Unsere Existenz – Gottes Treuebeweis

28. Juli 2013 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Glaube und Alltag

Von der Treue im Kleinen und von Gottes großer Treue

Unübersehbar erinnert ein großes Transparent vom Kirchturm in Borna bei Leipzig an: »500 Jahre Martin Luther – 1517 – Thesenanschlag zu Wittenberg.« Das nenne ich »Treue«! Treue des Protestantismus. Unsere evangelische Kirche bekennt sich also bis heute zu den Protesten Luthers, die sich gegen Verzerrung und willkürliche Auslegung biblischer Lehren richteten. Luther weist auf die Bibel. Die Treue zur Heiligen Schrift bedeutete dem Reformator alles. Er war dafür bereit, in Worms sein Leben aufs Spiel zu setzen. Nur ein biblischer Gegenbeweis hätte ihn zum Widerruf bewegt. Welch Lehrstück!

Luther Treue zur Heiligen Schrift prägt den Protestantismus bis heute: Ein Relief am Sockel des Eislebener Lutherdenkmals zeigt den Reformator bei der Übersetzung der Bibel auf der Wartburg. Foto: Archiv

Luther Treue zur Heiligen Schrift prägt den Protestantismus bis heute: Ein Relief am Sockel des Eislebener Lutherdenkmals zeigt den Reformator bei der Übersetzung der Bibel auf der Wartburg. Foto: Archiv

Sein »Vierfaches Allein« prägen den Protestantismus wie den Pietismus bis heute: Allein die Gnade; Allein Jesus Christus; Allein der Glaube; Allein die Heilige Schrift.

Bei aller Positionssuche heute hat sich diese Lutherposition nicht geändert. Unter dem Wort »Treue« im Internet steht: »fest sein, sicher sein, vertrauen, hoffen, glauben, wagen«. Treue wird als eine Tugend bezeichnet, welche Verlässlichkeit einem anderen gegenüber ausdrückt.

In der revidierten Fassung der Lutherbibel von 1984 begegnet »Treue« im Guten etwa 220-mal, wobei die Treue Gottes überwiegt. Wie ein roter Faden zieht sie sich durch beide Testamente. Das »Lied des Mose« in 5. Mose 32,3/4, jubelt: »Denn ich will den Namen des Herrn preisen. Gebt unserm Gott allein die Ehre! Er ist ein Fels. Seine Werke sind vollkommen; denn alles, was er tut, das ist recht. Treu ist Gott und kein Böses an ihm, gerecht und wahrhaftig ist er.«

Treue in Familie und Gesellschaft

Paulus schreibt als erstes den Korinthern (1. Kor. 1,9): »Denn Gott ist treu, durch den ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn.«

Ein Treuebeweis Gottes ist unsere Existenz. Hätte Gott nicht allen Grund, die Geduld mit uns Menschen zu verlieren? Wie oft schenkte er uns eine »zweite Chance« und wie selten haben wir aus Erfahrung gelernt. In den Klageliedern Jeremias 3,22f heißt es: »Die Güte des Herrn ist’s, dass wir nicht gar aus sind, seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß.« Wir haben unser Leben der Treue Gottes zu verdanken!

Treue ist der biblische Qualifikationsmaßstab für Mitarbeiter. »Nun fordert man nicht mehr von den Haushaltern, als dass sie für treu befunden werden.« (1. Korinther 4,2) Dazu gehört die Treue im Alltag, im Miteinander der Familie, Gemeinde und Gesellschaft. »Wer im Geringsten treu ist, der ist auch im Großen treu; und wer im Geringsten ungerecht ist, der ist auch im Großen ungerecht.« (Lukas 16,10)

Als Junge musste ich einmal auf Anweisung meiner Mutter fünf Pfennige, die ich beim Wechseln vom Bäcker zu viel erhalten hatte, zurückbringen. Das war ein heilsames Lehrstück für mein ganzes Leben.

Die »Treue im Kleinen« ist ein Übungsfeld für große Aufgaben.

Zur Treue gehören noch andere göttliche Eigenschaften. Was wäre Liebe ohne Treue? Schwächelt die Liebe, stabilisiert die Treue oder umgekehrt. Schon Jakob bat seinen Sohn Josef ihn aus Liebe und Treue nicht in Ägypten zu begraben (1. Mose 47,29).

Als David seinen Gegner Saul zur Rede stellt, spricht er von Gerechtigkeit und Treue. Ein andermal von Barmherzigkeit und Treue oder von Gnade und Treue. Die Psalmen erzählen von Güte und Treue Gottes. Welch ein treuer Gott!

Wie lange hält er das durch? Wird unsere Untreue seine Treue begrenzen? Paulus klärt das: »Dass aber einige nicht treu waren, was liegt daran? Sollte ihre Untreue Gottes Treue aufheben? Das sei ferne!« (Römer 3,3/4a)

Dennoch gilt hier Dietrich Bonhoeffers Warnung von der »Billigen Gnade«. Jesus stand als Einziger zur Ehebrecherin, aber er sagte ihr auch: »Tu’s nicht wieder.« (Johannes 8,11)
Unmissverständlich steht in der Bibel: »Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.« (1. Johannes 1,9)

Hervorzuheben ist auch Gottes Treue zu seinem Wort und zu seinem Volk. »Denn der HERR wird sich über Jakob erbarmen und Israel noch einmal erwählen und sie in ihr Land setzen.« (Jesaja 14,1) – Welch eine Liebes­erklärung!

Weil Gottes Treue berechtigte Hoffnung bewirkt, abschließend ein Vers aus dem Hebräerbrief 10,23: »Lasst uns festhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken; denn er ist treu, der sie verheißen hat.«

Stefan Püschmann

Der Autor lebt in Chemnitz. Vor dem Eintritt in den Ruhestand war er Referent im Sächsischen Jugendverband »Entschieden für Christus« des sächsischen Gemeinschaftsverbandes.

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Reaktionen unserer Leser

2 Lesermeinungen zu “Unsere Existenz – Gottes Treuebeweis”
  1. volker sagt:

    danke für diesen wohltuenden Artikel. Es sollte mehr davon geben.
    Volker

  2. Laura Bauer sagt:

    Toller Artikel, wirklich vielsagen und aussagekräftig.