtsverband, der Diakonie Mitteldeutschland, angetreten. Katja Schmidtke sprach mit dem 51-Jährigen über einen außergewöhnlichen Sommer, reizvolle Perspektivwechsel und eine »fröhliche Dienstgemeinschaft«.

Reisen, Ruhe, Müßiggang: Sommerzeit ist Urlaubszeit. Bei Ihnen sieht das in diesem Jahr etwas anders aus. Ein außergewöhnlicher Sommer?
Stolte: Das ist er, zweifelsohne. Der Abschied von der Diakonie-Stadtmission Dresden, dazwischen eine Pause und dann der Start in der Diakonie Mitteldeutschland. Ich freue mich, bin neugierig, und natürlich ist da auch eine gesunde Anspannung bezüglich dessen, was auf mich zukommt.

Worauf freuen Sie sich besonders?
Stolte: Der Reiz ist es, Diakonie aus der Verbandsperspektive wahrzunehmen und diese selbst einzunehmen, aufbauend auf den Erfahrungen, die ich aus der Vorstandsarbeit der Stadtmission Dresden mitbringe. Ich wechsele die Perspektive und bleibe dennoch in der Diakonie, wo ich mich mit Leidenschaft zu Hause fühle.

Fotos: Willi Wild, Katja Schmidtke

Fotos: Willi Wild, Katja Schmidtke

Was werden die großen Themen Ihrer Arbeit sein?
Stolte: Armut. Wo sind Menschen in Not, wo ist Teilhabe eingeschränkt, wo entwickelt sich Armut neu – all das werden wir beobachten und darauf nicht nur hinweisen, sondern an Lösungen mitarbeiten. Das Thema Altersarmut wird uns beschäftigen, weil immer mehr Menschen aufgrund gebrochener Berufsbiografien in den letzten 25 Jahren ihr Alter mit sehr kleinen Renten oder Grundsicherung bestreiten werden müssen.

Sie sprachen die gesellschaftliche Teilhabe an. Inklusion wird gerade heftig diskutiert, selbst diakonische Werke haben sich kritisch über die praktische Umsetzung geäußert. Ist das Bundesteilhabegesetz ein Spargesetz?
Stolte: Inklusion ist die große Vision von gleichberechtigter Teilhabe jedes Menschen. Diese Vision ist auch biblisch gut fundiert, aber sie konkret zu leben, ist die Herausforderung. Das neue Bundesteilhabegesetz richtet sich an Menschen mit Behinderungen und rückt den Einzelnen ins Zentrum. Jeder Mensch mit Behinderung soll sein Leben so gestalten, wie er möchte. Und wir müssen schauen, wie es in den Ländern, Landkreisen und Kommunen gelingt, dass der Einzelne an Gemeinschaft und Arbeit teilhaben kann. Das ist ein Entwicklungsprozess mit vielen kleinen Schritten. Die Gefahr ist, dass wir uns damit abfinden, dass ein Mensch mit Behinderung grundsätzlich am Rande des Existenzminimums lebt – und das reduziert gesellschaftliche Teilhabe um ein ganzes Stück.

Heute leben viele Menschen mit Behinderungen in Wohnheimen, arbeiten in Werkstätten. Das wird sich ändern.Wir werden eine größere Vielfalt an Betreuung haben, vom Wohnheim bis zu individuellen Formen. Keine ist grundsätzlich besser oder schlechter. Maßstab ist der einzelne Mensch und was er möchte. Das erfordert ein großes Umdenken, auch in der Gestaltung von Arbeit, Arbeitszeiten und Dienstplänen. In der Diakonie wird es zu geteilten Diensten führen, zu einer höheren Flexibilität von täglicher Dienstzeit, wir werden keine Dienstpläne mehr über acht Wochen hinweg festlegen können. Natürlich ist es ein Spannungsfeld, Unterstützung auf der einen Seite so zu gestalten, wie es der einzelne Mensch braucht, und auf der anderen Seite Arbeitszeiten festzulegen, die dem Lebens- und Familien­rhythmus von Mitarbeitern entsprechen.

