Einfach leben und glauben

12. Mai 2014 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Glaube und Alltag

Ohne seelischen und materiellen Ballast wird das Dasein leichter

Immer mehr Menschen entscheiden sich dafür, ihren Besitz radikal zu reduzieren. Dieser Trend heißt Minimalismus – ein Lebensstil, der sich als Alternative zur konsumorientierten Überflussgesellschaft sieht. Auch Jesus kann als Minimalist gesehen werden. In der Bergpredigt empfahl er seinen Nachfolgern einen Minimalismus an mentaler und materieller Sorge: »Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen sollt, und nicht um euren Leib, was ihr anziehen sollt. Ist nicht das Leben mehr als Nahrung und der Leib mehr als Kleidung? Seht euch die Raben an: Sie säen nicht und sie ernten nicht und sammeln in keine Scheunen, und Gott ernährt sie doch. Seid ihr nicht besser als die Vögel? Und wer von euch kann durch seine Sorge die Spanne seines Lebens verlängern? Und was sorgt ihr euch um Kleidung? Seht auf die Lilien, wie sie wachsen: Sie arbeiten nicht und sie spinnen nicht. Ich sage euch: Noch nicht einmal Salomo in all seiner Herrlichkeit war gekleidet wie eine von ihnen. » (Lukas 12,22-27).

Die Auslegungstradition fokussiert auf den all-sorgenden Vater im Himmel. Eine falsche Fährte. Es geht in diesem Jesuswort nicht um Gott, sondern um das Beispiel der Raben und Lilien. Und es geht um Leben. Die Raben leben einfach; die Lilien leben einfach. Leben ist das Schlüsselwort in der Geschichte. Es geht darum, das Leben anzunehmen und die Sorge sein zu lassen. Jesus hat erkannt, dass es sich besser lebt mit weniger Ballast, seelischem und materiellem. Ihm geht es deswegen nicht um Verzicht, sondern um Freiheit.

Bildnachweis: MEV/Mike Witschel

Bildnachweis: MEV/Mike Witschel

Jesus hatte erkannt, dass auch im Glauben an Gott vieles verkompliziert wurde. Mit seiner Klarheit und Einfachheit entrümpelte er den Glauben. Der christliche Glaube ist einfach. Nicht Dogmen und komplexe Lehrgebäude sind wichtig, sondern der schlichte Glaube, wie ihn Jesus vorgelebt hat. Jesus bringt es in der Bergpredigt als Verheißung auf den Punkt: »Glücklich seid ihr, wenn ihr arm seid, … wenn ihr trauert, wenn ihr nachgebt, wenn ihr hungert und dürstet, wenn ihr barmherzig und gut seid, … wenn ihr Frieden stiftet untereinander.« Jesus fasste das Gesetz und die Propheten in der Goldenen Regel zusammen: »Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch!«

Jesus sagte: »Gib, und dir wird gegeben.« Das ist ein einfaches Gesetz des Lebens. Wir können es jederzeit in unserem Alltag erfahren, indem wir uns fragen, was der andere in diesem Moment am meisten gebrauchen kann. Manche brauchen Aufmerksamkeit, ein nettes Gespräch, ein Lob, ein Lächeln oder eine Umarmung. Wer seinen Mitmenschen etwas gibt, wird es vom Leben schon sehr bald zurückbekommen.

Vergleichen Sie sich nicht mit anderen. Natürlich kann man anderen Menschen gegenüber seine Bewunderung ausdrücken oder ihnen Respekt zollen. Eifersucht und Neid dagegen zerfressen den Geist, rauben Zeit und hinterlassen schlechte Gefühle. Es gibt nichts, weswegen Sie andere beneiden müssen, denn Gott hat Sie selbst reich beschenkt.

Mit Verzeihen und vergeben schaffen Sie sich seelische Belastungen vom Leib. Die urchristliche Tugend der Vergebung ist das, was für eine funktionierende Gesellschaft notwendig ist. In der Politik, in der Familie, in Beziehungen. Fehler macht jeder, doch vielen Menschen fällt es schwer, um Verzeihung zu bitten. Eine nicht ausgesprochene Entschuldigung kann Menschen schwer im Magen liegen. Wer jedoch die Kraft der Vergebung erlebt, weiß wie sich Freiheit anfühlt. Überall, wo Vergebung geschieht, wird das Leben einfacher.

Man kann sich viele Sorgen machen – um die Zukunft, um gestern, um morgen, um Kinder oder Eltern, kleine und große Dinge oder auch unnütze Dinge. Doch Sorgen verändern nichts und rauben Energie. Das Evangelium gibt darauf eine klare Antwort: »Alle eure Sorge werfet auf ihn; denn er sorgt für euch!« In diesem schönen Bibelvers steckt die Lösung. Gott hat die Dinge im Blick. Wir können die Sorgen im Gebet benennen und Gott übergeben. Mit dem Amen können wir gewiss sein, das nun alles in Gottes Hand liegt. Befreit von allen Lasten können wir das tun, was notwendig ist.

