»Der Tod ist nur ein Übergang«

27. November 2012 von Gemeinsame Redaktion  
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Reportage: Der fröhliche Friedhof im nordrumänischen Sapanta ist einzigartig in Europa

Wenn der Tod die Leute von Sapanta besucht, kommt er mit einem Lächeln. Mal mit einem traurigen, mal mit einem fröhlichen, gelegentlich auch mit einem sardonischen.

Es hängt davon ab, wie sich die Bewohner des 3500-Einwohner-Dorfes zu Lebzeiten verhalten haben. Oder ob ihre Angehörigen einen doppelten Monatslohn für das Holzkreuz auf dem Cimitriul Vesel, dem fröhlichen Friedhof, aufbringen können.

Blaue Kreuze, naive Bilder, deftige Sprüche: Auf dem Friedhof im nordrumänischen Sapanta entstanden seit den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ­einzigartige Holzkreuze mit den Lebensgeschichten der Verstorbenen. Fotos: Steffen Giersch

Blaue Kreuze, naive Bilder, deftige Sprüche: Auf dem Friedhof im nordrumänischen Sapanta entstanden seit den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ­einzigartige Holzkreuze mit den Lebensgeschichten der Verstorbenen. Fotos: Steffen Giersch

Der fröhliche Friedhof von Sapanta ist die Attraktion der nordrumänischen Maramuresch, die im Herzen Europas liegt, aber in einer der entlegensten Gegenden des Kontinents. In der Maramuresch, so heißt es, messen die Uhren nicht die Zeit, sondern die Ewigkeit. Seit dem Beitritt Rumäniens zur Europäischen Union liegt Sapanta unmittelbar an der EU-Außengrenze, die hier unüberwindbar scheint. Mitten im Ort jedoch, hinter dem hölzernen Eingangsportal zum Friedhof, tut sich eine andere Welt auf – eine fröhliche und farbenprächtige mit einem Grundton, der von Experten »Sapan­ta-Blau« genannt wird.

Rund 800 dieser blauen Holzkreuze stehen rund um die 1882 erbaute Kirche. Blau ist das Symbol für Hoffnung und Freiheit, so wie auch alle anderen Ornamente auf den Kreuzen für etwas stehen: Grün für das Leben, Gelb für Fruchtbarkeit, Rot für Leidenschaft, Schwarz für den Tod. Doch nicht die Verzierungen machen die Kreuze einzigartig in ganz Europa, sondern die Geschichten, die auf ihnen erzählt werden: mit Gedichten, die zumeist in der Ich-Form verfasst sind, und handgemalten Bildern.

Skurrile, satirische oder auch frivole Erinnerungen

Die Verse sind mit Wendungen aus der örtlichen Mundart durchsetzt, die ebenso archaisch anmuten wie die Bewohner der Maramuresch. Oft sind die Gedichte und Bilder satirisch und ironisch, skurril und frivol – zum Beispiel wenn das Doppelleben einer vorgeblich so tugendhaften Schönheit festgehalten wird: Auf der Vorderseite der Stele ist sie hochgeschlossen und züchtig zu sehen, auf der Rückseite in rotem Höschen und mit Engelsflügeln, die Arme über ihrer nackten Brust verschränkt, von Männeraugen lüstern beäugt.

Die Geschichten, die auf den Kreuzen erzählt werden, handeln von Freud und Leid, von Hoffnungen und Enttäuschungen, vom Schnaps und der bösen Schwiegermutter: »Unter diesem schweren Kreuz liegt meine selige Schwiegermutter, wenn sie noch drei weitere Tage gelebt hätte, wäre ich jetzt da unten und sie hätte das gelesen. Sie, die Sie hier vorbeiziehen, passen Sie auf, damit Sie sie nicht aufwecken, denn wenn sie wieder nach Hause kommt, wird sie mich wieder beschimpfen.« Es werden die Geschichten von Bauern und Bäuerinnen erzählt, von Förstern, Schafhirten, Wildhütern, Tierärzten, Lehrerinnen, Hausfrauen, Soldaten, Musikanten und Taugenichtsen wie einem Pferdefreund, der offensichtlich den Tag beim Pflaumenschnaps in der Schen­ke verbracht hatte: »Nur eines liebte ich mehr: am Tisch im Wirtshaus zu sitzen, neben eines anderen Weib.«

Alter Daker-Glauben und orthodoxes Christentum

Volkskundlern zufolge beruht die Tradition des fröhlichen Friedhofs auf einem Glauben, der sich von herkömmlichen Sichtweisen auf den Tod unterscheidet: der Tod als ein Moment der Freude und Vorwegnahme eines besseren Lebens. Er geht zurück auf das Volk der Daker, die einst Rumänien besiedelt hatten und 106 n. Chr. von den Römern erobert worden waren. Der Geschichtsschreiber Herodot schildert die Daker als furchtlos im Kampf und dem Tode lachend ins Auge sehend, weil sie sich darauf freuten, nach dem Tod ihrem höchsten Gott Zamolxis zu begegnen. Nach der Christianisierung Rumäniens hat sich diese Grundeinstellung gehalten, auch in den Zeiten von Faschismus und Kommunismus. »In der orthodoxen Kirche sehen wir den Tod nicht so schrecklich, wie ihn andere Kirchen sehen«, bestätigt Metropolit Serafim.

»Für uns ist er ein Übergang, der Übertritt zum wahren Leben.«
Und so wird die Tradition der fröhlichen Gräber auch nach dem Tod von Stan Ioan Patras weitergeführt, der sie Mitte der 1930er Jahre des vergangenen Jahrhunderts begründet hatte: von dessen Schüler Dumitru Pop, der am Rande des Friedhofs seine Werkstatt errichtet hat. Jährlich fertigt Pop etwa 15 Kreuze an, für umgerechnet 400 bis 500 Euro, einem doppelten Monatslohn in der bitterarmen Maramuresch. Bald wird sich Pop an ein neues Kreuz machen. Er wird aus dem Leben des Mannes erzählen, der an diesem Nachmittag beerdigt worden ist, verstorben an Herzversagen, gerade einmal 43 Jahre alt.

Uwe von Seltmann

»Plötzlich wurde die Welt heller«

27. November 2012 von Gemeinsame Redaktion  
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Zum 90. Geburtstag von Jörg Zink ein Interview mit ihm

Jörg Zink, einer der populärsten Theologen der Gegenwart, wurde am 22. November 90 Jahre alt. Welche Glaubenserfahrungen haben ihn geprägt? Welche Wünsche hat er für die nachfolgenden Generationen? Darüber sprach Petra Ziegler mit ihm.

Herr Zink, Sie blicken auf ein langes Leben zurück. Welche Glaubenserkenntnis ist Ihnen die wichtigste?
Jörg Zink:
Die wichtigste Glaubenserfahrung ist unter Protestanten selten erreicht worden. Das ist eine mystische Sache. Mir ist schon als kleines Kind, dann als Soldat und auch noch später passiert, dass ich das Gefühl hatte, ich sei nah bei Gott und Gott sei nah bei mir.

Was haben Sie als Kind erlebt?
Jörg Zink:
Meine erste religiöse Erfahrung hatte ich mit acht oder neun Jahren. Ich bin in den Waldtälern bei Ulm/Blaubeuren umhergestrolcht und habe meine eigenen Wege gesucht. Da saß ich eines Abends auf ­einem Felsen und schaute in das abnehmende Licht. Dann wurde aber plötzlich die ganze Welt wieder heller, und es kam ein Licht zum Vorschein, das nicht von der Sonne kam. Das war die Nähe Gottes. So etwas kann man eigentlich nur bestätigen, indem man sich dieser Erfahrung überlässt. Ähnliches habe ich später wieder erlebt.

Sie haben über 240 Bücher geschrieben mit einer Auflage von 21 Millionen Exemplaren. Sie gelten als Experte in Glaubensfragen. Haben Sie selber noch Fragen?
Jörg Zink:
Natürlich. Ich möchte auf jeden Fall eine Antwort auf die Frage, wie es im Jenseits aussieht. Das weiß ich nämlich nicht. Das kann noch eine Überraschung geben. Da warte ich drauf.

Was antworten Sie jemandem, der davon überzeugt ist, dass nach dem Tod alles aus ist?
Jörg Zink:
Darauf gibt es nur eine ­Gegenfrage: Woher weißt du das?

Jörg Zink. Foto: epd-bild

Jörg Zink. Foto: epd-bild

Sie sind auch in der Friedensbewegung und der ökologischen Bewegung aktiv gewesen. Hat sich dieses Engagement im Nachhinein ausgezahlt?
Jörg Zink:
Diese drei Aufträge der Kirche waren bislang Friede, Gerechtigkeit unter den Menschen und die Ökologie. Jetzt kommt die Diskussion mit fremden Religionen dazu. Das würde ich an die Stelle der Friedensdiskussion in den 80er Jahren rücken. Jetzt wird es darauf ankommen, dass man Veranstaltungen mit Christen und Muslimen und Hindus und Zen-Meistern macht. Auch die Naturreligionen gehören dazu, die bisher eher abgewertet wurden. In diesem Bereich gibt es viel zu tun. Da liegt meines Erachtens die momentane Hauptaufgabe der Kirchen. Die Kirchen werden aber viel von ihrer Missionstätigkeit aufgeben müssen und mit Angehörigen von Naturreligionen ein Gespräch auf Augenhöhe führen müssen. Davon hängt auch wiederum ab, ob die Kirchen am Ende mit ihrer Friedensarbeit Erfolg haben. Denn das schaffen wir nicht alleine. Dazu sind wir als Christen ein viel zu geringer Bestandteil der Menschheit. Wir werden da viel Neues in unserer Theologie entdecken.

Bisher ist ja vor allem der Dialog mit dem Islam im Blick. Die Naturreligionen sind ja eher kein Thema.
Jörg Zink:
Ich habe mich mit den afrikanischen und mit den indianischen Naturreligionen beschäftigt. Jedes Mal habe ich gestaunt, was wir Christen von ihnen lernen können. Dass es zum Beispiel an Wahrheit kaum eine Differenz gibt zwischen den einfachen Religionen und den Hochreligionen. Dass die Afrikaner heute an vielen Stellen das Christentum übersetzen ins Afrikanische, das heißt in die Naturreligionen. Jetzt müssen wir auf dieser Ebene miteinander reden.

Wie stellen Sie sich einen solchen Dialog vor?
Jörg Zink:
Das setzt voraus, dass wir von unserem hohen Ross herunterkommen müssen und nicht mehr glauben, wir seien die einzige Religion, die die Wahrheit hat. Mit Ehrfurcht und Hingabe müssen wir das wahrnehmen, was in den anderen ­Religionen gewachsen ist.

Haben Sie nach einem so langen, ­intensiven Leben als Theologe, der unermüdlich den Glauben vermittelt, eine Hoffnung für nachfolgende Generationen?
Jörg Zink:
Ich hoffe, dass die Fremdheit dem Religiösen gegenüber, die heute die Straße beherrscht, dass sie sich eines Tages wieder umkehrt, und dass die Leute eines Tages merken, wie spannend das ist, wenn man seine eigenen Glaubenserfahrungen ernst nimmt. Die Menschen müssen sich selber entdecken und ihre eigenen Möglichkeiten erfassen. Ich wünsche mir, dass die Menschen wacher werden, wenn ihnen etwas begegnet, was ihnen Wahrheit bringt.