Mit der Diakonie kamen Sie während Ihres Zivildienstes erstmals in Berührung und haben Ihre Berufslaufbahn nach Vikariat und Pfarrdienst bei der Diakonie in Dresden fortgesetzt. Haben Sie kulturelle Unterschiede bemerkt zwischen Ost und West?
Stolte: Kulturunterschiede, das ist mir ein zu starkes Wort. Natürlich gibt es unterschiedliche Lebenssituationen, denken Sie an das Thema Armut. Wir sind auf dem Weg in eine deutlich vielfältigere Gesellschaft, in diesen Lernprozessen sind westdeutsche Gesellschaften weiter. Ich bin am Rand des Ruhrgebiets aufgewachsen, bin mit den Kindern der ersten Gastarbeitergeneration zur Schule gegangen, das war für mich alles ganz normal. Die Entwicklung zu einer bunten Gesellschaft wird uns hier im Osten beschäftigen. Ich sehe darin viele Chancen. Wir werden uns alle verändern und voneinander lernen. Die Diakonie in den neuen Ländern ist flexibel und hat einen großen Erfahrungsschatz, wie mit gesellschaftspolitischen Veränderungen umzugehen ist.

Sie haben in Marburg, Göttingen und São Paulo studiert. Danach sind Sie nach Sachsen gegangen. Warum?
Stolte: Meine Frau und ich haben Freunde in Sachsen und waren schon als Schüler dort, der Osten war uns nicht unbekannt. Nach Ende des Studiums entschieden wir uns aus einem einfachen Grund dafür, nach Sachsen zu gehen: Neugier. Wir stellten uns damals die Frage, wo wir leben wollen, wo viel passiert und vieles möglich ist. Zu Beginn meines Vikariats im Sommer 1994 sind wir fröhlich nach Leipzig gezogen. Das war und ist gut und richtig. Wir sind gerne in diesem Teil Deutschlands, wir wollen bleiben. Hier ist Heimat, wir sind angekommen.

Sachsen-Anhalt und Thüringen kennen Sie bislang nicht so gut wie Sachsen. Worauf freuen Sie sich besonders?
Stolte: Darauf, die vielen kleinen, aber geschichtlich und kulturell prägenden Städte kennenzulernen. Da kommt mir zugute, dass ich diesen Sommer einige der insgesamt 1700 Einrichtungen der Diakonie Mitteldeutschlands besuchen werde.

Sommerlogo GuHIch war am 28. Mai bereits in Wittenberg, da ich leidenschaftlicher Posaunenspieler bin. Als einer der 6?000 Bläser habe ich mit meinem ältesten Sohn unter der sengenden Sonne schöne Musik gemacht. Das war eine wunderbare Erfahrung. Da sind wir angedockt an diese Region. Mit der Familie wollen wir uns im Sommer die Weltausstellung Reformation ansehen.

Wird Ihre Familie nach Halle ziehen?
Stolte: Ja, aber erst nächsten Sommer, damit unser Sohn noch in Sachsen Abitur machen kann und nicht kurz vorm Abschluss die Schule wechseln muss.

Wie verbringen Sie den Sommer?
Stolte: Ich genieße es, im Sommer nach der Arbeit viel draußen zu sein. Ich bin leidenschaftlicher Läufer. Sommerkonzerte, Open-Air-Kino, das finde ich reizvoll. Wir verreisen jedes Jahr an einen anderen Ort. Wohin, das wird im Herbst gemeinsam ausgehandelt. Dieses Jahr an die Nordsee. Wir fahren Rad und werden zusammen kochen – Dinge, für die wir im Alltag nicht so viel gemeinsame Zeit haben. Ferienbedingt ist mein erster Arbeitstag am 17. Juli.

Sie haben sich den Kollegen in der Geschäftsstelle in Halle bereits vorgestellt, eine Andacht gehalten. Was erwartet die rund 100 Mitarbeiter? Was sind Sie für ein Chef?
Stolte: Ich habe den Kollegen Mut gemacht: Gute Lösungen finden wir nur gemeinsam. Der große Reichtum liegt in uns: der Bandbreite der Männer und Frauen hier, der Bandbreite ihrer Berufe – Theologen, Pädagogen, Juristen, Betriebswirte. Jeder soll seine Fachlichkeit und Persönlichkeit einbringen, und meine Hoffnung ist, dass wir Lösungen erarbeiten, die mehr sind als die addierte Summe der Einzelgedanken. Als ich das bei der Andacht am 19. Juni sagte, habe ich in sehr offene, freundliche Gesichter geschaut.