Helmut Frank

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Reaktionen unserer Leser

8 Lesermeinungen zu “Einfach leben und glauben”
  1. Gert Flessing sagt:

    Bedeutet, meine Sorgen, ja, mein ganzes Leben, Gott anzuvertrauen, Verzicht auf Annehmlichkeiten?
    Ich denke, nur für den, der in den schönen und angenehmen dingen dieses Lebens eine Ablenkung sieht, die ihn Gott entfremden könnte.
    Jesus hat auch in der Bergpredigt nicht von materieller Armut gesprochen und diese gepriesen.
    Was er schlimm fand, war die Last, zu der Besitz wird, wenn man sich durch ihn definiert, so wie es “der reiche Jüngling” augenscheinlich tat.
    Ich denke, das man sich am Leben freuen kann, wenn man mit dem, was man haben kann, zufrieden ist und sich nicht an denen orientieren muss, die mehr haben.
    Wenn man mehr hat, kann man mit anderen teilen.
    Eine der guten Möglichkeiten, die uns Jesus gibt, ist neidlos zu leben. Dazu gehört, das ich anderen das gönne, was sie haben. auch dann und gerade dann, wenn es mehr ist, als bei mir.
    Wir leben in einer Gesellschaft, in der Neid groß geschrieben wird. Auch der Neid, der unter dem Mantel eines Gerechtigkeitsverlangens daher kommt, gehört dazu.
    Ich neide niemandem “sein Haus, sein Auto, seine Jacht”. Ich brauche das nicht.
    Gott gibt dem, der ihm vertraut, alles, was NOT – wendig ist. Das reicht.
    Und – er macht uns reich zu guten Werken jeder Art, also auch zum Teilen mit anderen, damit ihre Not gewendet wird.
    Gert Flessing

  2. Britta sagt:

    Lieber Herr Flessing,
    u.a. deshalb habe ich das Buch Sirach so gern…
    Liebe Grüße
    Britta

  3. GB sagt:

    @Herr Flessing:

    “Hinter jedem großen Vermögen steht ein Verbrechen” schrieb Balzac.
    Ich finde Ihre Argumentation in der gewohnt lutherischen Akzeptanz von Herrschenden und Beherrschten, Ihre Interpretation von Jesus ist haarsträubend. Sie beziehen sich einzig auf die zweifellos auch vorhandenen Neiddebatten.

    Was Sie, unchristlich finde ich, außen vor lassen, ist, wie diese Reichtümer zu stande kommen. Wenn den Arbeitenden ihr Lohn vorenthalten wird und sie unter unwürdigsten Verhältnissen für andere schuften müssen – wer davon Reich wird – und das dürfte ganz in Balzacks Sinne sein, beraubt andere. Und dann kommen Sie mit dem Neid. Man solle doch diese Räuber so nehmen wie sie sind und ihnen ihr Raubgut nicht beneiden. Diejenigen, die sich gegen diese Bereicherung auf Kosten von anderen wenden, die denunzieren Sie als neidisch…
    Was ist, wenn ich in ihre Kirche steige, die Kunstgüter stehle. Wollen Sie mir die dann auch nicht “neiden”?

    “Gott gibt dem, der ihm vertraut, alles, was NOT – wendig ist. Das reicht.
    Und – er macht uns reich zu guten Werken jeder Art, also auch zum Teilen mit anderen, damit ihre Not gewendet wird.” schreiben Sie.
    Wenn doch aber Gott allen alles NOTwendige gibt (auch z.B. während der Hungerkatastrophen in Afrika? Auch den Flüchtlingen, die den westlichlichen Bürgerkriegsanzettelungen fliehen? Auch den Arbeiterinnen in Asien, die unter unsäglichen Bedingungen unsere T-Shirts für 5 EUR nähen?), wieso muß dann noch jemand teilen und NOT lindern, wenn doch Gott allen gibt? Denen, die Gott nicht vertrauen, gibt er nicht das NOTwendige? Warum nicht? Und warum sollen wir denn dann teilen, wenn es nicht einmal Gott für nötig befindet?

    Eine schöne Welt haben Sie sich da eingerichtet und blenden alle Realitäten aus. Dann auch noch meinen zu wissen wie Jesus das gemeint hat, ist schon Mißbrauch.