Bis zum Zerreißen gespannt

26. November 2012 von Gemeinsame Redaktion  
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Umgeschaut: Wie sich die Strukturreform der Kirche in der Gemeindepraxis auswirkt

Seit Jahren beschäftigen sich Synoden und Kirchenvorstände mit Strukturfragen. Wie kann Kirche funktionieren trotz ­Bevölkerungsrückgang, weniger Kirchenmitgliedern und ­weniger Geld? Vieles hat sich dramatisch geändert. Zwei Beispiele aus dem Bereich der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Dieter Borchert ist Landpfarrer mit Leib und Seele. Seit 22 Jahren übt der 54-Jährige nun schon seinen »Traumberuf«, wie er ihn nennt, aus. »Die Anonymität der Stadt ist mir nichts«, sagt er. Zwanzig Jahre lebte und wirkte Borchert in Kakerbeck, im Kirchenkreis Salzwedel, ganz am nördlichen Ende der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM). Acht Dörfer gehörten zu ­seinem Pfarrbereich, er fühlte sich voll ausgelastet. Immerhin herrschen in der Region fast noch volkskirchliche Verhältnisse: Rund 30 Prozent der Bevölkerung sind Kirchenmitglieder.

Doch die Region blutet aus. Weil es kaum Arbeitsplätze gibt, zieht es viele nach Niedersachsen. »Wolfsburg ist ein absoluter Magnet für die jungen Menschen«, weiß der Seelsorger. Die Folge: »Unser Kirchenkreis verliert pro Jahr rund 500 Kirchenmitglieder. Nicht durch Austritt, sondern durch Wegzug.« Und so kam, was kommen musste: Vor zwei Jahren wurden die Pfarrbereiche Kakerbeck und Kalbe an der Milde zusammengelegt, aus zwei Vollzeitstellen wurde eine.

Kirche lebt auch von der Präsenz des Pfarrers

(links) Stellt sich »mit Gottvertrauen« den Herausforderungen von 16 Dörfern im Kirchenkreis Salzwedel: Dieter Borchert, Pfarrer in Kalbe/Milde. (rechts) Fürchtet bei Gemeindefusionen um das Engagement der ­ehrenamtlichen Mitarbeiter: Günter Widiger, Pfarrer in Blankenhain im Kirchenkreis Weimar. Fotos: Harald Krille

(links) Stellt sich »mit Gottvertrauen« den Herausforderungen von 16 Dörfern im Kirchenkreis Salzwedel: Dieter Borchert, Pfarrer in Kalbe/Milde. (rechts) Fürchtet bei Gemeindefusionen um das Engagement der ­ehrenamtlichen Mitarbeiter: Günter Widiger, Pfarrer in Blankenhain im Kirchenkreis Weimar. Fotos: Harald Krille

Borchert ist jetzt für 16 selbstständige Orte mit 14 Kirchengebäuden zuständig. In seinem Bereich gibt es strukturelle Vielfalt: ein Kirchspiel aus drei Gemeinden, einen Kirchengemeindeverband mit vier Gemeinden, zwei Dörfer, die sich schon vor 40 Jahren zu einer Kirchen­gemeinde zusammengeschlossen haben. 1620 Gemeindeglieder zählen zu seinem Verantwortungsbereich. »Damit haben wir hoffentlich die nächsten Jahre ein ­wenig Ruhe in Sachen Zusammenlegung, hofft Borchert. Dennoch: »100 Prozent Arbeitskraft, aber plötzlich 200 Prozent Arbeit«, beschreibt er die Situation und fragt sich manchmal: »Haben wir vorher nur zu 50 Prozent gearbeitet?« Er bietet regelmäßig – wenn auch in Abständen – Gottesdienst in allen Kirchen an. »Aber mehr als vier Gottesdienste an einem Sonntag hält man auf Dauer nicht durch«, so seine Erfahrung. Und Zentralgottesdienste? »Eine schöne Theorie am Schreibtisch, wie viele Ideen der Strukturreform«, so Borcherts nüchternes Fazit. »Das klappt mit enormen Aufwand an Werbung und Motivation und Organisation ein, zwei Mal, doch dann ist Schluss.« Die Menschen wollen lieber nur einmal im Monat Gottesdienst, aber in »ihrer« Kirche.

Diese Verbundenheit spürt Borchert auch an einer deutlichen Zunahme bei Taufen und Trauungen: Menschen, die vor Jahren wegzogen, kommen zur Hochzeit, zur Taufe der Kinder wieder in »ihre« Kirche. Ein Wiederentdecken von Traditionen, das Borchert Mut macht. Dennoch ist es nicht einfach, »nahe bei den Menschen zu sein«. Als Pfarrer ist er in fünf Vereinen aktives Mitglied. Haus-besuche stehen für ihn ganz oben auf der Prioritätenliste: Geburtstagsbesuche, Tauf- und Trauergespräche bei den Menschen zu Hause. Manche Verwaltungsaufgabe bleibt dann liegen. Doch auch wenn man keine »Pfarrerkirche« sein wolle: »Wenn die Menschen ihren Pfarrer nicht mehr erleben, erleben sie auch Kirche nicht mehr«, ist Borchert überzeugt.

Eine gewisse Mitarbeiterdichte sei deshalb unabdingbar, wenn Kirche im ländlichen Raum weiter wahrnehmbar bleiben soll. »Ich und alle anderen Pfarrkol­legen haben ihre Grenzen, wir können nicht unendlich die größer werdenden Maschen des Netzes stopfen«, bringt ­Borchert es auf den Punkt. Das ständige Gefühl, nicht alles zu schaffen, was nötig wäre, laste jetzt schon auf allen. Und auch auf Ehrenamtliche kann nicht alles abgewälzt werden: »Die Leute merken es sehr schnell, wenn sie nur Gratisersatz für die strukturellen Lücken sein sollen.«

Ein »gallisches Dorf« im Süden Weimars

Ehrenamtliche wollen aber vor allem auch echte Verantwortung für ihr Gebiet, ihren Ort, ihre Kirche. Das ist ­zumindest die Erfahrung von Günter ­Widiger. Seit 26 Jahren ist er Pfarrer in Blankenhain, südlich von Weimar. Neben Blankenhain selbst gehören inzwischen sieben Dörfer zu seinem Pfarrbereich. Zusammen mit einem Pflegeheim, in dem er regelmäßig Gottesdienste anbietet, kommt er auf neun Predigtstellen, sechs Gemeindekirchenräte, sechs mal eigene Rechnungsführung. In der Vergangenheit wurden Widiger und seine Gemeinden gedrängt, endlich zu fusionieren, die Kirchrechnungen in der zentralen Buchungskasse des Kirchenkreises führen zu lassen. Doch Widiger und seine Kirchenältesten wehren sich mit Händen und Füßen.
Als »gallisches Dorf« werden sie inzwischen von manchen bezeichnet – wer die Geschichten um Asterix kennt, weiß Bescheid.

Verantwortung muss vor Ort wahrgenommen werden

»Was würde passieren, wenn wir eine ­Gemeinde bildeten mit einem Gemeindekirchenrat?«, fragt Widiger und gibt selbst die Antwort: »Dann würden in den Orten ein Ortschaftsrat über die Probleme vor Ort beraten, aber entscheiden würde der zentrale Gemeindekirchenrat, in dem das Dorf mit einer Stimme vertreten ist.« Und mit Nachdruck fügt er hinzu: »Ich will kein Widerständler um des Widerstandes willen sein, aber ich will, dass die Menschen in den Gemeinden selbst Verantwortung übernehmen.« Und das tun sie. Manche schneller, manche langsamer. Es entstanden Kirchbauvereine, Fördervereine, Kirchen wurden und werden instand gesetzt. »Ich habe Förderanträge unterschrieben, die hätte ich am liebsten erst einmal umformuliert«, erinnert sich Widiger. »Aber was soll’s, wenn es holprig klingt. Das Herzblut von Menschen steckt darin und das allein ist wichtig.« Und das wird offensichtlich auch von Sponsoren und Förderern so gesehen.

In einer seiner Gemeinden habe er vor zwei Jahren die Frage einer Fusion intensiv beraten. Die Antwort der engagierten Kirchenältesten war ebenso einmütig wie eindeutig: »Herr Pfarrer, wenn das kommt, dann schmeißen wir den Bettel hin!« Für Widiger ist deshalb klar, dass ­Fusionen nicht die Lösung sind. Vieles scheine vom Schreibtisch der Planer vernünftig, doch die Praxis sehe anders aus. So auch die Frage der Kirchrechnungsführung in einer zentralen Stelle. »Ich bin nicht überzeugt, dass hier wirklich Kosten gespart werden.« Denn mit der Zahl der Buchungen steigt der Arbeitsaufwand, es werden mehr Mitarbeiter gebraucht, die Verwaltungsumlage wird höher – »da beißt sich die Katze doch in den Schwanz«, so Widiger, der selbst Mitglied im Kreiskirchenrat und Stellvertreter des Superintendenten ist. Und bei einer Fusion wäre alles noch schlimmer: Dann gäbe es zwar nur eine Kirchrechnung, aber die darf jedes Unterkonto nur einmal haben. »Habe ich mehrere Kirchbauvereine, die fleißig Geld und Fördermittel sammeln, zahlen alle in dasselbe Unterkonto ein – um die Gelder auseinanderzuhalten, muss ich eine doppelte Buchführung machen. Dann kann ich es doch gleich vor Ort mit ehrenamtlichen Kirchrechnungsführern selber machen.«

Viele Vorgaben gehen an den Realitäten vorbei

Zu den problematischen Vorgaben gehört für Widiger auch das Prozedere der Gemeindekirchenratswahl im nächsten Jahr. Es sollen »echte« Wahlen sein, mit mehr Kandidaten als Plätzen im Gemeinde-
kirchenrat. Also fünf Kandidaten für die mindestens vier Plätze in kleinen ­Gemeinden. Abgesehen davon, dass die durchschnittliche Wahlbeteiligung sowieso alles Gerede von einer echten demokratischen Wahl ad absurdum führe, fragt Widiger, ob sich eigentlich jemand klarmache, was es in einer kleinteiligen dörflichen Gemeinschaft bedeute, wenn sich jemand zur Kandidatur bereit erklärt und dann nicht gewählt wird? »Da kann ich doch gleich mit dem Austritt aus der Kirche rechnen.« Viele Vorgaben seien fernab »aller Realität kleiner Stadt- und Dorfgemeinschaften«.

Für die Verwaltungsfachleute der Kirche sei das, was er mache, unvernünftig. »Aber ich denke, dass das, was ich tue, vernünftig ist«, betont Widiger. Er wolle vor allem die engagierten Menschen in der Kirche »bei der Stange halten«. »Aber ich bin untalentiert, die Leute dahin zu bringen, wo manche aus der Kirchenleitung sie hinhaben wollen«, bemerkt er leicht bitter. Dankbar ist er freilich, dass inzwischen im Kirchenkreis die Parole ausgegeben ist, dass da, wo es auch ohne Fusionen laufe, es auch so weitergehen soll.
Harald Krille

Die Kirche des Jahres 2012 wählen

25. November 2012 von Gemeinsame Redaktion  
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Verlosung der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler

Romanisch oder gotisch, barock oder klassizistisch, Backstein, Fachwerk oder Jugendstil: Zwölf ganz unterschiedliche Kirchen aus vielen Teilen Deutschlands hat die Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland (Stiftung KiBa) in diesem Jahr »Kirche des Monats« erklärt. Jetzt soll die »Kirche des Jahres 2012« ermittelt werden – dazu können Sie mit Ihrer Stimme beitragen und dabei auch an der Verlosung der Stiftung KiBa teilnehmen. Zu gewinnen sind eine Mini-Kreuzfahrt von Kiel nach Oslo, mit Aufenthalt in Oslo, zwei Übernachtungen und Verpflegung an Bord, für zwei Personen; zwei Übernachtungen für zwei Personenin einem deutschen »Maritim«-Hotel nach freier Wahl; kostenlose Teilnahme am Kulturprogramm der Mitgliederversammlung des Fördervereins der Stiftung KiBa am 14./15. Juni 2013 in Schwerin, inklusive Übernachtung für zwei Personen; zahlreiche Buchpreise. Die Abstimmung endet am 11. Januar 2013.