Im Leitbild der Geschäftsstelle steht übrigens die wunderbare Kombination von »fröhlicher Dienstgemeinschaft«. Das drückt Leichtigkeit aus, Humor, gemeinsam auf dem Weg sein. Fröhlich unterwegs sein, auch bei schwierigen Themen, heißt beweglich genug zu sein, noch einmal anders zu denken.

Die Flüchtlingskrise hat in den Kirchen zu einem großen Aufschwung geführt. Sie hat gezeigt, was an ehrenamtlichem Potenzial vorhanden ist. Wie lässt sich das erhalten und fortsetzen?
Stolte: Die Kirchen waren sehr offen, mit anderen gesellschaftlichen Akteuren zusammenzukommen. Sie waren der Partner, der alle versammelt. Ich hätte noch vor drei Jahren gedacht, Kirche hätte da viel weniger Energie – und das in einer Gesellschaft, von der wir oft behaupten, jeder denke nur an sich. Das stimmt nicht. Gerade bei jungen Menschen war die Bereitschaft groß. Wir haben noch viel Potenzial, müssen uns aber umstellen. Vieles wird spontaner, flexibler, weniger strukturiert-organisiert. Die Diakonie kann dabei helfen, ich denke da an die Qualifizierung von Ehrenamtlichen und eine gute Vernetzung mit Hauptamtlichen.

Ihr Vorgänger, Oberkirchenrat Eberhard Grüneberg, hat für einen Schulterschluss von Kirchengemeinden und Diakonie geworben. Wie sehen Sie das?
Stolte: Wir müssen davon wegkommen, in Strukturen zu denken. Da eine GmbH, ein Verein, eine Stiftung – das sind alles Hilfsformen, um unseren Auftrag gut zu verrichten. Theologisch ist Diakonie ein Teil der Kirche. Viele Mitarbeiter verstehen sich als Teil der Kirche, auch nichtkonfessionell Gebundene. Das Verständnis von Kirche und ihrer Diakonie zeigt sich bis in die EKM-Verfassung: Der Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werkes ist Mitglied des Landeskirchenrats; auch, dass die Landessynode die letzte Entscheidung bei der Personalbesetzung hat, ist Ausdruck eines Gesamtverständnisses.

Und wie kommt dieses Verständnis an die Basis, an die Kirchengemeinden und diakonischen Werke?
Stolte: In Dresden habe ich dafür geworben, dass der Gottesdienst im Seniorenheim auch im Gemeindeblatt angekündigt wird, denn auch die diakonische Einrichtung ist ein Ort der Kirche. In vielen Gemeinden ist uns das gelungen und es kamen Menschen aus dem Stadtteil ins Pflegeheim, weil es näher ist oder die Zeit passender, weil das Heim barrierefrei ist oder man sowieso eine Nachbarin besuchen wollte. Und plötzlich wächst es ineinander.

Christoph Stolte stammt aus Unna (NRW). Er leistete seinen Zivildienst bei der Diakonie Bayern, studierte in Marburg und Göttingen evangelische Theologie und war Stipendiat des Lutherischen Weltbunds in São Paulo (Brasilien), wo er katholische Theologie studierte. 1994 begann er sein Vikariat in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens. Er war Gemeindepfarrer in der Region um Bautzen und acht Jahre Stadtjugendpfarrer von Dresden. Stolte leitete anschließend fast zehn Jahre lang die Diakonie-Stadtmission Dresden mit 1?400 Mitarbeitern. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.

Oase mitten in Lissabon

4. Juli 2017 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Eine Welt

Auslandsgemeinde: An der vierspurigen Avenida Columbano, auf der die Autos im Sekundentakt vorbeirauschen, alle fünf Minuten übertönt vom Dröhnen eines Flugzeugs im Landeanflug, inmitten von Hochhäusern, soll die deutsche Evangelische Kirchengemeinde zu finden sein?

