Gott ins Herz geblickt

29. Februar 2016 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Glaube und Alltag

Wie die Bibel über unser wichtigstes Organ denkt

Großes Herz! Sieben Wochen ohne Enge«, lautet das Motto der diesjährigen Fastenaktion der evangelischen Kirche. Das Herz kommt oft in der Bibel vor. Es ist Zentrum, Wesen und Charakter einer Person. Die Bibel ist weniger am Herz als Organ der Blutversorgung interessiert. Vielmehr am Herzen als Begriff für das Innere des Menschen. Da ist die Heilige Schrift ganz zu Hause in der antiken Kultur des Orients. Sie nimmt die Sprache seiner Poesie auf und tritt in Dialog mit seinen Weisheitstraditionen. Liebe und Hass, Angst und Freude, Zufriedenheit und Genuss, Egoismus, Bosheit und Mitmenschlichkeit – all das lässt sich knapp als jeweiliges »Herz« charakterisieren.

Foto: Cora Müller – Fotolia.com

Foto: Cora Müller – Fotolia.com

Das Herz freut sich oder wird erfreut, durch Gott, seine Gaben und Segnungen (Psalm 4,8; 19,9; 33,21; 104,15; 105,3). Wein steht nicht für Betäubung bei Problemen, sondern »der Wein erfreue des Menschen Herz«.

Ist man umgekehrt voller Angst, verzagt das Herz, weil in einem große Kräfte toben. Das Herz bebt und zittert, wie Bäume im Sturm beben. Solch ein Herz verliert seine Festigkeit, seine Form und jeden Halt, der Mensch fühlt sich verloren wie verschüttetes Wasser und wie zerschmolzenes Wachs (Psalm 22,15).

Alles aus seinem Innersten ehrlich, vertrauensvoll und ohne Hintergedanken mitteilen, wird zur plastisch anschaulichen Formulierung »sein Herz ausschütten«. Das ist als Redewendung ins Deutsche eingegangen. »Hoffet auf Gott allezeit, liebe Leute, schüttet euer Herz vor ihm aus; Gott ist unsre Zuversicht.« (Psalm 62,9). Als Ausdruck für Selbstgespräche fand die Bibel »in seinem Herzen sprechen«. Wenn man Worten nicht glauben kann, heißt es: »Aber sein Herz blieb kalt« (1. Mose 45,26).

Die Bibel benutzt das Wort »Herz« auch, um die Erfahrungen mit der Welt der Intrigen zu beschreiben: »Sie denken nur, wie sie ihn stürzen, haben Gefallen am Lügen; mit dem Munde segnen sie, aber im Herzen fluchen sie« (Psalm 62,5). Wo wir heutzutage sagen würden, »Ihr Kopf steckt voller böser Pläne«, heißt das in der Psalmensprache: »Errette mich, Herr, von den bösen Menschen; behüte mich vor den Gewalttätigen, die Böses planen in ihrem Herzen und täglich Streit erregen« (Psalm 140,2+3).

Die Bibel kennt ein aufrichtiges, ein reines Herz, ein weises, frommes, demütiges, ein feiges Herz, geängstet, zerschlagen. Das Herz sei unverzagt, getrost, fest und mutig. Ein »hartes Herz« aber steht für Starrsinn. Wer ohne jedes Mitgefühl ist, dessen Herz »ist verschlossen« (Psalm 17,10). Wo sind Solidarität, Großzügigkeit mit Empathie zu Hause? »Wenn einer deiner Brüder arm ist in irgendeiner Stadt in deinem Lande, das der Herr, dein Gott, dir geben wird, so sollst du dein Herz nicht verhärten und deine Hand nicht zuhalten gegenüber deinem armen Bruder, sondern sollst sie ihm auftun und ihm leihen, so viel er Mangel hat« (5. Mose 15,7+8).

Jesus rät, lieber Schätze bei Gott zu sammeln. Dort werden sie nicht von Motten und Rost zerfressen und können auch nicht von Einbrechern gestohlen werden, »denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz« (Matthäus 6,21). Martin Luther bringt es auf den Punkt und kann zur Auslegung des ersten Gebots im Großen Katechismus formulieren: »Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott.«

Das Hohelied wurde auch gelesen als poetischer Ausdruck von Gottes Liebe zu seinem Volk Israel und kam deshalb in die Bibel. Kann man Liebe erklären? Beschreiben kann man die Auswirkungen ihrer Macht, die Verzauberung. Stellen wir uns einmal vor, Gott spricht verliebt über Israel: »Du hast mir das Herz genommen, meine Schwester, liebe Braut« (Hohe-
lied 4,9).

Damit sind wir gedanklich bei etwas Einzigartigem angekommen, was es in der Umwelt des Alten Testaments nicht gibt. Die Bibel wagt es, in Gottes Herz zu blicken. Sie erzählt, wie Gott sah, dass die Menschen auf der Erde völlig verdorben waren. Alles, was aus ihrem Herzen kam, ihr Denken und Planen, war durch und durch böse. Das tat ihm weh, und Gott bereute, dass er sie erschaffen hatte. Der Mensch – eine Fehlkonstruktion. Doch am Ende der Sintflutgeschichte lesen wir, wie Noah einen Opferaltar für den Herrn baut. Und auch wenn Diagnose und Urteil über den Menschen nicht besser ausfallen können, heißt es: Und der Herr roch den lieblichen Geruch und sprach in seinem Herzen: »Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Und ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe.«

Roland Spur

Frauen, die sich nicht verstecken

29. Februar 2016 von Gemeinsame Redaktion  
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Persönlichkeiten: Pröpstin Kristina Kühnbaum-Schmidt und Superintendentin Beate Marwede machen Mut, beherzt Möglichkeiten auszuloten

Als Kristina Kühnbaum-Schmidt 2013 das Amt der Regionalbischöfin des Propstsprengels Meiningen-Suhl übernimmt, unterschreiben drei Frauen die Einladung zu ihrer Einführung: die Landesbischöfin, die amtierende Präses der Landessynode und die Präsidentin des Landeskirchenamtes. Ihr neuer Arbeitsbereich, der Süden Thüringens, hat aber selbst in der frauenfreundlichen EKM eine Sonderrolle: Kristina Kühnbaum-Schmidt ist die einzige Regionalbischöfin der Landeskirche, zwei von insgesamt nur acht Superintendentinnen der EKM sind in ihrem Propstsprengel tätig. Beate Marwede, die seit 2011 den Kirchenkreis Meiningen leitet, ist eine von ihnen. Warum sie sich trauten in das Amt, erzählen die beiden im Interview.

Superintendentin Beate Marwede und Pröpstin Kristina Kühnbaum-Schmidt. Foto: Susann Winkel

Superintendentin Beate Marwede und Pröpstin Kristina Kühnbaum-Schmidt. Foto: Susann Winkel

Ist es in Ihrem Berufsalltag noch ein Thema, dass Sie Frauen sind?
Kristina Kühnbaum-Schmidt (KKS):
Mit Marita Krüger hatte ich eine Vorgängerin, die eine sehr präsente Pröpstin war. Daher habe ich es von Anfang an als völlig unstrittig erlebt, dass eine Frau dieses Amt wahrnimmt.
Beate Marwede (BM): Im Konvent, im Kirchenkreis und in der Öffentlichkeit wird das als etwas völlig Normales verstanden. Mir begegnet auch nicht, dass ich als Frau in dieser Position infrage gestellt bin. Nur manchmal, wenn ich außerhalb der EKM bin, sind die Menschen dann doch erstaunt.

Sind Frauen in Leitungspositionen auch in der übrigen EKM selbstverständlich?
KKS:
Zu Beginn war ich im Bischofskonvent neben der Landesbischöfin die einzige Frau. Mittlerweile ist durch die Senior des Reformierten Kirchenkreises, Dr. Jutta Noetzel, noch eine Frau hinzugekommen. Das macht schon etwas aus, ohne dass ich genau beschreiben könnte, was das ist. Wir sind eine Kirche, die zeigt, dass sie ein Interesse daran hat, dass Frauen in Leitungspositionen und Repräsentationsämtern sind. Und sie tut auch viel dafür.
BM: Dieser ausdrückliche Wunsch nach Frauen in Leitungsämtern war ein Motiv, warum ich mich in der EKM beworben habe. Für das Superintendentenamt im Kirchenkreis Meiningen standen der Kreissynode drei Frauen und ein Mann zur Wahl.

Warum trauen sich dennoch so wenige Frauen, sich zur Wahl zu stellen? Derzeit gibt es 37 Kirchenkreise in der EKM. Nur acht von ihnen werden von Frauen geleitet.
BM:
Wer sich zur Wahl stellt, trägt auch immer das Risiko zu scheitern. Ich habe diese Enttäuschung erlebt, das ist nicht ganz einfach. Außerdem ist die Aufgabe von Superintendenten sehr fordernd. Frauen achten genau auf die Rahmenbedingungen für eine Aufgabe. Möglicherweise betrachten viele diese Aufgabe als sehr stressbelastet, mit Konfliktmanagement und auch der Einsamkeit dieses Amtes verbunden.
KKS: Frauen schauen manchmal zu sehr darauf, was von ihnen wohl erwartet wird und weniger darauf, in welcher Eigenständigkeit und Freiheit sie es gestalten könnten. Dabei macht Gestaltung den Reiz dieser Ämter aus. Ich würde mir wünschen, dass Frauen noch beherzter auf die Möglichkeiten zugehen, Kirche in einer nicht unwichtigen Rolle mitzugestalten.

Warum haben Sie sich getraut, den Schritt auf der Karriereleiter zu gehen?
BM:
Mich hat dieses Leitungsamt auf der mittleren Ebene mit all seinen Möglichkeiten herausgefordert – die Gestaltung der Arbeit auf Kirchenkreisebene, die Zusammenarbeit mit anderen. Eine ausgesprochen spannende und he­rausfordernde Tätigkeit.
KKS: Mich hat das Arbeiten in der EKM gereizt, die ich in der Außenwahrnehmung als große, lebendige und vielfältige Kirche erlebt habe. Zum anderen wollte ich meine Kompetenzen in eine Leitungsverantwortung einbringen, die einen seelsorgerlichen und geistlichen Schwerpunkt hat. Und ich fand die Zwischenposition zwischen Propstsprengel
und Landeskirche ungemein reizvoll.

Muss die EKM etwas ändern, damit sich noch mehr Frauen trauen?
KKS:
Wir sollten uns selbstkritisch fragen, wie attraktiv Leitungsämter sind. Regionalbischöfe sind wirklich viel unterwegs, sowohl im Propstsprengel als auch auf der landeskirchlichen Ebene. Das ist auch gut, das macht das Amt aus. Mit kleinen Kindern würde das schwer fallen.
BM: Superintendenten sind sehr viel im Kirchenkreis unterwegs und das oft auch abends, da wir viel mit Ehrenamtlichen arbeiten. Ich bin froh, dass meine Kinder erwachsen sind und dass allein mein Mann auf meine Anwesenheit oftmals verzichten muss.

Braucht es einen starken Mann hinter der erfolgreichen Frau?
BM:
Ich schätze es sehr, dass ich einen Ehemann habe, der sich vor allem ehrenamtlich engagiert und für ganz vieles im Hintergrund sorgt.
KKS: Es braucht einen starken Mann, der mit einer selbstbewussten, kompetenten Frau zusammenlebt. Eine Frau im Leitungsamt ist sicher keine, die sich versteckt, sondern eine Frau, die ein klares Gegenüber ist – auch in der Ehe.

Interview: Susann Winkel

Man könnte, wenn man wollte …

28. Februar 2016 von Gemeinsame Redaktion  
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Trend: Warum Fasten heute in aller Munde ist – Reflexionen über Regeln, Sehnsüchte und Rituale

Ist Fasten ein Kontrastprogramm zum Wohlstand? Eine Suche nach neuen Körper-, Zeit- und Sinnerfahrungen in einem Alltag, der durchgeplant ist.

Fasten und Essen stehen nahe beieinander – im Alltag, im Traum, im Märchen, im Leben. Alle Kulturen und Zeiten kennen beides: die Völlerei, das üppige Essen und die Enthaltsamkeit. Mit beidem verbinden sich Sehnsüchte und Wünsche, aber auch Albträume, Krankheiten – und Erinnerungen: an die Kindheit, an Not, Krieg, Armut und Notbehelf. Speisevorschriften und Fastengebote, meist in Religion und Magie eingebunden, waren für die Menschen wichtige Regelwerke und Ordnungssysteme. Sie hatten und haben bis heute vielfältige Bedeutungen. Sie dienten der Askese, der Buße, Reinigung und Heilung. Und sie waren eine durchaus ernste ›fromme Leistung‹, sollte doch die Entsagung als ein ›Verdienst‹ höheren Ortes Anerkennung erbringen.

Fastenzeiten waren einst fest im Kirchenjahr etabliert. Heute ist alles frei wählbar. Foto: tomer turjemann – Fotolia.com

Fastenzeiten waren einst fest im Kirchenjahr etabliert. Heute ist alles frei wählbar. Foto: tomer turjemann – Fotolia.com

Solche Traditionen, in unserer christlichen Kultur seit ihren Anfängen gültig, haben heute ihre Gestalt vollkommen gewandelt. Die kirchlichen Riten, verfestigt in Ritualen und Traditionen, sind nicht mehr bindende Pflicht. Aus dem Muss ist ein Kann, eine Wahl­freiheit geworden: man könnte, wenn man wollte … Dieser Wandel vollzog sich historisch schnell, in vergleichsweise kurzer Zeit. Fasten-Erinnerungen birgt meine evangelische Kindheit in den 50er Jahren kaum. Denn »Fastenzeit« war katholisch, begann mit dem unerlässlichen Fischessen am Aschermittwoch. »Karneval« war streng begrenzt auf ein bescheidenes Verkleiden am Faschingsdienstag – als Clown, Prinzessin oder Indianer gingen wir auf die Straße. Am Morgen danach mussten die Katholischen ihr »Aschekreuz« empfangen, für sie war nun Fasten-, für uns aber »Passionszeit«, ohne Erkenntnis und spürbare Folgen; nicht einmal den Merkvers für die lateinischen Sonntagsnamen bis Ostern musste man lernen: »In rechter Ordnung lerne Jesu Passion« – die Anfangsbuchstaben halfen die Reihenfolge von Invocavit bis Palmarum memorieren. Nur eine Erinnerung hat sich eingeprägt als einziges Fastengebot, es war weder begründet noch einsehbar für uns Kinder: Der Karfreitag musste »fleischlos« sein. Eier und Käse waren die einzigen Alternativen. Mehr Fasten gab es nicht, weder als Wort noch als Sache.