Kultur-48-2012Zu den Kirchen des Monats gehörte die St.-Bonifatius-Kirche in Großwirschleben. Aus dem MDR-Dorfwettbewerb »Mach dich ran« am Pfingstmontag ging Großwirschleben in Anhalt als Sieger hervor. Mit 300000 Euro können die Dorfbewohner nun ihre einsturzgefährdete spätromanische Kirche retten. St. Bonifatius ist, direkt über dem Ufer der Saale gelegen, eine weithin sichtbare Landmarke. Das Natursteinbauwerk wurde 1352 erstmals urkundlich erwähnt. Zwischen 1859 und 1863 kam der schlanke, schiefergedeckte Turm dazu. Die Innenausstattung ist barock – eine Besonderheit stellt die schlichte, derzeit ­allerdings beschädigte Stuckdekoration der Decke dar. Die Kirche ist eine Nebenstation des Lutherwegs.
(mkz)

www.stiftung-kiba.de

USA: Götterdämmerung der alten Ordnung

20. November 2012 von Gemeinsame Redaktion  
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Eine Woche oder zwei werden die medialen Analysen der US-Präsidentschaftswahl wohl noch anhalten. Aber wenigstens sind die Fernseh-Werbespots vorbei! Schon bald ist mit »Schnellschuss«-Büchern zu ­rechnen, die bis ins kleinste Detail ­erklären werden, wie Barack Obamas Wiederwahl am 6. November zustande gekommen ist. Bei den Verlierern haben die Schuldzuweisungen begonnen.

Konrad Ege ­berichtet für ­unsere Zeitung aus den USA.

Konrad Ege ­berichtet für ­unsere Zeitung aus den USA.

Die Sieger haben freilich nicht so wild gefeiert wie 2008. Waren die vier Jahre Obama doch ein permanenter Realitäts-Check gewesen, und so manche Hoffnung ist nicht in Erfüllung gegangen. Wenn man schon von Realität spricht: Mitt Romneys unterlegene Republikaner sind zu einer von ihnen verdrängten Realität aufgewacht: Dass sich mit ihren Stammwählern, konservativ eingestellten Weißen und den weißen Evangeli­kalen beziehungsweise den »Wertewählern«, offenbar keine nationalen Wahlen mehr gewinnen lassen.

Die USA sind von einer weißen Nation mit einer schwarzen Minderheit zu einem diversen Land geworden. ­Jugendliche wachsen heute mit der Selbstverständlichkeit auf, dass ein Afroamerikaner Präsident ist. Als ­Ronald Reagan 1980 gewählt wurde, stellten Weiße 89 Prozent der Wähler. 2012 sind es noch 72 Prozent. Doch Romney führte einen auf konservative Weiße zugeschnittenen Wahlkampf. Er bekam 61 Prozent der weißen Stimmen. Das hat nicht gereicht.

Auch »religiös« verschiebt sich die Demografie. Die Protestanten machen nur noch knapp die Hälfte der Bevölkerung aus. Immer mehr US-Amerikaner haben keine feste ­religiöse Bindung, vor allem junge Menschen. Und die wählen viel eher demokratisch. Feste Zahlen gibt es noch nicht zum Stimmverhalten der weißen Evangelikalen. Anscheinend votierten knapp 80 Prozent für Romney. Auch das hat nicht gereicht.

Optimistische Prognosen rechts-christlicher Wortführer, ihre Leute würden aus Sorge über Obamas Zustimmung zur Homo-Ehe in Massen wählen gehen: Fehlanzeige. Obwohl sich führende Evangelikale stark parteipolitisch engagierten, selbst der auch von vielen Nicht-Christen geschätzte Billy Graham. Der 94-jährige Evangelist bezog öffentlich Stellung für Romney. Die römisch-katholischen Bischöfe betonten, dass Katholiken nicht für einen Kandidaten stimmen sollten, der »für Abtreibung« sei und für die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften. Etwa die Hälfte der Katholiken wählte Romney, die andere Hälfte Obama.

Die Republikaner haben ein ausgesprochenes »Frauenproblem«. 55 Prozent der Frauen stimmten für Obama. Sie haben keine Lust auf eine Partei, die ihren Programm zufolge Schwangerschaftsabbruch verbieten will, und die nicht viel tut, um Chancengleichheit im Berufsleben herzustellen.

Man wird sehen, ob sich das konservative Amerika ernsthaft der Auseinandersetzung mit der veränderten Gesellschaft stellt. Vermutlich eher nicht. Bei den »Analysen« jetzt hört man von Konservativen, dass die Wahlen gar nicht so viel bedeuteten. Habe doch nur ein bisschen mehr als die Hälfte für Obama gestimmt.
Konrad Ege

Perlenkette aus Denkmälern

20. November 2012 von Gemeinsame Redaktion  
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Saale-Unstrut-Region arbeitet an Bewerbung für UNESCO-Weltkulturerbe-Titel

Eine Tour entlang der Saale und der Unstrut gleicht dem Besuch einer Schatzkammer. Kulturdenkmäler bündeln sich auf engstem Raum. Nach einem Besuch des Naumburger Doms und der weltbekannten Stifterfiguren sind es nur wenige Fahrminuten, um die Freyburger Marienkirche oder die Burganlagen von Schönburg und Saaleck zu sehen. Gekrönt werden könnte die Kulturlandschaft im Süden Sachsen-Anhalts in einigen Jahren mit einem besonderen Titel. Die Region arbeitet derzeit an der Bewerbung um den Rang eines UNESCO-Weltkulturerbes. Dazu hat sich eine Arbeitsgruppe gebildet. Ihr gehören  Vertreter von Behörden wie des Kultusministeriums, des Burgenlandkreises und des Landesverwaltungsamtes sowie der Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz an, außerdem Wissenschaftler, unter anderem vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie. Zudem hat sich ein  Förderverein gegründet.

Terrassenweinberge, Mühlen und Streuobstwiesen

Am 1. Juli 2013 soll Kultusminister Stephan Dorgerloh seine Unterschrift unter die Bewerbung setzen. Bis dahin bleibt noch viel zu tun, wie Vereinschef Roland Thrän erklärt: »Derzeit arbeiten wir an der Formulierung. Dazu zählen die Herausarbeitung des außergewöhnlich universellen Wertes des Antragsgegenstandes, eine internationale Vergleichsanalyse, der Managementplan, die Übersetzung aller Texte ins Englische sowie die Bebilderung der drei Antragsbände.« Kürzlich entstand per Laser-Scan ein digitales Geländemodell.

Die Landschaft an Saale und Unstrut hat nicht nur Naturschönheiten und Monumente wie den Naumburger Dom oder die Neuenburg zu bieten, sondern auch reizvolle kleine Kirchen – wie die in Zscheiplitz. Foto: Constanze Matthes

Die Landschaft an Saale und Unstrut hat nicht nur Naturschönheiten und Monumente wie den Naumburger Dom oder die Neuenburg zu bieten, sondern auch reizvolle kleine Kirchen – wie die in Zscheiplitz. Foto: Constanze Matthes

Die ersten Bemühungen für den Antrag reichen bis in die 1990er Jahre. 1998 wurde der Naumburger Dom in die sogenannte »Liste der Kultur- und Naturgüter, die von 2000 bis 2010 von der Bundesrepublik Deutschland zur Aufnahme in die UNESCO-Liste angemeldet werden« aufgenommen. 2005 bereisten Experten des Rates für Denkmalpflege (Iocomos) die Region. Das internationale Gremium berät die UNESCO.
Die Antragsfläche umfasst dabei insgesamt rund 16000 Hektar, wobei zwischen einer Kern- und einer Pufferzone unterschieden wird. Die Liste der herausragenden Denkmäler ist lang. Sie umfasst den Naumburger Dom mit der Altstadt, Burg Saaleck und die Rudelsburg, die Schönburg, Klosterkirche und Schlossanlage Goseck, das ehemalige Zisterzienserkloster Pforte mit der heutigen Landesschule sowie das Romanische Haus in Bad Kösen. Hinzu kommen nahe der Unstrut das Schloss Neuenburg, die Freyburger Stadtkirche St. Marien und die Kirche in Zscheiplitz. Gerade sakrale Bauten, im hohen Mittelalter entstanden, spielen eine bedeutende Rolle, wie Thrän bemerkt: »Sie sind im Sinne des Antrages wichtige Kulturlandschaftselemente und somit wichtige Stützen unserer Bewerbung.« Hinzu kommen die weiter entfernten Exklaven Schloss Moritzburg in Zeitz, die Eckartsburg sowie Kloster und Kaiserpfalz Memleben. Doch nicht nur historische Architektur prägt die Landschaft. Zu ihr gehören auch Terrassenweinberge, Mühlen und Streuobstwiesen sowie die spezielle Flusslandschaft an Saale und Unstrut.

»Touristen haben schon längst erkannt, welche Perlen sich hier finden lassen«, sagt Sven Hanson. Der Freyburger Pfarrer erhofft sich mit dem Titel nicht nur finanzielle Unterstützung für den Erhalt der Kirchenbauten in seiner Gemeinde. Viele Einheimische haben ihre Kirche noch nie von innen gesehen. Es müsse uns erst einmal gelingen, ein Bewusstsein zu wecken, welchen Schatz wir vor der eigenen Haustür haben, erklärt Hanson. »Ansonsten bleibt der Weltkulturerbe-Titel eine leblose Überschrift«, meint der Pfarrer weiter. Die »Offene Kirche«, wie sie eben in Freyburg praktiziert würde, wäre ein erster Schritt. Hanson plädiert deshalb für einen Mentalitätswechsel: »Die Kirche ist weniger Besitz der Gemeinde, sondern vielmehr ein anvertrautes Erbe.«

Öffentlichkeitsarbeit solle deshalb, so der Geschäftsführer des Fördervereins, stärker in den Vordergrund treten. Zwar sei die Resonanz in der Bevölkerung auf das Bestreben gut, allerdings gebe es bereits eine Vielzahl an Ideen, das Welterbe-Anliegen noch weiter in die Breite zu tragen, so Thrän abschließend.

Constanze Matthes

www.welterbeansaaleundunstrut.de

Alles Lebendige ist vergänglich

19. November 2012 von Gemeinsame Redaktion  
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Du hast den Garten des Lebens verlassen, doch deine Rosen blühen weiter«, steht in einer Todesanzeige. Vielleicht. Es gibt Rosenstöcke, die Jahrhunderte alt werden und viele Generationen lang an den erinnern, der sie gepflanzt hat. Häufig ist das nicht, sind Gärten doch ein sehr vergänglich Ding – nicht nur im Blick auf die Jahreszeiten. Sie werden geschaffen von ihren Besitzern und vergehen mit ihnen oder verändern sich nach den aktuellen Bedürfnissen der wechselnden Eigentümer. Oft holt die Natur sie zurück oder sie werden versiegelt, und kein Mensch erinnert sich daran, was hier alles geblüht hat. Untergegangene Paradiese, die der Vergessenheit anheimgefallen sind wie die, die sie bearbeitet haben.

