Mit Gott über Mauern springen

13. Februar 2012 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Glaube und Alltag


Was Nächstenliebe mit der eigenen Angst zu tun hat.

Schon abends kaum den nächsten Tag erwarten können, mit Freude und Elan die Aufgaben anpacken und immer guter Laune sein: Ja, das wär’s!

Jeder von uns kennt Tage, an denen es uns vor dem Aufstehen graut. Ich denke an Menschen im Bekanntenkreis: Bei Marion sind es die vielen unerledigten Dinge, die sich wie ein unüberwindlicher Berg vor ihr auftürmen.

Selbst- und Gottvertrauen: Wenn Gott für mich ist, wer kann gegen mich sein?

Selbst- und Gottvertrauen: Wenn Gott für mich ist, wer kann gegen mich sein?

Bei Peter ist es ein Termin beim Chef, der vielleicht die Kündigung ­bedeutet; gehen doch seit Tagen Gerüchte um, dass die Belegschaft seiner Firma verkleinert werden soll. Manfred ist bereits arbeitslos und erhält auf alle seine Bewerbungen seit ­Monaten nur eine Absage nach der anderen.

Das Beschwerliche überwinden – Die erste Bedingung für die Selbstmotivation heißt: »Überwinde, was dich demotivieren will!« Für Marion wäre es gut, zu wissen, dass die angestauten Arbeiten nicht immer so groß sind, wie sie scheinen. Psychologen haben herausgefunden, dass sich dieser Eindruck durch das wiederholte Aufschieben entwickelt. Unerledigte Aufgaben sind einfach demotivierend an sich. Motivierend wirk, wenn ich die Aufgaben einzeln sehe, sie ordne und gewichte.

Peter hat dagegen seine Situation nicht mehr allein in der Hand. Die ­Befürchtung, dass sein Arbeitsplatz bedroht ist, ist keineswegs übertrieben. Er wäre gut beraten, einmal zu prüfen, wie sehr er seinen Selbstwert mit seiner Arbeit verknüpft. Je mehr er sich über seine berufliche Position definiert, umso mehr Angst wird ihn umtreiben. Er würde sich weniger ohnmächtig fühlen, wenn er sich eine Strategie für den Fall des Falles überlegt hätte. Das letzte Wort ist ja noch nicht gesprochen.

Als Christ würde ich Peter gerne davon überzeugen, dass sein Selbstwert nicht von Menschen abhängt, sondern von Gott: Wir sind geliebt, gewollt und begabt. Das kann uns niemand nehmen.

Sich selbst bejahen, auf die eigenen Stärken besinnen und positiv über sich selbst denken. Eigentlich geht es darum, ein Gebot Gottes ernst zu nehmen: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Habe ich gelernt, mir Gutes zu gönnen und mich für das Erreichen eines Zieles zu belohnen?

Für Manfred ist es vielleicht nicht leicht, alle diese Ratschläge zu beherzigen. Selbstmotivation hat ihre Grenzen und zwar dort, wo unsere menschlichen Möglichkeiten aufhören. Wer in aussichtslosen Situationen steckt, sollte darauf achten, sich nicht aufzugeben.
Warum? Weil nicht immer aussichtslos ist, was aussichtslos scheint.

Es gibt in der Bibel die Geschichte von David und Goliat. Die Heere der Israeliten und der Philister standen sich 40 Tage lang gegenüber. Goliat, ein riesenhafter Hüne der Philister, forderte die Israeliten zweimal täglich unter Hohn und Spott zum Zweikampf heraus. Er wollte den Krieg auf diesem Weg entscheiden. Keiner der Israeliten traute sich, bis David kam. David war noch ein Junge, zu schwach, um auch nur eine Rüstung zu tragen. Aber David stellte sich dem Riesen entgegen, weil Gott ihm half, eine andere Perspektive einzunehmen.

Was wäre, wenn wir sicher wären, dass die Umstände von jemandem kontrolliert werden, der das Beste für uns im Blick hat? Ich selbst habe es mir zur Gewohnheit gemacht, vor schwierigen Gesprächen zu beten und im Geiste zwei Bibelworte für mich in Anspruch zu nehmen: Wenn Gott für mich ist, wer kann dann gegen mich sein? » (vgl. Römer 8, 31) und »Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen!« (Psalm 18, Vers 30) Diese Zusagen Gottes haben mich noch jedes Mal besonders widerstandsfähig gemacht.

Iris Bollerhoff

Bookmark and Share
mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de ist ein Angebot der Kirchenzeitungen GLAUBE UND HEIMAT (Weimar/Magdeburg) und DER SONNTAG (Leipzig)

Reaktionen unserer Leser

1 Lesermeinung zu “Mit Gott über Mauern springen”
  1. Ja, der Schwache spreche: Ich bin stark! (Joel 4,10)
    Aber Achtung: Alles, was Ihr erbittet im Gebet – SO WIE IHR GLAUBT – werdet Ihr´s empfangen! (Mt 21,22)
    Emile Coué (1857-1926) der sich nicht für DEN Glauben sondern für DAS Glauben zuständig sah, zeigte, wie inkonsequent wir meist GLAUBEN, wenn wir etwas WOLLEN. Wenn da ein Balken auf dem Boden liegt, glaubt jeder, dass es leicht ist, über den Balken zu laufen. Liegt derselbe Balken aber in luftiger Höhe zwischen zwei Kirchtürmen, glauben nur noch wenige, dass es sich da leicht läuft.
    Warum lässt man – ganz ohne konkrete Erfahrung – in neuen Situationen seine Gedanken mit ihrer Glaubenskraft mit sich machen, was sie wollen? Warum läuft zum Beispiel ein Dachdecker da oben ganz souverän und sicher herum? Würden wir ihn fragen: “Glaubst Du nicht, dass Du runterfallen könntest?” würde er gewiss mit “Nein.” antworten. Als “Ungläubiger” bleibt er also oben, als Gläubiger an sein “Ich kann”. Wer Angst hat, glaubt “Ich kann nicht”. Wer “Ich kann nicht” glaubt, hat Angst. Da sich Angst und Glaube oder Angstfreiheit und Glaube offenbar gegenseitig bedingen, könnten wir doch alle ganz praktisch lernen, mit dem Glauben (Tunwort) neu umzugehen. Das eröffnet auch neue Möglichkeiten und Qualitäten des Glaubens (Namenwort).
    Alle Dinge sind möglich dem, der glaubt. (Mk 9,23)
    Ich grüße freundlich.
    Franz Josef Neffe

Ihre Lesermeinung zu diesem Artikel

Nutzen Sie gravatar, wenn Sie Ihr Bild mit der Meinung veröffentlichen wollen!