Heute scheint das Fasten in aller Munde: als Anfrage und Thema, Programm und Praxis in vielen Varianten – kirchlich, weltlich, biologisch, alternativ, spirituell, online, »auch als App«. Wie aber entstand dieses neue Interesse am Fasten, was fasziniert, lockt? Ist es ein Kontrastprogramm zu Sattheit, Wohlstand und Freiheit? Eine Suche nach neuen Körper-, Zeit- und Sinnerfahrungen in einem Alltag, der rationalisiert, hoch technisiert, durchgeplant und getaktet ist? Ist es die Sehnsucht nach festen Regeln und Ritualen in einer globalen Lebenswelt? Oder, wie Halloween und Valentinstag, wieder einmal ›eine neue Mode‹, die so rasch verschwinden wird, wie sie aufkam?

Auffallend ist, dass der neue Fasten-Trend zeitgleich mit einem anderen sich entwickelt hat. Essen und Kochen sind Themen wie nie zuvor, allgegenwärtig in den Medien, im
Fernsehen, in Büchern, in Gesprächen. »Essengehen« ist für viele heute das einzig denkbare Ritual, wenn es etwas zu feiern gibt. Essen genießen, es nach Rezept kunstvoll zubereiten, per Handy fotografieren und darüber reden ist heute so beliebt und verbreitet wie nie zuvor. Und zugleich nimmt die Zahl der Menschen zu, die nie kochen, nur Mikrowelle und Fast Food kennen. Vor diesem Hintergrund steht die neue Sehnsucht nach dem Fasten in einem anderen Licht. Denn Fasten heute hat seinen kulturellen Kontext, seinen Sinnzusammenhang verloren. Essen, auch Völlerei und Fasten waren und sind zwei Pole, die stets zusammengehörten wie der Wechsel von Tag und Nacht. So war das Festessen und Schlemmen zu Weihnachten der Kontrast zum vorweihnachtlichen Fasten, in der alten Kirche eine siebenwöchige Zeit der »fleischlichen« (auch der geschlechtlichen!) Enthaltsamkeit. Ähnlich die vorösterliche Fastenzeit: Ostereier, Osterbrot, Gebäck und andere Traditionen entsprangen dem Versuch, beim Fasten verbotene Speisen wie Milch, Butter und Eier, die im Frühjahr reichlich vorhanden waren, aufzubrauchen. Kirchliche Vorschriften und brauchmäßige Überlieferung gestalteten so als »Kultur«, was Natur und Kalender vorgaben. Auch das notwendige ›Maß‹ und die Mäßigkeit – sie stand im Mittelalter als oberste und wichtigste Tugend über allen anderen – waren so vorgegeben. Damit waren im Wechsel der Speisen und im kirchlich geregelten Fasten jahreszeitlich die Ordnung des Lebens und der Rhythmus der Zeit erfahrbar, im wörtlichen Sinne ›am eigenen Leibe‹ spürbar.

Fasten heute speist sich auch aus dieser Verlusterfahrung. Alles ist scheinbar frei und machbar – aber alles, Askese und Gesundheit, Sport und Fitness, Spiritualität und ›innere Einkehr‹ muss stets individuell gewählt und im Alltag platziert werden. Das sind Kraftakte und Entscheidungen, die dem Einzelnen heute ein enormes Maß an Gestaltung abverlangen, im Jahreslauf wie im Lebenslauf, an den Stufen und Übergängen des Lebens wie Taufe, Hochzeit, Tod. Deren Rituale sollen stets neu, kreativ, originell und ›authentisch‹ sein – und stehen damit doch dem Wesen und ursprünglichen Sinn von Ritualen entgegen: überzeitliche und verlässliche ›Hülsen‹ zu geben und so Menschen, Zeiten und Kulturen zu verbinden, sie damit zu entlasten und tragen – »ohne Enge«!

Christel Köhle-Hezinger

Die Autorin ist emeritierte Volkskundlerin an der Uni Jena.

Kirche in der Polarnacht

25. Februar 2016 von Gemeinsame Redaktion  
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Spitzbergen: Arktische Kälte, schroffe Berge, keine Bäume, die Sonne lässt sich vier Monate nicht sehen


Ein Waffenschrank im Gemeindehaus? In Longyearbyen ist das ganz normal. Mit Eisbären ist nicht zu spaßen. Vieles ist gewöhnungsbedürftig in Longyearbyen, der größten Stadt auf Spitzbergen. 2 000 Menschen versuchen, auf der kargen arktischen Insel zwischen Norwegen und Nordpol, sich das Leben schön zu machen.

Arktische Kälte. Schroffe Berge. Keine Bäume, Pflanzen nur im Sommer. Die Tiere, die hier leben, haben sich der Umgebung angepasst: Die Rentiere haben kurze Beine und flauschiges Fell. Die Füchse sind weiß, die Eisbären groß und grausam. Was, um Himmels Willen, treibt Menschen hierher, ans Ende der Welt, kurz vor dem Nordpol?

Eine wohlige Oase mitten in Schnee und Kälte, das Gotteshaus von Longyearbyen – Foto: Kolja Warnecke

Eine wohlige Oase mitten in Schnee und Kälte, das Gotteshaus von Longyearbyen – Foto: Kolja Warnecke

Pastor Leif Magne Helgesen wurde von seiner norwegischen evangelisch-lutherischen Kirche nach Spitzbergen geschickt. Das ist schon zehn Jahre her. Heute ist der Theologe 55 Jahre alt. Er fühlt sich wohl, sagt er. Obwohl die Sonne vier Monate lang, vom 26. Oktober bis zum 14. Februar nicht scheint, es elf Wochen sogar ständige Nacht ist? Ja. Die Dunkelheit sei ja nicht schwarz. Der Mond scheint, die Sterne leuchten. Die schneebedeckten Berge reflektieren das Licht und schälen sich aus dem dunklen Himmel heraus wie große weiße Wände. Und dann die Polarlichter, die oft am Himmel tanzen und die arktische Szenerie in mystisch grünes Licht tauchen. Am 15. Februar ist es wieder soweit: Dann lugt die Sonne erstmals über den Rand der Berge. Grund zu feiern. Irgendwie fühlt sich das dann an wie ein Ostern hoch zwei. Eine beeindruckende Laune der Schöpfung.

Die ist bedroht. Das wissen auch die Menschen auf Svalbard, wie die Inselgruppe auf norwegisch heißt. Ein paar Jahrzehnte früher war der Isfjord, an dem Longyearbyen liegt, im Winter zugefroren. Aber die Winter werden wärmer. Das Wasser auch. So warm, dass immer mehr Fische in den Fjord kommen. »Das sind Signale der Natur, denen wir Beachtung schenken sollten«, ahnt Pastor Helgesen. Also überlegte er mit den Polarforschern der kleinen Universität von Longyearbyen, was zu tun ist.

In gewisser Weise ist Spitzbergen eine Art Arche Noah der Welt: Hoch oben über dem Flughafen in der Felswand, tief im Berg, lagert Saatgut aus aller Welt, über zwei Milliarden Saatproben sollen es werden. Die Anlage ist vor dem Anstieg des Meeresspiegels genauso gefeit wie vor Flugzeugabstürzen und Atomkatastrophen. Eine Arche Noah der Moderne in Zeiten der Dürre und des Artensterbens.

Fatalerweise hat Spitzbergen selbst an der Klimaveränderung mitgewirkt. Noch heute sieht man die Eingänge stillgelegter Kohlebergwerke an den Berghängen. Dass hier eine Stadt entstand, hat mit Kohle zu tun: 1906 gründete US-Unternehmer John Munroe Longyearbyen die Stadt. Die Bergindustrie boomte. 1943 dann die große Zäsur: Spitzbergen war für die Militärs ein strategisch wichtiger Punkt. Deutsche Truppen zerbombten den Ort. Nur wenige Baracken erinnern heute an das alte Longyearbyen.

Die Kirche wurde 1958 neu errichtet. Heute zieht sich die Stadt vom Fjord ins Tal hinein, viele Fertighäuser trotzen der Kälte und dem Schnee. Energie ist lebenswichtig jetzt, gerade im Polarwinter. Auf Fremde wirkt das alles sehr gemütlich. Aber 24 Stunden Dunkelheit kann auch depressiv machen. Touristen hingegen finden die Polarnacht spektakulär. Sie lassen sich von der Dunkelheit nicht schrecken. Dick eingehüllt gehen sie auf Sightseeing.

Einer der Guides kommt aus Deutschland. Heiko, gebürtiger Thüringer, lebt seit vielen Jahren in Longyearbyen. Im Sommer schippert er mit Touristen über den Fjord, sucht Eisbären und Wale. Derzeit führt er Touris zu den schönsten Plätzen in Longyearbyen. Alles zeigt er ihnen, zuerst die neue Brauerei, in der seit einem Jahr mit Gletscherwasser das erste Bier Svalbards gebraut wird. Dann jagt er den Touris Schauer über den Rücken, wenn er vor dem alten Friedhof trocken sagt: »Der Permafrostboden bringt alles an die Oberfläche.« Er schildert seine Begegnungen mit Eisbären. Und erzählt von einem Notfall, er war verletzt und wurde schnell nach Tromsö ausgeflogen. Im örtlichen Krankenhaus arbeiten nur zwei Ärzte und vier Krankenschwestern, da ist keine fachärztliche Behandlung möglich. Guide Heiko führt die Gäste auch in den Weinkeller im Huset, einem der größten in Europa. Hier gibt es Walfleisch zu essen. Minkwahl. Leicht geräuchert, schmeckt nicht schlecht. »Gleich gegenüber wohnt Santa Claus«, erzählt Heiko und zeigt auf die Lichter eines der stillgelegten Bergwerke. Kinder können zu Weihnachten am Fuß des Berges ihre Wunschzettel in einen Briefkasten werfen.

Der Wind schneidet den Touristen ins Gesicht. Das Wetter ist unberechenbar. Kurz vor Weihnachten kam ein heftiger Sturm, der den Schnee über die Berggipfel wehte. Eine Lawine löste sich und raste auf die Stadt, schob einige Häuser 80 Meter weit wie Streichholzschachteln. Zwei Tote, acht Verletzte. Pastor Helgesen hatte viel zu tun. Der Ort trauerte. Er selbst auch, er verlor einen seiner besten Freunde. In solchen Zeiten wird die Kirche zum Trauerort für die ganze Bevölkerung.

Wie viele Protestanten sind, weiß er gar nicht genau, vielleicht 80 Prozent? Auch Katholiken leben hier, ebenso Orthodoxe. Mehrmals kommen der zuständige katholische und orthodoxe Priester nach Longyearbyen und feiern dann in der lutherischen Kirche ihre Messe. Seine Kirche steht selbstverständlich anderen Konfessionen offen, sagt Helgesen. Eine einladende Kirche ist seine Vision, offen für alle. Manchmal mit seltsamen Folgen. Da muss Pastor Helgesen uneingeladen in der Bank sitzen bleiben, wenn der katholische Priester mit den Gläubigen Abendmahl feiert. »Dafür kommen die Katholiken zu unserem Abendmahl, wir Evangelischen laden schließlich alle ein«, freut er sich. Das sei eben lutherische Theologie.

Draußen zieht ein Schneesturm auf. In der Kirche ist es warm. Eine wohlige Oase in der arktischen Kälte. 24 Stunden am Tag ist sie geöffnet. Für alle. Kein schlechter Grund, hierherzukommen. Und zu bleiben.

Uwe Birnstein

Retter von Weltkultur

24. Februar 2016 von Gemeinsame Redaktion  
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Thüringer Landesausstellung 2016: »Die Ernestiner – Eine Dynastie prägt Europa«


Über 400 Jahre regierten Ernestiner in bis zu zwölf Linien und Residenzen weite Teile des heutigen Thüringen und darüber hinaus. Diese einzigartige Entwicklung nimmt der Freistaat zum Anlass für seine nächste Landesausstellung. »Glaube + Heimat« stimmt mit einer sechsteiligen Serie darauf ein. Diesmal Großherzog Carl Alexander

Gemälde von Großherzog Carl Alexander – Foto: Wikipedia

Gemälde von Großherzog Carl Alexander – Foto: Wikipedia

Weimars sogenanntes Silbernes Zeitalter, das mit Namen wie Franz Liszt, Richard Wagner, Friedrich Hebbel oder Theodor Hagen sowie der Gründung des Goethe-Schiller-Archivs verbunden ist, wäre ohne den vor 115 Jahren verstorbenen Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach, Carl Alexander (1818–1901), Sohn des großherzoglichen Paares Carl Friedrich und Maria Pawlowna, ebenso wenig denkbar wie die Wartburg bei Eisenach in ihrer heutigen Erscheinung. Im Sommer 1907 wurde Carl Alexander zu Ehren auf dem heutigen Goetheplatz der Klassikerstadt ein vom Weimarer Bildhauer Adolf Brütt geschaffenes, zu keiner Zeit unumstrittenes Denkmal geweiht. Seine Unschuld hatte das Monument ab Mai 1937 verloren. Städtischer Umbauwille, Krieg und nicht nur einmal sich wandelnde Gesellschaftsordnung führten schließlich zum Desaster. Kopf- und Gedankenlosigkeit im Bunde mit vorauseilendem Gehorsam ließen erst das Denkmal als Ganzes vom Goetheplatz zum heutigen Buchenwaldplatz umziehen, dann das bronzene Reiterstandbild im Schmelzofen verglühen und den Sockel unterhalb des Hauptbahnhofes zwischen Bombenschutt und Muttererde verschwinden. Dort wurde der rund 14 Tonnen schwere Koloss aus Granit während Bauarbeiten im Jahre 1997 zufällig entdeckt und später auf dem Weimarer Goetheplatz wieder aufgestellt.

