Verbrecher oder Held?

28. Januar 2014 von Gemeinsame Redaktion  
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Diese Zeremonie ist ein Spucken auf Russland und die Weltgemeinschaft«, so Franz Klintzevitsch, zweiter Vorsitzender des Duma-Ausschusses für Verteidigung, gegenüber der Nachrichtenagentur Inter-Tass: Mit staatlichen Ehren wurde am Freitag der vergangenen Woche Harald Nugiseks zu Grabe getragen. Nugiseks, der 92 Jahre alt wurde, war einst Oberscharführer in der Waffen-SS – was in etwa dem Rang eines Feldwebels entspricht. Auf Anweisung Hitlers wurde er mit dem Ritterkreuz des eisernen Kreuzes ausgezeichnet, da er sich in der Abwehrschlacht 1944 gegen die Rote Armee hervortat.

Jens Mattern berichtet für unsere Zeitung aus Estland.

Jens Mattern berichtet für unsere Zeitung aus Estland.

Nach Kriegsende kam er bis 1958 in ein sowjetisches Lager. Aus estnischer Sicht ist er darum ein Volksheld und wurde nach der Unabhängigkeit des Landes 1991 sogar ehrenhalber zum Hauptmann befördert. »Harald Nugiseks war ein legendärer Soldat, dessen Tragödie darin bestand, dass er für Estlands Freiheit nicht in einer estnischen Uniform kämpfen konnte«, so der Geleitspruch des estnischen Verteidigungsministers Urmas Reinsalu.

Die Sowjetunion besetzte Estland entsprechend des geheimen Zusatzprotokolls des Hitler-Stalin-Paktes im Juni 1940. Im August 1941 kamen deutsche Truppen, nach deren Rückzug rückte die Rote Armee im Oktober 1944 wieder ein. Die nun folgenden Vergehen, Terror und Massendeportation nach Sibirien, gelten den meisten Esten für schwerwiegender als die Verbrechen der deutschen Besatzung.
In Russland hat man für diese Sichtweise kein Verständnis, vor der estnischen Botschaft in Moskau wurde eine Mahnwache abgehalten, die Berichterstattung war umfassend. Klintzevitsch, Mitglied der Regierungspartei »Einiges Russland«, will nun zusammen mit weiteren Abgeordneten vor dem Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg gegen Estland klagen. Schließlich sei die SS von dem internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg als verbrecherische Organisation eingestuft worden.

Das Verhältnis zwischen Russland und der ehemaligen sowjetischen Republik Estland ist seit Langem von Spannungen geprägt. Estland hat mit knapp 30 Prozent den höchsten Anteil an russischer Bevölkerung unter den baltischen Staaten. Dieser steht derzeit unter großem Druck, die estnische Sprache zu erlernen. Die Verhaftung von Andrev Zarenkov, des russischstämmigen Chefs der Vereinigung »Estland ohne Nazis« wegen Bestechung, sieht die Presse in Russland als weitere Form der antirussischen Repression.

Unter den ethnischen Esten geht im Gegenzug die Angst vor der russischen Einflussnahme um. So behauptet derzeit die einflussreiche estnische Zeitung »Postimees«, der Bürgermeister Tallins, Edgar Savisaar, sei ein »russischer Agent«. Und auch die Kurzstreckenraketen »Iskander«, die kürzlich in Kaliningrad stationiert wurden und die Estland erreichen können, tragen nicht zur bilateralen Entspannung bei.

Jens Mattern

Widerstand in der frühen DDR

28. Januar 2014 von Gemeinsame Redaktion  
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Die Premiere des Schauspiels »Die im Dunkeln« wird in Gera von einem Theatergottesdienst begleitet

Es war ein Wikipedia Eintrag, auf den Bernhard Stengele aufmerksam wurde. Der Schauspieldirektor an der Theater & Philharmonie Thüringen Gera-Altenburg stieß während der Information über seine neuen Wirkungsstätten auf einen Eintrag über Ereignisse zwischen 1948 und 1950 in Altenburg. Die Schüler der Oberstufe von der damaligen erweiterten Oberschule »Karl Marx« haben aus den schrecklichen Berichten über das untergegangene Naziregime gelernt. Sie wünschten sich einen neuen Staat ohne politische Diktatur und Gewalt. Die Entwicklung in der sowjetischen Besatzungszone und der frühen DDR war jedoch geprägt von zunehmender Stalinisierung. Angesichts der Grausamkeiten einer zu Ende gegangenen Diktatur und ermutigt durch literarische Vorlagen über Freiheit und Unabhängigkeit entschlossen sich die Schüler und Jugendlichen, Widerstand gegen die aufkeimende Totalisierung zu leisten. Sie verteilten Flugblätter und störten eine Radiosendung zum 70. Geburtstag Stalins mit einem selbst gebauten Radiosender. 1950 wurde die Gruppe durch die Staatssicherheit zerschlagen und vor ein sowjetisches Militärtribunal gestellt. Vier Schüler wurden in Moskau hingerichtet, die anderen zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.

Bernhard Stengele wollte diese Geschichte künstlerisch auf die Theaterbühne bringen. »Wir haben die Autorin Mona Becker beauftragt, diesen Stoff zu einem Bühnenstück zu verarbeiten.«

Die Uraufführung des Schauspiels »Die im Dunkeln. Stück über Widerstand am Beispiel Altenburg« fand im März 2013 in Altenburg statt. In diesem Jahr kommt es in Gera auf die Bühne.

Bei der Entstehung und Umsetzung des Stückes konnten sich die Theaterleute auf die Aussagen zweier Zeitzeugen beziehen: Jörn-Ulrich Brödel und Gerhard Schmale haben die Verfolgung von damals überlebt. Die Inszenierung schildert die Ereignisse aus deren heutiger Sicht. Dr. Enrico Heitzer von der Gedenkstätte Sachsenhausen sorgte für die historische Genauigkeit. »Es gab zu allen Zeiten, so auch in der entstehenden DDR, mutige Menschen, die sich nicht davon abbringen ließen, ihre Meinung zu sagen. Diese Botschaft ist heute ebenso wichtig. Das Stück richtet sich daher auch durchaus an junge Leute, denn es waren ja Schüler, die aus Begeisterung für Redefreiheit und Meinungsfreiheit Widerstand leisteten. Heute gehört genauso viel Mut dazu, auf Missstände hinzuweisen und für die Wahrheit zu kämpfen«, fasst Bernhard Stegele die Kernaussage des Schauspiels zusammen.

Auch in Gera wird die Premiere des Schauspiels »Die im Dunkeln« mit Vorträgen, Podiumsdiskussionen, Lesungen und einem Theatergottesdienst in der Salvatorkirche begleitet.

»Das Theater kam in diesem Fall direkt auf uns zu und das freut uns sehr, weil dies die Verbundenheit mit den städtischen Institutionen durch unsere regelmäßigen Kulturangebote in der Kirche deutlich macht«, betont Pfarrer Dr. Frank Hiddemann, der zugleich der Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) ist.

Szene aus dem Schauspiel »Die im Dunkeln« am Theater & Philharmonie Thüringen Gera-Altenburg. Foto: TPT/Stephan Walzl

Szene aus dem Schauspiel »Die im Dunkeln« am Theater & Philharmonie Thüringen Gera-Altenburg. Foto: TPT/Stephan Walzl

Für den Theatergottesdienst hat Bernhard Stengele eine Szene mit zwei zum Tode verurteilten Schülern während ihrer Zugfahrt in der Todeszelle speziell für den Kirchenraum inszeniert. »Es ist beeindruckend, an welche literarischen Werke sich beide kurz vor ihrer Hinrichtung erinnern. Neben Ikarus und Worte des Horaz besonders an die Ballade »Pidder Lüng« von Detlev von Liliencron. Der Aufruf »Lieber tot als Sklave« aus dem Freiheitskampf der Friesen gegen die dänische Gewaltherrschaft sollte für die Verurteilten schreckliche Realität werden«, so Hiddemann. Die Form der Theatergottesdienste wird in St. Salvator schon mehrere Jahre angeboten. Während des ansonsten üblichen Ablaufs mit Liturgie und Kirchenliedern ersetzt eine Theaterszene die Lesungen und bildet den thematischen Bezug zur Predigt, die in diesem Gottesdienst Propst Diethard Kamm halten wird. Der Regionalbischof des Propstsprengels Gera-Weimar wurde im Jahr des Volksaufstandes 1953 geboren und hatte bereits als Schüler erste negative Berührung mit der Staatssicherheit. Als Jugendpfarrer in Gera mischte er sich bewusst in die »inneren Verhältnisse unseres Landes« ein und organisierte erste Friedensgebete in der Salvatorkirche. In seiner Predigt verweist Kamm auf Zitate aus Literatur und Bibel, die ihn bei seiner Arbeit als Jugendpfarrer besonders inspiriert und motiviert haben. Es sei ein großes Glück, einen Prediger mit einer solchen Biografie zu haben, erklärt Frank Hiddemann. Im Theatergottesdienst in Gera werden auch die beiden Zeitzeugen Brödel und Schmale anwesend sei.

Wolfgang Hesse

Begleitprogramm zur Premiere »Die im Dunklen« in Gera
24. Januar, 18 Uhr, Bühne am Park: »Widerstand im Theater – Kunst als Provokation«, Vortrag, Lesung, Podiumsdiskussion u. a. mit Bernhard Stegele, Enrico Heitzer und Stephan Krawcyk
26. Januar 9.30 Uhr, Salvatorkirche Gera: Theatergottesdienst
26. Januar, 11 Uhr, Bühne am Park: Matinee mit den Zeitzeugen Jörn-Ulrich Brödel und Gerhard Schmale, Dramaturgin Nora Wieczorek und Schauspieldirektor Bernhard Stengele
31. Januar 19.30 Uhr, Großes Haus der Bühnen der Stadt Gera: Premiere des Schauspiels »Die im Dunkeln«
Weitere Vorstellungen: 28. Februar und 15. März, jeweils 19.30 Uhr

Kirche und Krieg

27. Januar 2014 von Gemeinsame Redaktion  
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Ethik: Theologische Positionen zum Krieg im Laufe der Jahrhunderte standen im Mittelpunkt der Theologischen Tage in Halle

Der Beginn des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren war der Schwerpunkt der Theologischen Tage in Halle. Unter dem Thema »Kirche und Krieg« ging es dabei aber auch um Fragen der Gegenwart.