»Ach wie nichtig, ach wie flüchtig ist der Menschen Schöne!
Wie ein Blümlein bald vergehet, wenn ein rauhes Lüftlein wehet, so ist unsre Schöne, sehet!«

Michael Franck (1609–1667)

Natürlich gibt es auch Gärten, die als historische Anlagen immer wieder nach altem Muster bepflanzt und gepflegt werden. Sie haben Bestand, weil sie zu Schlössern gehören oder zu Klöstern. Hier verbinden sich Architektur und Natur und bringen einander zur Geltung. Der Besucher kann nachvollziehen, wie dort gelebt wurde. Manchmal genügt auch ein großer Name, damit weitgehend alles so bleibt, wie es zu Lebzeiten der Maler, Dichter oder Gärtner ausgesehen hat. Beispielsweise im Garten von Claude Monet in Giverny und Emil Nolde in Seebüll, von Johann Wolfgang von Goethe oder Gottfried Herder in Weimar oder von Vita Sackville-West in Sissinghurst und Karl Foerster in Potsdam-Bornim. Da kann es sogar passieren, dass der zubetonierte Garten von Max Liebermann am Berliner Wannsee wieder bunt und üppig aufersteht zur Freude aller Besucher.

Christine Lässig

Christine Lässig

Aber das sind Ausnahmen. Die Bibel weiß um die Vergänglichkeit alles Lebendigen: »Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blüht wie eine Blume auf dem Felde; wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da, und ihre Stätte kennet sie nicht mehr« (Psalm 103,15.16). Das ist eine schonungslose Feststellung am Ende des Kirchenjahres. Je älter ich werde, desto mehr geht mir auf, was das bedeutet. Der Psalm geht zum Glück weiter: »Die Gnade aber des Herrn währt von Ewigkeit zu Ewigkeit über denen, die ihn fürchten. Seine Treue währt von Geschlecht zu Geschlecht über denen, die seinen Bund halten, an seine Gebote denken und danach tun.«
Christine Lässig

Abschied per Mausklick?

18. November 2012 von Gemeinsame Redaktion  
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Trauerkultur im Wandel: Virtuelle Friedhöfe, nie verlöschende Kerzen – das Internet bietet »ewiges« Gedenken

Wie passen Trauer und das Internet zusammen? Offenbar zunehmend gut, wie die zunehmende Zahl von virtuellen Friedhöfen zeigt.

Während auf den realen Friedhöfen die Zahl der anonymen Bestattungen steigt, weil es keine Angehörigen gibt, die das Grab pflegen wollen oder können, wächst seit Beginn der 1990 Jahre
die Zahl der virtuellen Friedhöfe. Vor allem Menschen, die mit dem Computer aufgewachsen sind, nutzen die moderne Technik, um ihrer Trauer in Online-Trauer-Portalen, Trauer-Blogs, Gedenkseiten, Chats und Foren, Ausdruck zu verleihen.

Auf digitalen Friedhöfen kann man einen Nachruf verfassen, eine Todesanzeige aufgeben, eine individuell ­gestaltete Gedenkseite oder eine virtuelle Grabstätte für einen lieben Verstorbenen einrichten und ihm damit ein »ewiges« Denkmal im Netz setzen. Denn das Internet vergisst ja bekanntlich nichts. Kondolenzbücher stehen bereit, um möglicherweise die anteilnehmenden Worte anderer zu dokumentieren. Sogar die Trauerkerze, die traditionell auf Gräbern entzündet wird, hat ihren Weg in die virtuelle Welt des Internet gefunden. Zu jeder Tages und Nachtzeit lässt sich per Mausklick eine virtuelle Kerze entzünden, die niemals niederbrennt oder in Regen und Wind verlöscht.

Mit Tonaufnahmen, Videos oder Fotos und Texten lässt sich das Leben des Verstorbenen multimedial festhalten. So können sich die Nutzer des virtuellen Friedhofs der Illusion hingeben, die Erinnerung vor dem Verblassen bewahren zu können. Anders als eine reale Grabstätte ist eine Gedenkseite zeitlich unbegrenzt zugänglich – es sei denn, diejenigen, die sie eingerichtet haben, verlangen beim Betreiber die Löschung.

Jederzeit zugänglich für jedermann in der Welt

Wer nicht aller Welt, sondern nur ausgewählten Menschen Zutritt zur virtuellen Gedenkstätte gewähren will, kann den Zugang durch ein Passwort schützen lassen. Dafür ist aber bei manchen Portalen eine Gebühr fällig. Und auch, wer beim Online-Auftritt einer Tageszeitung eine Traueranzeige aufgeben will, muss zahlen.

blick-47-2012»Ein virtueller Friedhof ist weltweit, kosten- und zeitsparend und jederzeit erreichbar, sodass die Hinterblie­benen stets darauf zurückgreifen ­können«, meinen die Betreiber von »www.gedenkseiten.de« die Vorteile und den Nutzen solcher virtuellen Trauerräume beschreiben zu können. Zudem könnten Wünsche und Nachrichten von anderen, die ebenfalls um den Verstorbenen trauern, den Hinterbliebenen Kraft geben. So könne eine »virtuelle Gemeinschaft« entstehen, in der man sich gegenseitig ­helfen könne, »zurück ins Leben zu finden«, heißt es.

Die meisten Gedenkportale versichern, dass sie kostenlos und ohne ­geschäftliches Interesse betrieben würden. Allerdings: Nicht selten führt ein Link zu einem Onlineshop, in dem passende Bücher, Videos oder Musik feil geboten werden. Oder es gibt einen Link zu Anbietern von Bestattungen, Steinmetzen oder anderen. Sogar den Hinweis auf eine Hellseherin, die ihre Dienste allerdings nicht zum Nulltarif anbietet, hat es schon gegeben.

Auch die Kirchen melden sich in Sachen Tod und Trauer im Internet zu Wort. Etwa auf »www.Trauernetz.de«, einem Online Angebot für Trauernde, das gemeinsam von der evangelischen Kirche im Rheinland, der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands und dem Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik getragen wird. Hier finden die Besucher zwar keine Möglichkeit, online Gedenkstätten mit Ewigkeitscharakter anzulegen, dafür aber hilfreiche Lyrik, Gebete und Meditationstexte, Hinweise auf Trauergruppen in der eigenen Umgebung, und das Angebot, mit gut ausgebildeten Pfarrerinnen Kontakt aufzunehmen.

Auch die Kirchen machen Trauerangebote im Netz

Kristiane Voll ist eine der beiden Seelsorgerinnen, die als Ansprechpartnerin zur Verfügung steht. Die ausgebildete Trauerbegleiterin sieht in dem sich verstärkenden Trend zur Trauer im Internet eine »im Großen und Ganzen positive Möglichkeit«, die dem Bedürfnis, in der eigenen Trauer wahrgenommen zu werden und der Anonymität zu entrinnen, entspringe. Der »Stein der Weisen« allerdings ist die Trauer im Internet aus ihrer Sicht nicht. Ersatz für reale Begegnung, für Austausch von Angesicht zu Angesicht und für im wörtlichen Sinn Berührende Gesten kann ein virtueller Trauerort aus ihrer Sicht nicht sein.

Niemand kann virtuell in den Arm genommen werden

Nachdrücklich warnt die Pfarrerin auch vor der Gefahr des »Internet-Tratsches«. Trauernde, die allzu frei Gefühle oder Erinnerungen preisgeben, öffnen womöglich ungewollt das Tor für Mutmaßungen und Gerüchte, hat die Pfarrerin erlebt. Besonders dann, wenn die Eintragungen im Internet von Menschen aus der näheren Umgebung gelesen und interpretiert werden.

Und: Bei allem Verständnis für Trauernde, die den virtuellen Raum zur Trauerbewältigung nutzen wollen, rät Kristiane Voll dazu, immer auch den Kontakt mit realen Menschen zu suchen. Denn virtuell kann niemand einen anderen in den Arm nehmen, ein Taschentuch zum Tränenabwischen zustecken oder einfach nur still zuhören. Zur gelingenden Trauer gehört auf lange Sicht, den anderen loszulassen und ihn realistisch mit seinen starken und schwachen Seiten zu würdigen und zu respektieren. Ob die Trauer im Internet, die momentane Gefühle »verewigt«, dazu wirklich beiträgt, bleibt fraglich.
Karin Vorländer

www.trauernet.de

Vom Zarenreich bis zur Sowjetmacht

14. November 2012 von Gemeinsame Redaktion  
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Ausstellung in Berlin zu 1000 Jahren deutsch-russischer Beziehungen

Lange Bärte mit geflochtener Doppelspitze, eindrucksvolle Mützen, Trachtenkittel – so setzt ein Stralsunder Schnitzkünstler nach den Erzählungen rückkehrender Kaufleute um 1360 die Fremden ins Bild. Das Chorgestühl der Riga- oder Russlandfahrer aus der Stralsunder Nikolaikirche zeigt, was die hanseatischen Kaufleute in Russland begehrten: Felle und Wachs waren Rohstoffe, mit denen man in Westeuropa hohe Preise erzielen konnte. Es ist ein zentrales Exponat im Eingangsraum der großen Ausstellung »Russen & Deutsche. 1000 Jahre Kunst, Geschichte und Kultur«. Sie ist bis 13. Januar 2013 im Berliner Neuen Museum zu sehen.

Alexej von Jawlensky (1865–1941) schuf 1912 diesen Frauenkopf. Der Maler lebte ab 1896 in Deutschland. – Foto: Neues Museum

Alexej von Jawlensky (1865–1941) schuf 1912 diesen Frauenkopf. Der Maler lebte ab 1896 in Deutschland. – Foto: Neues Museum

Über 600 kunst- und kulturgeschichtliche Zeugnisse erzählen von wechselvollen Beziehungen, von Krieg und Frieden, Freundschaft und Feindschaft. »Die Katastrophe des Zweiten Weltkriegs ist der Tiefpunkt der deutsch-russischen Beziehungen«, betont Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. »Doch wir wollen deutlich machen, dass in der langen Geschichte unserer Länder das friedliche Miteinander überwiegt.«

Die Schau ist der zentrale Beitrag zum deutsch-russischen Kulturjahr 2012–2013 und steht unter der Schirmherrschaft beider Staatspräsidenten. Bereits im Sommer war sie in etwas anderer Form in Moskau zu sehen. Für die Station auf der Berliner Museumsinsel entschied sich das Kuratorenteam um Matthias Wemhoff, Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte, für eine chronologische Gliederung: »Unser Anliegen ist es gerade, vergessene Jahrhunderte ins Bewusstsein zurückzuführen.« Kaufleute und Missionare, aber auch Architekten machen den Anfang – Backsteinzierrat vom Bischofspalast in Nowgorod etwa zeigt den Einfluss deutscher Backsteingotik.

Im 16. Jahrhundert kommt es zu einem ersten diplomatischen Austausch. Russen in langen Mänteln mit hohen Fellmützen reisen 1576 zum Reichstag nach Regensburg. In Stichen ist festgehalten, wie sie dort ihren orthodoxen Gottesdienst feiern. Eine Vitrine zeigt die prunkvollen Gastgeschenke deutscher Gesandter, die sie beim Gegenbesuch dem Zaren mitbringen. Der Gesandte Sigismund Herberstein schildert seine Eindrücke des fremdartigen Moskau und prägt damit das Russlandbild in Deutschland für Jahrhunderte.