Der Leidensweg dieses Denkmals verdeutlicht es drastisch: Der Fürst, politischer Erbe des klassischen Weimars mit eigenen künstlerischen Ambitionen, hat – unverdientermaßen – bis in die Gegenwart keinen gesicherten Platz im öffentlichen Bewusstsein. Auch die wissenschaftliche Forschung ist sich über dieses Defizit seit Langem im Klaren.

Will man Carl Alexander quasi Auge in Auge gegenüberstehen, muss man nach Eisenach gehen. Kurz vor der Auffahrt zur Wartburg erhebt sich am Rand der Straße eine mannshohe Bronzestatue des Großherzogs, die der in Eisenach geborene Bildhauer Hermann Kurt Hosäus im Jahr 1909 geschaffen hat. Dass die Stadt Eisenach dem Politiker und Mäzen ein solches Denkmal widmete und am Fuße der Wartburg aufstellen ließ, hat seine Wurzeln in der sich über der Stadt erhebenden Wartburg.

Diese Burg, so überlieferte der Meininger Hofbibliothekar und Schriftsteller Ludwig Bechstein (1801 bis 1860), »ist der Zentralstern der thüringischen Geschichte, und schmückend klammerte sich grüner Sagenefeu ringsumher an Burgmauern, Felszacken und Höhlengeklüft, gleichsam den heiter bestätigenden oder erläuternden Bilderschmuck solch reichhaltigen Buches abgebend.« Im Dezember 1999 wurde das geschichtsträchtige Bauwerk als erste deutsche Burg überhaupt in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen. Sie sei, wie in der entsprechenden Urkunde zu lesen, »ein hervorragendes Denkmal der feudalen Epoche in Mitteleuropa.« Die von Ludwig dem Springer im Jahr 1067 gegründete Burg gilt heute als der bedeutendste Profanbau der Romanik. Die Burg war Zentrum hoch mittelalterlichen Dichtens und Minnesangs, wurde zum Wohn- und Wirkungsort der heiligen Elisabeth, bot dem von Papst und Kaiser verfolgten Reformator Martin Luther ein sicheres Exil, und sah mit dem Wartburgfest der deutschen Burschenschaften den Morgen einer freiheitlich-demokratischen Nation heraufdämmern.

Dank der authentischen Lutherstube trägt die Burg bereits seit dem 16. Jahrhundert denkmalhafte Züge und avancierte in der Zeit des nationalen Aufbruchs gänzlich zur romantischen Weihestätte der Deutschen. Diese Bedeutung aufgreifend, erhob Großherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach seinen bis dahin im Dornröschenschlaf liegenden Ahnensitz mit umfassender Erneuerung und künstlerischer Ausgestaltung in den Rang eines Nationaldenkmals. Mit dem Gießener Architekturprofessor Hugo von Ritgen hatte er das Projekt einem Kenner mittelalterlichen Burgenbaus anvertraut. Noch bevor Georg Dehio (1850–1932) sich um eine wissenschaftlich begründete moderne Denkmalpflege verdient machen sollte, stellte von Ritgen mit verlässlichem Gespür für den Erhalt überkommener Bausubstanz und für die schöpferische Nachahmung von Verlorengegangenem sein Können unter Beweis. Der Bergfried und das auf dessen Zinnenkranz sich erhebende drei Meter hohe und knapp zwei Meter breite vergoldete Kreuz prägen die Silhouette der Wartburg seit mehr als 150 Jahren. Zu den Schätzen im Inneren zählen u. a. die von dem Maler Moritz von Schwind Mitte des 19. Jahrhunderts geschaffenen 14 Fresken im Sängersaal, im Landgrafenzimmer und in der Elisabethgalerie. Anknüpfend an diese und weitere, der Burg innewohnenden humanistischen Traditionen, präsentiert sich die Wartburg in der Gegenwart als ein lebendiger Ort der Weltkultur.

Heinz Stade

Das große Buch vom Glauben

23. Februar 2016 von Gemeinsame Redaktion  
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Interview: Die Theologin Annette Kurschus erzählt, wie sie die Bibel liest und versteht


Wie wichtig ist die Bibel, und wie kann man von ihr profitieren? Annette Kurschus, stellvertretende Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, erläutert, was ihr die Heilige Schrift bedeutet.
Mit ihr sprachen Anke von Legat und Gerd-Matthias Hoeffchen.

Frau Kurschus, muss ich Wort für Wort der Bibel ernst nehmen?
Kurschus: Unbedingt! Die Bibel soll ich Wort für Wort lesen. Fleißig, aufrichtig. Mit wachem Geist und offenem Herzen. Gerade weil ich sie ernst nehme, werde ich zu bestimmten Lesekriterien gelangen.

Nämlich zu welchen?
Kurschus: Die Bibel ist ein heiliges Buch. Sie erzählt von Gottes Geschichte mit den Menschen und von dem, was Gott mit uns vorhat. Aber sie ist nicht vom Himmel gefallen. Sie ist nicht aus einem Guss. Die Bibel ist eine Sammlung von sehr unterschiedlichen Glaubenszeugnissen.

Annette Kurschus: »Es ist wichtig, den ursprünglichen ›Sitz im Leben‹ der biblischen Texte aufzuspüren und ins Heute zu übertragen.« – Foto: tsew

Annette Kurschus: »Es ist wichtig, den ursprünglichen ›Sitz im Leben‹ der biblischen Texte aufzuspüren und ins Heute zu übertragen.« – Foto: tsew

Worin zeigen sich diese Unterschiede?
Kurschus: Wer die Bibel aufmerksam liest, wird sie unwillkürlich bemerken. Die Unterschiede fangen schon damit an, dass es verschiedene Schöpfungsberichte gibt. Wir lesen unterschiedliche Schilderungen der Geburt Jesu. Sehr vielfältig auch die Berichte von seiner Auferstehung. Es finden sich in der Bibel verschiedene Sichtweisen von Gott: Da begegnet uns der liebende, der zornige, der allmächtige, der leidende Gott. In der Bibel gibt es Spannungen, Widersprüche, Reibung. Und manches Geheimnisvolle.

Was in der Bibel steht, muss also nicht unbedingt wahr sein?
Kurschus: O doch, es ist wahr! Aber nicht im Sinne einer Reportage oder Dokumentation. Da hat niemand die Kamera draufgehalten oder ein Mikrofon. Die biblischen Erzählungen wollen die Wirklichkeit nicht exakt abbilden. Menschen erzählen davon, wie ihnen Gott begegnet ist. Oft tun sie das in Bildern oder Gleichnissen. Sie erzählen von dem, was ihnen Maßstäbe für ihr Leben gegeben hat; Kraft und Hoffnung auch über den Tod hinaus. Aus ihren Lebenszusammenhängen erzählen sie – zum Beispiel als Fischer, Zöllner, Mutter oder Witwe. Sie erzählen jeweils in einer bestimmten Zeit und in einer konkreten Situation.

Wenn die Erlebnisse und Schilderungen so unterschiedlich sind, wie kann die Bibel dann heute Orientierung und Wegweisung geben?
Kurschus: Es kommt darauf an, die ursprüngliche Absicht eines Textes zu erfassen: Was hat der Schreiber des Textes damals sagen wollen, und warum war es ihm wichtig? Wo war der »Sitz im Leben«? Wenn ich dem auf die Spur komme, kann der Text auch heute lebendig zu mir sprechen.

Ich kann die Bibel demnach nicht unmittelbar auf heute übertragen?
Kurschus: Doch, genau das muss ich tun: Die biblischen Aussagen auf die heutige Zeit, auf heutige Lebensumstände, auf mich persönlich übertragen. Aber wirklich übertragen. Hinübertransportieren. Und nicht eins zu eins übernehmen. In Wirklichkeit tut das auch niemand; nicht einmal diejenigen, die es von sich behaupten. Schauen Sie sich doch beispielsweise mal die Reinheitsgebote und Speisevorschriften an. Oder den Umstand, dass Sklavenhaltung oder Steinigung für selbstverständlich gehalten werden.

Man muss die Bibel also quasi mit jedem Lesen neu übersetzen ins eigene Leben – wird damit nicht der Beliebigkeit Tür und Tor geöffnet?
Kurschus: Das ist die Befürchtung, die viele haben. Es gibt eine tiefe Angst davor, auf den falschen Weg zu geraten. Und die Sehnsucht nach dem einen richtigen Weg ist groß. Aber der Glaube mutet uns die Erkenntnis zu: Die Wahrheit ist nicht einfach.

Klingt nach Arbeit.
Kurschus: Je nachdem. Manche biblischen Texte wirken aus sich heraus, ganz unmittelbar gehen sie ins Herz. Etwa die Geschichte vom verlorenen Sohn. Mit anderen Texten müssen wir regelrecht ringen und können sie auch dann kaum annehmen. Wer könnte etwa die Offenbarung des Johannes beim ersten Lesen verstehen? Es gibt Texte, die muss ich kauen, immer wieder kauen. Mit so mancher Bibelstelle werde ich wohl mein ganzes Leben lang nicht fertig werden: Ich komme in unterschiedlichen Lebensphasen zu ganz unterschiedlichen Auffassungen.

Muss man Theologie studiert haben, um die Bibel verstehen zu können?
Kurschus: Es ist wichtig, dass es theologische Fachleute gibt. Sie helfen dabei, den ursprünglichen »Sitz im Leben« der biblischen Texte aufzuspüren und ins Heute zu übertragen. Aber das tiefere Verstehen der Bibel hängt daran, dass ich mich mit anderen austausche. Diese anderen müssen nicht Theologen sein. Das Gespräch ist wichtig. Dabei höre ich Fragen, Erkenntnisse und Zweifel aus einem anderen Mund. Was mir hilft, kann ich mir nicht selber sagen. Trost und Verheißung wollen zugesagt sein.

Was kann mir bei all dem Ringen um das richtige Verständnis einer Bibelstelle Mut machen?
Kurschus: Die Gewissheit, dass Gott selbst es ist, der durch das menschliche Zeugnis zu mir spricht. Die Bibel gibt mir Orientierung und Halt für meinen Glauben, für mein Handeln, für mein Leben. Darauf hoffe ich auch für mein Sterben. Die Bibel ist so etwas wie eine Schatzkiste: Ich kann darin immer wieder Neues entdecken, mein Leben lang.

Gibt es so etwas wie einen Kompass für die Bibel?
Kurschus: Den gibt es tatsächlich. Martin Luther hat ihn genannt: Was Christum treibet. Mit anderen Worten: Was das Evangelium von Jesus Christus zum Leuchten bringt. Wir verstehen die Bibel von Christus her. Das soll für uns der Maßstab sein.

Was heißt das konkret?
Kurschus: Der Kern der biblischen Botschaft heißt: Gott hat sich selbst gegeben, um die Welt zu retten, damit allen Menschen geholfen werde. Daraus folgt: Ich soll ausnahmslos jedem Menschen mit Achtung, Respekt und Liebe begegnen. Das heißt nicht, dass ich alles gutheiße. Auseinandersetzungen darf ich gerade deshalb nicht aus dem Weg gehen. In der tiefen Überzeugung: Kein Mensch ist vor Gott grundsätzlich verloren. Und: Es gibt keine Situation, die vor Gott hoffnungslos ist.

»Es geht nicht ums Abnehmen«

22. Februar 2016 von Gemeinsame Redaktion  
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Passionszeit: Etwas weglassen, um etwas zu gewinnen – Fasten ist mehr als der Verzicht auf Genuss

Die Passionszeit gilt im Kirchenjahr als Fastenzeit –eine Bußübung und Besinnung auf das Leiden Christi. Heute stehen Entschlackung und Entschleunigung im Vordergrund.

Gibt man den Begriff »Fastenzeit« in eine der großen Suchmaschinen des Internets ein, so erhält man mehr als 1 150 000 Treffer. »Fastenzeit für Anfänger«, »Tipps und Tricks für die Fastenzeit«, »Anders leben in der Zeit vor Ostern«: so und so ähnlich heißen die angezeigten Seiten. Die Fastenzeit scheint im Bewusstsein der Menschen tief verankert zu sein. Dabei ergab kürzlich eine Umfrage des Nachrichtenmagazins »Focus«, dass nur 22 Prozent der Deutschen während der sieben Wochen vor dem Osterfest ihre Ess- und Trinkgewohnheiten mäßigen. In Ostdeutschland verzichten noch einmal deutlich weniger Menschen auf Alkohol, Fleisch oder andere Genussmittel.

»Wenn man Fasten nur als Verzicht begreift, dann bedeutet das eine Lebensminderung«, erklärt der Augustinerpater Jakob Olschewski. Für Bruder Jakob, der mit seinen Mitbrüdern in der Erfurter Reglergemeinde beheimatet ist, geht es in der Fastenzeit vor allem um das Wecken neuen Lebens. »Es gibt bei jedem Menschen Lebensbereiche, Talente, Interessen, die brach liegen. Ich finde es wichtig, diese zu finden und aufzuwecken, was das eigene Leben und das anderer reicher macht.«

Foto: piai – fotolia.com

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Das könnte das Musizieren allein und miteinander sein. Das könnte ein Bibelkreis sein, bei dem man sich mit Gottes Wort, aber auch mit den Menschen dort auseinandersetzt. »Momentan sind wir als Christen wieder besonders gefordert, für den Frieden in der Welt einzutreten, für die Gerechtigkeit und für die vielen Hilfesuchenden, die zu uns gekommen sind und noch kommen werden«, so Bruder Jakob. Das, was wir gerade erleben, könnte unsere Gesellschaft und auch die Christen verändern. »Alles, was dem Leben dient und den Beziehungen zwischen Menschen, ist etwas für die Fastenzeit«, betont er. Dabei könne man auch ganz neue Wege gehen.