Selbst die Vertreter reformatorischer Bewegungen im 16. Jahrhundert waren sich in Fragen von Krieg und Frieden nicht einig. Das begann schon bei der Auslegung der Schrift. Während Erasmus von Rotterdam befand, dass sich das Schwerttragen für einen Christen nicht zieme, war Martin Luther für den standesgemäßen Gebrauch des Schwertes und den Gehorsam gegenüber legitimer Autorität. »Luther sah Zeichen des nahen Weltendes überall«, so der Theologe und Kirchenhistoriker Friedemann Stengel (Halle) in seinem Vortrag über »Reformation und Krieg«. »Er sah überall den Teufel mit seinen Dämonen am Werk.« Nach Ansicht von Erasmus und Nikolaus von Kues führe jedoch der Teufel nicht das Regiment. »Auch der Kriegsgegner ist Menschenkind, nicht Teufel.« Kriege seien nicht von Gott gemacht, sondern von Menschen. Die Protestanten hingegen hätten mit dem Artikel 16 der

Unerträgliche religiöse Überhöhung: Bildpostkartenserie zum Vaterunser aus dem Ersten Weltkrieg. Repro: picture alliance

Unerträgliche religiöse Überhöhung: Bildpostkartenserie zum Vaterunser aus dem Ersten Weltkrieg. Repro: picture alliance

Confessio Augustana – »Von der Polizei (Staatsordnung) und dem weltlichen Regiment« – Schuld auf sich geladen.
Ein Blick auf die deutsch-deutsche Friedensbewegung im Konflikt der Systeme warf die Theologin Angelika Dörfler-Dierken in ihrem Vortrag. Als Langzeitwirkung davon hat sie in Ost und West eine Delegitimation des militärischen Konfliktaustrags ausgemacht. Die Ablehnung von Kampfeinsätzen sei bis heute weit verbreitet; die Zustimmung zu ISAF sinke seit Jahren. In den Kirchen habe die Überzeugung geherrscht, dass die Abwesenheit von »heißem« Krieg nicht gleichbedeutend sei mit Frieden, so Dörfler-Dierken, die an der Universität der Bundeswehr lehrt. Sie entwickelte die These vom »Lustgewinn durch Partizipation an der Friedensbewegung«. Die Aktionen in Ost und West seien von »lebendiger Energie« getragen gewesen. Weil die Menschen Angst vor dem drohenden Atomkrieg hatten, beteiligten sie sich an symbolischen Aktionen zur Angstüberwindung. In der DDR seien alle, die die offizielle Politik nicht guthießen, in die randständige Gegenkultur verbannt gewesen. Mit der Einführung des Wehrkundeunterrichts habe sich der Widerstand intensiviert. Die Entspannungspolitik hatte der Veränderung der Mentalität der Menschen in Ost und West den Boden bereitet. In der DDR wurde der Graben zwischen offizieller Rhetorik und den eigenen Gefühlen der Menschen immer breiter. Insgesamt sei die deutsch-deutsche Friedensbewegung die »Geschichte ungleicher Brüder« gewesen, denen es gelungen sei, über die Systemgrenzen hinweg in Verbindung zu bleiben.

In den Mittelpunkt eines Workshops stellte der Theologe Jörg Ulrich (Halle) die Kriegspredigten in der evangelischen Kirche von 1914 bis 1918. Ein Thema, dem sich Wilhelm Pressel in seiner Dissertation von 1965 gewidmet hatte. Das Gros der Prediger habe Pressel zufolge dem Nationalprotestantismus angehangen. In den Predigten habe eine martiale, kriegslüsterne Sprache vorgeherrscht. Daneben gab es liberale Theologen und wenige, die, wie Christoph Friedrich Blumhardt, die klare Botschaft gepredigt hätten. Auch der hallesche Universitätsprediger Friedrich Loofs, dessen Predigten Ulrich untersucht hat, habe sich gegen Vereinnahmung gewahrt, die Schrecken des Krieges benannt und sich ein eigenständiges Urteil bewahrt.

Die fundamentale Kontroverse, die der Ersten Weltkrieg und seine Folgen unter Theologen ausgelöst hatte, beleuchtete Heinrich Assel (Greifswald) in seinem Vortrag über die »Lutherrenaissance im Krieg und Nachkrieg«. Während für Karl Barth der Krieg die »Offenbarung des Nicht-Göttlichen« gewesen sei, sah der Theologe Karl Holl das anders. »Man stellt überall mit Freude fest, dass der Krieg das beste aus uns herausgeholt hat«, schrieb er 1914. Und der Theologe Emanuel Hirsch (ein Wortführer der Deutschen Christen, Berater von Reichsbischof Ludwig Müller und Befürworter des Treueeides auf Hitler) habe 1934 dem Begriff »politische Theologie« einen souveränitätstheoretischen Sinn zu geben versucht: Politischer Theologe sei, »wer den politisch-völkischen Souverän auch als Souverän der Kirche anerkenne«.

Die ökumenische Friedensethik und die kirchliche Friedensarbeit im Spannungsfeld zwischen ziviler Konfliktbearbeitung, militärischen Interventionen und Kriegsgewöhnung nahm der katholische Theologe Joachim Garstecki (Magdeburg) in den Blick. Er beobachtet, dass die »Zurückhaltung gegenüber militärischen Lösungen« in den vergangenen 25 Jahren an Bedeutung verloren habe. Das Wort Friedenspolitik sei im öffentlichen Sprachgebrauch verschwunden, »sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit« sei vorrangiges Ziel und verwendetes Wort. Sicherheitslogik sei an die Stelle von Friedenslogik getreten, es gebe kein friedenspolitisches Gesamtkonzept. »Der Krieg erscheint heute wieder als Handlungsoption. Das ist eine gefährliche Entwicklung 100 Jahre nach dem Beginn des Ersten Weltkrieges.«

Angela Stoye

Wenn Sorgen sich breitmachen

26. Januar 2014 von Gemeinsame Redaktion  
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Die Bibel gibt Tipps, wie man sich in Bedrängnis verhalten kann

Probleme überall, Menschen wollen Böses: Bedrängnis ist eine Grunderfahrung von Menschen aller Zeiten. Auch zu biblischer Zeit waren die Menschen unterschiedlichen Bedrängnissen ausgesetzt, durch feindliche Angriffe, Übergriffe der Mitmenschen und Leid aller Art. Die Gläubigen waren überzeugt: Gott selbst kann für Bedrängnis sorgen, die Menschen aber auch wieder davon befreien.

Foto: drubig-photo/fotolia.com

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Paulus betont, dass das Ertragen von Bedrängnissen Geduld und Hoffnung fördern könne.

»Gott, sei mir gnädig, denn Menschen stellen mir nach; täglich bekämpfen und bedrängen sie mich«, fleht ein Psalmbeter. Ein anderer hofft: »Gott zerstreut die Gebeine derer, die dich bedrängen.« Dass Gott es ist, der aus aller Bedrängnis befreit, auch wenn es zunächst oft nicht so aussieht, davon ist auch Hiobs Freund Elihu überzeugt und meint: »Den Elenden wird er durch sein Elend erretten und ihm das Ohr öffnen durch Trübsal.« (Psalm 56,2, 53,6, Hiob 36,15)

Zitat: »So reißt er auch dich aus dem Rachen der Angst in einen weiten Raum, wo keine Bedrängnis mehr ist.« (Hiob 36,16)

Vom unterschiedlichen Umgang der Menschen mit der Botschaft vom Reich Gottes erzählt Jesus im Gleichnis vom Sämann und erklärt anschließend: »Bei dem aber auf felsigen Boden gesät ist«, der hört zwar vom Reich Gottes und ist zunächst begeistert, doch sobald er in Bedrängnis gerät, gerät er gleich ins Straucheln: Denn »er hat keine Wurzeln in sich, sondern er ist wetterwendisch? …«. (Matthäus 13,20 f.)

Zitat: »… wenn sich Bedrängnis oder Verfolgung erhebt um des Wortes willen, so fällt er gleich ab.« (Markus 4,17 b)

Eines Tages kam David nach Ziklag zurück und stellte fest, dass die Stadt von den gegnerischen Amalekitern eingenommen worden war. Seine Frauen und Kinder befanden sich in Gefangenschaft. »David geriet in große Bedrängnis, weil die Leute ihn steinigen wollten; denn die Seele des ganzen Volks war erbittert.« Doch David verzweifelte nicht, sondern »stärkte sich in dem Herrn, seinem Gott«. Er befragte Gott nach seinen Sieges-Chancen, jagte den Feinden nach und besiegte sie.

Zitat: »David geriet in große Bedrängnis, weil die Leute ihn steinigen wollten.« (1. Samuel 30,6 ff.)

Paulus hielt es nicht unbedingt für negativ, Bedrängnisse ertragen zu müssen. Er selbst jedenfalls schämte sich der Bedrängnisse nicht, in die er geraten war, und betont sogar: »Wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen.« Gar nicht so einfach, das in schwierigen Situationen vor Augen zu behalten.

Zitat: »Wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt.« (Römer 5,3 ff.)

Der Verfasser des zweiten Thessalonicherbriefes lobt die Gemeinde für ihre Geduld in allen Bedrängnissen und Verfolgungen und verspricht Gerechtigkeit bei Gott am Ende der Zeit: »Denn es ist gerecht bei Gott, mit Bedrängnis zu vergelten denen, die euch bedrängen«, ist der Verfasser überzeugt, »euch aber, die ihr Bedrängnis leidet, Ruhe zu geben mit uns, wenn der Herr Jesus sich offenbaren wird vom Himmel her.«

Zitat: »Denn es ist gerecht bei Gott, mit Bedrängnis zu vergelten denen, die euch bedrängen.« (2. Thessalonicher 1,6 ff.)

Auch im zweiten der sieben Sendschreiben der Offenbarung wird den Menschen Mut zugesprochen, Bedrängnisse durchzustehen. Dort heißt es: »Dem Engel der Gemeinde in Smyrna schreibe: Ich kenne deine Bedrängnis … Fürchte dich nicht vor dem, was du leiden wirst! Siehe, der Teufel wird einige von euch ins Gefängnis werfen, damit ihr versucht werdet, und ihr werdet in Bedrängnis sein zehn Tage. Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben.« (Offenbarung 2,8)

Uwe Birnstein

Zwischen Aufbruch und Ernüchterung

22. Januar 2014 von Gemeinsame Redaktion  
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Äthiopien: Ein Land auf dem Weg vom Hungerland zum afrikanischen »Löwenstaat«

Hungerland oder aufstrebende Wirtschaftsmacht, Entwicklungsdiktatur oder Vorbild für demokratische Reformen: Kaum ein Staat in Afrika polarisiert so wie Äthiopien.

Äthiopien ist ein Land voller Widersprüche. Auf dem aktuellen »Index für menschliche Entwicklung« des UN-Entwicklungsprogramms steht der Bundesstaat am Horn von Afrika auf Platz 173 von 184. Rund 40 Prozent der 91 Millionen Äthiopier sind von Unterernährung bedroht. Allein 2008 flossen mehr als drei Milliarden US-Dollar Entwicklungshilfe ins Land. Trotzdem prognostizieren Ökonomen und Entwicklungshelfer Äthiopien eine Zukunft als »afrikanischer Löwenstaat«, als aufstrebende Wirtschaftsmacht.

Ein Land der Widersprüche: Während in einem Bildungsprojekt im vergangenen Jahr äthiopische Kinder mithilfe von Tablet-PCs lesen und schreiben lernen,  dominieren in anderen Regionen noch Stammesriten – etwa bei den Hamer im Südwesten des Landes. Fotos: picture alliance

Ein Land der Widersprüche: Während in einem Bildungsprojekt im vergangenen Jahr äthiopische Kinder mithilfe von Tablet-PCs lesen und schreiben lernen, dominieren in anderen Regionen noch Stammesriten – etwa bei den Hamer im Südwesten des Landes. Fotos: picture alliance

»Blühende Demokratie auf der einen, Menschenrechtsverletzungen auf der anderen Seite – in Äthiopien geht das gut zusammen«, sagt der deutsche Ethnologe Wolbert Smidt, der in Äthiopien lebt. Mehr als 80 Völker gibt es in dem Land. Ob die Menschen hungern oder Kritiker verfolgt werden, ist nach Smidts Einschätzung von Region zu Region verschieden. »Zentralismus ist in Äthiopien zum Scheitern verurteilt«, betont er. Es gehört zu den Widersprüchen des Landes, dass die Zentralregierung ihre Macht trotzdem auf die Einheitspartei EPRDF (Revolutionäre Demokratische Front der Äthiopischen Völker) stützen kann.