    Georgi Büchners

  4. Gert Flessing sagt:

    Lieber Herr Büchners, sicher bin ich ein Mensch, der fest zu der “zwei Reiche Lehre” Luthers steht. Aber ich bin nicht blind. Ich lese Zeitung und bin fähig all die Schreckensmeldungen des Internet anzusehen.
    Wenn ich davon rede, das Gott dem, der ihn vertraut, das NOT – wendige gibt, so denke ich auch daran, das er am Ende danach fragt, ob wir hungrigen zu essen gaben, nackt kleideten usw.
    Gott nimmt uns also auch in die Verantwortung für unsere Mitmenschen.
    Ich bin jedoch nicht davon überzeugt, das Balzac Recht hat. Es gibt genügend Menschen, die ihr Vermögen nicht aus zweiter Hand haben. Auch ist es eine plumpe Lüge, das jedes Vermögen durch pure Ausbeutung erworben wurde. Aber derartige Lügen passen in die Zeit, in der wir leben.
    Wenn Sie in meine (oh, habe ich den so was?) Kirche steigen würden, um zu klauen, und ich würde Sie erwischen, würde ich Ihnen freundlich bedeuten, dass sie wohl auf den falschen Wege sind. Wie auch hier, in ihrem eifernden Beitrag.
    Gert Flessing

  5. Britta sagt:

    Gerade auch sehr fromme Leute kaufen gern billige T-Shirts und schimpfen über die Herstellungsbedingungen. Aber was teureres (aus der hiesigen Produktion) kann man sich ja nicht leisten bzw. müßte dann auf was anderes verzichten… Natürlich sollen die Arbeiter in Deutschland angemessen verdienen, aber teuer darf das Zeugs nicht sein, sonst wirds aus Fernost oder sonstwas gekauft, Hauptsache billig, und das Gewissen beruhigt sich, indem man die unsäglichen Produktionsbedingungen anprangert. Ich denke, jeder sollte sich mal an die eigene Nase fassen, dort fängts nämlich an…

  6. Beobachter sagt:

    Lieber Britta,
    machen Sie es da nicht recht einfach? Zumindest sollte man auch die im Blick haben, die sich die Teueren Sachen n i c h t l e i s t e n k ö n n e n!
    Ich weiß auch nicht, ob man denen die Waren billig herstellen müssen, die nicht mehr abkauft, und ob sie dadurch besser gestellt sind! Manchmal sollte man vielleicht daran denken, daß unsere Nase nicht immer den richtigen Riecherhat! Wir haben hier gut reden, sehen aber nur unsere Sicht der Dinge, bauen uns zusätzlich noch ein Alibi auf, packen aber damit die Wurzel an sondern sägen den Armen selbst noch die allerkleinsten Zweige unter dem A. weg?

  7. Gert Flessing sagt:

    Lieber Joachim, ich will mal von mir selbst ausgehen. Zum einen kaufe ich mir nicht dauernd neue Klamotten. Wenn man sich seltener etwas kauft, kann man auch hochwertigere Textilien kaufen. Da kann man auch mal nach Sachen sehen, bei denen fair trade drin steh. So, z.B. in meinen Jeans. Lediglich Schuhe kaufe ich einmal im Jahr, weil man die kaum noch besohlen lassen kann.
    Aber selbst wenn man hochwertige Sachen kauft, hat man oft keine Garantie dafür, wie sie produziert wurden. Von daher gehört auch der Protest gegen ungerechte Strukturen in unserer globalisierten Welt dazu.
    Gert Flessing

  8. Beobachter sagt:

    Lieber Gert,
    natürlich, Du gehst ja auch von Dir aus! Und jeder, der es sich leisten kann, sollte genauso handeln.
    Ich wollte ja auch nur einen Denkanstoß (auch) in die andere Richtung geben. Du weißt sicher genau wie Britta, daß es in Deutschland immer mehr (und darüber wird ab und zu mal ein wenig gelabert, aber das Problem vor unserer Haustier an der Wurzel anpacken tut niemand und damit meine ich keine “Suppenküchen”, die gabs zu anderen Zeiten,die angeblich oder wirklich ganz schlecht waren, auch schon) Menschen gibt, die sehen müssen, wie sie selbst über die Runden kommen!
    Ich hab und habe da zum 1. persönliche Erfahrungen und 2. taucht das Problem (am meisten in den Sädten, aber auch bei uns auf dem Land) in unserer Kinder-und Jugendarbeit immer mehr auf. Wo Regierung und Parteien das in nicht geregelt bekommen sollen/müssen dann Kirchengemeinden, Diakonie und CVJM einspringen. 1. müßte das in unserem Land nicht nötig sein und 2. wird das Problem damit nicht gelöst!
    Genauso würde ich immer meine Bedenken anmelden, ob die Probleme da wirklich angepackt werden oder gar gelöst (manchmal sogar vergrößert?) werden wo wir “unfair” gehandelte Artikel nicht mehr abnehmen oder der Verdienst dieser Menschen ganz einbricht!
    Ganz abgesehen von der Frage, ob alle angeblich “fair” gehandelten Waren, in jedem Sopermarkt in Massen angeboten, das wirklich noch sind oder wir den Konzernen nur noch mehr gewinn bescheren