So wie Tilman Wagenknecht von Bus und Bahn Thüringen. Mit seinem Team und unterstützt durch die EKM hat der gläubige Christ vor sechs Jahren das »Autofasten« in unserer Region ins Leben gerufen. Sich besinnen und das eigene Leben in der Fastenzeit neu auszurichten, hat für Wagenknecht nicht nur etwas mit Genussverzicht zu tun. »Die berufstätige Generation unserer Tage ist aufgewachsen in einem großen Bewusstsein für Fragen des Umweltschutzes. Doch bei den hohen Mobilitätsanforderungen des Berufslebens fehlen oft die Mittel, um umweltverträglich zur Arbeit und wieder nach Hause zu kommen«, so Wagenknecht. Um Job, Familie und Freizeit unter einen Hut zu bekommen, benutzen viele Menschen das Auto. Die Aktion »Autofasten«, die es auch in Rheinland-Pfalz und den katholischen Bistümern Mainz, Trier und Fulda gibt, will hier zu einem Bewusstseinswechsel verhelfen.

»Unser Autofasten-Mitmach-Kalender kann am Kühlschrank befestigt werden und ich kann immer sehen, wie ich es geschafft habe, umweltfreundlich mobil zu sein«, so Wagenknecht. Dies ist eine Möglichkeit, Schöpfungsverantwortung in der Fastenzeit wahrzunehmen und zu leben. Zusätzlicher Anreiz ist das VMT-Fasten-Ticket, bei dem die Mitmachenden sieben Wochen zum Preis einer vierwöchigen Monatskarte mobil sein können. Das Autofasten zeigt Alternativen auf, verteufelt das Auto aber nicht. Es bleibt eine Möglichkeit, die man nutzen kann.

Regeln und Verbote sind für die meisten Menschen eben nicht attraktiv. Da die Fastenzeit oft als Zeit des Verzichts wahrgenommen wird, ist es bei ihr ebenso. »Nur wenn Menschen die Kirche als eine Gemeinschaft des Lebens und nicht der Regeln, der Ge- und Verbote erleben, werden sie sich ihr zuwenden«, ist sich Bruder Jakob sicher. Darum hält er es für besonders wichtig, dass Christen von der Freude und Lebendigkeit ihres Glaubens Zeugnis abgeben. »Wir gehen auf Ostern zu. Das Leben wird wieder erwachen. Wenn wir das vermitteln, dann werden die Menschen neugierig, auf das was wir glauben und tun«, betont der Augustinerpater.

Er plädiert dafür, das Evangelium ernster zu nehmen. In katholischen, aber auch in manchen lutherischen Aschermittwochsgottesdiensten wird das Aschenkreuz gespendet. Darauf hat Bruder Jakob in diesem Jahr bewusst verzichtet. »Im Matthäusevangelium heißt es: Wenn du aber fastest, so salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht, damit du dich nicht vor den Leuten zeigst mit deinem Fasten, sondern vor deinem Vater (…). Und darum habe ich in diesem Jahr stattdessen eine Salbung der Menschen mit Myrrhe-Öl vorgenommen«, so Pater Jakob. »Gott schenkt uns Versöhnung und ruft uns dazu auf, diese Versöhnung und Freude an unsere Nächsten weiterzugeben. Vor allem in der Fastenzeit.«

Etwas weglassen, um etwas zu gewinnen und das Leben neu ordnen. So könnte man den Sinn der Fastenzeit überschreiben. »Es geht ja nicht, wie viele glauben, ums Abnehmen«, sagt Bruder Jakob. »Alkohol, Süßigkeiten, Autofahren: all das hat ja nichts mit meinem Innersten zu tun. Was macht einen Menschen denn lebendig? Das Zusammensein mit anderen. Und darum sollte dies auch im Vordergrund stehen«, meint er. Wenn jemand beschließe, die sieben Wochen vor dem Osterfest mehr Menschlichkeit – zum Beispiel am Arbeitsplatz – zu leben, dann wirke das im Nächsten und einem selber nach. Fastenzeit ist Zeit der Menschlichkeit, ist sich Bruder Jakob sicher.

Diana Steinbauer

Gott, Mode, Kunst

17. Februar 2016 von Gemeinsame Redaktion  
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Interview: Der Unternehmer und Kunstsammler Thomas Rusche

Im Kunsthaus Apolda ist eine Ausstellung »Vom Allmächtigen zum Leibhaftigen – Religiöse Motive in der SØR Rusche GmbH« zu sehen. Präsentiert werden Werke aus der Sammlung Thomas Rusches. Mit ihm sprach Sabine Kuschel.

Herr Rusche, zuerst eine Frage an den Herrenausstatter: Wie ist der moderne Mann gut angezogen?
Rusche:
Ob Mann oder Frau – zunächst sollte ein jeder seine Persönlichkeit kennen. Die Frage der guten Kleidung darf man nicht unterbewerten. Denn wir sprechen alle mit unserer Kleidung, noch bevor wir den Mund aufmachen. Der erste Eindruck zählt. Und den erzeugt die Kleidung. Wie bei allen wichtigen Fragen im Leben besteht der erste Schritt darin, uns selber kennenzulernen. Wissen wir, worin wir uns wohlfühlen, im Jackett oder im Pullover, welche Farben uns gefallen? Wenn wir uns in unserer Kleidung nicht wohlfühlen, dann spürt das der andere. Als Erstes gilt: Die Kleidung ist meine zweite Haut, ich sollte mich darin wohlfühlen. Als Nächstes folgt die Überlegung: Was mache ich heute? Wenn ich abends ins Theater gehe, ziehe ich mich anders an, als wenn ich im Wald einen Spaziergang mache. Für einen Waldspaziergang ziehe ich mich anders an, als wenn ich Freunde zum Bier besuche oder aber zu einem festlichen Abendessen. Drittens ist zu fragen: Was ist die Erwartungshaltung der anderen? Freunde in Apolda, die mich zu einem Abendessen einladen, erwarten vermutlich eine andere Kleidung, als bei einem festlichen Abendessen in London erwartet wird. Mein persönliches Gefühl, der objektive Anlass und die subjektiven Erwartungshaltungen der anderen – in diesem Dreieck entfaltet sich Kleidungskultur. Ich habe die Möglichkeit, durch meine Kleidung einen Beitrag zur Kultur zu leisten. Denn Kleidung ist, ebenso wie die Kunst, ein Kulturgut und nicht nur eine funktionelle Notwendigkeit.

Thomas Rusche: »Sobald ich bete, wird mir wieder bewusst, dass Gott mit mir durchs Leben geht.« Foto: privat

Thomas Rusche: »Sobald ich bete, wird mir wieder bewusst, dass Gott mit mir durchs Leben geht.« Foto: privat

Sprechen wir über Kunst. Sie sammeln seit Ihrer Kindheit Alte Meister, bevorzugt Alte niederländische Meister. Wie sind Sie dazu gekommen?
Rusche:
Weil meine Familie im Münsterland lebt. Und die niederländische Malerei des
17. Jahrhunderts auch das heutige Belgien und das Münsterland umfasst.

Im Kunsthaus Apolda sind religiöse Motive auf Bildern zeitgenössischer Kunst denen der alten Malerei gegenübergestellt. Die Ausstellung zeigt, dass Künstler heute auf christliche Ikonografie zurückgreifen. Das Interesse an religiösen Themen ist offensichtlich ungebrochen.
Rusche:
In der Kunst des 21. Jahrhunderts finden Sie die großen Sehnsuchtsfragen des Menschen. Das ist das Spannende an der Ausstellung. Ich glaube, dass große Kunst sich immer mit diesen großen Themen auseinandersetzt: Woher komme ich, wohin gehe ich, was soll mein Leben, gibt es einen Gott? Zeitgenössische Künstler drücken diese Themen in einer ähnlichen Vielfalt aus, wie ich das bei den niederländischen Alten Meistern erlebe. Es gibt Künstler in der Sammlung, auch Zeitgenossen, die das offensichtlich thematisieren in einer ungebrochenen christlichen Tradition. Und es gibt Künstler, die das Religiöse nur sehr zurückhaltend, andeutungsweise ausdrücken.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Gemälde für Ihre Sammlung aus?
Rusche:
Bilder, die ich erwerbe, wähle ich nicht primär nach Motiven aus, vielmehr geht es mir um mein inneres Angesprochensein. Ein Bild berührt mich oder es berührt mich nicht. Das hat relativ wenig mit Gefallen zu tun, vielmehr mit einer tieferen Schwingungsdimension als den ersten Eindruck. Kunst geht tiefer, wenn sie große Menschheits- und Gesellschaftsthemen anspricht. Und das geschieht oft bei religiös-provozierten Fragen.

Sie finden in der Kunst Antworten auf die tiefen Lebensfragen?
Rusche:
Zumindest finde ich sie dort auch gestellt. Ich glaube, dass es neben der Religion die Kunst ist, die große Lebens- und Menschheitsfragen benennt. Viele Künstler verzweifeln an der gesellschaftlichen Situation oder auch ganz persönlich an ihrem Leben. Große Kunst ist oftmals Ausdruck dieser Verzweiflung. Ein großer Unterschied zwischen Kunst und Religion, insbesondere der christlichen Religion besteht meines Erachtens darin, dass der christliche Glaube eine klare eindeutige Antwort auf die Menschheitsfragen gibt, zu der sich Künstler oftmals nicht durchringen können.

Ich persönlich bin Christ. Ich glaube, dass Jesus, diese große historisch bezeugte Persönlichkeit, der Christus, der Sohn Gottes, der Retter der Welt und auch meines ganz persönlichen Lebens ist.

Sie haben Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, Philosophie und Theologie studiert. Sie sind Unternehmer, Sie sind Kunstsammler. Was hat der Philosoph mit dem Unternehmer zu tun?
Rusche:
Es gibt eine große Schnittmenge zwischen Philosophie und Ökonomie: die Wirtschaftsethik. Sie fragt: Wie kann man auf moralische Weise Geld verdienen? Oder schließt Geldverdienen, ökonomisch profitabel zu sein, die Frage des Moralischen von vornherein aus? Die Wirtschaftsethik sagt Nein. Je größer die Schnittmenge zwischen dem Moralischen und dem Ökonomischen ist, desto besser geht es dir in Person, desto besser geht es dem Unternehmen, in welchem du arbeitest oder das du besitzt. Und desto besser geht es der Gesellschaft.

Wenn es in einem Arbeitsteam menschlich gut läuft, kann sich das auf den Erfolg des Unternehmens auswirken.

Was bedeutet es für Sie, reich zu sein?
Rusche:
Ob reich oder nicht, für mich ist wichtig: Wenn ich einen Euro in der Hand habe, überlege ich, was kann ich verantwortungsvoll mit diesem Euro tun? Wenn Sie jetzt einen Politiker nicht nach Geld, sondern nach Macht fragen würden, sollte er ähnlich antworten: Geld und politische Macht sind immer Gestaltungsauftrag. Was kann ich wie damit tun? Wie kann ich meine persönlichen Talente einbringen, um einen Beitrag zu leisten für das Gemeinwohl unserer Gesellschaft.

Sie haben mal gesagt, wenn Sie zum heiligen Josef beten, rappelt es bei Ihnen in der Kasse, mehr, als wenn Sie nicht beten würden oder wenn Sie nicht beten.
Rusche:
Dieser Ausspruch stammt von dem Leiter meines Jesuitenkollegs. Er sagte mir: Thomas, darf ich dir ein Geheimnis verraten? Wenn ich persönliche Probleme habe, dann bete ich zur Mutter Gottes, die hilft mir. Wenn ich finanzielle Probleme habe, dann bete ich zum heiligen Josef, und der hilft mir. Das habe ich früh verinnerlicht. Und es hilft auch mir bis heute.

Ganz konkret erfahre ich in meinem Leben ständig, dass der liebe Gott sich für unser aller, für dein und für mein kleines Leben interessiert und ihm nichts zu gering ist. Es liegt nun an uns Menschen, dass wir auch im Kleinsten um seine Hilfe bitten. Gott wartet nur darauf, von uns um Hilfe gebeten zu werden. Oftmals verliere ich mich im täglichen Hamsterrad meines Lebens und denke gar nicht an Gott. Dabei geht er mit seiner unendlichen Güte und Liebe immer mit mir. Sobald ich bete, wird mir wieder bewusst, dass Gott mit mir durchs Leben geht. Beten heißt, mich der Kraft Gottes zu vergewissern.

Zur Person
Thomas Rusche wurde 1962 in Münster (Westfalen) geboren. Nach seinem Abitur an einem jesuitischen Gymnasium studierte er von 1982 bis 1990 Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, Philosophie und Katholische Theologie.

Er leitet als Geschäftsführender Gesellschafter das Familienunternehmen, die SØR Rusche GmbH.

Als Kunstsammler fördert Rusche den Dialog zwischen zeitgenössischer Kunst und den Alten Meistern. Die Werke der Ausstellung »Vom Allmächtigen zum Leibhaftigen« im Apoldaer Kunsthaus stammen aus seiner Sammlung.

Polens Klerus steht bisher mehrheitlich zur neuen Regierung

17. Februar 2016 von Gemeinsame Redaktion  
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Seine Aussage von Ende Januar sorgt in Polen für Gesprächsstoff: »In Polen kam es zu einer Stimme des kranken Nationalismus, die glaubt, dass die Wertschätzung des eigenen Landes sich in Hass auf Fremde äußert. Das sind Menschen, die ihre Identität verloren haben«, sagte Stanislaw Gadecki, Erzbischof von Poznan/Posen. Gadecki äußerte dies, nachdem ihm Ausländer von ihrer Furcht vor Übergriffen berichteten. Nun rudert die Kurie zurück – die Aussage des Erzbischofs sei keinesfalls allgemein für Polen zu verstehen. Mit Kritik an der Lage der Nation will sich der Klerus offensichtlich nicht zu sehr aus dem Fenster lehnen.