»Äthiopien ist anders«, sagt auch Christoph Schneider-Yattara. Der Entwicklungsexperte ist als Äthiopien-Koordinator der Hilfsorganisation »Brot für die Welt« in die Hauptstadt Addis Abeba. Die Infrastruktur sei im Vergleich zu anderen afrikanischen Ländern sehr gut entwickelt. »Es gibt selbst in abgelegenen Gebieten Stromversorgung«, sagt Schneider-Yattara. Das Straßen- und Telekommunikationsnetz gilt als gut ausgebaut.

Noch ist das Land vor allem von der Landwirtschaft geprägt, nach Regierungsangaben leben 85 Prozent der Bevölkerung davon. In den nächsten Jahren könnte sich das ändern. Die Textilindustrie wächst. »Äthiopien wird zum größten Energieproduzenten Afrikas aufsteigen«, sagt Smidt.

Das Land baut gewaltige Staudämme, von denen es sich einen weiteren wirtschaftlichen Aufschwung erhofft. Die Regierung hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt: Bis 2015 sollen über 2 000 Kilometer Schienenstrecken durch das Land führen – bis 2010 war im ganzen Land noch nie ein Zug gerollt. Der Staat baut immer mehr Schulen, Hochschulen und Krankenhäuser.

Smidt und Schneider-Yattara erinnert die aktuelle Entwicklung in Äthiopien an den wirtschaftlichen Aufstieg Chinas. Tatsächlich sind chinesische Unternehmen die größten Investoren in Äthiopien. Sie bauen Straßen im ganzen Land und eine Stadtbahn für Addis Abeba. Auch die politischen Strukturen erinnern an China. Die EPRDF regiert das Land seit 1991, seitdem wird der Einfluss der Opposition auf zentralstaatlicher Ebene immer geringer. »Im äthiopischen Parlament sitzt nur noch ein Oppositionsabgeordneter«, sagt Schneider-Yattara. Nach dem Tod des langjährigen Premierministers Meles Zenawi erhofften sich viele von seinem Nachfolger Hailemariam Desalegn Reformen. Doch bislang hat sich nichts geändert.

»Äthiopien ist ein Überwachungsstaat«, sagt Schneider-Yattara. »Zivilgesellschaftliche Arbeit unterliegt einer unheimlichen Kontrolle.« Die Entwicklungshilfe im Land stellt das vor Herausforderungen. »Sie muss auf die ganz großen Projekte verzichten«, empfiehlt Smidt. »Kleinteilige Projekte helfen eher.« Und seien obendrein für Äthiopien auch eher geeignet.

Dominik Speck (epd)


Hintergrund: Christen in Äthiopien

Nach offiziellen Angaben gehören 43,5 Prozent der insgesamt knapp 92 Millionen Einwohner der Äthiopisch-Orthodoxen Kirche an. Rund 18,6 Prozent sind Mitglieder protestantischer Kirchen, weniger als ein Prozent sind katholisch. Knapp 34 Prozent der Äthiopier bekennen sich zum Islam.

Trotz der Mehrheit der christlichen Bevölkerung und obwohl offiziell Glaubensfreiheit herrscht, nimmt das Land auf dem Weltverfolgungsindex der christlichen Hilfsorganisation Open Doors den Rang 17 ein. Wobei es den Angaben zufolge große Unterschiede in den einzelnen Regionen des Landes gibt. Als Hauptursachen für Benachteiligungen und auch gewaltsame Übergriffe gegen Christen werden ein in manchen Regionen erstarkender islamischer Extremismus, das klerikale Anspruchsdenken der traditionellen Äthiopisch-Orthodoxen Kirche, eine »totalitäre Paranoia« der Regierung wie auch ein exklusives Stammesdenken ausgemacht. Insbesondere würden immer wieder Menschen bedrängt, die sich vom Islam verabschieden oder aus einer der traditionellen Kirchen in eine andere übertreten.

(GKZ)


»Not lehrt beten«

21. Januar 2014 von Gemeinsame Redaktion  
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Der Unfall eines Ex-Rennfahrers zeigt plötzlich die eigenen Grenzen – und löst einen wahren Gebetsboom aus

Ein Ex-Rennfahrer verunglückt – und die halbe Welt scheint plötzlich zu beten. Was steckt hinter dieser plötzlichen Frömmigkeit? Beobachtungen zu einem Phänomen.

Foto: pix4U-Fotolia.com

Foto: pix4U-Fotolia.com

Der schwere Ski-Unfall des ehemaligen Formel-1-Rennfahrers Michael Schumacher zieht gewaltigen Medienrummel nach sich. Man mag daran Anteil nehmen. Man kann es für überzogen halten. Aber etwas fällt doch auf: Die halbe Welt betet für »Schumi«.
Das ist erstaunlich. Plötzlich ist es nicht mehr peinlich, die Worte »Gebet« und »Gott« in den Mund zu nehmen. Tennis-Legende Boris Becker etwa rief zu Gebeten für den 44-jährigen Schumacher auf, der mit schwerem Schädel-Hirn-Trauma im Koma liegt: »Lasst uns alle für Michael Schumacher beten!«

Auch Schumachers früherer Team-Kollege Felipe Massa meldete sich ähnlich zu Wort: »Ich bete für dich, mein Bruder! Gott segne dich!« Kaum ein Promi, der momentan nicht beteuert, für den Rekordweltmeister zu beten.

Und per Computer zogen zigtausende nach. Bei populären Internet-Diensten wie Facebook oder Twitter versammeln sich Trauernde und Hoffende in Scharen unter Gruppennamen wie »1 Like = 1× beten für Schumi« oder »PrayForSchumi«.

Manchem mag da ganz schwindelig werden: So viel Frömmigkeit mit einem Mal? Das ist ein bisschen ähnlich wie nach der Love-Parade-Katastrophe, als es die Menschen in die Gottesdienste zog. Oder nach einem Amoklauf. Einem Tsunami. Oder den Terroranschlägen auf die Twin-Towers in New York am 11. September 2001.

Selbst die Stärksten, Reichsten, Erfolgreichsten fühlen in solchen Momenten die Ohnmacht. Man kommt an eine Grenze. Man kann nichts mehr tun.
Aber es drängt einen, doch etwas zu tun. Irgendetwas – was vielleicht doch noch helfen könnte. Auch wenn es auf einer ganz anderen Ebene liegt als der, auf der man sonst lebt. Plötzlich taucht da wieder die Vorstellung von einer höheren Macht auf.

Not lehrt beten, heißt es im Volksmund. Das ist wie ein Instinkt. »Auch wenn ich dich sonst nie ernst genommen habe, ich brauche jetzt deine Hilfe.« – »Lieber Gott, wenn es dich wirklich gibt, dann …« »Ab Windstärke zehn gibt es keinen Atheisten mehr«, soll der evangelische Theologe Helmut Gollwitzer einmal gesagt haben.

Man kann darüber die Nase rümpfen oder die Motive der Betenden hinterfragen. »Wer sich nur in der Not auf Gott besinnt, degradiert ihn zum Erfüllungsgehilfen«, wettert etwa der TV-Journalist und Bestsellerautor Peter Hahne. Natürlich hat Hahne recht. Zum Gespräch mit Gott gehört auch der Dank und der Lobpreis, und wer wissen will, wie ein Gebet idealerweise aussehen sollte, schaue sich noch einmal das »Vaterunser« an. Aber: Um zu Gott zu rufen, muss man nicht erst eine Bibelschule besuchen.

Diese Ahnung, dieses Bauchgefühl, wenn es soweit ist, dieser Instinkt: »Aus tiefer Not schrei ich zu dir«, das scheint eine menschliche Grundregung zu sein, sie gehört zum Menschen dazu.

Ein Ahnen, dass den meisten im Alltag vielleicht längst verloren gegangen ist. Und das bald wieder schlummern mag.
Bis zur nächsten Katastrophe.

Gerd-Matthias Hoeffchen

Jubiläum einer alten Dame

20. Januar 2014 von Gemeinsame Redaktion  
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Fernsehen: Das »Wort zum Sonntag wird 60 und soll eine »kleine Schwester« erhalten

Seit 60 Jahren behauptet  das »Wort zum Sonntag« seinen wöchentlichen Sendeplatz. Für die einen eine willkommene Pause zum Toilettengang oder zum Zappen, für die anderen ein Moment des Innehaltens.

Es ist eine der ältesten Sendungen im deutschen Fernsehen. Jeden Sonnabend, zwischen 22 Uhr und Mitternacht, strahlt die ARD das »Wort zum Sonntag« aus. Ein Geistlicher, abwechselnd evangelisch-landeskirchlicher, freikirchlicher oder römisch-katholischer Konfession, steht vor einer blauen Wand im Studio und hält eine etwa fünfminütige Kurzansprache.

Und das seit 60 Jahren: Am 8. Mai 1954 sprach der Hamburger Pastor Walter Dittmann das allererste Wort zum Sonntag – nachdem die eigentlich geplante Sendung mit dem katholischen Prälaten Klaus Mund aus Aachen am 1. Mai 1954 aus technischen Gründen ausfallen musste.

An diesem Montag, 20. Januar, lädt die EKD aus diesem Anlass zu einem Festakt nach Hamburg ein. Der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider und der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, wollen das »Wort zum Sonntag« würdigen.

»Das ›Wort zum Sonntag‹ ist eine Sendung, die gleichzeitig einfach und schwierig ist«, sagt der ARD-Beauftragte der EKD, Thomas Dörken-Kucharz. »Es ist kein Format, das die Möglichkeiten des Fernsehens ausnutzt.« Fernsehen werde hier auf eine Kamera, einen Hintergrund und einen Sprecher reduziert. »Die Wiedererkennbarkeit sind Studio, Gesicht und Botschaft.«

Prost, Herr Pfarrer: Seit 60 Jahren sorgt das »Wort zum Sonntag« für manchen Spott und manche Diskussion – doch die Zuschauerreaktionen zeigen auch, dass Menschen sich persönlich angesprochen fühlen. Foto: Ana Blazic Partovic-Fotolia.com/Montage: G+H

Prost, Herr Pfarrer: Seit 60 Jahren sorgt das »Wort zum Sonntag« für manchen Spott und manche Diskussion – doch die Zuschauerreaktionen zeigen auch, dass Menschen sich persönlich angesprochen fühlen. Foto: Ana Blazic Partovic-Fotolia.com/Montage: G+H

Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister, der selbst einst Sprecher des »Worts zum Sonntag« war, wird noch deutlicher. Er spricht von einem »Anachronismus«, der aber auch »eine Perle im Programm der ARD« sei. »Wo sonst gibt es noch einen so langen – insgesamt über vier Minuten – durchgehenden Wortbeitrag im deutschen Fernsehen?«, fragt Meister. »Selbst ein Kommentar in den Tagesthemen dauert niemals mehr als drei Minuten.« Noch immer wird der frühere Propst von Lübeck bei Veranstaltungen als »früherer Wort-zum-Sonntag-Sprecher« vorgestellt. Doch über die Inhalte der Sendungen redet man in den Gemeinden nur wenig, hat Meister bei seinen zahlreichen Besuchen in ganz Niedersachsen beobachtet.

