Aufruf zum Boykott

17. Mai 2015 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Im Blickpunkt

Desmond Tutus offener Brief an den Kirchentag

Aufrufe zum Boykott Israels bzw. israelischer Waren gibt es immer wieder. Ein besonderes Gewicht erhalten sie jedoch, wenn prominente Menschen dahinterstehen. Wie aktuell Desmond Tutu, 83-jähriger ehemaliger anglikanischer Erzbischof von Kapstadt und Ikone des Kampfes gegen die Apartheidpolitik. In einem offenen Brief an den Deutschen Evangelischen Kirchentag ruft er die Christen Deutschlands zu konkreten Schritten der Solidarität mit dem Volk von Palästina auf – wozu auch wirtschaftliche Sanktionen gegen den Judenstaat geboten seien.

Prominenter Israel-Kritiker: Erzbischof Desmond Tutu – Foto: Reuters/Paul Hackett

Prominenter Israel-Kritiker: Erzbischof Desmond Tutu – Foto: Reuters/Paul Hackett

Tutu erinnert daran, »wie ihr in den 80er Jahren mit eurem Gewissen gerungen habt, eine klare Haltung gegen Apartheid einzunehmen, und schließlich eurem Impuls gefolgt seid, das Richtige zu tun, nämlich die Konten bei der Deutschen Bank wegen ihrer Geschäfte mit Südafrika zu kündigen.« Im Blick auf die Situation im Nahen Osten schreibt Tutu weiter: »Natürlich verurteilen wir diejenigen, die von Palästina aus Raketen auf zivile Ziele in Israel abfeuern, aber Israels militärischer Angriff auf Gaza im letzten Jahr war nicht nur auf grausame Weise unverhältnismäßig, sondern auch eine brutale Demonstration der Verachtung, die Israel gegenüber dem palästinensischen Volk an den Tag legt.« Tutu erinnert an das Kairos-Palästina-Dokument palästinensischer Christen vom September 2009. Darin werden die Kirchen aufgerufen, »sich an die Seite der Unterdrückten zu stellen«. Neutralität dürfe dabei laut Tutu keine Option sein, »denn sie begünstigt immer die Unterdrücker. Immer.«

Im vergangenen Jahr habe der Ökumenische Rat der Kirchen seine Mitglieder aufgefordert, den Kairos-Aufruf bezüglich der Forderung nach »Boykott, Investitionsentzug und Sanktionen als angemessene gewaltfreie Mittel kreativen Widerstands« zur Überwindung der israelischen Besatzung aufzugreifen. Das habe, so Tutu, nichts mit Antisemitismus zu tun: »Macht Geschäfte mit Juden, organisiert etwas mit ihnen, liebt sie. Aber unterstützt nicht die – militärische, wirtschaftliche oder politische – Maschinerie eines Apartheidstaates.« Man könne keine normalen Geschäfte machen, »denn die Bedingungen im Heiligen Land sind völlig unnormal«.

Ausgewogene Synodenerklärungen, die »in gleicher Weise Sympathie mit dem Unterdrücker und den Unterdrückten zum Ausdruck bringen«, seien keine Hilfe für die Geschwister in Palästina, so der Friedensnobelpreisträger. Deshalb endet sein Brief mit dem Aufruf: »Bitte schließt euch der ökumenischen Kairos-Bewegung an und fordert öffentlich und solidarisch Freiheit für Palästina, damit auch Israel frei sein kann.«

(GKZ)

Lesen Sie hierzu auch: Israel ist an allem schuld

www.kairoseuropa.de

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Reaktionen unserer Leser

3 Lesermeinungen zu “Aufruf zum Boykott”
  1. A.Llesklar sagt:

    Aus der Sicht von Desmond Tutu ist das Feindbild Israel gut nachvollziehbar. Israel soll wohl in den 70er Jahren das Apartheidregime in Südafrika mit (Atom?-) Waffen unterstützt haben. Tutu war ein eifriger Kämpfer gegen die Apartheid.
    Na gut, war jetzt vielleicht keine so gute Aktion von Israel.
    Aber deshalb braucht er trotzdem keinen Unsinn über Israel erzählen und zu einem unsinnigen Boykott aufrufen, der auch noch den Bewohnern des Westjordanland am meisten schadet.
    Jeder der schon mal in Israel war, weiß das dort alles andere als Apartheid herrscht, insbesondere wenn man sich mit der Geschichte des Landes auseinandergesetzt hat. Das würde die tatsächliche menschenverachtende Situation in Südafrika sehr verniedlichen.
    Ich hätte erwartet, daß er den Hass und die Rache gegen Israel aufgrund seines angeblich christlichen Backgrounds nicht durch unsinnige, falsche Aussagen und Hetze gegen Israel aufwiegt. Wenn man seine Positionen insgesamt so liest scheint es sich bei Ihm aber mehr um einen Politiker als um einen “Christen” zu handeln. Auf jeden Fall ist es gut zu wissen was der Antrieb für seine Haltung ist. So kann man seine Aussagen doch gut relativieren.

  2. Krause sagt:

    Der Boykott Aufruf ist sehr traurig. Gewiß ist in Israel vieles verbesserungswürdig und nicht immer nachvollzeihbar, aber ein verbrecheriscer Staat ist Israel nicht und in Israel wird ja auch immer das eigene Handeln von einer starken Opposition hinterfagt.Bei den wirklich schlimmen Regierungen schweigt er aber auf Israel wird immer mitSteinen geworfen. Die Haltung so eines Christen macht ratlos. Tuto dementiert sich da selbst.

  3. Temmih Laneu sagt:

    Mitteldeutsche kirchenzeitung.
    Respeckt Tutu und Gleichdenkende,kann die kommentare nicht vertehen es geht hier um menschenleben. Manche sind so von den Mainstream medien irre geleitet das sie das gute vom schlechten nicht unterscheiden können. meine natur sagt mir ich bin immer auf der seite des leidenden. jesus hat sich auch nicht sich zu den römern gesellt er war auf der seite der leidenden. Was sehen wir aus der zeit jeder bekommt die chance das gute zu wählen.
    frieden für die menscheit…. AMEN