Die Kirche hält fest zur seit Mitte November regierenden »Recht und Gerechtigkeit« (PiS) und umgekehrt. Denn in dem Land, in dem über 90 Prozent der Bevölkerung der Katholischen Kirche angehören, ist der »geistliche Beistand« für eine konservative Partei entscheidend. Die bis Mitte November regierende liberal-konservative »Bürgerplattform« (PO) sank in der Gunst des Klerus, da sie eine Verschärfung des ohnehin strikten Abtreibungsgesetzes ablehnte und ein Förderprogramm für die künstliche Befruchtung außerhalb des Mutterleibes in die Wege leitete. Daraufhin forderte das Episkopat die Gläubigen auf, diejenige Partei zu wählen, die sich für den Lebensschutz stark macht.

Jens Mattern berichtet für unsere Zeitung aus Polen.

Jens Mattern berichtet für unsere Zeitung aus Polen

Zwar beeilt sich auch die PiS derzeit nicht mit der Umsetzung entsprechender Gesetze. Marek Jedraszewski, der stellvertretende Vorsitzende der Bischofskonferenz, will der Regierung dennoch einen Bonus gewähren, da diese »einem großen Druck von innen und von außen« ausgesetzt sei. Eine Anspielung auf die Demonstrationen im Land und die Kritik aus Brüssel.

»Jede Hand, die gegen die Kirche erhoben wird, ist gegen Polen erhoben«, unterstrich PiS-Parteichef Jaroslaw Kaczynski den Bund mit dem Episkopat. »Die Kirche ist keine nationale Institution«, konterte allein der emeritierte Weihbischof Tadeusz Pieronek. Der als scharfzüngig bekannte 81-Jährige wehrt sich allgemein gegen die Vereinnahmung der Kirche von der Politik.

Doch ansonsten ist keine Kritik zu hören. Vielmehr stellen sich einige Würdenträger deutlich auf die Seite der Regierung und ihrer umstrittenen Änderungen. So warf Wladyslaw Mering, der Bischof von Wlocwalek, der außerparlamentarischen Protestbewegung »Komitee zur Verteidigung der Demokratie« (KOD), »wilden Hass« vor. Aber auch der liberale Erzbischof Stanislaw Dziwisz, Erzbischof von Krakau, kritisierte die bislang friedlichen Demonstrationen.

In der Flüchtlingsfrage könnte der Bund zwischen Episkopat und Politik allerdings Risse bekommen. Schließlich hat Papst Franziskus mit seinem Credo der Barmherzigkeit die Kirchen aufgefordert, Flüchtlinge zu beherbergen. Der Erzbischof von Posen gehörte bisher zu den wenigen Geistlichen Polens, die sich für die Aufnahme von Flüchtlingen in ihrer Diözese ausgesprochen haben.

Jens Mattern

»Jesus, der Hirsebrei des Lebens«

16. Februar 2016 von Gemeinsame Redaktion  
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Interview: Wie die Bibel in fremde Sprachen übertragen wird

Die christliche Organisation Wycliff setzt sich dafür ein, dass Menschen, deren Sprache noch nicht verschriftlicht ist, die Bibel kennenlernen. Silke Sauer, Pressereferentin bei Wycliff, war 13 Jahre im Tschad. Über ihre Erfahrungen, die Bibel in fremde Sprachen zu übersetzen, sprach mit ihr Sabine Kuschel.

Frau Sauer, seit dem gescheiterten Turmbau zu Babel gibt es keine einheitliche Sprache mehr. Wer Menschen in fremden Ländern Gottes Wort sagen will, muss es in der entsprechenden Sprache tun. Wie geht das in Regionen, in denen es keine Schriftsprache gibt?

Silke Sauer. Foto: privat

Silke Sauer. Foto: privat

Sauer: Wir arbeiten eng mit einheimischen Mitarbeitern zusammen, bilden sie zu Übersetzern aus und übersetzen dann gemeinsam mit ihnen. Die einheimischen Mitarbeiter bringen die Sprachkenntnis und die Kenntnis ihrer Kultur ein. Sie können beurteilen, wie die Bibelverse von ihren Landsleuten verstanden, vielleicht auch missverstanden werden. Wir bringen unser Wissen über Übersetzungswissenschaft, über Theologie, auch die Kenntnis der Ursprachen Griechisch und Hebräisch ein.

Oft stehen wir vor Herausforderungen, weil viele biblische Begriffe in bestimmten Regionen unbekannt sind.

Zum Beispiel?
Sauer:
Brot – ein zentraler Begriff in der Bibel. In manchen Gegenden essen die Menschen nicht täglich Brot. Die reichen Leute essen es manchmal in der Stadt. Wenn Brot ein Luxusartikel ist, wird die Aussage Jesu »Ich bin das Brot der Welt« von vornherein falsch verstanden.

Wie übersetzen Sie stattdessen?
Sauer:
Wir würden wahrscheinlich das Wort Brot durch das dortige Grundnahrungsmittel ersetzen, das ist Hirse. Also in dem Fall würde Jesus sagen: Ich bin der Hirsebrei des Lebens. Das entspricht der Grundaussage des biblischen Textes. Allerdings, wenn Jesus beim Abendmahl das Brot bricht, kann ich nicht sagen, Jesus hat den Hirsebrei auseinandergenommen. Bei diesem historischen Ereignis muss ich natürlich Brot schreiben. Bei Alltagsbegriffen, die in anderen Kulturen unbekannt sind, muss man überlegen, wie man sie übersetzt. Ein anderes noch schwierigeres Problem sind abstrakte Begriffe wie Barmherzigkeit, Opfer, für die es keine Begriffe gibt. Oder wenn es einen Begriff gibt, muss man schauen, wie er gefüllt ist. Was verstehen die Leute unter Barmherzigkeit, unter Liebe oder Gnade? Ist es das, was auch die Bibel darunter versteht? Manche dieser Worte werden nicht mit einem einzelnen Wort ausgedrückt, sondern mit einem ganzen Satz. Die einheimischen Übersetzer müssen überlegen, welche Situationen gibt es in unserem Alltag beispielsweise für Hoffnung, und wie sagen wir das. Denn ganz selten haben sie für bestimmte Begriffe eine Übersetzung parat. Das ist mühsam, bevor sie dafür Sätze, bildliche Umschreibungen gefunden haben. Sie müssen erst einmal dahinterkommen, wonach sie suchen müssen.

Wie kommt die Bibel in den Ländern, in denen Wycliff aktiv ist, an?
Sauer:
Bei den San Gula, wo wir gearbeitet haben, waren die Menschen nominell Muslime. Es waren keine streng gläubigen Muslime, aber manche biblischen Geschichten oder Personen kannten sie aus dem Koran, wie zum Beispiel den Josef, den David und den Abraham. Sie fanden es spannend, die biblischen Geschichten zu hören, weil diese im Koran nicht wirklich erzählt, sondern nur erwähnt werden.

Parallel zur Bibelübersetzung haben wir biblische Geschichtenerzähler ausgebildet und mit ihnen sehr gute Erfahrungen gemacht. Geschichten erzählen gehört zu deren Kultur. Zunächst haben wir Einheimischen verschiedener Sprachgruppen ausgewählte biblische Geschichten erzählt. Sie haben diese dann mündlich in ihre eigenen Sprachen übersetzt, auswendig gelernt und in ihren Dörfern wieder erzählt. Das war der absolute Renner. Dabei haben die Übersetzer zum ersten Mal erlebt, dass Menschen zum Glauben gekommen sind. Weil sie diesen erzählten Geschichten mehr Glauben geschenkt haben als den geschriebenen Texten. Bis dahin, dass Muslime zu uns gekommen sind und gesagt haben, sie wollten auch biblische Geschichtenerzähler werden.

Wycliff
Die christliche Organisation Wycliff ist international tätig. Sie setzt sich dafür ein, dass Menschen aus unbeachteten Volksgruppen eine geeignete Schrift für ihre Sprache entwickeln können, eine theologisch und sprachwissenschaftlich fundierte Bibelübersetzung bekommen und Schulunterricht in der Mutter-sprache erteilt wird. Viele der 150 Mitarbeiter sind in afrikanischen Ländern, vor allem im Tschad, in Tansania und Äthiopien, tätig. Daneben arbeitet die Organisation auch in Asien und im pazifischen Raum. Nach eigenen Angaben gibt es noch 1 778 Sprachen, in die die Bibel noch nicht übersetzt ist. Die Organisation ist auch in Ländern aktiv, in denen die Religionsfreiheit eingeschränkt ist.

Kirche ist kein Vereinsheim

15. Februar 2016 von Gemeinsame Redaktion  
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Die EKM will zum Reformationsjubiläum eine gute Gastgeberin sein

In Psalm 61 heißt es: »Lass mich wohnen in deinem Zelte ewiglich und Zuflucht haben unter deinen Fittichen.« Zuflucht, Geborgenheit, Hilfe, Ruhe und Schutz – all das will und all das kann ein Gotteshaus bieten.

»Unsere Kirchengebäude laden jeden Menschen ein, zur Besinnung zu kommen, sich in eine Bank zu setzen, ein Gespräch mit Gott zu führen oder einfach den eigenen Gedanken nachzuhängen – falls die Kirche geöffnet ist«, erklärte Landesbischöfin Ilse Junkermann während der Herbstsynode in Erfurt.

Verlässlich geöffnete Kirchen – bald eine Selbstverständlichkeit in den Gotteshäusern der EKM? Foto: epd-bild/Rainer Oettel

Verlässlich geöffnete Kirchen – bald eine Selbstverständlichkeit in den Gotteshäusern der EKM? Foto: epd-bild/Rainer Oettel

Dieser Umstand sei Anlass für einen Bewusstseinswechsel in der Landeskirche. »Die EKM will auf das Reforma­tionsjubiläum hin eine gute Gastgeberin sein. Dazu gehören auch verlässlich geöffnete Kirchen«, ließ die Landes­bischöfin die Synodalen wissen.

Täglich geöffnete Kirchen gibt es in vielen Regionen, wie dem Eichsfeld, in Mecklenburg oder auch in Südtirol. Auf dem Gebiet der Landeskirche aber sind nur wenige der gut 4 000 Kirchen stetig geöffnet. Das hängt mit gemeindlichen Strukturen, Personalabbau, aber auch baulichen und versicherungstechnischen Vorgaben zusammen. Denn so einleuchtend der Vorschlag der Kirchenleitung auch ist: Seelsorger und Gemeindekirchenräte vor Ort sehen bei der praktischen Umsetzung durchaus Probleme und großen Gesprächsbedarf.

Viele meinen, mit dem Aufsperren der Kirchentüre sei es nicht getan. Superintendentin Angelika Greim-Harland aus Arnstadt erklärt dies so: »Es geht zuallererst um eine grundsätzliche Öffnung der Gemeinden, deren Haus und auch Symbol die Kirche ist.« Sie gibt zu bedenken, dass »an den Stellen, wo Gemeinde vor Ort nicht mehr erlebbar ist, weil sie ausgedünnt ist, weil sie die Funktionen einer Kirchengemeinde nicht mehr vollständig wahrnehmen kann, dass es dort mitunter nicht leicht ist, ein Bewusstsein für das Vorhaben der Landeskirche zu finden«. Darum plädiert Greim-Harland dafür, das Vorhaben »Offene Kirchen« an den Prozess »Gemeinde-neu-denken« zu koppeln. »Viele kleine Gemeinden sind durch große Probleme, wie etwa die Baulast, beladen. Dies ist oft erdrückend und ein Vorhaben wie das der Landeskirche verunsichert viele, und sie fragen: Was bedeutet das für uns?« Greim-Harland hat festgestellt, dass sich im Gespräch die Widerstände und Vorurteile aber gut und schnell beilegen lassen. »Wir werden das Thema im Konvent, in den Gemeindekirchenräten und beim Kirchenältestentag besprechen«, so die Superintendentin. Für sie ist ganz klar, dass es die Öffnung der Gemeinden braucht, damit Kirche wieder öffentlicher und spiritueller Raum für alle Menschen wird.

Eben für dieses Ender­gebnis möchte die Landes­kirche die Weichen stellen und wirbt darum, dass ab spätestens Frühjahr 2016 jedes Kirchengebäude tagsüber geöffnet ist. Junkermann betonte immer wieder, es sei fatal, wenn die Kirche zu einer Art Club nur für Mitglieder verkäme, mit dem Kirchgebäude als »Vereinsheim«. Kirche für andere sein, das ist Programm.

Dass ihr Vorstoß auch Risiken birgt, dessen ist sich die Landesbischöfin bewusst. Vandalismus und Diebstahl sind ein nicht wegzudiskutierendes Risiko. Und dennoch: Auch Jesus Christus sei ein großes Risiko eingegangen. Dieses habe ihn bis ans Kreuz gebracht. »Dort hat er sehr viel Vandalismus auf sich genommen, um uns mit seiner Versöhnung zu erreichen.« Ein Argument, dem kaum etwas entgegenzusetzen ist.

Diana Steinbauer

»Noch ist Polen nicht verloren«

10. Februar 2016 von Gemeinsame Redaktion  
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Reportage: Polens nationalkonservative Regierung baut den Staat um – doch der Widerstand wächst

Der derzeitige tief greifende Umbau des polnischen Staates bringt nicht nur Spannungen innerhalb der Europäischen Union. Auch im Land selbst formiert sich Widerstand.