Stimmt es also, was böse Zungen behaupten: Dass die Wasserwerke während der Sendung einen deutlichen Druckabfall in den Leitungsnetzen der Städte feststellen können, weil dann alle Zuschauer auf die Toilette gehen? »Das ist bitterer Spott«, sagt Thomas Dörken-Kucharz. »Wer am Samstagabend die ARD schaut, guckt auch das Wort zum Sonntag.«

Die erfolgreichste Sendung war dabei das »Wort zum Sonntag« von Papst Johannes Paul II. am 1. Mai 1987. Zwar war das noch zu Zeiten des öffentlich-rechtlichen Rundfunkmonopols. »Aber so viele Zuschauer hatten wir nie wieder.« Auch wenn etwa Papst Benedikt XVI. bei seinem letzten Deutschlandbesuch ebenfalls ein »Wort zum Sonntag« gesprochen hat.

Kritik gibt es dagegen, wenn fromme Christen das »Wort« mal wieder für zu wenig christlich halten. Dass etwa die Hildesheimer Pfarrerin Nora Steen zum ersten Advent über den »Zauber« sprach, den Kinderherzen in der Vorweihnachtszeit erleben, dabei aber nicht darauf einging, was Christen die Adventszeit bedeute, erregte den damaligen Geschäftsführer des Christlichen Medienverbunds KEP, Wolfgang Baake. Der Leiter der einst als »Konferenz Evangelikaler Publizisten« bekannten Organisation sprach von einer »aus missionarischer und kultureller Sicht missglückten« Sendung.

Dörken-Kucharz indes geht mit solch einer Kritik gelassen um. »Für jemanden, der Fernsehen macht, ist es gut, wenn Zuschauer reagieren«, sagt der ARD-Beauftragte der EKD. Tatsächlich würden aber besonders geistliche Worte von den Zuschauern am meisten nachgefragt – neben den Sendungen zu Katastrophen. »Wenn wir aktuell und mit tröstenden Worten reagieren, haben wir den größten Rücklauf.«

Doch in der modernen Mediengesellschaft reicht das allein nicht aus. Auch das Wort zum Sonntag soll zum 60. Geburtstag ein Facelifting erhalten. »Wir werden das Wort zum Sonntag grafisch verändern«, kündigt der ARD-Beauftragte an. Es wird einen neuen Trailer und eine neue Melodie zu Beginn der Sendung geben.

Und Hannovers Bischof Ralf Meister kündigt im Gespräch mit dieser Zeitung an, dass im Rahmen des Festakts am Montag auch ein neuer Vollbildhintergrund für die Sendung präsentiert werde.

Dazu soll die »alte Dame« »Wort zum Sonntag« Familienzuwachs erhalten: »Nächste Woche wird auch die ›kleine Schwester‹ des ›Wortes zum Sonntag‹ präsentiert«, sagt Meister. »Eine Kurzverkündigungssendung unter dem Titel ›Freisprecher‹ für Eins-Plus: Modern, mit jugendlichen Protagonisten, schnell geschnitten.« Nicht nur der hannoversche Landesbischof ist »sehr gespannt, wie das bei den Zuschauern ankommt«.

Benjamin Lassiwe

Wenn der Sohn plötzlich geht …

20. Januar 2014 von Gemeinsame Redaktion  
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Porträt: Freya von Stülpnagel hat die Trauer über den Freitod ihres eigenen Kindes durchlitten

Der Freitod eines nahestehenden Menschen hinterlässt Betroffenheit, Trauer und oft auch Schuldgefühle. Freya von Stülpnagel hat dies persönlich durchlitten.

Es ist Frühling 1998 und Freya von Stülpnagel erholt sich mit ihrer Familie für einige Tage im Skiurlaub. Da erreicht sie die Nachricht vom Freitod ihres Sohnes Benni. Von diesem Moment an ist ihr altes Leben für immer vorüber. Zunächst gerät sie in eine Schockstarre. Tagelang isst sie nichts. Nächtelang schläft sie nicht. Ihre Seele und ihr Körper tun weh. Sie weint und weint. Die Familie steht zusammen, aber auch das kann den Schmerz kaum lindern. »In den ersten Tagen«, sagt sie heute, »ging es einfach nur ums eigene Überleben.« Den Tod eines Kindes könne man nicht denken. Er sei gegen die natürliche Ordnung und deswegen so unfassbar.

Die Trauer ins Leben integriert: Freya von Stülpnagel hat ihren Sohn durch Suizid verloren. Foto: Stephan Rumpf

Die Trauer ins Leben integriert: Freya von Stülpnagel hat ihren Sohn durch Suizid verloren. Foto: Stephan Rumpf

Am Beginn ihres Trauerprozesses ist ungewiss, ob und wie sie diesen Schicksalsschlag verkraften wird. Einige Zeit arbeitet sie noch weiter in ihrem Beruf als Lehrerin. Das gibt ihrem Alltag Struktur. Irgendwie muss es ja weitergehen. Aber sie kann es irgendwann nicht mehr aushalten, vor Jugendlichen zu stehen, die so alt sind wie ihr Benni, als er starb.

Benni wurde nur 18 Jahre alt. Er ist eines von vier Kindern der von Stülpnagels. Ein fröhlicher Junge, der den Eltern viel Freude bereitet. Als Jugendlicher bekommt Benni plötzlich seelische Probleme, die die Eltern zur damaligen Zeit nicht einordnen können. Es ist eine Depression, die ihn niederdrückt und schwer belastet. Einmal äußert Benni kurz: » Wenn ich nicht wieder gesund werde, bringe ich mich um.« Für Freya von Stülpnagel ist Selbsttötung ein absolutes Tabu. Damals weiß sie noch nicht, dass es in ihrer Familie in dieser Hinsicht eine Belastung, eine Vorgeschichte gibt. Auch ihre Großmutter und ihre Großtante hatten sich das Leben genommen. Niemals jedoch verlor die Familie darüber ein Wort. Es gehörte sich nicht.

So geht sie, aus heutiger Sicht viel zu schnell, über die flüchtig hingeworfene Bemerkung Bennis hinweg. Später leidet sie deswegen an Schuldgefühlen wie alle Eltern, denen »so etwas passiert«. Die Frage danach, was man hätte tun können, ob man es hätte verhindern können, treibt viele verwaiste Eltern um. Die Leichtigkeit des Seins, die Unbeschwertheit des Lebens, wird mit dem Kind zu Grabe getragen.

Freya von Stülpnagel durchleidet eine exzessive Trauerphase. Ihr Pfarrer sagt, dass er selten einen Menschen gesehen hat, der seiner Trauer einen solchen Ausdruck zu verleihen wusste. Er weiß in dem Moment aber auch, dass diese Frau ihre Trauer verarbeiten wird, weil sie ihren Schmerz nicht verdrängt, sondern »herauslässt«.

Es dauert viele Monate, bis sich in ihr endlich wieder ein kleines Fünkchen Lebensmut meldet. Eine Sehnsucht nach Leben, der Wunsch, die Zeit, die ihr noch gegeben ist, auszufüllen und gut zu nutzen. Sie kündigt ihren Lehrerberuf auf und widmet sich dem Dienst an verwaisten Eltern. Die Selbsthilfegruppe ihrer Kirchengemeinde, die sie zunächst als Betroffene besucht, steht heute unter ihrer Leitung. Sie arbeitet als Trauerbegleiterin und gestaltet Trauerfeiern. Bislang schrieb sie zwei Bücher (siehe unten), in denen sie ihre Erfahrungen zu Papier brachte.

Heute hat sich Freya von Stülpnagel mit ihrem Schicksal ausgesöhnt. Sie sagt: »Es geht mir gut. Ich habe den Verlust von Benni in mein Leben integriert und kann gut damit umgehen.« Wichtig sei, dass in der akuten Phase der Trauer mindestens ein Mensch da ist, der zu einem steht, der die Trauer mit aushält, ohne zu vertrösten. Denn es gäbe keinen Trost beim Verlust des eigenen Kindes. Diese Untröstlichkeit gilt es anzuerkennen und offen damit umzugehen. Wichtig sei, authentisch zu leben, das Unfassbare zum Ausdruck zu bringen und immer wieder darüber zu sprechen.

Ihre Trauer, sagt sie, habe sich über die Jahre verwandelt. Sie sei inzwischen nicht mehr lebenshemmend, sondern lebensbegleitend.

Freya von Stülpnagel engagiert sich heute als Trauerbegleiterin im »Verein Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister«. Regionale Gruppen gibt es auch in Mitteldeutschland. Sie sind auf der Internetseite des Bundesverbandes zu finden.

Petra Franke

www.veid.de

Buchtipp:
von Stülpnagel, Freya: Warum nur? Trost und Hilfe für Suizid-Hinterbliebene, Kösel-Verlag, 160 Seiten, ISBN 978-3-466-37067-2, 14,99 Euro
von Stülpnagel, Freya: Ohne dich. Hilfe für Tage, an denen die Trauer besonders schmerzt, Kösel-Verlag, 160 Seiten, ISBN 978-3-466-37049-8, 15,99 Euro

Hier finden Suizidgefährdete und deren Angehörige Hilfe
Kostenlos und rund um die Uhr stehen die rund 8 000 ehrenamtlichen Ansprechpartner der in ökumenischer Verantwortung betriebenen Telefonseelsorge allen Betroffenen zur Verfügung.
Rufnummern: (08 00) 111 0 111 und (08 00) 111 0 222
Daneben gibt es in Mitteldeutschland unter dem Dach der Diakonie Beratungsstellen mit qualifizierten Ansprechpartnern.