Das Umfeld der »Oase mitten in Lissabon«, wie es auf einem der Flugblätter der Kirchengemeinde heißt, stellt man sich anders vor. Doch sobald der Besucher das Grundstück der Igreja Evangélica Alemã betreten hat, fühlt er sich wie in einer anderen Welt. Das liegt an der baulichen Gestaltung von Kirche und Pfarrhaus, die hier 1934 – damals noch am Lissabonner Stadtrand – nach Plänen des Architekten Otto Bartning entstanden und die der wuchtigen, lauten Umgebung einen Eindruck von Wärme und Freundlichkeit entgegensetzen. Im lauschigen Garten gedeihen Avocados und Mirabellen, leben Kaninchen und Meerschweinchen, von denen eines auf den Namen Martin Luther hört. Doch vor allem sind es die hier wirkenden Menschen, die aus diesem Ort etwas Besonderes machen.

Pastoren im Doppelpack: Nora Steen und Leif Mennrich teilen sich die Pfarrstelle für die deutsche Evangelische Kirchengemeinde in Portugals Hauptstadt – sie gehört zu den ältesten Auslandsgemeinden der EKD. – Foto: Rainer Breda

Pastoren im Doppelpack: Nora Steen und Leif Mennrich teilen sich die Pfarrstelle für die deutsche Evangelische Kirchengemeinde in Portugals Hauptstadt – sie gehört zu den ältesten Auslandsgemeinden der EKD. – Foto: Rainer Breda

Die Lissabonner Gemeinde gehört zu den ältesten der hundert Auslandsgemeinden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). 2011 feierte sie ihr 250-jähriges Bestehen. Gegründet von norddeutschen Kaufleuten wenige Jahre nach dem Erdbeben 1775, das die portugiesische Hauptstadt in Schutt und Asche legte, versteht sie sich auch heute noch als »geistliche Heimat all jener Deutschen, die auf Zeit oder auf Dauer in Portugal leben« – so formuliert es Hildegard Jusek, frühere Vorsitzende des Kirchengemeinderates und heutige Prädikantin.

Jusek kam vor mehr als 50 Jahren mit ihrem Mann und ihrem drei Monate alten Sohn nach Lissabon, sie gehört zu den langjährigsten der rund 200 Gemeindemitglieder. Nora Steen und Leif Mennrich zählen zwar erst seit 2015 zur Igreja Evangélica Alemã, sind aber in hohem Maße mitverantwortlich für die ganz besondere Atmosphäre in der Gemeinde: Das Ehepaar teilt sich die Pastorenstelle, es lebt mit zwei Töchtern im Pfarrhaus gleich neben der Kirche.

»Wir wollten noch einmal ins Ausland gehen, solange die Kinder klein sind«, erklärt Mennrich ihren Antrieb. Dass beide weder Portugal noch Lissabon kannten, geschweige denn die Sprache beherrschten, hielt sie nicht von ihrer Idee ab.

Steen, in Deutschland als ehemalige »Wort-zum-Sonntag«-Sprecherin in der ARD bekannt, und Mennrich halten die sonntäglichen Gottesdienste an der Avenida Columbano (zu denen die einzigen evangelischen Glocken in ganz Portugal rufen), sie erteilen Konfirmandenunterricht, organisieren mit dem Gemeindekirchenrat Feste und Veranstaltungen, sind Seelsorger – tun eben all jenes, was Geistliche leisten müssen. Dass Mennrich die Anforderungen in Lissabon gleichwohl als »überdurchschnittlich« beschreibt, liegt zum einen an den besonderen Gegebenheiten der Position als Auslandsgeistlicher, zum anderen an den speziellen Strukturen. »Das war ein großer Schritt für uns, das Leben in ein anderes Land zu verlagern, dessen Sprache und Kultur wir nicht kannten«, sagt Steen.