Das Café am Rande der Krakauer Altstadt ist bis auf den letzten Platz gefüllt, doch noch immer strömen Menschen hinein. Sie sind in Mäntel eingehüllt, viele tragen eine Pelzmütze. Und fast alle kommen mit einer weiß-roten polnischen Flagge. »Wir müssen unsere Fahne zurückerobern«, sagt Frau Anna, »wir dürfen sie nicht den Nationalisten überlassen«. Demonstrativ schwenkt sie eine zweite Flagge, die einen Kreis aus zwölf goldenen Sternen auf blauem Hintergrund zeigt. »Polen gehört zur Europäischen Union, und dafür stehen wir!«, ruft sie. »Einheit, Solidarität, Verständigung – das sind unsere Werte!«

Mit einer Europafahne und der Flagge Polens demonstriert diese Frau in Warschau gegen die Politik der derzeitigen Regierung. Foto: REUTERS/Kacper Pempel

Mit einer Europafahne und der Flagge Polens demonstriert diese Frau in Warschau gegen die Politik der derzeitigen Regierung. Foto: REUTERS/Kacper Pempel

»Für diese Werte kämpfen wir«, ergänzt Herr Janusz, ihr Begleiter. »Und wir schützen die Demokratie!«, fügt er ebenso leidenschaftlich wie lautstark hinzu. Frau Anna und Herr Janusz haben die 70 längst überschritten, aber sie lassen keine Demonstration gegen die nationalkonservative Regierung aus, die seit November 2015 das Land mit absoluter Mehrheit regiert und in einer Geschwindigkeit umgestaltet, dass der britische Osteuropa-Experte Timothy Garton Ash von einem »political blitzkrieg« spricht. Auch in der Eiseskälte des Januars haben die beiden wieder demonstriert – so wie Zehntausende anderer Polen im In- und Ausland.

Das Parlament hatte sich keine Weihnachtspause gegönnt und am Tag vor Silvester ein Mediengesetz verabschiedet, das am 7. Januar von Staats­präsident Andrzej Duda trotz internationaler Proteste unterzeichnet wurde. Es macht die öffentlich-rechtlichen Medien zu Verlautbarungsorganen der Regierung: Sie sollen in »nationale Kulturinstitute« umgewandelt werden, die Leitungspositionen werden künftig vom Schatzminister besetzt. Geplant ist zudem, innerhalb von drei Monaten allen Mitarbeitern des öffentlichen Rundfunks und der staatlichen Nachrichtenagentur PAP zu kündigen und dann im Einzelfall zu entscheiden, wer seine Arbeit behalten kann. Private Medien, an denen ausländische Verlage beteiligt sind, sollen »repolonisiert« werden.

Die Mediengesetze sind nur ein weiterer Schritt auf dem Weg zur »Reparatur des Landes«, wie Jaroslaw Kaczynski, der Vorsitzende der Regierungspartei »Recht und Gerechtigkeit« (PiS), den radikalen Umbau des 38-Millionen-Einwohner-Staates bezeichnet. Zuvor waren bereits das Verfassungsgericht entmachtet und Spitzenstellen in Verwaltung und Staatsbetrieben neu besetzt worden. Der Koordinator der Geheimdienste ist nun ein Parteifreund, der wegen Amtsmissbrauchs zu drei Jahren Haft verurteilt worden war. Damit er sein neues Amt überhaupt antreten konnte, hatte ihn Staatspräsident Duda kurzerhand begnadigt – obwohl das Urteil noch gar nicht rechtskräftig war.

»Ist das nicht unfassbar?«, fragt Herr Stanislaw und hebt die Hände. Während des Kriegsrechts vor 30 Jahren habe er seine Wohnung der Opposition zur Verfügung gestellt – für konspirative Treffen der Solidarnosc-Bewegung. »Wenn ich damals geahnt hätte, was die heute machen …«, sagt er und spielt vor allem auf Solidarnosc-Mitglied Jaroslaw Kaczynski an.

Der 66-jährige Kaczynski vertritt ein extrem katholisch-nationalistisches Weltbild und ist der eigentliche starke Mann der Regierung: Ministerpräsidentin Beata Szydlo, seit 16. November im Amt, und auch der im August 2015 vereidigte Staatspräsident Andrzej Duda gelten als seine willfährigen Marionetten und Befehlsempfänger. Kaczynski war bereits von 2006 bis 2007 Ministerpräsident einer EU-skeptischen und anti-deutschen Regierung – unter der Präsidentschaft seines Zwillingsbruders Lech, der im April 2010 bei dem Flugzeugabsturz bei Smolensk ums Leben gekommen war. Sein Vorbild ist der ungarische Premierminister Viktor Orban, mit dem er sich Anfang Januar traf, um eine strategische Allianz zu schmieden.

Im Wahlkampf noch hatte Kaczynski nationalistische Töne vermieden und vor allem auf soziale Themen gesetzt. Versprechungen, das Kindergeld zu erhöhen oder das Renteneintrittsalter wieder zu senken, fielen auf fruchtbaren Boden – vor allem bei denjenigen, die von dem Wirtschaftsboom unter dem Manchester-Kapitalismus der liberal-konservativen Vorgängerregierung nicht profitierten.

Doch wes Geistes Kind die neue Regierung ist, wurde rasch deutlich: Ministerpräsidentin Szydlo ließ vor ihrer ersten Regierungserklärung demonstrativ die EU-Fahne aus dem Saal entfernen. Und: Als in Wroclaw/Breslau auf einer anti-muslimischen Demonstration die Figur eines orthodoxen Juden, der eine EU-Flagge in der Hand hielt, verbrannt wurde, weigerte sich die Regierung, die antisemitische Aktion zu verurteilen.

So ist es kein Wunder, dass in den sozialen Netzen, aber auch von rechtsextremen Politikern unverhohlen verbreitet wird, die vom »Komitee zum Schutz der Demokratie« (KOD) organisierten Demonstrationen würden von Juden finanziert.

Kaczynski selbst kennt nur noch Freund und Feind. Kritiker bezichtigt er des Vaterlandsverrats, der »bei manchen Leuten wie in den Genen« sei – sie seien »Polen der schlimmsten Sorte«. Und er zückt auch wieder die anti-deutsche Karte: »Kein Druck, keine Worte, die vor allem nicht über die Lippen deutscher Politiker kommen sollten, werden uns von diesem Weg abbringen«, betonte er erst kürzlich. Sein Außenminister Witold Waszczykowski war bereits Anfang Januar vorgeprescht: Als er in einem Interview mit der Bild-Zeitung vor einem »neuen Mix von Kulturen und Rassen« warnte und vor einer »Welt aus Radfahrern und Vegetariern, die nur noch auf erneuerbare Energien setzen und gegen jede Form der Religion kämpfen«, war allen klar, wer gemeint war.

Und so fallen bei den PiS-Anhängern auch im Blick auf Deutschland alle Hemmungen. Die Ereignisse der Silvesternacht werden mit hämischer Schadenfreude kommentiert, und es scheint, als ob der Zweite Weltkrieg erst gestern geendet hätte: Kritiker werden als »Volksdeutsche« diffamiert, und die rechtsgerichtete Gazeta Polska zeigt auf dem Titelblatt ein Foto von Wehrmachtssoldaten, die einen polnischen Grenzpfahl zerbrechen. Ihre Gesichter: Kanzlerin Angela Merkel, EU-Kommissar Günther Oettinger, und EU-Parla­mentspräsident Martin Schulz.

Er habe nie erwartet, sagt Herr Janusz, dass er jemals die Demokratie, die man in Polen über zweieinhalb Jahrzehnte mühsam aufgebaut habe, gegen die eigene Regierung verteidigen müsse. Er befürchte, dass Ex-Präsident Lech Walesa, der einen »Bürgerkrieg« prophezeit hat, recht behält. Frau Magdalena ist optimistischer: Kaczynski sei ein verbitterter alter Mann, die Regierung werde ihre sozialen Versprechungen nicht einhalten können und bald den Rückhalt verlieren, und die Polen hätten schon ganz andere Regime gestürzt. Und sie beginnt die Nationalhymne zu singen: »Noch ist Polen nicht verloren …«

Uwe von Seltmann

Uwe von Seltmann war Chefredakteur der sächsischen Kirchenzeitung »DER SONNTAG« und arbeitet heute als freier Journalist in Polen.

»Lachen ist die beste Medizin«

9. Februar 2016 von Gemeinsame Redaktion  
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Humor – ein besonderes Heilmittel, das wirkt, wenn sonst nichts hilft

Immer, wenn wir als Kinder krank wurden, hatte meine Mutter zusätzlich zu den Verschreibungen der Ärzte irgendein Hausmittel parat. Ob das kalte Wadenwickel waren oder eine abenteuerlich riechende Essenz – irgendein Heilmittel hatte sie immer. Uns Geschwistern hat das gut getan. Zu wissen: Für jede Krankheit, für jede Verletzung hat unsere Mutter etwas parat. Etwas, das auf geheimnisvolle Art hilft. Ich habe das bis in mein fortgeschrittenes Alter beibehalten. Zum einen, das Wissen darum, dass es Mittel gibt, die auch dann noch wirken, wenn alles andere versagt. Und – dass es sich lohnt nach Heilmitteln zu suchen. Im Laufe meines Lebens bin ich dann auf eine ganze Reihe solcher Elixiere gestoßen. Mein Glaube gehört dazu, auch die Musik, der Tanz und vieles andere mehr.

Es lohnt sich nach Heilmitteln zu suchen. Im Laufe meines Lebens bin ich auf eine ganze Reihe solcher Elixiere gestoßen. Mein Glaube gehört dazu, auch die Musik, der Tanz und als besonders hilfreiches Heilmittel der Humor. Rolf-Michael Turek

Es lohnt sich nach Heilmitteln zu suchen. Im Laufe meines Lebens bin ich auf eine ganze Reihe solcher Elixiere gestoßen. Mein Glaube gehört dazu, auch die Musik, der Tanz und als besonders hilfreiches Heilmittel der Humor. Rolf-Michael Turek

Als ganz besonders hilfreiches Heilmittel ist mir dabei im Laufe der Zeit der Humor immer wichtiger geworden. Ihn habe ich nicht nur schätzen gelernt als ein Mittel unter anderen, sondern als ein Mittel für den Notfall. Er ist für mich geradezu zu einer Überlebensstrategie geworden. Einer Strategie, die mir dabei hilft, in aussichtslos erscheinenden Situationen nicht den Kopf zu verlieren. Bestärkt hat mich in dieser Überzeugung Viktor Frankl. Als jüdischer Arzt war Viktor Frankl während der Naziherrschaft nach Auschwitz deportiert worden. Seine Erfahrungen dort hat er dann in einem Buch verarbeitet. Dem Lager-Humor hat er dabei ein ganzes Kapitel gewidmet. An einer Stelle schreibt er: »Auch der Humor ist eine Waffe der Seele im Kampf um ihre Selbsterhaltung. Ist es doch bekannt, dass der Humor wie kaum sonst etwas im menschlichen Dasein geeignet ist, Distanz zu schaffen und sich über die Situation zu stellen … Es gibt nun einmal Situationen, in denen keine Wahl mehr bleibt, es sei denn, die Wahl der Haltung und der Einstellung.«

Als Seelsorger in einem Leipziger Krankenhaus habe ich viele Jahre von diesem Heilmittel reichlich Gebrauch gemacht – sowohl für mich selbst als auch als Angebot für andere. Wie oft habe ich dort Menschen an ihren Grenzen erlebt, in Situationen, die sich nicht ändern ließen. Der Satz »Wem das Wasser bis zum Hals steht, der sollte den Kopf nicht hängen lassen« ist hier zu einem meiner Leitsätze geworden.

Auf den ersten Blick scheinen Humor und Krankenhaus unvereinbar zu sein. Im Krankenhaus wird gelitten und gestöhnt, geschnitten und gestochen, Blut gezapft und bittere Medizin verabreicht. Doch wer, wie auch immer, einige Zeit im Krankenhaus zugebracht hat, weiß: Das Krankenhaus ist auch ein Ort, wo gelacht wird. Manchmal zwar nur hinter vorgehaltener Hand. Aber es lachen sowohl Ärztinnen und Schwestern, Sozialarbeiter und Psychotherapeuten, Patienten und Angehörige.

Neben all dem Anderen, dem Schmerz und dem Leid, der Trauer und der Erschöpfung gibt es eben auch den Humor und das Lachen. Die Nähe von Krankheit und Tod, von Leid und Krise scheinen mit Humor nicht vereinbar zu sein. Ursachen und Folgen von Krankheit und Behinderung sind alles andere als lustig.

Und wirft man einen Blick in die Geschichte, kommt ein weiterer Grund dazu: Zahlreiche Krankenhäuser gehen zurück auf religiöse oder klösterliche Initiativen. Später dann wurde die professionelle Pflege in das militärische System eingebunden. Und – ob uns das gefällt oder nicht: sowohl in militärisch-hierarchischen Systemen als auch in den karitativen Diensten ist Humor nicht selbstverständlich. Humor lebt nämlich vom Impulsiven. Er ist gepaart mit Respektlosigkeit und unterläuft vorgefertigte Denkmuster. So etwas passt weder in den militärischen noch kirchlichen Alltag. Im Herzen der Menschen gehörte allerdings beides immer schon zusammen. »Lachen ist die beste Medizin.« »Wer zuletzt lacht, lacht am besten.« »Humor ist, wenn man trotzdem lacht.« oder auch: »Lachen ist die schönste Art, dem Gegner die Zähne zu zeigen.« Diese Sprüche sprechen eine ganz andere Sprache.

Wenn nun auch Lachen und Humor eng miteinander verwandt sind, so sind sie doch nicht identisch. Während Lachen eine gesundheitsfördernde physische Reaktion ist, ist Humor eine innere Haltung. Eine Haltung, die mir Distanz schafft zu dem, was mich zu überschwemmen droht. Erich Kästner hat es für mich auf den Punkt gebracht, wenn er schreibt: »… Jeder Mensch erwerbe sich Humor! … Der Humor rückt den Augenblick an die richtige Stelle. Er lehrt uns, die wahre Größenordnung und die gültige Perspektive. Er macht die Erde zu einem kleinen Stern, die Weltgeschichte zu einem Atemzug und uns selber bescheiden.«

Rolf-Michael Turek, Pfarrer i. R.