Diakonische Beratungsstellen in Sachsen-Anhalt
Aschersleben: Ehe-, Lebens-, Familien- und Erziehungsberatungsstelle, Silke Ben Amor, Eislebener Straße 5/6, 06449 Aschersleben, Telefon (0 34 73) 8 40 84 66
Bitterfeld-Wolfen: Familien- und Erziehungsberatungsstelle, Iris Kroboth, Ratswall 18, 06749 Bitterfeld-Wolfen, OT Bitterfeld, Telefon (0 34 93) 4 26 49
Dessau: Erziehungs- und Familienberatungsstelle, Mandy Rüdiger, Georgenstraße 13-15, 06842 Dessau, Telefon (03 40) 2 60 55 34
Genthin: Erziehungs- und Familienberatungsstelle, Jana Berger, Magdeburger Straße 27, 39307 Genthin, Telefon (0 39 33) 80 18 41
Halle: Evangelische Beratungsstelle für Ehe-, Erziehungs-, Familien- und Lebensfragen, Silke Bauch, Kleine Märker Straße 1, 06108 Halle, Telefon (03 45) 2 03 10 16
Wittenberg: Erziehungs- und Familienberatung, Jana Ehrlich, Juristenstraße 1–2, 06886 Lutherstadt Wittenberg, Telefon (0 34 91) 40 60 24
Magdeburg: Erziehungs- und Familienberatung, Susanne Granse, Leibnizstraße 48, 39104 Magdeburg, Telefon (03 91) 5 32 49-13
Quedlinburg: Familienberatungsstelle, Christine Schwindak, Carl-Ritter-Straße 16, 06484 Quedlinburg, Telefon (0 39 46) 37 40

Diakonische Beratungsstellen in Thüringen
Gera: Erziehungs-, Familien-, Ehe- und Lebensberatungsstelle Gera, Katrin Teichmüller, Zabelstraße 2, 07545 Gera, Telefon (03 65) 7 73 63 21
Bad Langensalza: Beratungsstelle für Eltern Kinder und Jugendliche, Nadja Walter, Wiebeckplatz 3, 99947 Bad Langensalza, Telefon (03 03) 84 25 83
Eisenach: Evangelische Erziehungs-, Familien-, Ehe- und Lebensberatungsstelle, Roland Fleischer, Schillerstraße 6, 99817 Eisenach, Telefon (0 36 91) 26 03 40
Erfurt: Psychologische Beratungsstelle für Erziehungs-, Paar-, Familien- und Lebensberatung Frau Roth, Schillerstraße 12, 99096 Erfurt, Telefon (03 61) 3 46 57 22
Gotha: Erziehungs-, Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle, Claus Hild, Klosterplatz 6 99867 Gotha, Telefon (0 36 21) 30 58 40
Greiz: Evangelische Beratungsstelle für Ehe-, Familien-, Erziehungs- und Lebensfragen, Antina Eichler, Kirchplatz 3, 07073 Greiz, Telefon (0 36 61) 26 17
Meiningen: Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche, Ines Müller, Alte Henneberger Straße 2, 98617 Meiningen, Telefon (0 36 93) 5 01 90
Pößneck: Erziehungs- und Familienberatungsstelle, Paar- und Lebensberatung, Gisela Külkens, Straße des Friedens 14, 07381 Pößneck, Telefon (0 36 47) 42 28 35
Saalfeld: Ehe-, Erziehungs-, Familien- und Lebensberatungsstelle, Christiane Blaschke, Brudergasse 18, 07318 Saalfeld, Telefon (0 36 71) 45 58 91 20


Fundsache: Saurer Glühwein für Salomos Arbeiter

14. Januar 2014 von Gemeinsame Redaktion  
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Unter König Salomo gab es für die Bauarbeiter »schlechten« oder auch »verdorbenen« Wein. Dieser wurde in großen tönernen Behältern aufbewahrt. Bürokratisch ordentlich waren sie am Gefäßrand mit eingebrannter Inschrift gekennzeichnet.

Diese Entdeckung veröffentlichte jetzt Professor Gershon Galil von der Universität Haifa. Ihm gelang es, eine schwer zu entziffernde Inschrift in urhebräischer Schrift neu zu interpretieren. Nachdem Archäologen 2012 südlich des heutigen Tempelberges im ältesten Teil Jerusalems die Scherben gefunden hatten, taten sich Experten zunächst schwer mit der Entzifferung der Inschrift.

Anhand der Erdschicht am Fundort und der Form des Gefäßes konnte das Alter der Scherben ziemlich genau auf das Jahr 950 vor Christus bestimmt werden. Das sei exakt die Regierungszeit des biblischen Königs Salomo. Der ließ ein paar Meter weiter nördlich den ersten »salomonischen« Tempel errichten. Die nun entzifferte Inschrift passe wunderbar dazu. Denn ein großer Behälter mit »schlechtem Wein« bedeutete, dass dort Arbeiter tätig waren. Die Kennzeichnung des Gefäßes liefere zudem einen kleinen Beweis für eine ordentliche Verwaltung.

Ulrich W. Sahm berichtet für unsere Zeitung aus Israel.

Ulrich W. Sahm berichtet für unsere Zeitung aus Israel.

Nach Angaben von Galil sei der erste erhaltene Buchstabe ein »M«, also die Endung der Zahl 20 oder 30 auf Hebräisch. Das entspräche einer Jahreszahl, etwa dem 20. oder 30. Regierungsjahr Salomos. Dann las er zweimal ein »I« und ein »N«, was bis heute das Wort für »Wein« ist. Nur in der Gegend südlich von Hebron sei damals »Jain« für »Wein« mit einem doppelten »I« geschrieben worden. Das nächste von Galil entzifferte Wort lautet »Halak«. Das sei typisch für die ugaritische Sprache. Ugarit liegt heute in Syrien nahe der türkischen Grenze. Dort sei der Wein in drei Kategorien eingeteilt worden: Gut, schlecht und verdorben (Halak). Die dritte Sorte, der verdorbene Wein, habe natürlich nicht der König getrunken. Vielmehr hätten den die Sklavenarbeiter zu trinken bekommen. Der letzte lesbare Buchstabe sei wieder ein »M«, was »von« bedeuten kann und vielleicht von einem Ortsnamen gefolgt war, der Herkunft des Weines.

Bei einer Ausgrabung auf Tel Kabri im Norden Israels, wo ein etwa 3 700 Jahre alter Weinkeller gefunden wurde, ergab eine Analyse der im Topfboden abgesetzten Weinspuren, dass der vergorene Traubensaft mit Gewürzen angereichert wurde – offenbar um ihn trinkbar zu machen. Die Gewürze erinnern stark an modernen Glühwein für Weihnachten: Honig, Minze, Zimtborke, Wacholderbeeren und Zedernharz.

Mit der Entzifferung der Inschrift auf Scherben, die genau in die Regierungszeit des Königs Salomo datiert werden können, befeuert Galil die Diskussion unter Archäologen, die den König Salomo für einen Mythos halten und die biblische Erzählung anzweifeln. Denn Galil glaubt beweisen zu können, dass Jerusalem in jener Zeit kein winziges Dorf war, sondern Teil eines Königreiches mit funktionierender Bürokratie und Bauarbeitern, die eben »schlechten Wein« zu trinken bekamen.

Ulrich W. Sahm

»Gott nahe zu sein ist mein Glück«

14. Januar 2014 von Gemeinsame Redaktion  
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Zum ersten Mal in der Geschichte der Jahreslosungen wurde ein schon gewählter Vers noch einmal verändert

Die Jahreslosung ist streng genommen keine Losung, denn sie wird nicht ausgelost, sondern gewählt, und zwar von der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen (ÖAB). Das Verfahren ist relativ aufwändig: Die Mitglieder der ÖAB reichen je zwei Vorschläge ein. Dann diskutiert die Mitgliederversammlung die Spruchvorschläge in vier Gruppen durch. Jede Gruppe schaut sich die Verse auch in ihrem Kontext und in der hebräischen oder griechischen Version an und entscheidet sich für zwei Verse. Über diese maximal acht Vorschläge diskutiert das Plenum nochmals, bevor gebetet und dann abgestimmt wird. Bekommt ein Vers die absolute Mehrheit, wird er Jahreslosung.

Bei der Auswahl der Losung für 2014 gab es eine Premiere in der Geschichte der ÖAB: Sie nahm ihr Votum zurück, traf sich ein zweites Mal, stimmte erneut über den Vers ab und ließ dabei zwei Wörter weg. Das kam so: Psalm 73,28a lautet nach der Einheitsübersetzung: »Ich aber – Gott nahe zu sein ist mein Glück.« Gegen diese Ausdrucksweise gab es Proteste von einigen Verlagen, die die Jahreslosung auf Kalender, Tassen und Kugelschreiber drucken wollten. »Es war ihnen zu sperrig«, erklärt der Vorsitzende der ÖAB, Wolfgang Baur vom Katholischen Bibelwerk. Ohne die trotzige Formulierung ist der Vers glatter, eingängiger.

Doch gerade das »Ich aber« hat eine zentrale Bedeutung in Psalm 73: Der Beter beobachtet, dass es in der Welt ungerecht zugeht und gerät in eine Glaubenskrise. Aber dann, als Gott sich ihm auf geheimnisvolle Weise offenbart, ändert sich seine Sicht der Dinge: Gegen alle Vernunft und Erfahrung entscheidet sich der Psalmbeter, Gott treu zu bleiben. Vers 28 ist also ein hart errungenes persönliches Bekenntnis. »Die Position des Gottgläubigen wird mit dem ›Ich aber‹ abgesetzt. Er findet seine Identität«, erläutert Wolfgang Baur. Im Nachhinein ärgert er sich über die nochmalige Abstimmung, denn jetzt wird nur ein Bruchstück von Vers 28 auf Postkarten und Kalendern abgedruckt. »Ich möchte nicht, dass sich das nochmal wiederholt. Wir wägen immer sehr gründlich ab. Wir haben uns da überrumpeln lassen«, sagt der ÖAB-Vorsitzende.

Die Jahreslosung als Schmuckstück: Goldschmiedin Claudia Mohr aus Mannheim gestaltet diesen Anhänger (www.herlichkeiten.de)

Die Jahreslosung als Schmuckstück: Goldschmiedin Claudia Mohr aus Mannheim gestaltet diesen Anhänger (http://www.herrlichkeiten.com/)

Diskussionen gab es auch darüber, ob man die Einheitsübersetzung oder den bekannteren Luthertext von 1984 nimmt. Diese beiden Bibelübersetzungen sind von der evangelischen und katholischen Kirche anerkannt und werden für die Jahreslosungen verwendet. Gegenüber der Einheitsübersetzung (»Gott nahe zu sein ist mein Glück«) formulierte Luther etwas freier: »Das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte.« Wolfgang Baur fand es schön, noch einmal die Einheitsübersetzung zu wählen, weil in den vergangenen Jahren oft Luther zum Zuge gekommen war. Außerdem – ein wichtiges Argument für den katholischen Theologen: »Wir orientieren uns auch an den Quelltexten, da ist die Einheitsübersetzung näher dran.«

An diesem Vers wird deutlich, wie schwierig es ist, hebräische oder griechische Quelltexte der Bibel überhaupt zu übersetzen – und zwar so, dass sie in unserer heutigen Lebenswelt einen Sinn ergeben, der zum damals Gemeinten passt. Übersetzt man wörtlich, kommen dabei sperrige und kaum verständliche Formulierungen heraus. Der Münsteraner Alttestamentler Erich Zenger hat für Psalm 73,28a – so wörtlich wie möglich! – vorgeschlagen: »Ich aber: Gottes-Nahen ist gut für mich« (in: Herders Theologischer Kommentar zum Alten Testament, 2000). Doch so würde sich im Deutschen niemand ausdrücken. Übersetzer müssen Texte immer in andere Sprachwelten übertragen und damit auch interpretieren.

Auch für das Wörtchen »gut« am Versende gibt es zahlreiche Übersetzungsmöglichkeiten: gut, wohl, schön, lieblich, heiter, froh, schön, fröhlich, angenehm, erfreulich. Im Hebräischen steht zwar ein Adjektiv, doch manche entscheiden sich im Deutschen für ein Substantiv: »Glück« (Neue Zürcher und Einheitsübersetzung), »das Gute« (Buber/Rosenzweig) oder »Freude« (Luther). Weiterhin wäre Heil, das Rechte, Güte, Schönheit, Herrlichkeit, Fröhlichkeit nicht falsch.