Die Sprache haben sich beide längst angeeignet, auch mit der Kultur haben sie sich schnell vertraut gemacht. »Der 11-Uhr-Gottesdienst fängt an, wenn alle da sind – was auch mal zehn Minuten später sein kann«, erzählt Mennrich mit einem augenzwinkernden Lächeln. Ohnehin hat er in Lissabon eine »angenehme Nachsichtigkeit gegenüber anderen Lebensweisen und Lebensläufen« ausgemacht, was er auf die zum Teil bunten Biografien der Gemeindemitglieder zurückführt. So lebt ein Drittel der 170 Frauen und Männer, die den »harten Kern« der Igreja Evangélica Alemã bilden, seit Jahrzehnten in Portugal, ein weiteres Drittel hat es aus beruflichen Gründen auf Zeit dorthin verschlagen. Entsprechend vielfältig sind die Lebensentwürfe, mischen sich in Familien die Nationalitäten. Erst neulich musste der 44-Jährige eine Beerdigungszeremonie in vier Sprachen abhalten: »Der Verstorbene hatte einen portugiesischen, armenischen, französischen und deutschen Hintergrund.«

Und es sind nicht nur Gemeindemitglieder, die an der Avenida Columbano um Hilfe bitten. »Wir dienen häufig als Anlaufstelle, wenn die Deutsche Botschaft geschlossen hat«, berichtet Steen. Mal braucht jemand Unterstützung, der bestohlen worden ist, mal fragen Lissabon-Gestrandete nach einem Schlafsack. Dazu kommen Ereignisse wie jener Anruf einer verzweifelten Frau aus Dresden, deren Mann an einem Freitagabend beim Besteigen des berühmten Torre de Belém einem Herzinfarkt erlegen war. Steen räumte mit ihr gemeinsam das Hotelzimmer aus, unterstützte sie bei den Formalitäten. Einige Wochen später erreichte ein großer Blumenstrauß als Dankeschön das Pfarrhaus. Hinzu kommt der Küsterdienst, denn den kann sich die Gemeinde nicht leisten: Der Kirchenrat muss das Geld gut zusammenhalten. Der 150 000-Euro-Haushalt, von dem auch noch ein Friedhof unterhalten werden muss, speist sich ganz anders als in Deutschland.

Die Kirchengemeinde lebt ausschließlich von Spenden und den Beiträgen ihrer Mitglieder. Für die Pastoren hat die finanzielle Ausstattung auch eine existenzielle Bedeutung: Sie bekommen ihr Gehalt – anders als in Deutschland, wo die jeweilige Landeskirche zahlt – von ihrer Gemeinde in Lissabon. Diese will nun, durchaus verbunden mit der Hoffnung auf Spenden, verstärkt Touristen auf sich aufmerksam machen. Der Vertrag von Steen und Mennrich läuft noch vier Jahre. Was dann kommt, wissen sie noch nicht. Klar ist: Mit der Igreja Evangélica Alemã wird es weitergehen.

Rainer Breda

Fräulein Rosa und Frau Blau

3. Juli 2017 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Feuilleton

Humor im Krankenhaus: Zwei Klinik-Clowns bringen Leichtigkeit in Patientenzimmer

»Am Brunnen vor dem Tore, da steht ein Lindenbaum.« – Gedämpft dringt die kleine Melodie durch die Wände. Als der Gesang verklingt, wird eine Tür geöffnet und »Fräulein Rosa« und »Frau Blau« treten in den Flur der Palliativstation des Universitätsklinikums Jena. An ihren Handgelenken baumeln große Taschen, die Petticoats rascheln unter ihren Kleidern. Das Lied habe der Patientin gefallen, sie sei immer gern gewandert, erzählen sie, und ihre glitzerbepuderten Augen umspielt ein Lächeln. Ein Ausdruck, der bleibt. Auch, nachdem der Glitzer verschwunden, die Kostüme in Tüten verstaut und »Fräulein Rosa« und »Frau Blau« wieder Dorothea Kromphardt und Karina Esche sind.