Es gibt sie doch – die Fastnacht in der evangelischen Kirche!

8. Februar 2016 von Gemeinsame Redaktion  
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Merkwürdige Ereignisse: Die Enthüllungsredaktion auf Spurensuche im Landeskirchenamt

Haben Sie, liebe Leserin, lieber Leser, schon einmal etwas von einem kirchlichen Aschermittwoch oder generell von Fastnacht in der Kirche gehört? Nein? Woran mag das wohl liegen?! Vielleicht an der Tatsache, dass das Feiern der Fastnacht unter Steinigung in der evangelischen Kirche verboten ist? Durch das Fröhnen der Sünde während der fünften Jahreszeit geht die protestantische Arbeitsethik den Bach herunter. Unsere Vorstellungen von Fastnacht sind jedoch geprägt von Unproduktivität in Verbindung mit Alkohol und exzessiven Feiern, die dadurch gekrönt werden, dass sich Pfarrer sogar als der Teufel persönlich maskieren. Dies war auch die Meinung des großen Reformators Martin Luther höchst persönlich. »Verlacht den Feind und sucht Euch jemand, mit dem Ihr plaudern könnt […] oder trinkt mehr, oder scherzt, treibt Kurzweil oder sonst etwas Heiteres. Man muss bisweilen mehr trinken, spielen, Kurzweil treiben und dabei sogar irgendeine Sünde riskieren […]«, teilte Martin Luther unserer Redaktion in einem früheren Exklusivinterview mit.

Doch warum widerspricht die Kirche heute so vehement ihrem einstigen Gründervater? Wie kam es zu dem plötzlichen Sinneswandel, der bereits kurz nach seinem Tod einsetzte? Und ist Martin Luther wirklich tot? Ihre Enthüllungsredaktion ist im Landeskirchenamt auf Spurensuche gegangen. Was uns dort begegnete, ließ unseren Glauben in seinen Grundfesten erschüttern: Während des Besuches unserer vertraulichen Quelle am 11. 11. 2015 wurden wir gegen 11.10 Uhr zum Aufbruch gedrängt. Vor der Glasfassade des Amtes stehend, schlug die Turmuhr 11.11 Uhr. Im Inneren des Gebäudes wurde es unruhig und Mitarbeiter eilten von Büro zu Büro. Bunte Girlanden wurden aufgehangen, Pfannkuchen verteilt und plötzlich traten kostümierte Gestalten auf die Flure. Das ganze Amt – ein Haufen voller Narren. Bis heute meinen wir, es wäre Landesbischöfin Junkermann selbst gewesen, die als Papst verkleidet einen gigantischen Umzug anführte.

»Glaube + Einfalt« inkognito mit dem Original. Foto: Anonymus

»Glaube + Einfalt« inkognito mit dem Original. Foto: Anonymus

Auf verstärkte Nachfragen unserer Redaktion zu diesen merkwürdigen Ereignissen, erfolgte bis heute bedauerlicherweise keine Antwort. So bleibt uns nur übrig, Vermutungen anzustellen. Unsere schlüssigste Theorie lautet daher wie folgt: Es liegt ein klarer Fall von Wasser predigen und Wein trinken vor. Denn die Amtskirche sah – und sieht bis heute – in der Fastnachtsfeier eine Gefahr für den Otto-Normal-Gläubigen, der sich dem Suff und der Völlerei hingibt und anschließend nicht angemessen fastet. Im Landeskirchenamt muss sich jedoch der Versuchung hingegeben werden, um der bevorstehenden Passionszeit einen angemessenen Respekt zu zollen und die Unfehlbarkeit des Amts zu wahren. Dies kann jedoch einzig unter der allmächtigen theologischen Anleitung der Bischöfin geschehen, um die Sünden der Kirchenbeamten nicht auf Fegefeuerjahre anzurechnen.

Doch, um noch einmal Luther zu zitieren: »Eine Fastnachtsfeier gilt erst als gelungen, wenn Bierkrüge durch die Wirtshäuser fliegen und auf den Köpfen der Gäste des Nebentisches zerspringen.«

Nach den Ereignissen, die wir im Landeskirchenamt verfolgt haben, stellten wir uns die Frage, ob wir diese Erkenntnisse veröffentlichen können. Schließlich sind dies intime Details aus der Amtskirche. Außerdem fragen wir uns, was dies für das Feiern der Fastnacht in der evangelischen Kirche bedeutet und überlegten so in unserer Redaktion, wie wir mit dem Brauch der Fastnachtsfeier umgehen sollen und was wir Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, mit auf den Weg geben können. Folgenden Entschluss haben wir gefasst: Was das Landeskirchenamt kann, das können wir schon lange! Also veranstalteten wir in unserer Redaktion eine Fastnachtsfeier, ganz im Sinne des Reformators und feierten ausgelassen und feuchtfröhlich. Denn warum veranstaltet die Evangelischen Kirche eine Aktion namens »7 Wochen ohne …«? Warum sollten wir überhaupt fasten, wenn wir nicht wenigstens ausgiebig vorher gefeiert haben? Gewiss nicht, weil mit dem Aschermittwoch die Passionszeit beginnt.

Denn Jesus hat vor seinem Tod nicht gefastet. Also feiern Sie ausgiebig, außerhalb des Gottesdienstes darf auch mal gelacht werden und viel Spaß beim Verkleiden! In diesem Sinne: Ein dreifach gedonnertes HELAU! Bleiben Sie fromm.

Ihre Fastnachtsredaktion in Zusammenarbeit mit Ihrer Enthüllungsredaktion.

Übergriffe in Flüchtlingsheimen

8. Februar 2016 von Gemeinsame Redaktion  
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Die Meldung ging Anfang Januar durch die Medien: In der kleinen Flüchtlingsunterkunft im anhaltischen Ballenstedt hatte ein muslimischer Syrer einer Christin aus dem nordafrikanischen Eritrea gedroht: »Ich komme im Schlaf und schlachte dein Baby.« Auslöser war eine Diskussion über den Glauben, bei der die Frau sich wohl offen zu ihrem Christsein bekannte. Sie hatte den Mut, die Polizei zu verständigen, die die Drohung erst nahm. Der syrische Mann kam mitsamt seiner Familie zurück in das Aufnahmelager in Halberstadt.

Nicht ausblenden, sondern benennen

Ballenstedts Oberpfarrer Theodor Hering kennt die Frau von ihren gelegentlichen Gottesdienstbesuchen. Es ist in Ballenstedt bisher ein Einzelfall und Hering ist erstaunt über den Widerhall, den die Meldung in den Medien und in Netzwerken fand. Aber er erlebt auch, dass solche Vorfälle heruntergespielt werden. Sicher oft in guter Absicht, keine Ressentiments gegenüber Flüchtlingen im allgemeinen und Muslimen im besonderen zu schüren. »Aber man muss klar zur Kenntnis nehmen, dass es solche Fälle von Bedrohungen gibt, und sie nicht ausblenden, sondern beim Namen nennen«, so der Pfarrer. Die Situation der Christen in den muslimisch dominierten Flüchtlingsunterkünften sei eine große Herausforderung für die ehrenamtlichen Helfer.

Christen sind eine kleine Minderheit in Flüchtlingsunterkünften – viele berichten von Anfeindungen und Hass. Foto: privat

Christen sind eine kleine Minderheit in Flüchtlingsunterkünften – viele berichten von Anfeindungen und Hass. Foto: privat

Das bestätigt auch Cordula Haase, Migrationsbeauftragte der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. In ihrem Arbeitsbereich wisse man »informell« um solche Bedrohungssituationen christlicher Asylbewerber und Flüchtlinge. »Informell« bedeute, dass man von derartigen Vorfällen zumeist nur im seelsorgerlichen Gespräch erführe. Besonders würden Ängste zunehmen, wenn ehemalige Muslime Kontakt zur christlichen Gemeinden finden, die Religion wechseln wollen und den Taufunterricht besuchen, so Haase.

Glaube soll außen vor bleiben

Die Beauftragte gibt offen zu, dass man bisher kaum wisse, wie mit den Problemen umgegangen werden kann. Und sie macht auf ein weiteres Problem aufmerksam: In Sachsen-Anhalt bekämen kirchliche Mitarbeiter Probleme mit den Betreibern der Unterkünfte, wenn seelsorgerliche Anliegen thematisiert würden. »Solange wir nur rein karitative Hilfe anbieten, sind wir willkommen, aber sobald wir über unseren Glauben reden, soll das außen vor bleiben«, beschreibt sie die Situation. Selbst gedruckte Einladungen zu seelsorgerlichen Angeboten dürften in manchen Heimen nicht ausgelegt werden, beklagt Haase.

Dass dies in Thüringen anders ist, bestätigt Adelino Massuvira Joao. Der gebürtige Mosambikaner ist Flüchtlingsbeauftragter des Kirchenkreises Suhl und gehört zum Beirat der großen Flüchtlingsunterkunft in der Stadt. Bedrohungen von christlichen Flüchtlingen erlebt er derzeit nicht. Den einzigen Fall im vergangenen Jahr sieht er vor allem als Folge der damals gravierenden Überbelegung des Wohnheimes. Gelegentliche Rangeleien hätten eher nationale Hintergründe, so Massuvira Joao.

Harald Krille

Kleine Gemeinde mit großen Plänen

4. Februar 2016 von Gemeinsame Redaktion  
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Frankreich: Die lutherische Gemeinde in Noisy le Grand bei Paris sucht dringend Sponsoren


Die kleine und junge lutherische Gemeinde von Noisy le Grand bei Paris will eine ökologische Kirche bauen und damit auch ein ökologisches Zeichen setzen.

Das neue Gebäude soll zum großen Teil aus Glas, Stein und Holz bestehen und klima­freundlich wirtschaften. Dafür sucht die Gemeinde in ganz Europa finanzielle Unterstützung. Protestanten aus Paris, München und aus skandinavischen Gemeinden haben bereits ihre Hilfe zugesagt.

Die lutherische Gemeinde Saint-Marc in dem Pariser Vorort Noisy le Grand besteht seit 1960 und feiert seit 1967 Gottesdienst in einem Fertigbau am Siedlungsrand. Vierundvierzig Familien gehören zu dieser ansteckend frommen Gemeinde. Zum Gottesdienst am Sonntag kommen etwa 40 Menschen, wenn aber zu den Fest- und Familiengottesdiensten 150 Gäste da sind, platzt die kleine Kapelle schon mal aus allen Nähten. Eine größere Kirche ist dringend geboten. Ohnehin muss die Gemeinde demnächst umziehen, denn dort, wo ihre Kapelle jetzt steht, soll ein ganz neuer Stadtteil gebaut werden: 1 200 bis 1 400 Wohnungen sollen entstehen, in vierstöckigen Anlagen, dazu eine Schule und ein Kindergarten.

Gottesdienst noch im tristen Fertigbau: Denis Zandvliet vom Kirchenvorstand und Kirchenvorstands­präsidentin Pierrette Lienhart hoffen auf den Neubau. – Foto: Holger Wetjen

Gottesdienst noch im tristen Fertigbau: Denis Zandvliet vom Kirchenvorstand und Kirchenvorstands­präsidentin Pierrette Lienhart hoffen auf den Neubau. – Foto: Holger Wetjen

Etwas näher am Ortskern soll die Gemeinde Saint-Marc dann eine neue Kirche bauen können. Vorgesehen ist, dass die Kirchengemeinde die Hälfte ihres bisherigen Grundstücks an die Stadt abgibt – die darauf das Vorverkaufsrecht hat –, und die Stadt im Gegenzug die Grundmauern der neuen Kirche bezahlt.

Wie diese neue Kirche am Ende aber genau aussehen wird, hängt vom Budget der Gemeinde ab. Am liebsten würden die Lutheraner den Entwurf des Architekten Marc Rolinet umsetzen, der viel Rücksicht auf die Umwelt nimmt, aber zugegebenermaßen auch etwas kühn ist: Sein Entwurf sieht vor, dass die Kirche zu einem großen Teil aus Glas, Holz und Stein gebaut wird. In die Kirchenfenster sollen Fotovoltaik-Platten integriert werden, die Kirche und Gemeindehaus mit Strom versorgen. Auch in das Holzdach des Gemeindehauses sollen Sonnenkollektoren eingelassen werden. Das Kirchendach hingegen soll begrünt sein.

Das Ensemble würde aus drei Teilen bestehen: Die hohe Kirche erhält ein geschwungenes Flügeldach, unter diesem befindet sich ein riesiges Kirchenfenster, das im Gotteshaus eine helle Atmosphäre der Andacht erzeugt. Mit diesem Bau verbunden ist ein hoher Glockenturm aus Metall, für den eine Pariser Gemeinde die Glocke spenden will. An das Kirchenschiff schließt sich ein quaderförmiges Gemeindehaus an. Darin sind Räume für den Kindergottesdienst, die Kinderbetreuung sowie für Gemeindefeste und gemeinsame Mahlzeiten vorgesehen.

In einem dritten Komplex soll es eine Bibliothek mit Lesesaal geben, Gästezimmer mit separatem Eingang, ein Pfarrbüro, eine Küche und vielleicht eine Pfarrwohnung. Die Crème de la Crème: Im Dachgeschoss des Gemeindehauses soll es einen Konferenzraum geben, der von der Straße aus nicht zu sehen ist, aber den Nutzern den Blick auf den Eiffelturm gewährt.

Welt-05-2016-LogoZu schön, um wahr zu sein? – Nicht ganz. Immerhin haben die Lutheraner von der einen Million Euro, die Architekt Rolinet veranschlagt hat, schon 425 000 Euro zusammen. Auch private Unternehmen könnten an diesem originellen Bauwerk als Nutzer interessiert sein: Marc Rolinet hat drei zusätzliche Ebenen eingezogen, auf denen sich »kleinere Unternehmen preiswert niederlassen können«, wie es auf dem Bauplan heißt.