Die Jahreslosung für 2014 bietet also viel Raum für Interpretationen. Für den einen bedeutet der Vers: »Gott ist bei mir, das macht mich froh.« Für die andere vielleicht: »Ich kann immer wieder auf Gott zugehen – was für ein Glück!« und für einen Dritten: »Gottes Nähe? Ich möchte erleben, dass sie mich heilt.«

Was bleibt, ist das persönliche Bekenntnis eines Zweiflers, der Gottes Nähe erlebt und dadurch seine Glaubenskrise überwindet. Das trotzige »Ich aber« am Versanfang sollten wir mitlesen, denn es nimmt die Aussage des gesamten Psalmes mit hinein in die Jahreslosung: Trotz aller Ungerechtigkeit, obwohl ich vieles nicht verstehe, auch wenn das gute Ende noch nicht spürbar ist – trotzdem sage ich: »Gott nahe zu sein ist gut für mich.«
Anne Kampf (epd)

»Nur mutig weg damit!«

13. Januar 2014 von Gemeinsame Redaktion  
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Tipps zum Entrümpeln

Werner Tiki Küstenmacher ist evangelischer Pfarrer und unter anderem Autor des Bestsellers »symplify your life«, in dem er Anleitungen zur Vereinfachung des Lebens gibt. Harald Mallas sprach mit dem »Profi-Entrümpler«.

Sagt die Bibel etwas zum Aufräumen und Ordnung machen im Leben?
Küstenmacher:
Ich liebe das Gleichnis vom verlorenen Groschen, das Jesus erzählt. Da sieht man, dass das mit dem Kleinkram des Alltags auch vor zwei Jahrtausenden schon Thema war. Für mich steckt in diesem Gleichnis der Hinweis: Es ist lohnend, sich auch um die kleinen Dinge liebevoll zu kümmern, denn daraus kann viel Glück und Zufriedenheit entstehen.

Was sind die wesentlichen Blockaden beim Entrümpeln?
Küstenmacher:
Wir sind über die Dinge mit bestimmten Menschen und Erinnerungen verbunden. Das ist eigentlich etwas Gutes, aber wenn es zu viele solcher Verbindungsfäden gibt, verheddern wir uns darin wie in einem Spinnennetz. Ich rate dazu, ein paar Erinnerungsstücke aufzuheben, sie aber im Volumen zu verringern: ein schönes Buch von Uropa, aber nicht die ganze Bibliothek alter Schinken, die keiner mehr lesen kann.

Werner Tiki Küstenmacher. Foto: privat

Werner Tiki Küstenmacher. Foto: privat

Oft wagen Menschen aus ökologischen Gründen das Wegwerfen nicht. Aber indem Sie beispielsweise einen Riesenvorrat alter Klamotten horten, ist das Umweltproblem nicht gelöst, sondern nur aufgeschoben. Also: Mutig weg damit, wir haben hervorragende Recyclingsysteme, Sozialkaufhäuser, Wertstoffannahmestellen.

Was sind wichtige Grundregeln beim Entrümpeln?
Küstenmacher:
Im Laufe der Jahre habe ich sie auf zwei Grundregeln reduziert. Erstens sollte man sich nicht zu viel vornehmen, sondern ganz klein anfangen: eine Schublade, ein Fach im Regal, und sich langsam vorarbeiten bis zum kompletten Kleiderschrank oder dem Schreibtisch.

Zweitens: Diese begrenzte Einheit, die man sich vornimmt, dafür aber radikal entrümpeln. Also alles runter, alles raus, das Behältnis schön saubermachen und diesen leeren Raum auf sich wirken lassen. Dadurch wird man ganz von selbst den ganzen Plunder nicht wieder hinein- oder hinaufladen, wie es vorher war. Wenn man erst einmal im Abschiedsmodus ist, geht es wirklich leicht. Klar, ein paar Sachen wird man später vermissen. Aber das ist ein kleiner Schmerz, verglichen mit dem großartigen Gefühl der Freiheit, sich von Unmengen unnützen Plunders befreit zu haben!

www.symplify.de

Zahlenmystik und Tetraphobie

12. Januar 2014 von Gemeinsame Redaktion  
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Anmerkungen zur Jahreszahl: Von fehlenden Stockwerken, Nothelfern und einem die Zahlen liebenden Komponisten

Das neue Jahr trägt die – im Vergleich zur angeblich Unglück verheißenden 13 – unscheinbare 14 im Namen. Doch auch diese Zahl ist nicht »ohne«.

Tetraphobie, die Angst vor Zahlen, in denen die Vier vorkommt, ist in ostasiatischen Ländern weit verbreitet. In vielen asiatischen Sprachen klingt das Wort für die Zahl Vier nämlich sehr ähnlich wie das Wort für Tod. Die 14 jedoch ist noch unbeliebter als die Vier. Denn Eins und Vier zusammen klingen in diesen Sprachen wie die Drohung, bald sterben zu müssen. In vielen öffentlichen und privaten Gebäuden werden die Hausnummer 14 oder der 14. Stock daher einfach ausgelassen. Weil die Asiaten vorsorglich auch noch die aus dem Westen stammende Abneigung gegen die 13 berücksichtigen, fahren Fahrstühle in Hongkong oder Singapur vom 12. meist direkt in den 15. Stock. Außerdem findet man in Hotels oft keine Zimmer mit der Nummer 14 und bei größeren Familienfeiern fehlt die Tischnummer 14.

Himmlische Gegenstücke: 14 Engel und Nothelfer

Auch die alten Babylonier verbanden mit der Zahl 14 eher düstere Vorstellungen. Man glaubte an 14 böse Dämonen und stellte sich vor, die Unterwelt habe 14 Tore. Außerdem wurde Nergal, der Sonnenhitze, Brände und Seuchen bringende Gott der Unterwelt, von 14 sogenannten Nothelfern in sein Reich begleitet.

Foto: Fotomek@Fotolia.com

Foto: Fotomek@Fotolia.com

Als Gegenstück dazu kann man die 14 himmlischen Helfer betrachten, von denen im Christentum manchmal die Rede ist. So heißt es in einem alten Kindergebet: »Abends, wenn ich schlafen geh, / vierzehn Engel um mich stehn: / zwei zu meinen Häupten, / zwei zu meinen Füßen, / zwei zu meiner Rechten, / zwei zu meiner Linken, / zweie die mich decken, / zwei die mich wecken, / zweie die mich weisen / in das himmlische Paradieschen.«

Sieben mal zwei Schutzengelchen für die Nacht – in diesem Text zeigt sich nicht nur die Romantik in recht kitschiger Ausprägung, sondern es wird auch deutlich, was die 14 für Zahlenmystiker so besonders macht. In ihr steckt zweimal die Sieben, eine Zahl, die für Vollkommenheit und Heiligkeit steht. Wo gleich zweimal sieben Helfer sind, kann also gar nichts mehr schiefgehen.

So sind es auch 14 heilige Nothelfer, an die sich die Katholiken wenden, wenn sie in Bedrängnis sind. Noch populärer als sie seit dem 9. Jahrhundert schon war, wurde die Anrufung dieser Nothelfer aufgrund einer Legende. Danach sollen Mitte des 15. Jahrhunderts einem oberfränkischen Schäfer 14 Gestalten erschienen sein, die sich als die 14 Nothelfer bezeichneten und den Bau einer Kapelle an ihrem Erscheinungsort verlangten.

An diesem Ort befindet sich heute die vom Barockarchitekten Balthasar Neumann entworfene bekannte Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen.

Der Komponist Johann Sebastian Bach hatte eine Vorliebe für Zahlenspielereien und für ein Verfahren namens Gematrie, bei dem Worte und Buchstaben nach bestimmten Schlüsseln in Zahlen umgewandelt werden, um daraus tiefere Bedeutungen und Zusammenhänge abzuleiten. So finden sich in vielen seiner Stücke zahlensymbolische Anspielungen. Eine besondere Vorliebe hatte er jedoch für die Zahl 14, mit der er sich häufig selbst darstellte. Ordnet man den Buchstaben des Namens Bach nämlich Zahlen zu, die sich aus der Position der Buchstaben im Alphabet ergeben, und addiert sie, ergibt sich die Zahl 14.

Bach legte Wert auf 14 Knöpfe am Mantel

Mit dieser Zahl spielte er gerne. Er versteckte sie in seinen Noten und in seinem Wappen, das 14 verdickte Schnörkelenden an den Buchstaben J, S und B zeigt. Er ließ sich mit 14 Knöpfen an seinem Anzug porträtieren und wartete so lange auf die Aufnahme in die »Correspondierende Societät der Musicalischen Wissenschaften«, bis er als 14. eintreten konnte. Manche Interpreten wollen in seinen Werken sogar komplexe, zahlenmystisch verschlüsselte religiöse Botschaften entdeckt haben – vieles davon ist aber sicher nur Wunschdenken.

Einen so prominenten Stellenwert wie beispielsweise die Sieben hat die 14 in der Bibel nicht. Als Zahl des Mondes aber, die die Anzahl der Tage vom Halbmond zum Vollmond beschreibt, diente sie den Menschen, die sich am Mondkalender orientierten, schon damals als Zeitangabe.

Die Vorbereitungen für eines der wichtigsten jüdischen Feste, das Pessachfest, beginnen bis heute am 14. Tag des ersten Monats im religiösen Kalender, am sogenannten Rüsttag. Denn Gott hatte Mose und Aaron geboten: Es »nehme jeder Hausvater ein Lamm. … Von den Schafen und Ziegen sollt ihr’s nehmen und sollt es verwahren bis zum vierzehnten Tag des Monats. Da soll es die ganze Gemeinde Israel schlachten gegen Abend« (2. Mose 12,3ff).

Außerdem sind es 14 Frauen, die das Alte Testament als schön bezeichnet; darunter auch Abrahams Frau Sara und Isaaks Frau Rebekka, die sich ihren Männern zuliebe als deren Schwestern ausgeben mussten, weil diese fürchteten, sie könnten der Schönheit ihrer Frauen wegen umgebracht werden.

Auch im Stammbaum König Davids, aus dessen Wurzeln Jesus hervorging, spielt die Zahl 14 – vermutlich als Steigerung der vollkommenen Sieben – eine Rolle. Der Evangelist Matthäus kommentiert diesen Stammbaum so: »Alle Glieder von Abraham bis zu David sind vierzehn Glieder. Von David bis zur babylonischen Gefangenschaft sind vierzehn Glieder. Von der babylonischen Gefangenschaft bis zu Christus sind vierzehn Glieder« (Matthäus 1,17).

Und wer im Jahr 2014 nicht alles bitter ernst nehmen will, der findet im apokryphen Buch Sirach im Kapitel 14, Vers 14 einen guten Rat fürs neue Jahr: »Versäume keinen fröhlichen Tag, und lass dir die Freuden nicht entgehen, die dir beschieden sind.«

Sonja Poppe

»Menschenrechte für die eigenen Bürger«

9. Januar 2014 von Gemeinsame Redaktion  
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Zur Situation der Christen in der Türkei – im Gespräch mit dem Metropoliten Elpidophoros Lambriniadis

Der griechisch-orthodoxe Metropolit von Bursa, Elpidophoros Lambriniadis, bescheinigt der Türkei Verbesserungen in der Religionsfreiheit. Dennoch werden weiter viele Rechte vorenthalten. Benjamin Lassiwe sprach darüber mit dem Kirchenoberhaupt aus der Westtürkei.