Auftritt: Dorothea Kromphardt (re.) und Karina Esche bringen als »Fräulein Rosa« und »Frau Blau« ein Lächeln in die Zimmer auf der Palliativstation im Jenaer Universitäts­klinikum. Foto: Beatrix Heinrichs

Auftritt: Dorothea Kromphardt (re.) und Karina Esche bringen als »Fräulein Rosa« und »Frau Blau« ein Lächeln in die Zimmer auf der Palliativstation im Jenaer Universitäts­klinikum. Foto: Beatrix Heinrichs

Seit März sind die Frauen auf der Palliativstation im Einsatz. In Jena kennt man sie schon länger: Als die Klinikclowns »Knuddel« und »Flotti Lotti« bringen sie »ein Stück Leichtigkeit in schwere Zimmer«, wie es Dorothea Kromphardt formuliert. Professionelle Clowns gibt es in Kliniken, Kinderkrankenhäusern, Alten- oder Pflegeheimen. Vielerorts können die Einrichtungen die Arbeit der Clowns nicht finanzieren, meist übernehmen das Vereine oder Stiftungen. Das Projekt von »Fräulein Rosa« und »Frau Blau« wird durch die Stiftung »Humor hilft heilen« gefördert, die das therapeutische Lachen an Kliniken etablieren möchte.

Eine rote Nase macht noch keinen Clown. Das nötige Handwerkszeug vermitteln bundesweit zahlreiche Trainer, eine fundierte Ausbildung bieten Tanz-, Schauspiel- oder spezielle Clowns-Schulen. Dorothea Kromphardt und Karina Esche kommt die Erfahrung aus ihrem früheren Berufsleben zugute. Als Schauspielerin hat Dorothea Kromphardt viele Rollen und Bühnen bespielt. Karina Esche verfügt dank ihrer Gesangsausbildung über ein großes Liedrepertoire. Die Frauen arbeiten seit Jahren zusammen und ergänzen sich.

Egal, ob sie tanzen, singen, übers Wandern, Autos oder Relegationsspiele reden, als »Fräulein Rosa« und »Frau Blau« sind sie in erster Linie gute Zuhörerinnen. »Eine Fähigkeit, die man mitbringen sollte«, weiß Karina Esche. »Genau wie Empathie und Fingerspitzengefühl für Menschen und Situationen – und ein Kostüm, das ist der Türöffner.«

Als Vorlage diente den Frauen die Protagonistin aus der Erzählung »Oskar und die Dame in Rosa« des französischen Schriftstellers Éric-Emmanuel Schmitt. So unkonventionell wie die Romanfigur sind auch »Fräulein Rosa« und »Frau Blau«, wenn sie sich aller zwei Wochen auf der Palliativstation ein Stelldichein geben. Es sind keine eingeübten Nummern, die sie spielen. Der Besuch in den Krankenzimmern ist reine Improvisation, die Impulse kommen dabei von den Patienten. »Wir arbeiten viel mit der Vorstellungskraft der Menschen, ihren Erinnerungen, auch mit dem, was das Zimmer uns anbietet – und nicht zu vergessen: mit Humor«, erklärt Dorothea Kromphardt.

Lachen ist gesund, das ist eine alte Volksweisheit. Als medizinisch erwiesen gilt, dass die Glückshormone, die dabei produziert werden, positiv auf Körper und Seele wirken. Das zeigt auch eine tiefenpsychologische Studie des Kölner Rheingold Instituts, die 2012 und 2013 in mehreren deutschen Kliniken durchgeführt wurde. Ein Ergebnis: Die Arbeit der Klinikclowns hilft Patienten, zuversichtlicher und gelöster mit ihrer Krankheit umzugehen.

Begründet liegt die positive Wirkung vielleicht in dem Hauch von Anarchie, der mit den lächelnden Gesichtern in den Krankenzimmern Einzug hält. »Fräulein Rosa« und »Frau Blau« brechen den von routinierten Abläufen bestimmten Klinikalltag spielerisch auf. »Das letzte Mal haben wir mit einer Patientin ausgelassen getanzt. Heute habe ich sie gehalten und wir haben zusammen geweint«, erzählt Karina Esche. »Leichtigkeit und Tiefe im Clownesken zu vereinen«, weiß Dorothea Kromphardt, »sei die eigentliche Kunst.«