Woher nimmt die Gemeinde das Geld, ihren Wunschtraum wahr zu machen? In Frankreich sind Staat und Kirche getrennt. Die Kirchen sind als private Kultusvereine organisiert und erhalten keine Zuwendungen vom Staat. Sie leben von den Beiträgen ihrer Vereinsmitglieder, sammeln Kollekten, erhalten Spenden und Vermächtnisse. Ein besonderer Fall ist es allerdings, wenn eine Kirchengemeinde bei einem Bauvorhaben Rücksicht auf die Umwelt nimmt: für Sonnenkollektoren und Fotovoltaik-Anlagen kann jeder Verein – ob kirchlich oder weltlich – eine Förderung von der Kommune erhalten.

Weitere Mittel erhofft man sich von großzügigen Spendern in den eigenen Reihen und ein gutes evangelisches Netzwerk. Unterstützung für Saint-Marc zugesagt haben bereits das Lutherische Hilfswerk der Kircheninspektion Paris (dem deutschen Bistum entsprechend), die befreundete Stephanus-/Carolinengemeinde in München sowie skandinavische Partnergemeinden. Auch der Gemeindechor Archoripsis hat mit einem Klassik-Konzert schon das Spenden-Konto aufgefüllt.

Da die neue Kirche in die Planung des neuen Stadtteils aufgenommen ist, hängt das Datum für den Baubeginn mit davon ab, wie schnell sich die geplanten Wohnungen in den vierstöckigen Blöcken verkaufen. Je besser bis dahin die finanzielle Ausstattung der Kirchengemeinde Saint-Marc ist, desto mehr kann sie von ihrem Wunsch­traum umsetzen.

Holger Wetjen

Adresse: Église Protestant Saint-Marc, 79, Rue de Malnoue, 93160 Noisy le Grand/Frankreich
Informationen auf Deutsch erteilt Kirchenvorstandsmitglied Elisabeth Feldmeyer unter Telefon 00 33 (0) 1 49 / 30 44 91

www.protestantsperreux.fr

Chemnitz feiert Erich Heckel

2. Februar 2016 von Gemeinsame Redaktion  
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Ausstellung: 120 Werke im Museum Gunzenhauser – Begleitvortrag zu Kunst und Religion


»Schmidt-Rottluff war der erste Streich, doch Erich Heckel folgt sogleich.« So könnte man in Anlehnung an Wilhelm Busch ausrufen.

Parallel zur fulminanten Schau mit Bildern von Karl Schmidt-Rottluff feiern die Kunstsammlungen Chemnitz nun im Museum Gunzenhauser mit Erich Heckel einen weiteren Sohn der Stadt und bedeutenden deutschen Künstler des 20. Jahrhunderts. Mit »Erich Heckel. 120 Werke« machen die Sammlungen unter der Leitung von Frau Ingrid Mössinger zugleich erneut deutlich, dass das besonders in DDR-Zeiten genüsslich gepflegte Image des »Ruß-Chemnitz«, in dem es nur ausgebeutete, kämpferische Arbeiterklasse und dekadente Bourgeoisie gab, so nicht stimmt.

Chemnitz war Anfang des 20. Jahrhunderts nicht nur ein industrielles Schwergewicht. Es verfügte auch über eine ungemein lebendige Kunst- und Kulturszene. Dieser Atmosphäre ist es nicht zuletzt zu danken, dass der 1883 als Sohn eines Eisenbahningenieurs geborene Erich Heckel schon während seiner Zeit am Realgymnasium in seinen künstlerischen Ambitionen Förderung und Unterstützung erhielt. Beispielsweise durch den Kunstverein Kunsthütte Chemnitz.

Ölgemälde von Erich Heckel: Vorstadt, 1910 – Foto: Kunstsammlungen Chemnitz/Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen

Ölgemälde von Erich Heckel: Vorstadt, 1910 – Foto: Kunstsammlungen Chemnitz/Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen

In der Stadt fand er 1902 auch Anschluss an den von Pennälern gegründeten Debattierklub »Vulkan«. Dessen Name schon zeigt, wie sehr man Auf- und Ausbruch aus dem Korsett wilhelminischer Selbstgefälligkeit suchte. Hier begann auch die lebenslange Freundschaft zum späteren Malerkollegen Schmidt-Rottluff.

Dass das Museum Gunzenhauser 120 Werke aus allen Schaffensperioden Heckels zeigen kann, ist neben privaten Dauerleihgebern vor allem dem umfangreichen Fundus der Stiftung Gunzenhauser zu danken. Denn allein 77 Werke des selbstverständlich als »entartet« geltenden Brücke-Mitbegründers gingen den Chemnitzer Sammlungen infolge der nationalsozialistischen »Kultur«-Politik verloren.

Im Mittelpunkt der Präsentation steht das umfangreiche und technisch vielfältige druckgrafische Werk Heckels. Linolschnitte und Kaltnadelarbeiten, Radierungen und Lithografien stehen neben kraftvollen klaren Holzschnitten. Die Wahl unterschiedlicher Papiere und der Einsatz verschiedener Farben zeigen die Experimentierfreude des Künstlers. Ergänzt werden die Arbeiten durch Gemälde aus den verschiedenen Schaffensperioden sowie durch Originaldokumente aus der Schulzeit Heckels und aus dem Archiv der Kunstsammlungen, in denen bereits 1931 die erste Retrospektive von Heckels Werk zu sehen war. Ein gut gestalteter Katalog zeigt nicht nur die Werkübersicht aus den Chemnitzer Sammlungen, sondern vereint eine Vielzahl von Beiträgen zu Leben und Werk des Künstlers.

Begleitet wird die Schau zudem von einem Vortragsreigen. Zum nächsten Termin am 2. Februar ist der Münsteraner Theologe Reinhard Hoeps zu Gast. Unter dem Titel »Kunstreligion« befasst er sich mit dem schwierigen Verhältnis der nach Autonomie strebenden Kunst der Moderne und einem in Äußerlichkeiten erstarrten Christentum. »Was ist Religion an der Kunst der Moderne? Braucht Religion Kunst?«, heißt es dazu im Veranstaltungsflyer. Fragen, die nichts von ihrer Aktualität verloren haben.

Harald Krille

Ausstellung: Erich Heckel. 120 Werke, 17. Januar bis 17. April, Kunstsammlungen Chemnitz – Museum Gunzenhauser, Falkeplatz, 09112 Chemnitz
Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags sowie feiertags 11 bis 18 Uhr

www.kunstsammlungen-chemnitz.de

Frischer Wind in alten Räumen

1. Februar 2016 von Gemeinsame Redaktion  
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Erprobungsräume: Mit alternativen Angeboten Menschen zu erreichen ist das Ziel eines ambitionierten kirchlichen Förderprogramms


Die EKM unterstützt Kirchengemeinden, die neue Wege gehen und andere Formen ausprobieren wollen. Bis März können Projekte zur Förderung eingereicht werden.

Das Jesus-Projekt am Erfurter Roten Berg, der Stadtteilmissionar in Gotha, freie Andachtsformen im Kirchenkreis Schleiz oder die Kletterkirche bei Meiningen, all das sind Projekte, die weggehen von den bekannten Angeboten der Kirche. Sie zeigen, wie Kirche der Zukunft gestaltet sein könnte.

Um solche neue Formen zu finden und ausprobieren zu können, hat die Landeskirche die Erprobungsräume geschaffen. Damit reagiert sie auf den Wandel in Kirche und Spiritualität. Einen Wandel, eine Erosion, die bislang viel zu wenig wahrgenommen und thematisiert wurde, wie Gerhard Jahreis, Kirchenältester aus Jena, in einem Leserbrief beklagte. Das soll sich ändern. Wer andere und neue Formen von Kirche vor Ort modellhaft erproben will, der kann ein Projekt noch bis zum 15. März beim Landeskirchenamt einreichen. Die EKM bietet Unterstützung auf fachlichem, juristischem und finanziellem Gebiet an.

Die Attraktion im Kirchenkreis Meiningen: Klettern im Glockenturm der Sankt-Veit-Kirche von Sülzfeld im Henneberger Land – Foto: Archiv

Die Attraktion im Kirchenkreis Meiningen: Klettern im Glockenturm der Sankt-Veit-Kirche von Sülzfeld im Henneberger Land – Foto: Archiv

»Ermöglichungsräume sind dazu gedacht, Menschen einzuladen, den Raum für neue Formen zu öffnen«, erklärt Oberkirchenrat Christian Fuhrmann, Leiter des Gemeindedezernats. Denn die Geschichte zeige, nicht nur Tradition, sondern auch Innovation habe die Kirche durch die Jahrhunderte hindurch geprägt. »Es ist nicht so, dass wir alles bisher Dagewesene in Frage stellen wollen. Aber wir suchen nach Alternativen an kirchlichen Angeboten, die die Menschen ansprechen und die Kirche bereichern«, so Fuhrmann. Sich Lösungen von morgen öffnen, das ist das Ziel der Erprobungsräume, die von der Landessynode auf den Weg gebracht und gefördert werden. Dass das auch mal schiefgehen kann, ist den Initiatoren bewusst. »Wir wollen die Menschen ermutigen, neue Wege zu denken und auszuprobieren. Dabei geben wir aber keinen Fahrplan und keine Erfolgsstruktur vor«, erläutert Kirchenrat Thomas Schlegel vom Referat Gemeinde und Seelsorge im Landeskirchenamt in Erfurt. »Wir müssen die tatsächlichen Bedürfnisse und Lebensgewohnheiten der Menschen wahrnehmen und auf sie reagieren«, so Schlegel. Das könne bedeuten, nicht nur auf den Gottesdienst am Sonntag zu verzichten und ein Angebot in der Woche zu schaffen, sondern auch die Art und Weise der Gottesdienstform zu verändern. »Die Menschen wollen eingebunden werden, wollen mitreden und mitgestalten. Eine hierarchische Gottesdienstform ist oft nicht mehr angemessen«, erklärt Oberkirchenrat Fuhrmann.

Um gefördert zu werden, müssen die möglichen Projekte sieben Kriterien genügen: in ihnen entsteht Gemeinde Jesu Christi neu, sie überschreiten die volkskirchliche Logik an Parochie, das heißt an Pfarrbezirk oder Gemeinde, an Hauptamt oder Kirchengebäude, sie erreichen die Unerreichten mit dem Evangelium und laden zur Nachfolge Jesu Christi ein, sie passen sich dem Kontext an und dienen ihm, freiwillig Mitarbeitende sind an verantwortlicher Stelle eingebunden, es erschließen sich alternative Finanzquellen und in diesen neuen Formen nimmt gelebte Spiritualität einen zentralen Raum ein.

»Kirche, das ist seit jeher Beziehungsgeschehen«, betont Thomas Schlegel. Er und seine Mitstreiter möchten die Gläubigen dazu ermutigen, auch Formen außerhalb des hauptamtlichen Angebots auszuprobieren. »Diese Projekte sollen Kontakte knüpfen und Beziehungen aufbauen, damit Gemeinschaft wächst«, so Schlegel. »Wir wollen Gemeinschaft stiften und darauf vertrauen, dass der Heilige Geist weht und etwas passiert im Miteinander.«

Blipu-05-2016 LogoDie Kirche müsse ihr Handeln mehr von der Ermöglichungsphilosophie denken, ist sich Oberkirchenrat Christian Fuhrmann sicher. »Wir sind oft viel zu wenig wach für den Menschen, doch wir müssen achtsam auf die Menschen zugehen«, betont er. Die große Vielfalt, die neue Projekte mit sich bringen, sieht Fuhrmann als große Chance. »Aber das Landeskirchenamt sagt nicht, so geht’s. Wir geben das Signal nach außen an die Basis: Euer Überlegen ist willkommen und wir wollen euch unterstützen«, so Fuhrmann.

Ausdruck dessen ist auch das Logo des Projekts Erprobungsräume, in dem das »O« in Erprobung und das »U« in Räume einen Raum bilden. »Dieser Raum könnte als Schutzraum für Pflänzchen interpretiert werden. Schutzraum, aber auch Freiraum«, erläutert Thomas Schlegel. Im Landeskirchenamt ist man gespannt, wie es mit den zahlreichen Ideen weitergeht. Begleitung wird den Teilnehmern angeboten, ansonsten darf sich jeder frei fühlen in seiner Kreativität.

»Wir wollen die Lerneffekte aus den Einzelerprobungen allen zugänglich machen«, sagt Oberkirchenrat Fuhrmann. Das geschehe aber ohne Druck. Wichtig ist ihm zu betonen, dass auch die Gemeinden, die so weiter verfahren wollen wie bisher, das durchaus tun dürfen. Man wolle nicht alles revolutionieren und von Grund auf umstülpen.

Auch den Befürchtungen, das Hauptamt werde durch eine solche Entwicklung überflüssig, tritt Fuhrmann entgegen. »Es ist ganz klar: Es wird nur ein starkes Ehrenamt geben, wenn es ein kompetentes Hauptamt gibt. Wir brauchen Pfarrer mit einer hohen theologischen Kompetenz. Wir können auf das Hauptamt keineswegs verzichten und wollen das auch gar nicht. Aber wir möchten das Signal an die Hauptamtlichen senden: Ich kann mich verändern. Die Kirche ist bereit mich zu begleiten und traut mir das zu«, so Fuhrmann.

Letztlich gehe es darum, neue Ideen zu entwickeln und sagen zu können: Auch das ist Kirche. »Wir wollen mit neuen Formen das Evangelium erfahrbar machen in dieser Gesellschaft. Auch Menschen, die mit Kirche bisher kaum in Berührung kamen, sollen bei einem Gespräch im Cafe oder bei einem Online-Gebet feststellen, das ist die Botschaft Jesu Christi und sie hat zu tun mit meinem ganz konkreten Leben«, erklärt Schlegel. »Paulus sagte, Gemeinde wachse da, wo die Gaben ins Leben kommen. Wir wollen neuen Raum für Gaben schaffen, Gaben ermöglichen für die Gemeinde.«

Diana Steinbauer

www.erprobungsraum-ekm.de