Wie bewerten Sie die Situation der Religionsfreiheit in der Türkei?
Elpidophoros: Die Religionsfreiheit in der Türkei ist für religiöse Minderheiten viel besser, als sie einst war. Es gibt große Fortschritte, aber es gibt auch immer noch große Probleme, die wir ansprechen müssen. Eines davon ist die Situation unseres Priesterseminars in Chalki: eine Schule, die 1971 von der Regierung geschlossen wurde. Sie wurde unfair geschlossen – aber auch die heutige türkische Regierung, die große Schritte in Richtung Religionsfreiheit unternommen hat, hat nicht den Mut gefunden, dieses Seminar wieder zu eröffnen.

Metropolit Elpidophoros Lamriniadis – Foto: privat

Metropolit Elpidophoros Lamriniadis – Foto: privat

Warum ist dieses Seminar von so großer Bedeutung?
Elpidophoros: Es war die einzige Einrichtung, in der wir als Kirche unsere künftigen Priester ausbilden konnten. Seit das Seminar geschlossen ist, müssen unsere Studenten ins Ausland gehen. Das ist jetzt so seit 42 Jahren. Dabei haben wir ein wunderbares, gut ausgestattetes Gebäude, eine gute Bibliothek – aber wir erhalten von unserem eigenen Vaterland keine Erlaubnis, das Seminar zu betreiben.

In den letzten Monaten und Jahren hat die Situation des syrischen Klosters Mor Gabriel in Deutschland für Aufsehen gesorgt. Nun wurde dort Land zurückgegeben.
Elpidophoros: Die syrisch-orthodoxe Kirche ist eine Schwesterkirche von uns. Als Minderheiten in der Türkei freuen wir uns immer, wenn unsere Brüder und Schwestern einen Teil ihrer Rechte zurückbekommen. Das ist der Fall im Fall von Mor Gabriel.

Gibt es ähnliche Fälle in Ihrer eigenen Kirche?
Elpidophoros: Ja, zum Beispiel auf der Insel Chalki, wo auch das Priesterseminar liegt. Dort hat unser Kloster im vergangenen Jahr den ganzen Hügel rund um das Kloster, 200 Hektar Wald, die vor 60 Jahren vom Staat eingezogen wurden, zurückerhalten. Aber wir können nicht nur vom Land leben. Als Kirche brauchen wir auch Menschen. Wir müssen Menschen ausbilden können, damit sie in ihrem Land bleiben.

Verlassen immer noch so viele orthodoxe Christen die Türkei?
Elpidophoros: Ich denke, der Exodus der Christen aus der Türkei ist gestoppt. Vielleicht in letzter Minute, aber er ist gestoppt. Die Situation unserer Kirche hat sich in den letzten Jahren verbessert. Dazu kommen viele Christen aus allen Ländern der Welt in die Türkei und bringen ihre Gemeinden mit. Denn die Türkei ist ein prosperierender Staat, der Menschen anzieht. Deswegen habe ich auch Hoffnung: Ich glaube, die Christenheit hat eine Zukunft in der Türkei.

Ist die Türkei bereit für die EU?
Elpidophoros: Was die Türkei zunächst erfüllen müsste, sind die Menschenrechte für ihre eigenen Bürger. Ich bewundere Deutschland für die Art und Weise, wie die Gastarbeiter hier behandelt werden. Deutschland hat diese Menschen umarmt, ihnen alles Notwendige zur Verfügung gestellt, auch die Religionsfreiheit. Muslime sind in Deutschland wirklich Bürger erster Klasse, nicht Bürger zweiter Klasse. Ich würde mir wünschen, dasselbe für mein eigenes Land, die Türkei, sagen zu können. Wir Christen, wir Griechen dort sind schließlich keine Gastarbeiter. Wir kommen nicht von irgendwoher. Wir haben schon immer dort gelebt. Aber wir genießen nicht einmal dieselben Rechte, die die Gastarbeiter in Deutschland haben.

Form mit empathischem Wert

7. Januar 2014 von Gemeinsame Redaktion  
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Seit mehr als 10 Jahren gibt es Lebenskreuze von Dieter Lahme

Ein wenig gehören sie fast schon zum Inventar bei regionalen Kirchentagen oder dem Sachsen-Anhalt-Tag: Das Künstlerpaar Rosl und Dieter Lahme aus Klein Wanzleben, einem Ortsteil von Wanzleben-Börde (Kirchenkreis Egeln), mit seinen Lebenskreuzen.

Das Kreuz als urchristliches Symbol ist bei dem 75-jährigen Künstler seit mehr als zehn Jahren zentraler Teil seines Schaffens. Lahme ist der Erfinder der Lebenskreuze aus Holz mit ihrer außergewöhnlichen Form. Der Unterschied zum normalen Kreuz sind die spitz zulaufenden und nach unten abgerundeten Ecken. Knospenförmig, wie der Bug eines Schiffes. Anders als beim »klassischen« Kreuz aus zwei sich kreuzenden, viereckigen Balken gibt es beim Lebenskreuz ein vorn und hinten. »Es wendet sich den Menschen zu und will ihn umarmen«, beschreibt der aus Mannheim stammende Lahme die Lebenskreuze. »Eine Form mit empathischem Wert.«

Dieter Lahme ist der Erfinder der Lebenskreuze aus Holz mit ihrer außergewöhnlichen Form. – Foto: Thorsten Keßler

Dieter Lahme ist der Erfinder der Lebenskreuze aus Holz mit ihrer außergewöhnlichen Form. – Foto: Thorsten Keßler

Die Knospen- und die Kreuzform tauchten schon in den 1980er Jahren in Lahmes Werk auf. Aus Kunst wurde ein Alltagsgegenstand, als immer mehr junge Christen sich für die besondere Kreuzform begeisterten. »Die Menschen wollten das Kreuz um des Kreuzes Willen haben, aber nicht als Kunstobjekt.«

Wurden die ersten Kreuze noch selbst von Hand ausgesägt, war die Nachfrage bald nicht mehr zu bewältigen und das Künstlerpaar stand vor neuen Herausforderungen. »Der geschäftliche Teil war uns völlig fremd«, erzählt Rosl Lahme. Ein Hersteller habe für die Kreuze extra eine Maschine angeschafft. Dafür sei sie heute noch dankbar. Die Form ist europaweit patentrechtlich geschützt. Es gibt das Kreuz in unterschiedlichen Größen und unterschiedlichen Materialien, wobei das Holzkreuz der Klassiker ist. Sogar aus Asien kommen Nachfragen für das Lebenskreuz aus Klein Wanzleben. Hier, im ehemaligen Schulhaus des Dorfes, wohnt und arbeitet der Künstler. Als 2004 das Künstlerhaus in der Mannheimer Innenstadt, das Lahmes mit zwei weiteren Künstlern 35 Jahre bewohnt hatten, geräumt werden musste, standen sie vor der Entscheidung: Stadtrand von Mannheim oder etwas ganz Neues in Klein Wanzleben. Bereut haben sie den Umzug nicht.

Hier im Atelier begegnen dem Besucher zahlreiche gestaltete Lebenskreuze. Ergänzt und bearbeitet mit Alltagsgegenständen. Verziert von Altglas bis Zahnbürste, statt mit Gold, Silber und Edelsteinen, wie man es bei so einem Symbol erwarten könnte. Das ist Teil des Konzeptes hinter dem Lebenskreuz. »Die spirituelle Kraft der Form soll nicht ins Jenseits entschweben, sondern im here and now wirken«, beschreibt es Lahme. Er stellt die Lebenskreuze regelmäßig aus. Oft auch mit Arbeiten, die Kinder und Jugendliche in den Lebenskreuz-Workshops herstellen.

Thorsten Keßler

www.lebenskreuz.com

So wird der Horizont weit

5. Januar 2014 von Gemeinsame Redaktion  
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Was gegen Mutlosigkeit hilft – Gedanken zum Jahresbeginn

»Ich weiß gar nicht, warum ich das eigentlich alles noch tue, warum ich mich jeden Tag wieder aufraffen soll, von früh zeitig bis abends spät zu arbeiten? Es bleibt einfach nichts übrig«, berichtet mir ein Unternehmer. Dabei sieht äußerlich alles Top aus: modernste Maschinen, nachgefragte Produkte in hervorragender Qualität, motivierte Mitarbeiter, guter Umsatz. Mein Gegenüber wirkt mutlos und hat Angst es nicht mehr lange durchzuhalten. Wie soll es weitergehen?

Ein Blick in die Medien unserer Tage zeigt ähnlich gestimmte Menschen zu Tausenden. In den Katastrophengebieten unserer Erde, über die wir etwas erfahren, die aber schnell wieder vergessen sind, leben Menschen, die zum wiederholten Mal Alles verloren haben und dann immer wieder vor der Frage stehen: Wo nehme ich die Kraft, die Mittel und den Mut her, um wieder neu zu beginnen?

Foto: Coloures-Pic/fotolia.com

Foto: Coloures-Pic/fotolia.com

Wir machen uns Pläne für unser Leben, setzen viel dafür ein, dass sie auch Realität werden. Manches gelingt und macht uns froh, manchmal ist der Preis zu hoch und wir opfern Beziehungen und Überzeugungen. Manchmal sind es Ereignisse, die wir nicht selbst bestimmen und nur sehr wenig beeinflussen können, die uns plötzlich aus der Bahn werfen. Eine schwere Krankheit oder ein Unfall stoppt unsere Pläne, eine Naturkatastrophe, ein Brand oder eine Straftat von außen vernichtet die Früchte unserer Arbeit, politische Fehlentscheidungen engen unser Handeln ein. Mutlosigkeit macht sich dann breit, Angst. Manchmal die nackte Angst ums Überleben, manchmal nur die Angst, nicht noch mehr zu verlieren oder als Versager dazustehen.

Wir versuchen uns selbst Mut zuzusprechen. »Ich schaffe das schon irgendwie. Es muss doch auch wieder eine bessere Zeit kommen.«

Wir suchen uns Verbündete, die uns auch Mut machen. »Kopf hoch, das wird schon wieder.« Das hilft eine gewisse Zeit. Doch beim näheren Hinschauen entpuppen sich viele gut gemeinte Worte im Ernstfall nur als Durchhalteparolen. Doch was ist, wenn ich mich am Ende meiner Kraft fühle, wenn ich merke, es geht nicht mehr?

In solchen Situationen stellen Menschen die Frage nach dem Sinn ihres Lebens. Zum Ausdruck kommt dies in einem Gefühl der Sinnlosigkeit, der Ohnmacht und der Erkenntnis, dass doch alles umsonst war. Immer nur aus sich selbst Kraft und Mut zu gewinnen, führt uns an die Grenzen unserer Existenz, die bei dem einen früher und bei dem anderen später erreicht ist.