Letztes Kapitel: Reizthema Beutekunst
Ein großes Schiffsmodell steht für den Aufbruch Russlands in die Moderne unter Zar Peter I. Er baute eine seetüchtige Flotte auf und errichtete 1703 Sankt Petersburg an der Newamündung, Russlands Fenster nach Westen. Der Zar orientiert sich an Europa, lässt sich in westlicher Kleidung porträtieren. Er modernisiert sein Land und lässt sich von Leibniz beraten. Umgekehrt tauscht Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. mit seiner Vorliebe für »lange Kerls« das Bernsteinzimmer gegen russische Soldaten ein.

Um 1900 sind es vor allem Künstler wie Kandinsky oder Jawlensky, die in Deutschland die moderne Kunst prägen. In der Zwischenkriegszeit wiederum werden deutsche Architekten zu Wettbewerben für Prestigebauten der jungen Sowjetmacht eingeladen, wie der erstmals ausgestellte Entwurf für den Moskauer Palast der Sowjets von Hans Poelzig dokumentiert.

Die Katastrophen des 20. Jahrhunderts sind der Tiefpunkt der deutsch-russischen Beziehungen, doch wird dieses Kapitel nur knapp behandelt. Für die Darstellung des Zweiten Weltkriegs beschränkt sich die Schau auf großformatige aktuelle Aufnahmen von einstigen Schlachtfeldern. Das letzte Kapitel, das dem Reizthema Beutekunst gewidmet ist, bezieht politisch Stellung. Ein Originalmosaik des verschwundenen Bernsteinzimmers, Fresken aus der inzwischen wiederaufgebauten Maria Entschlafungskirche bei Nowgorod, sind Zeugnisse deutscher Gewalt gegen Kunstwerke. Deutlich verweist die Schau jedoch auf die Schätze vor allem aus dem Museum für Vor- und Frühgeschichte, die sich noch heute in Russland befinden.

Sigrid Hoff (epd)

Geöffnet montags bis mittwochs sowie sonntags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis freitags von 10 bis 20 Uhr.

Das bessere Ich der Eidgenossen

13. November 2012 von Gemeinsame Redaktion  
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Schweiz: Ein Einsiedler bewahrte einst das Land vor dem Bürgerkrieg – und gilt bis heute als Friedenspatron


Wie kaum ein anderer Heiliger wird der eidgenössische Friedenspatron Bruder Klaus von evangelischen Christen verehrt. Auch in Deutschland. Woran liegt das?

Am Anfang stand ein Missverständnis. Als Martin Luther in einer Schrift gegen das Papsttum eine Vision des Niklaus von Flüe (1417–1487) zitierte, geschah dies aufgrund einer falschen Quelle. Luther hatte von einer Schau des Einsiedlers aus dem Kanton Obwalden erfahren, worin dieser angeblich ein Menschenantlitz erblickt hatte, das den Papst darstellte, umgeben von Schwertspitzen, die als Zeichen für die blutige Herrschaft des Kirchenführers gedeutet werden konnten.

Moralische Autorität für seine Zeitgenossen: Bruder Klaus in der ältesten erhaltenen Darstellung aus dem Jahre 1492. – Repro: Wikipedia

Moralische Autorität für seine Zeitgenossen: Bruder Klaus in der ältesten erhaltenen Darstellung aus dem Jahre 1492. – Repro: Wikipedia

Tatsächlich hat es diese Vision nie gegeben. Die Abbildung, auf die sich der Wittenberger Reformator im Jahr 1528 bezog, sollte eigentlich das Antlitz Christi zeigen, und die vermeintlichen Schwertspitzen repräsentierten die göttlichen Strahlen, die vom Erlöser in die Schöpfung ausgehen und wieder zu ihm zurückkehren. Die Darstellung stammte im Original von einem bemalten Tuch, das Niklaus von Flüe möglicherweise zur meditativen Betrachtung benutzte.

Doch die Tatsache, dass Luther derart ausdrücklich auf den Schweizer Gottesfreund Bezug nahm, der sich selbst schlicht Bruder Klaus nannte, erscheint dennoch aufschlussreich. Sie ist ein Beleg dafür, welch großes Ansehen dieser in den Augen der ersten Protestanten genoss, die dem Heiligenkult an sich sehr ablehnend gegenüberstanden. So bezeichnete der Zürcher Reformator Ulrich Zwingli seinen Landsmann ehrfurchtsvoll als den »edlen Bruder Klaus«, während er ansonsten schon einmal Reliquien verbrennen und Prozessionen verbieten ließ.

Schon zu Lebzeiten hatte sich der Ruf des frommen Eidgenossen weit herum in Europa verbreitet. Als Niklaus von Flüe, ein wohlhabender Bauer und Ratsherr, im Alter von 50 Jahren Haus und Familie im innerschweizerischen Dorf Flüeli verließ, um sich als Eremit in die nahe Ranftschlucht zurückzuziehen, fand dort bald »täglich ein großer Volkszulauf« statt, wie eine zeitgenössische Quelle berichtet. Besondere Aufmerksamkeit bei den Pilgern erregte das wundersame Fasten des Mystikers, der offenbar bis auf die Hostie in der Messe keine Nahrung zu sich nahm.

Die nüchternen Reformatoren schätzten Bruder Klaus dagegen vor allem als moralische Autorität in einer Zeit korrupter weltlicher und geistlicher Mächte. Von den Zeugnissen seiner Spiritualität fand im evangelischen Wirkungsbereich sein »gewöhnliches Gebet« rasche Verbreitung bis nach Norddeutschland (siehe Kasten) und wurde durch die lutherischen Kirchenlieddichter Johann Heermann und Paul Gerhardt literarisch aufgenommen.

Geprägt hat den Nachruhm von Bruder Klaus jedoch ein historisches Ereignis, bei dem er selbst eine Schlüsselrolle spielte. Als mehrere Kantone seiner Heimat aufgrund von Konflikten untereinander an den Rand eines Bürgerkriegs gerieten, vermochte er 1481 mit einem geheim gebliebenen Ratschlag an die politischen Vertreter einen Friedensschluss zu vermitteln, der als »Stanser Verkommnis« in die Geschichte einging. Damit wurde er im Andenken seiner Landsleute zum »Vater des Vaterlandes«, der bis heute über alle Konfessionsgrenzen hinweg Verehrung genießt. »Das bessere Ich der Schweiz« nannte ihn einmal der reformierte Theologe Georges Méautis.

So wichtig war den Protestanten der Ratgeber aus dem Ranft, dass sich manche von ihnen gegen seine späte Heiligsprechung durch Papst Pius XII. im Jahr 1947 wehrten, weil sie darin eine Vereinnahmung seitens der katholischen Kirche sahen. Karl Barth, der evangelische Kirchenvater des 20. Jahrhunderts, machte deutlich: »Trotz der Kanonisierung, die wir grundsätzlich ablehnen, bleibt Bruder Klaus auch unser Heiliger.«

In der Folge des Zweiten Weltkriegs wurde der Friedensstifter in Deutschland für viele Gläubige zur Symbolfigur für die Hoffnung auf Versöhnung und die Überwindung der Spaltung der Nation. Manche schrieben seinem geistigen Wirken auch die glückhafte Verschonung der Eidgenossenschaft von den Kriegswirren zu. Zum illustren Kreis seiner Bewunderer gehörte neben dem ersten Bundeskanzler Konrad Adenauer unter anderem der Bild-Verleger Axel Springer. Der bekennende Lutheraner, der die Wiedervereinigung zeitweise als eine Art Privatprojekt betrieb, hatte sogar eine Statue des Visionärs in seinem Büro stehen.

Als 1975 Springers Chalet in der Nähe des Schweizer Nobelferienorts Gstaad einer Brandstiftung zum Opfer fiel, errichtete er einen Gedenkstein mit einem Bronzerelief des Nationalheiligen und dessen berühmt gewordenen Worten: »Was die Seele für den Leib, ist Gott für den Staat.« Der umstrittene Zeitungszar sah in Niklaus von Flüe, der selber weder lesen noch schreiben konnte, ein Vorbild für sein eigenes politisches Handeln. War dies vielleicht auch ein kleines Missverständnis?

Fabian Kramer

Wir brauchen eine globale »Spiritualität der Empathie«

12. November 2012 von Gemeinsame Redaktion  
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Jährlich begehen die Kirchen im Herbst die Friedensdekade, zehn Jahre lang lief die ökumenische Dekade zur Überwindung der Gewalt des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK). Was hat das alles gebracht? Harald Krille sprach darüber mit Almut Bretschneider-Felzmann.

Frau Bretschneider-Felzmann, zehn Jahre lang haben die Kirchen der Welt das Thema »Gewalt überwinden« buchstabiert. Die Welt scheint nicht friedlicher, aber die kirchliche Friedensbewegung stiller geworden zu sein …
Bretschneider-Felzmann: Wenn Sie mit der still gewordenen Friedensbewegung auf die »große Friedensbewegung« der 1980er Jahre in Ost und West anspielen, dann waren damals doch zumindest scheinbar die Konfrontationslinien klarer erkennbar. Vielleicht gab es auch einen größeren Optimismus, etwas bewegen zu können. Auch die Verhältnisse in den Kirchen haben sich seitdem grundlegend geändert. Brennend wird heute danach gefragt und gesucht, was die »Kernaufgaben« unserer Kirche sind. Da wird »gerechter Friede« – ein Begriff, der ja in der ÖRK-Dekade erst gewachsen ist und gegenwärtig abgrenzend zum Begriff »gerechter Krieg« weiterentwickelt wird – nicht immer als Erstes mit genannt. Und in einer global so fassbaren und unfassbaren Welt wissen wir nicht mehr, ob wir überhaupt noch den so groß gewordenen und fernliegenden Rädern »in die Speichen fallen« können oder nicht eher kleine Räder im Getriebe sind. Sind wir eine ohnmächtige Christengeneration? Nein, damit möchte ich mich nicht abfinden und das hat, meine ich, auch die Friedenskonvokation des ÖRK von Kingston nicht signalisiert.

Almut Bretschneider-Felzmann begleitete die Ökumenische Dekade zur Überwindung der Gewalt in der EKM und nahm 2011 an der Friedenskonvokation des ÖRK teil. Sie ist Mitglied in der Kammer der EKD für weltweite Ökumene und arbeitet als Referentin der Regionalbischöfin von Südthüringen. – Foto: Maria Lundström/Svenska Kyrkan

Almut Bretschneider-Felzmann begleitete die Ökumenische Dekade zur Überwindung der Gewalt in der EKM und nahm 2011 an der Friedenskonvokation des ÖRK teil. Sie ist Mitglied in der Kammer der EKD für weltweite Ökumene und arbeitet als Referentin der Regionalbischöfin von Südthüringen. – Foto: Maria Lundström/Svenska Kyrkan

Welche konkreten Herausforderungen sehen Sie im Rückblick auf ÖRK-Dekade und Friedenskonvokation für die Arbeit der Kirchen in Deutschland heute?
Bretschneider-Felzmann: Zunächst hat die Konvokation gezeigt, wie groß das Engagement der Kirchen in Deutschland während der Dekade war. Das dürfen wir in allem Jammern nicht vergessen. Andere Kirchen blicken auf uns und sagen: Eure evangelischen Kirchen sind unser Vorbild!
Die Konvokation und die Dekade haben uns aber auch eine große Herausforderung gelehrt: Dass der Auftrag, den Frieden zu suchen, in das Herz unserer christlichen Botschaft gehört. Das ist nicht einfach eine Floskel in der gottesdienstlichen Liturgie und kann nicht irgendwann auch noch getan werden, wenn alles Wichtige erledigt ist. Was heißt es, dass unruhige Sehnsucht nach gerechtem Frieden unser Kirchesein prägt? Was bedeutet globale Geschwisterlichkeit unter Christinnen über nationale und kontinentale Grenzen hinweg? Und was heißt gerechter Frieden in der Begegnung mit Menschen und Gemeinschaften anderer Religionen?
Für mich hängt das eng mit der geistlichen Dimension des Christseins zusammen. Meine Erfahrungen auf der Friedenskonvokation habe ich für mich in den Begriff einer globalen »Spiritualität der Empathie« gefasst. Die wirtschaftliche Globalisierung entfremdet mich von der Erfahrung des fernen Anderen. Lasse ich mich noch davon berühren, welche Beschlüsse beim Waffenhandelsabkommen der UNO im Juli dieses Jahres in New York gefasst wurden? Was hat es mit mir zu tun, unter welchen Lebensumständen meine Kleidung entsteht? Damit können wir uns doch als Kirchen nicht abfinden! Eine »Spiritualität der Empathie« lehrt uns, uns den Erfahrungen der fernen Anderen zuzuwenden, den Erfahrungen unserer Geschwister.

