Bibelworte zu Herzen nehmen

27. August 2014 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Glaube und Alltag

Schweizer Pfarrer und Informatikstudent entwickelt Bibel-App

Der Schweizer Pfarrer Peter Schafflützel hat eine App zum Auswendiglernen der Bibel entwickelt. Fast eine Million Mal wurde das Programm des Theologen, der Informatik an der FernUniversität Hagen studiert, schon heruntergeladen.

So richtig ernst wurde es im Ski-Urlaub: Tagsüber sauste der Schweizer Pfarrer Peter Schafflützel mit seinen beiden Jungen und seiner Frau die Pisten rund um Morschach im Kanton Schwyz herunter. Abends tüftelte der Informatikstudent der Fern-Universität Hagen an seinem großen Projekt: einer App zum Auswendiglernen von Bibeltexten. »Da habe ich mir im Bett den Kopf zerbrochen, meine Familie war schon lange eingeschlummert.« Den kombinierten Ski- und Erfinderurlaub verbrachte Schafflützel vor mehr als vier Jahren. »Fertig ist die App natürlich noch nicht«, sagt Schafflützel, sein Lachen ist ansteckend. »Da kann man immer etwas verbessern«, erläutert der 41-Jährige.

Großen Zuspruch findet die Bibel-App des Schweizer Theologen. Foto: epd-bild

Großen Zuspruch findet die Bibel-App des Schweizer Theologen. Foto: epd-bild

Doch ein großer Erfolg ist die App schon jetzt: Inzwischen wurde sie fast eine Million Mal heruntergeladen: in Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch, Russisch, Chinesisch, Schwedisch und sogar in Koreanisch. »Die App ist für Jung und Alt, für jeden, der die Bibel besser kennenlernen will«, sagt der reformierte Theologe, der sich in Fischenthal im Zürcher Oberland eine Pfarrerstelle mit seiner Frau teilt. »Doch habe ich mit diesem großen Interesse an der App nicht gerechnet.«
Wo liegt der Schlüssel zum Erfolg der Bibel-App? Es ist wohl die Benutzerfreundlichkeit.

Das Lernprogramm »Remember Me« basiert auf der Idee des Zettelkastensystems. Nutzer können auf virtuellen Lernkarten Bibelverse lesen und auswendig lernen. Dabei werden die Texte in die Kategorien »Neu«, »Fällig« und »Erinnert« unterteilt. »Eine Vorlesefunktion, Puzzles und andere Spiele sollen zusätzlich helfen, um mit dem Text vertraut zu werden«, sagt Schafflützel.

Wie aber entstand die Idee? »Ich wollte mir Bibelworte durch Auswendiglernen zu Herzen nehmen. Damit Gott auch durch diese Worte zu mir sprechen kann«, so der Pfarrer. Es sei ihm wichtiger, immer wieder mal einen gelernten Vers zu meditieren und dabei auf Gott zu hören. Zuerst lernte er die Bibeltexte mit Karteikarten, ganz altmodisch. Doch da die Informatik eine große irdische Leidenschaft des Geistlichen ist, war die Entwicklung der Bibel-App folgerichtig der nächste Schritt.

Schnell fand er ein Motto für sein Projekt – natürlich aus der Bibel: »Ich behalte dein Wort in meinem Herzen«, Psalm 119, Vers 11. Vor vier Jahren konnte der Pfarrer eine erste Version ins Netz stellen. »Die Reaktionen einiger User waren teilweise vernichtend«, räumt er ohne Umschweife ein. »Andere jedoch wollten helfen und schlugen sehr gute Weiterentwicklungen vor.« Profitiert hat Schafflützel auch von seinem Informatikstudium in Hagen. »Ich habe das Studium zunächst aufgenommen, um von meinem Alltag abzuschalten«, macht der Theologe klar. An einen Abschluss dachte er anfangs nicht. Jetzt aber peilt der Eidgenosse seinen Bachelor an – Anfang nächsten Jahres könnte es soweit sein.

Und wann kommt das nächste religiöse IT-Projekt? »Eigentlich habe ich noch kein neues Projekt in der Pipeline«, meint der Pfarrer. »Eine Idee wäre eine App für Gebete«, sagt er dann, nur um die Idee schnell wieder zu verwerfen. »Eine Gebete-App gibt es ja schon.« Doch der Schweizer kann sich mit seinem Lieblingsbuch selbst zu neuen Taten motivieren: der Bibel.
So heißt es im Matthäusevangelium, Kapitel 7: »Und wer da sucht, der findet.«

Jan Dirk Herbermann (epd)

www.remem.me

Bookmark and Share
mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de ist ein Angebot der Kirchenzeitungen GLAUBE UND HEIMAT (Weimar/Magdeburg) und DER SONNTAG (Leipzig)

Für diesen Artikel ist der Bereich für Lesermeinungen geschlossen.