Die Suche nach dem Sinn wird dann zum einzig lohnenden Weg, meinem Leben etwas Positives abzugewinnen. Folgende Fragen können uns helfen: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Wie komme ich dahin? Wer für sich diese Fragen positiv beantworten kann, bekommt eine andere Sicht auf sein Leben. Der Horizont wird weit und hilft, eine schwierige Situation anders zu beurteilen. Die Katastrophe, das negative Ereignis ist deshalb nicht weg, aber es bekommt eine andere Bedeutung.

Wir brauchen einen Sinn, der nicht in uns selber liegt, der nicht mit unserer eigenen Kraft schwindet. Wir brauchen einen Sinn, der uns von außen gegeben wird. Als Christ weiß ich, dass ich von Gott, meinem Schöpfer, komme und dass ich zu ihm gehe, um ewig mit ihm zusammen zu sein. Für die Zeit meines Lebens bietet er mir sein unbedingtes Ja, seine Zusage: »Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen« (Römer 8,28).

Und beim Propheten Jesaja (43,1) heißt es: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! In diesem Du, das mir Gott zuspricht, bekommt mein Ich seinen Sinn. Damit lässt sich leben. Das macht mir Mut.

»Wer Leistung fordert muss Sinn bieten.« So heißt eine wichtige Erkenntnis unserer Tage. Menschen fragen sich zunehmend: »Warum tue ich, was ich tue?«

Sie haben ein Recht darauf von Führungskräften zu erfahren, worin der Sinn einer Arbeit, einer Aufgabe, einer Dienstleistung, eines Unternehmens besteht. Wenn Menschen keinen Sinn erkennen, steigen sie aus und suchen sich andere Betätigungsfelder. Sinnstiftung ist deshalb eine existenzielle Aufgabe unserer Zeit, im Großen wie im Kleinen.

Der Unternehmer, der am Ende seiner Kraft ist sagte mir noch: »Mir ist klar geworden, dass ich mehr Zeiten brauche, in der ich einfach nur auftanke bei Gott, einfach nur Sein zu dürfen, ohne etwas zu leisten.« Das ist der Ausweg.

Matthias Knoth

Der Autor ist zertifizierter Coach, Projektingenieur und Seminarleiter. Er ist Studienleiter von joung professionals Deutschland der Internationalen Vereinigung christlicher Geschäftsleute (IVCG)

www.beratung-knoth.de

Vorsicht Kosten-Falle

4. Januar 2014 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Im Blickpunkt

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Neue Medien: Smartphones können viel mehr als herkömmliche Handys – aber sie sind auch eine Herausforderung für verantwortungsbewusste Eltern


Zum Weihnachtsfest lagen sie unter vielen Christbäumen: Smartphones stehen bei Kindern wie Erwachsenen hoch in der Gunst. Die mobilen »Alleskönner« können aber auch tüchtige Probleme verursachen.

Hannes, zwölf Jahre alt, braucht ein Smartphone, sagt er. Denn mit dieser Mischung aus traditionellem Mobiltelefon und schnellem Computer könne er mailen und skypen. Fotos, Videos und Tonaufnahme machen und versenden kann das Hightech-Gerät natürlich auch. Und Filme herunterladen. Als Besitzer eines solchen Wunderdings könnte sich Hannes nie mehr verlaufen. Denn es hat ein Navigationssystem integriert. Dass diverse Spiele und ein Terminplaner dazugehören, ist ohnehin Standard. Ach ja: Telefonieren kann man auch damit.

Hannes Eltern taten sich schwer, ihm den teuren Wunsch zu erfüllen. Natürlich hatte der Zwölfjährige noch mehr Argumente für eine Anschaffung: »Das Smartphone erinnert mich, wenn ich noch Hausaufgaben machen muss; ich finde mich überall zurecht und einen Fotoapparat brauche ich dann auch nicht. Fast alle in der Klasse haben ein moderneres Handy als ich. Ohne Smartphone bin ich abgehängt. Heutzutage muss man einfach auf dem neuesten Stand der Technik sein.«

Die Nutzung von mobilen Telekommunikationsgeräten gehört heute – mit allen Risiken und Nebenwirkungen – schon für Kinder zum Alltag. – Foto: Markus Bomann/fotolia.com

Die Nutzung von mobilen Telekommunikationsgeräten gehört heute – mit allen Risiken und Nebenwirkungen – schon für Kinder zum Alltag. – Foto: Markus Bomann/fotolia.com

Seit Weihnachten ist Hannes stolzer Besitzer eines solchen digitalen »Alleskönners«. Und er ist bei Weitem keine Ausnahme: Laut einer Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest besitzen 43 Prozent der Mädchen und 51 Prozent der Jungen im Alter von zwölf bis 19 Jahren ein Smartphone oder iPhone. 83 Prozent nutzen täglich ein Mobiltelefon. Das moderne Handy gehört fest zum Alltag von Kindern und Jugendlichen – und es ist ein echtes Statussymbol: Je mehr es kann, desto besser für den Status der Besitzerin oder des Besitzers.

Ein mobiles Kommunikationsgerät kann nicht nur teuer in der Anschaffung sein – es verursacht auch im laufenden Unterhalt Kosten. Hohe Mobilfunkrechnungen sind bei Jugendlichen oft der Einstieg in die Verschuldung, weiß man beim Bundesverband der deutschen Inkasso Unternehmen und bei Schuldnerberatungsstellen. Eine besonders betrügerische Form der Abzocke versteckt sich hinter den sogenannten »Drittanbieterdiensten«: Hinter vermeintlich kostenfreien Handy-Apps, herunterladbaren Zusatzprogrammen, verstecken sich teure und langfristige Aboverträge, die erst bei der nächsten Telefonrechnung überhaupt bemerkt werden. Oft werden solche Abzocker-Apps auch in Werbebannern am oberen oder unteren Bildrand etwa von Spielen versteckt. Dort unbemerkt im Eifer des Spielgeschehens angeklickt, werden sie zur teuren Kostenfalle – auch für Erwachsene.

Die moderne Generation der Handys bringt zudem neue Gefahren mit sich: »Cyber-Bullying« oder Internet-Mobbing heißt die neue Bedrohung, bei der Kinder und Jugendliche mittels Handy und/oder Internet bedroht und systematisch gedemütigt werden können. Die Opfer werden mit gemeinen oder demütigenden SMS (Kurznachrichten) belästigt, peinliche oder diffamierende Fotos oder Filme kursieren im Internet oder werden im Bekannten- und Freundeskreis des Opfers verschickt.Bei einer Online Befragung der Arbeitsgemeinschaft vernetzter Kinderseiten gaben 20 Prozent der befragten 2 100 Mädchen und Jungen an, schon einmal Opfer von Internet-Mobbing gewesen zu sein. Dabei ging es meist um Beleidigungen oder Gerüchte, die über die eigene Person verbreitet wurden.

Weil die neue Übertragungstechnologie es möglich macht, Fotos und Filme schnell und einfach von einem Handy aufs andere zu überspielen, tauchen immer häufiger auch sogenannte »Happy Slapping«, »Bum-« oder »Snuffvideos« auf. Darunter sind sehr harte, brutale oder sexistische Filme zu verstehen, die andere Menschen in entwürdigenden Situationen zeigen.

Viele Eltern ahnen nicht im Geringsten, was für extreme Szenen mit Aufnahmen von Vergewaltigungs-, Schlägerei-, oder sogar Tötungsdelikten ihre Kinder womöglich bereits zu sehen bekommen haben. Denn anders als im Kino greift im Internet der herkömmliche Jugendschutz nämlich nicht. Bei der Umfrage gaben 28 Prozent der Befragten an, schon einmal mitbekommen zu haben, wie eine Schlägerei per Handy gefilmt wurde, sieben Prozent hatten bereits Gewaltbilder aufs Handy geschickt bekommen.

Eltern sollten deshalb ein wachsames Auge auf den Umgang ihrer Kinder mit Mobiltelefon und Internet haben. Hilfreich ist es dabei, klare Verhaltensregeln und auch Sanktionen zu vereinbaren (siehe folgende Artikel).

Karin Vorländer


Was tun gegen Kostenexplosion?

  • Klären Sie gemeinsam, wie viel die Handynutzung pro Monat kosten darf und wer sie bezahlt.
  • Treffen Sie klare Absprachen darüber, wer für die Kosten beim Überschreiten des Kostenlimits aufkommt. Grenzen und Konsequenzen tragen dazu bei, dass Kinder und Jugendliche lernen, im Rahmen der eignen finanziellen Möglichkeiten zu bleiben.
  • Kostenüberschreitungen dürfen dazu führen, dass das Handy solange unbenutzt bleibt, bis die Schulden beglichen sind!
  • Warnen Sie Kinder und Jugendliche davor, unbekannte Nummern in der Anruferliste zurückzurufen oder auf SMS Nachrichten mit unbekanntem Absender zu antworten. Dahinter können sich kostenpflichtige Abzockernummern verbergen.
  • Anbieter locken mit Geräten, die fast nichts kosten. Gekoppelt sind sie aber an teure und lange Laufzeitverträge. Rechnen Sie gemeinsam nach!
  • Informationen über Tarife, abgestimmt auf die persönlichen Bedürfnisse und Vorlieben, finden sich beispielsweise unter: www.smartchecker.de/smartphones/tarife


Was tun bei Mobbing per Handy?

  • Reden ist der erste Schritt, Mobbing zu beenden. Machen Sie Ihrem Kind Mut, sich bei Personen ihres Vertrauens oder bei der Polizei zu melden, wenn es selbst betroffen oder Zeuge von Internet-Mobbing wird. Auch Telefonseelsorge und Kinderschutzbund sind Anlaufstellen für ein Erstgespräch.
  • Wer gemobbt wird, muss sich nicht schämen. Jeder kann Opfer werden.
  • Eine neue Handynummer und eine neue E-Mail-Adresse sind weitere Schritte gegen Mobbing.
  • Mobbing über Handy oder Internet sollte angezeigt werden. Computerspezialisten können die Urheber der Mobbingdateien ermitteln.
  • Machen Sie Ihrem Kind klar, dass E-Mobbing kein Spaß, sondern strafbar ist. Zwar gibt es kein spezielles Gesetz gegen Cybermobbing. Beleidigung, üble Nachrede, Drohung, Erpressung, Nötigung und jede Verletzung des Persönlichkeitsrechts sind auch im virtuellen Raum kein »dummer Jungenstreich«.
  • Hilfreiche Informationen bieten die nachfolgenden Internetseiten: www.schueler-gegen-mobbing.de, http://mobbing-schluss-damit.de, www.handysektor.de


Drittanbietersperre

Seit 2012 müssen alle Mobilfunkanbieter die Sperre für sogenannte Drittanbieter ermöglichen. Damit kann jeder Handy- oder Smartphone-Nutzer dauerhaft verhindern, dass er ungewollte bei sogenannten Premiumdiensten oder anderen kostenpflichtigen Abodiensten landet.

Einen Nachteil hat die kostenlose Sperrfunktion über den jeweiligen Netzanbieter allerdings: Ist sie einmal aktiviert, kann man über das betreffende Handy auch keine gewollten Abos für Spiele, Klingeltöne oder Nachrichtendienste mehr abschließen. Man sollte also vorher – gegebenenfalls gemeinsam mit den Kindern – genau überlegen, welche sinnvollen Abodienste man nutzen will, diese einrichten und dann die Sperre aktivieren.

(GKZ)