Das Wort Spiritualität ist fast schon ein Modewort geworden – was ist unter einer »Spiritualität der Empathie« konkret zu verstehen?
Bretschneider-Felzmann: Ja, Spiritualität erscheint als eine Sehnsucht unserer Zeit. Ich erlebe in unserer Gesellschaft die Suche nach etwas nach innen Gerichtetem. »Spiritualität der Empathie« gründet in einer tiefen Geistlichkeit und in dem, was uns biblisch aufgetragen ist. Frömmigkeit wäre vielleicht das angemessenste Wort. Sie richtet sich auf diesem Grund – wie die »Friedensspiritualität« von Karl Gustav Hammar, dem ehemaligen Erzbischof der Schwedischen Kirche – auf den anderen, ist relational und ganzheitlich, setzt sich der Veränderung und der Verletzbarkeit aus. Ich habe dies mit Konfirmanden im Sommer erlebt: Sie haben sich mit den Hintergründen jenes Waffenhandelsabkommens beschäftigt, waren stark berührt von den Folgen dieses scheinbar so fernen Vertrags für einzelne Menschen, haben im Gottesdienst geklagt, gebetet und gesungen, und haben dann Briefe an Betroffene in Mosambik und Palästina geschrieben, an ihre eigene Kirchenleitung, ihre Regierung. Diese Jugendlichen haben sich – gegründet in ihrer eigenen Frömmigkeit – den fernen anderen zugewendet, und dies hat sie selbst verändert. Diese Erfahrungen nenne ich »Spiritualität der Empathie«.

An der Friedenskonvokation von Kingston wurden unter anderem eine zu große Binnenkirchlichkeit und eine zu starke Verhaftung in der Opferperspektive kritisiert. Besteht nicht die Gefahr, dass eine »Spiritualität der Empathie« in ähnliche Richtung führt?
Bretschneider-Felzmann: Auf die Probleme der Tagungsorganisation von Kingston kann ich hier nicht eingehen. In meiner Gemeindearbeit habe ich aber immer wieder erlebt, dass, wenn wir uns als Kirche den brennenden Fragen der Gesellschaft und der Weltgemeinschaft zuwenden und – in angemessener Demut – mit den Erfahrungen der Menschen vor Ort verbinden, dass dann unser Reden und Handeln weit über unsere Kirchenmauern reicht. »Als Kirche darf euch nicht egal sein, was mit dieser Erde geschieht«, habe ich in Glaubenskursen mit jungen Eltern gehört. Globale Empathiefähigkeit einzuüben, verletzbare Gesichter hinter abstrakten Nachrichten zu erkennen, Brücken zu den fernen Geschwistern zu schlagen und dabei nicht ohnmächtig zu werden, sondern im tiefen Vertrauen zu gründen und sich in gesellschaftliche Prozesse zu mischen, das zählt für mich – gerade als Erfahrung aus Kingston – zu den Kernaufgaben unserer Kirche.

Alles hat seine Zeit

10. November 2012 von Gemeinsame Redaktion  
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Jedes Mal dieselbe Unentschlossenheit im April und im Oktober. Sollen die Kübelpflanzen und Sommerblumen ins Freie, obwohl frostfreie Tage nicht garantiert sind? Oder sollen sie schon ins Haus, obwohl es noch viele schöne Herbsttage geben könnte? Den winterharten Chrysanthemen und Herbstastern kann es egal sein, den üppigen Dahlien schon weniger, und für den zartbesaiteten Mottenkönig würde eine Fehlentscheidung das sofortige Todesurteil bedeuten. Das hat er mir im vergangenen Herbst eindrucksvoll bewiesen.

Blumen im alten Jahr verweht, lasse das neue reicher dir blühen!
Doch hoffst du, Freund, auf ein üppiges Beet,
so musst du auch selbst dich im Garten bemühen.
Wolrad Eigenbrod

Die bunten Sommerblumen dagegen können sorglos den letzen Sonnenstrahl genießen, als Henkersmahlzeit sozusagen. Ihr kurzes Leben ist ohnehin vorbei. Sie leben höchstens in ihren Nachkommen weiter, wenn sie zu der robusten Kategorie von Mutterkraut und Akelei, Ringelblumen und Kapuzinerkresse gehören, die sich ungefragt aussamen.

Christine Lässig

Christine Lässig

»Pflanzen hat seine Zeit und Gepflanztes ausreißen hat seine Zeit«, sagt der lebenserfahrene und altersweise Prediger in der Bibel. Im Nachhinein weiß man es genau, wann jeweils der beste Zeitpunkt gewesen ist und welcher der absolut falsche war. Man muss nur zusammenrechnen, wie viele Pflanzen im Frühjahr nachgepflanzt werden mussten und welche vor der Zeit abgestorben sind. Freilich denkt der Prediger wohl weniger an Eisheilige und Schafskälte noch das Einräumen der Kübelpflanzen im Herbst. Seine abgeklärte Sicht der Dinge hat das ganze Leben, ja das ganze Zeitalter im Blick. Alles hat seine Zeit: geboren werden und sterben, weinen und lachen, sich umarmen und aus der Umarmung lösen, zerreißen und zusammennähen, schweigen und reden, Krieg und Frieden – um nur einige der angeführten Gegensatzpaare des Predigers zu zitieren. Allerdings begreift der Mensch selten und erst im Rückblick, was von beidem gerade dran war.

Allgemeingültig und umfassend gedacht, lässt diese Bibelstelle mein kleines Problem beim Aus- und Einräumen von Pflanzen ziemlich nebensächlich aussehen. Es geht hier schließlich nicht um Leben und Tod – oder höchstens den von Pelargonien und Weihnachtskakteen. Des eingedenk muss ich freilich zugeben, dass Gärtnern für mich zu den Nebensachen gehören, auf die ich sehr ungern verzichten würde.

Christine Lässig

»Wer singt, der sorgt nicht viel«

7. November 2012 von Gemeinsame Redaktion  
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Geschichte: Martin Luther, die Musik und sein Verhältnis zur bildenden Kunst

Martin Luther liebte die Musik. Er war ein begnadeter Sänger, textete und komponierte. Das kam der Kirchenmusik zugute.

Obgleich wir vorrangig durch den Maler Lukas Cranach d. Ä. wissen, wie Luther aussah – er malte über 30 Porträts von ihm – war für Luther die bildende Kunst nicht von Bedeutung. In Gemälden sah er nur dann einen Sinn, wenn sie eine didaktische Botschaft vermittelten. Die fulminanten Bauwerke vergangener und gegenwärtiger Zeiten nötigten ihm keine Bewunderung ab. Vermutlich nahm er während seines Romaufenthalts auch keine Notiz von Michelangelo oder Raffael, die zu jener Zeit gerade in Rom arbeiteten, der eine an den Deckenfresken in der Sixtina, der andere in den Privatgemächern des Papstes. Von allen Künsten stand ihm allein die Musik nahe: »Denn die Musik ist eine Gabe und ein Geschenk Gottes, nicht ein Menschengeschenk. So vertreibt sie auch den Teufel und macht die Leute fröhlich; man vergisst dabei allen Zorn, Unkeuschheit, Hoffart und andere Laster. Ich gebe nach der Theologie der Musik die nächste Stelle und die höchste Ehre.« Insbesondere die Sangeskunst war ihm ein Herzensbedürfnis. »Singen ist eine feine edle Kunst und Übung (…) Singen hat nichts mit der Welt zu tun (…) Wer singt, der sorgt nicht viel. Er schlägt alle Sorgen aus und ist guter Dinge.« Luther war ein begnadeter Sänger, was ihm in seinem Amte sehr zugute kam, denn ohne robuste Kehle, meinte er, tauge der beste Priester nichts. Doch auch jeder in der Kirche dürfe mitsingen und Gott so selber loben, anstatt ihn loben zu lassen.

Die Laute allezeit griffbereit

Zum musikalischen Begleiter Luthers avancierte die Laute. Sie war zu seiner Zeit das gebräuchlichste Hausinstrument mit eigener Griffschrift und Tabulatur. Mit ihr begleitete man Einzelgesang und Ensemblestücke, für sie wurden Instrumentalstücke geschrieben. Mit Vorliebe textete und komponierte Luther selbst; seine Maxime dabei war: »Es müssen beide, Text und Noten, Akzent, Weise und Gebärde aus rechter Muttersprache und Stimme kommen, sonst ist alles ein Nachahmen, wie die Affen tun« (Wider die himmlischen Propheten, 1525). 1523 verfasste er seine ersten deutschen Kirchengesänge, 1524 gab der Torgauer Kantor Johann Walter in Luthers Auftrag das »Geistliche Gesangbüchlein« heraus, das auch 24 Lieder Luthers enthielt. Zur »Marseillaisehymne der Reformation« (Heine) aber wurde »Ein feste Burg« (1529). Die Liebe zur Musik machte es Luther sogar leicht, die Grenzen der Konfession zu überschreiten. So war er Ludwig Senfl, dem Kammerkomponisten am Hofe Kaiser Maximilians I., durch die Liebe zur Musik verbunden, »mit der ich Dich von meinem Gott geschmückt und begabt sehe (…) Selbst Deine bayrischen Herzöge, die mir in höchstem Maße ungnädig sind, lobe ich durchaus und ehre sie dennoch vor andern, weil sie die Musik so fördern und ehren«.

Dass Luther bei einer solchen Begeisterung für die Musik auch auf die musikalische Ausbildung seiner Kinder achtete, versteht sich von selbst. So bat er darum, dass sich Johann Walther seines Sohnes Johannes in der Musik annehmen möge. »Denn ich bringe zwar Theologen hervor, würde aber ebenso gerne auch Grammatiker und Musiker hervorbringen.« Walther gründete in Torgau die erste Kantorei Deutschlands, später die kurfürstliche Hofkantorei in Dresden.