Eine Kunst, die den Klinikclowns einiges abverlangt. Das Päckchen, das viele von ihnen mit sich tragen, ist groß und wird mit den Jahren und der Erfahrung oft nicht leichter. Wichtig sei es, die traurigen Augenblicke zuzulassen, da sind sich die Frauen einig. Auch, wenn der Beruf seine schweren Momente hat, tauschen möchten Dorothea Kromphardt und Karina Esche nicht. »Was wir tun, ist für uns eine Herzensarbeit, der schönste Beruf der Welt.«

Beatrix Heinrichs

Der kurze Moment vorher

Ritual: Was geschieht, wenn wir in die Kirche zum Gottesdienst gehen, bevor wir uns hinsetzen

Da ist dieser Moment, wenn man zum Gottesdienst kommt und die Kirchenbank betritt: kurz stehen bleiben, innehalten. Dann setzen. Was passiert da eigentlich?

Es ist Sonntagmorgen. Die Glocken läuten. Menschen kommen in die Kirche. Sie nehmen sich ein Gesangbuch, begrüßen Bekannte und suchen sich einen Platz aus. Bevor sie sich setzen, bleiben viele noch einen Moment ruhig stehen. Warum tun sie das?

Eine spontane Umfrage im Bekanntenkreis ergab: Es gibt da offensichtlich keine festen Regeln. Viele danken Gott. Andere bitten ihn um Besinnung, einen guten Gottesdienst, dass Gott zu ihnen spricht.

Innehalten, ein kurzes Gebet sprechen – Foto: Lolo Stock – fotolia.com

Innehalten, ein kurzes Gebet sprechen – Foto: Lolo Stock – fotolia.com

Nur wenige können sagen, wer ihnen dieses Ritual erklärt hat. Sie haben es sich abgeguckt oder tun es, weil es andere auch tun. Manche haben es von ihrer Pfarrerin oder dem Großvater gelernt.

Es gab auch ganz weltliche Antworten, wie »ich zähle bis fünf, bevor ich mich setze« oder »weil man das halt so macht«. Andere versuchen, sich zu konzentrieren und sich innerlich auf den Gottesdienst einzustellen.

Fast alle aber waren der Meinung, dass es doch ein sinnvoller Moment sei, um kurz innezuhalten. Menschen spüren wohl, dass der Kirchgang etwas anderes ist als ein Kinobesuch.

Da ist der Raum. Schön hergerichtet, oft alt und ehrwürdig. Kirchenfenster, Kanzel, Altar oder Abendmahlstisch verweisen auf biblische Geschichten und die Gegenwart Gottes. Viele Generationen von Menschen haben hier schon gebetet, gesungen, gelacht und geweint, geglaubt und gezweifelt. Kirchen sind besondere Orte. Zur römisch-katholischen Tradition gehörten das Hinknien und das Bekreuzigen. Vielleicht ist daraus im Protestantismus der Moment des Innehaltens geworden. Evangelische Christen wissen, dass nicht die Gebäude oder die Abendmahlselemente heilig sind. Dennoch spüren sie die Würde des Ortes und der Feier und dass es jetzt nicht alltäglich zugeht.

Vielleicht gut, dass es für dieses Ritual keine festen Regeln gibt. So kann es jeder für sich füllen. Oder sich einfach so hinsetzen. Ein Tabu ist das sicher auch nicht. Dieser kurze Moment vor dem Hinsetzen ist ein guter Anlass, um zu beten – egal, was die anderen tun. Ob schweigend oder mit konkreten Bitten oder konkretem Dank. Anlässe, mit Gott ins Gespräch zu kommen, gibt es sicher genug.

»Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft« (Psalm 66, 20). Das Psalmwort bringt die Gewissheit zum Ausdruck, was Gott gesagt wird, geht nicht ins Leere.

Und zum Glück gibt es auch für das Beten keine Regeln. Da darf alles vorkommen. Freude und Fragen genauso wie Wut und Trauer. Der Theologe Karl Rahner hat einmal gesagt: »Ich glaube, weil ich bete.« So eine große Bedeutung hat er dem Gespräch mit Gott zugemessen.

Deshalb kann es nicht falsch sein, diesen Moment vor dem Hinsetzen dafür zu nutzen. Es besteht keine Verpflichtung dazu. Aber wenn man sich unsicher ist: Beten geht immer.

Bernd Becker