Diese kolorierte Radierung entstand um 1825. Der Künstler Peter Carl Geißler (1802–1872) stellte sich so die Familie Martin Luthers bei der Hausmusik vor. Fotos: Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt

Diese kolorierte Radierung entstand um 1825. Der Künstler Peter Carl Geißler (1802–1872) stellte sich so die Familie Martin Luthers bei der Hausmusik vor. Fotos: Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt

Im Gegensatz zu seinem Schützling Luther war der sächsische Kurfürst Friedrich der Weise nicht nur der Musik zugetan. Er förderte Albrecht Dürer und Lukas Cranach und holte ausländische Maler nach Wittenberg. So besaß die Wittenberger Stiftskirche neunzehn Altäre von Dürer, Cranach, von Niederländern, Italienern und Franzosen; alle fielen dem durch Karlstadt eingeleiteten Bildersturm zum Opfer. Für die Breitenwirkung der Reformation erwies sich Cranach als Glücksfall. Seiner »Bildpropaganda« wird eine fast ähnlich große Bedeutung zugeschrieben wie dem Buchdruck. Darin stand ihm allerdings Dürer, der »mathematischste Kopf« unter den Künstlern seiner Zeit, nicht nach. Er entwickelte den Holzschnitt von der reinen Buchillustration zum aussagefähigen Bildprogramm und erhob ihn damit zum Kunstwerk. Dürer war bekennender Anhänger Luthers und der Reformation. Anfang 1520 schrieb er an Spalatin, den Kaplan Friedrichs des Weisen, dass er »ihm den löblichen Doktor Martin Luther befohlen sein lasse, von christlicher Wahrheit wegen, daran uns mehr liegt, denn an allem Reichtum und Gewalt dieser Welt (…) Und helf mir Gott, dass ich zu Doktor Martin Luther komme, so will ich ihn mit Fleiß konterfeien und in Kupfer stechen zu einem langen Gedächtnis des christlichen Manns, der mir aus großen Ängsten geholfen hat«. Zu einem persönlichen Treffen kam es jedoch nicht. Den Auftrag für die Luther-Bilder erhielt Cranach. Aber in Dürers Reisetagebuch, das er von Juli 1520 bis Juli 1521 zwischen Nürnberg – Antwerpen – Köln führte, lesen wir zum Oktober 1520: »Ich hab kauft ein Traktat Luthers um 5 Weiß-Pfennig.« Als Luthers Schicksal nach dem Wormser Reichstag offen ist, finden sich in Dürers Notizen leidenschaftliche Gebete für ihn und für die Einheit der Christen. Zur Sicherheit kaufte Dürer aber auch noch einen Rosenkranz, man konnte ja nie wissen …

Sylvia Weigelt

»Wer kann, verlässt das Land«

5. November 2012 von Gemeinsame Redaktion  
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Serbien: Arbeitslosigkeit, Drogensucht, benachteiligte Roma-Familien – wie Christen in Serbien helfen

Nach Bürgerkriegen und NATO-Intervention ist es ­ruhig um Serbien und seine sozialen Probleme geworden. Eine ökumenische ­Initiative kümmert sich um benachteiligte Menschen in der Vojvodina-Region.

Es sind für westliche Augen ungewohnte Bilder, in einer Roma Siedlung am Rande von Novi Sad in der serbischen autonomen Provinz Vojvodina: Stolz präsentieren die Bewohner ihren offiziellen Stromanschluss mit Zählerkasten für drei Familien. Welche elektrischen Geräte wann genutzt werden, bedarf der Absprache. Der Fernseher braucht wenig Strom und kann immer laufen. Für die zwei kleinen Roma-Mädchen eine Möglichkeit der Ablenkung. Das nötige Geld für ­einen Schulbesuch fehlt ihrer Mutter. Die 28-Jährige mit ihren insgesamt vier Kindern hat vor wenigen Wochen ihren Mann bei einem Verkehrsunfall verloren.

Das angefangene Steinhaus, ein Raum mit Küche und Badezimmer, soll mit Unterstützung der Verwandten und der Ökumenischen Hilfsorganisation (EHO) fertig gebaut werden. Noch stehen nur wacklige Ziegelmauern. Balken für die Dachkonstruktion fehlen. Dennoch hofft die junge Mutter, vor dem Winter das eigenes Haus beziehen zu können. Bis dahin wird sie für ihre Kinder weiter auf dem eisernen Küchenherd im Freien kochen müssen.

Unabhängig durch eine Presse für den Plastikmüll

Eine weitere Roma-Familie mit 14 Personen: Es sind Rückkehrer – oder besser Abgeschobene – aus Deutschland. Mit dem Willen, sich selbst zu finanzieren, investierte die Familie in eine elektrische Presse für den gesammelten Plastikmüll. Bei der Anschubfinanzierung half auch hier die EHO. Für ein Kilogramm Kunststoffflaschen gibt es 15 Dinar, gepresst verdoppelt sich die Summe auf 30 Dinar – was ca. 30 Cent entspricht. Viel Geld ist das nicht, aber die Familie kann unabhängig davon leben.

Die Arbeit mit Roma ist nur ein Schwerpunkt des während es Balkankrieges in Novi Sad gegründeten Hilfswerkes. Ging es während des Krieges vor allem um die notwendige Soforthilfe, gibt es heute langfristige humanitäre Projekte. Beispielsweise für Alte, Behinderte, Straßenkinder oder Aids-Kranke. Ein weiterer EHO-Schwerpunkt ist eine politische und ökumenische Lobbyarbeit für eine ­gerechtere Gesellschaft, für ein friedliches Miteinander der verschiedenen ethnischen und religiösen Gruppen in Serbien. In der Vielvölkerregion Vojvodina ist die EHO eine der größten Nichtregierungsorganisationen dieser Art.

Noch gibt es in Serbien keine funktionierende Solidargesellschaft. Der Staat, auch wenn er politisch wollte, ist arm. Nur 30 Prozent der finanziellen Mittel erhält die EHO aus nationalen Quellen. Auch von den sie tragenden Kirchen ist keine angemessene Dauerunterstützung zu erwarten. Und die Not im Land ist immer noch groß.

Hoffnung auf ökumenische Hilfe: Eine verwitwete Romamutter mit ihren Kindern hofft, dass bis zum Winter ihr kleines ­Häuschen fertiggestellt werden kann. Foto: Annemarie Müller

Hoffnung auf ökumenische Hilfe: Eine verwitwete Romamutter mit ihren Kindern hofft, dass bis zum Winter ihr kleines ­Häuschen fertiggestellt werden kann. Foto: Annemarie Müller

1999 wurde auch Novi Sad bombardiert. Die zerstörten Brücken sind wieder intakt, das Leben in der Stadt pulsiert, die Straßencafés sind gut besucht. Über den Krieg und seine Folgen redet man nicht mehr. »Das Leben geht weiter.« Viele Menschen sind müde und hoffnungslos geworden, müssen sich mit einem brutalen Kapitalismus auseinandersetzen. Die Arbeitslosenrate beträgt etwa 28 Prozent. Und wer Geld verdient, kann mit den durchschnittlichen 250 bis 350 Euro kaum überleben. Die Renten ­liegen bei etwa 250 Euro. Oft werden davon noch die arbeitslosen Kinder durchgefüttert. Zunehmender Drogenkonsum zeigt, wie schwer der Alltag gerade für Jugendliche ist.

»Wer kann, verlässt das Land«, berichtet Vater Branko in Cenej. Er leitet ein serbisch-orthodoxes Projekt für Suchtkranke. 23 junge Männer im Alter zwischen 20 und 40 Jahren erhalten hier, weit weg von der Zivilisation, mitten zwischen Maisfeldern, Hilfe zur Überwindung ihrer Sucht. Sie kommen freiwillig. Es gibt keinen Zaun ums Gelände. Wer gehen will, kann das tun, darf aber nicht zurückkehren.

Vater Branko: Protestanten zum Vorbild genommen

Viele haben bereits erfolglose Entzugskuren mit Medikamenten hinter sich. Der Ort Cenej und die strengen Regeln sind für die jungen Männer die letzte Chance. Bis zu drei Jahren dürfen sie bleiben. Leben sie im ersten Jahr völlig von der Außenwelt isoliert, probieren sie im zweiten Jahr, sich neu ins gesellschaftliche System einzufinden. Die Gemeinschaft und der religiöse Beistand helfen dabei. »Wir wollen den Männern ein Leben mit Christus zeigen«, so Vater Branko. Es reiche nicht aus, nur zu sagen: »Nimm keine Drogen mehr!« Tägliche Bibel­lesungen und Gebete gehören deshalb wie Arbeit in der Küche, bei den Tieren oder in der Werkstatt zum Tageslauf. Für die orthodoxe Kirche ist es bisher nicht selbstverständlich, eine solche soziale Arbeit zu betreiben. »Wir haben uns da die Protestanten zum Vorbild genommen«, sagt Vater Branko in aller Offenheit.

Annemarie Müller

Annemarie Müller ist Mitarbeiterin des Ökumenischen Informationszentrums (ÖIZ) in Dresden.

Das Hilfswerk EHO in Serbien

Das Hilfswerk EHO (Ekumenska Humanitarna Organizacija) wurde 1993 ­gegründet. Getragen wird es von der Reformierten, der Lutherisch-slowakischen, der Methodistischen und der Griechisch-katholischen Kirche. Seit der Gründung pflegt das Ökumenische Informationszentrum in Dresden ­inten­siven Kontakt und unterstützt die Arbeit der EHO.

Spendenmöglichkeit: ÖIZ, Kontonummer 1617810014, BLZ: 35060190 bei der KD-Bank-LKG-Sachsen, Kennwort: Serbien

Wer ist eigentlich ein Zionist?

4. November 2012 von Gemeinsame Redaktion  
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Zionismus: Kolonialismus, Rassismus oder die legitime nationale Ambition des jüdischen Volkes?

Eine aktuelle Schrift der Evangelischen Kirche in Deutschland widmet sich dem sogenannten »christlichen Zionismus« (siehe unten). Grund genug einmal zu fragen, was der Begriff Zionismus eigentlich meint.

»Unsere Hoffnung ist verloren, es ist aus mit uns!«, war das Lebensgefühl der aus Judäa Deportierten vor mehr als zweieinhalb Jahrtausenden. Dem setzte der Prophet Hesekiel (Kapitel 37,12-13) entgegen: »Ich will eure Gräber auftun und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern herauf und bringe euch ins Land Israels. Und ihr sollt erfahren, dass ich der Herr bin, wenn ich eure Gräber öffne und euch, mein Volk, aus euren Gräbern heraufhole.«

Im 19. Jahrhundert griff Naphtali Hertz Imber, selbst Bürger der Habsburger Monarchie, diese biblischen Formulierungen für ein Gedicht auf, das er »HaTikvah«, »Die Hoffnung«, nannte: »Solange im Innern des Herzens noch jüdisches Leben rumort, auf die äußersten Enden des Ostens, nach vorne gerichtet, ein Auge nach Zion blickt, ist unsere Hoffnung nicht verloren, die Hoffnung von zwei Jahrtausenden: Ein freies Volk zu sein, in unserem eigenen Land, im Land Zion und in Jerusalem!« 2004 wurde »Die Hoffnung« offiziell zur Nationalhymne des Staates Israel erklärt.

Sehnsucht nach der Heimat: Der Maler Eduard Bendemann (1811–1889) schuf das Bild »Die trauernden Juden im Exil« in Anlehnung an Psalm 137. Es ist im Original im Kölner Wallraf-Richartz-Museum zu sehen. Repro: akg-images

Sehnsucht nach der Heimat: Der Maler Eduard Bendemann (1811–1889) schuf das Bild »Die trauernden Juden im Exil« in Anlehnung an Psalm 137. Es ist im Original im Kölner Wallraf-Richartz-Museum zu sehen. Repro: akg-images

Als gegen Ende des 19. Jahrhunderts diese jahrtausendealte jüdische Sehnsucht Gegenstand konkreter politischer Überlegungen wurde, tauchte der Begriff »Zionismus« auf: Als Zusammenfassung der praktischen Bemühungen des jüdischen Volkes, nach zweitausend Jahren Diaspora in seine Heimat, nach »Zion«, zurückzukehren. Wer dem jüdischen Volk ein Recht auf Selbstbestimmung zugesteht, die Heimkehr des Volkes Israel in das Land zwischen Mittelmeer und Jordan für rechtens hält, sie grundsätzlich bejaht und unterstützt, ist »Zionist« – sei er nun Jude, Christ, Muslim, Hindu oder auch Atheist.

Von seinen Gegnern wird dem Zionismus vorgeworfen, Landraub, Gewalt und die Vertreibung von Palästinensern zu rechtfertigen. Er wird als Kolonialismus kritisiert. 1975 verurteilte die UNO-Generalversammlung Zionismus als Rassismus. 1981 riefen 53 Länder der Afrikanischen Union in der Präambel ihrer Charta für Menschenrechte dazu auf, »Kolonialismus, Neo-Kolonialismus, Apartheid und Zionismus zu eliminieren.«

Abgesehen von einigen ultra-orthodoxen Strömungen des Judentums und dem Großteil der islamischen Welt war es vor allem die römisch-katholische Kirche, die ein theologisches Problem mit jüdischen Nationalbestrebungen hatte. Papst Pius X. ließ den Vater des säkularen Zionismus, Theodor Herzl, wissen: »Die Juden haben unseren Herrn nicht anerkannt, deshalb können wir das jüdische Volk nicht anerkennen.«

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vollzog der Vatikan eine Kehrtwende in seiner Einstellung zum jüdischen Volk und verurteilte alle christlichen Wurzeln des Antisemitismus. Dies bedeutete allerdings noch lange keine Unterstützung einer politisch real existenten Heimkehr des jüdischen Volkes in sein Land Israel. »Auch wenn wir die Juden nicht daran hindern können, nach Jerusalem zu gehen«, hatte Papst Pius X. einst Theodor Herzl erklärt, »wir werden das niemals sanktionieren.«

Doch der Zionismus hat nicht nur Gegenspieler. Es gibt vielerlei Zionisten, ganz unterschiedlicher Couleur. Während sich manche Juden lautstark als Antizionisten outen, befürworten unzählige Nichtjuden die Rückkehr des jüdischen Volkes in das Land Israel. Lange bevor Juden aktiv eine Staatsgründung vorbereiteten, waren die britische Königin Victoria, Frankreichs Napoleon Bonaparte, der tschechoslowakische Präsident Tomáš Garrigue Masaryk und der Gründer des Internationalen Roten Kreuzes, Henry Dunant, de facto Zionisten.

Dabei waren und sind es nicht nur Christen, die zionistische Meinungen äußern, sondern auch Muslime. Bereits im 19. Jahrhundert befürwortete der Schah von Persien, Naser al-Din Schah Kadschar, dass Juden sich in Palästina niederließen. Später war es der pakistanisch-amerikanische Journalist und Autor Taschbih Sajjed. Unter den muslimischen Zionisten dürfte heute der Direktor des Kulturinstituts der italienischen islamischen Gemeinde und Imam von Rom, Scheich Abdul Hadi Palazzi, der bekannteste sein. Nicht selten zitieren Israel-freundliche Muslime den Koran, wie etwa Sure 7,137: »Und wir [Allah] gaben dem Volk, das (vorher) [in Ägypten] unterdrückt war [den Israeliten], die östlichen und westlichen Gegenden des Landes [die Ostbank und die Westbank des Jordan] (d. h. das ganze Land) zum Erbe.«

Asaad Schukeiri, Vater des ersten PLO-Generalsekretärs, Achmed Schukeiri, widersprach in der Zeit des Britischen Mandats Palästina öffentlich dem palästinensischen Nationalisten und Hitler-Freund Großmufti Hadsch Amin al-Husseini, als dieser islamische Lehren nutzte, um den Zionismus anzugreifen. Emir Faisal, Sohn des Scherifen Hussein von Mekka, der sich nach dem Zerfall des Osmanischen Reichs als rechtmäßiger Herrscher der arabischen Völker verstand, sympathisierte offen mit den Vorstellungen der Zionisten. Bis zum heutigen Tag haben jüdisch-nationale Ambitionen große Freunde, nicht nur unter Muslimen in Kurdistan und Nordafrika, sondern auch in Indien. Internationale Umfragen offenbaren Indien als pro-israelischstes Land der Welt – während es gleichzeitig die größte muslimische Bevölkerung weltweit verzeichnet.

Johannes Gerloff
(Johannes Gerloff ist Journalist in Jerusalem)

Das alte und neue Ringen um das »Heil«

1. November 2012 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Glaube und Alltag

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Wie wir nach 500 Jahren Zugänge zur Reformation finden können: praktische Tipps

Wie kann das die Reformation heute jungen Menschen nahegebracht werden? Im zweiten Teil geht es um praktische Tipps und hilfreiche Bücher.

Es gibt eine Menge Möglichkeiten, junge Menschen mit den Fragen und Fakten rund um die Reformation vertraut zu machen. Wie aktuell dieses Ringen um das Richtige vor 500 Jahren noch heute ist, signalisieren sogenannte »Castingshows« wie »Deutschland sucht den Superstar«, »Starsearch«, »X-Faktor«, »Germanys Next Top Model«, »Das Supertalent«. In diesen Sendungen, die für Teenager und Kinder adaptiert werden, kommt es darauf an, von anderen positiv beurteilt zu werden. Steckt hinter der Teilnahme auch eine Heilssehnsucht, der Wunsch und das Verlangen danach, erkannt, anerkannt und angenommen zu sein und heil beziehungsweise frei von allen Schwächen zu werden?

GuA-44-2012Auch im Blick auf Gott gibt es den Wunsch, ihm imponieren zu können und ihn dabei ambivalent als gerecht und ungerecht zugleich zu erleben: Wenn Gott seiner Gerechtigkeit freien Lauf ließe, dann hätte im Licht der ­Bibel kein Mensch eine Chance. Eine Antwort auf Luthers Frage, »Wie kriege ich einen gnädigen Gott?«, lautet: Ich kann nur darauf hoffen dass Gott Gnade vor Recht gelten lässt. Durch eine solche unverdiente Zuwendung Gottes wird der glaubende Mensch von Gott selbst aus freiem Erbarmen (= gratis!) für gerecht erklärt, obwohl es der Mensch tatsächlich noch nicht ist. Zur Zeit Martin Luthers hatte »Rechtfertigung« noch nicht die Bedeutung von »Begnadigung«. Sie war vielmehr genau das Gegenteil: die Verurteilung, die Hinrichtung! Der Tod war dann das »gute Recht« und die Verschonung davon das Wunder.

Eine solche Ungerechtigkeit Gottes ist nicht einfach zu glauben oder abzunicken, sie ist vielmehr zu entdecken. Glaube bedeutet dann im doppelten Sinne des Wortes: Gott Recht geben. Basis für einen solchen Blick auf Gott ist die Bibel, deren grundlegende Bedeutung Martin Luther eindrücklich zum Ausdruck gebracht hat.

Es ist gut, wenn junge Menschen sich damit auseinandersetzen können. Besonders bewährt haben sich dabei folgende Bücher, die für junge Menschen die Reformation ansprechend zur Sprache bringen:
• »Luther und die Macht des Wortes« von Andreas Venzke besticht durch die hervorragende Erzählung, die historischen Erklärungen, den Nachschlagteil und die Zeittafel.

• Im »Netz der Falschmünzer«, einem Ratekrimi für 9- bis 12-Jährige von Renée Holler spielt Martin Luther nur eine Nebenrolle und wird dann doch als geheimnisvoller Mensch mit Weisheit und Liebe vorgestellt.

• Für Kinder ab dem Grundschulalter erzählt Frank Neumann in seinem Buch »Von Martin Luther den Kindern erzählt« sehr elementar vom Reformator. Dazu gibt es ansprechende Illustrationen von Uta Fischer.

• »Kennst du …? Martin Luther« – Mit dem Bilderbuch von Michael Landgraf werden Kindern ab dem Grundschulalter auf einfache Weise Szenen aus dem Leben des Reformators vorgestellt. Außerdem enthält das Buch Vorschläge zur kreativen Gestaltung.

• Der historische Roman »Die Luther-Verschwörung« von Christoph Born führt Jugendliche in die Welt und Herausforderungen des frühen 16. Jahrhunderts hinein. Besonders durch die kurze, klare Schilderung ­gelingt es dem Autor, Gedanken und Gefühle zu vermitteln.

• Unter dem Titel »Martin Luther. Ein Lebensweg in Wort und Bild« bietet Joachim Kummer im lesefreundlichen Layout zahlreiche feinfühlig formulierte Informationen des Autors. Der promovierte Kirchenhistoriker bereitet für junge Menschen auf, womit Martin Luther sich beschäftigt hat, wovon er geprägt wurde und wie er den Herausforderungen begegnet ist.

• Humorvoll mit historischen Zugängen hat Werner Tiki Küstenmacher
ein comic-haftes Bilderbuch rund um die Ökumene geschaffen und schildert dabei die Hintergründe für Trennungen und die Chancen des ­Gemeinsamen. »Tikis Evangelisch-Katholisch Buch« mit dem Untertitel »Zusammen sind wir unschlagbar« ist eine heitere, manchmal hintersinnige Annäherung an die Ökumene.

»Luther mal ganz anders«, lautet der Titel ­einer Publikation von Manfred Wolf. Hier versucht der Autor, ­aktuelle Ansichten, Anfragen und ­Aufregungen quasi durch die »Brille« Martin Luthers zu sehen. In einem flüssig lesbaren fiktiven Interview zeigt er, wie der Reformator manches heutzutage sehen könnte.
Reiner Andreas Neuschäfer
Der Autor ist promovierter Theologe und Pfarrer.

Hinweis: Die Bestellangaben zu den vorgestellten Büchern finden Sie auf der Internetseite »www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de« unter der Rubrik »Glaube und Alltag«.

Hier die im Beitrag genannten Bücher im Überblick:

• Venzke, Andreas: Luther und die Macht des Wortes, Illustriert von Klaus Puth, 112 Seiten, ISBN 978-3-401-06041, 8,99 Euro (Jugendbuch)

• Holler, Renée: Im Netz der Falschmünzer. Ein Ratekrimi um Martin Luther, Illustriert von Günther Jakobs, Loewe Verlag, 128 Seiten, ISBN 978-3-7855-4910-0, 7,90 Euro (Kinderbuch)

•  Neumann, Frank: Von Martin Luther den Kindern erzählt, Illustriert von Uta Fischer, Butzon & Bercker, 24 Seiten, ISBN 978-3-7666-1218-2, 5,00 Euro (Kindersachbuch)

• Landgraf, Michael: Kennst du …? Martin Luther. Ein Bilderbuch zum Selbstgestalten, Calwer Verlag, 24 Seiten, ISBN 978-3-7668-4220-6, 5,95 Euro

• Born, Christoph: Die Lutherverschwörung. Historischer Roman, Brunnen Verlag, 320 Seiten, ISBN 978-3-7655-1703-7, 14,99 Euro

•  Kummer, Joachim: Martin Luther: Ein Lebensweg in Wort und Bild. Die Freiheit ist des nächsten Diener, Hänssler Verlag, 100 Seiten, ISBN 978-3-7751-4527-5, 12,95 Euro

•  Küstenmacher, Werner Tiki: Tikis Evangelisch-Katholisch-Buch. Zusammen sind wir unschlagbar, Calwer Verlag, 32 Seiten (farbig illustriert), ISBN 978-3-7668-4104-9, 7,95 Euro

• Wolf, Manfred: Luther mal ganz anders, Evangelische Verlagsanstalt, 324 Seiten, 978-3-374-02714-9, 12,80 Euro

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