Brille, Buchdruck, Globus

11. November 2011 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Feuilleton

Erfindungen und Entdeckungen zur Zeit Luthers

 
Wie hilfreich eine Brille sein kann, weiß jeder, der auf sie angewiesen ist. Auch der wohl weitsichtige Luther wusste diese Erfindung zu schätzen. Aus den arabischen Anfängen des Lesesteins hatten sich zu seiner Zeit verschiedene Formen der Lesehilfe entwickelt: Neben dem Monokel gab es die Nietbrille, deren Gläser in einem Rahmen aus Eisen, Holz oder Horn zusammengenietet und vor die Augen gehalten wurde.

Dazu kam die Bügelbrille, die man mittels eines geschlitzten Lederstückes auf die Nase setzte. Bei Damen war die Mützenbrille begehrt, deren Gläser mit einer metallenen Konstruktion an der Haube bzw. Mütze befestigt waren. Wir wissen nicht, welche Art Brille Luther bevorzugte. Nicht immer entsprach die ihm zur Verfügung stehende Brille jedoch seinen Anforderungen. So beschwerte er sich einmal bei seiner Frau: »Sage Meister Christianus, dass ich mein Tage schändlichere Brillen nicht gesehen habe, denn die mit seinem Briefe kommen. Ich kund nicht ein Stich dadurch sehen.«

Dass es für die Brille überhaupt einen so großen Bedarf gab, hatte mit einer anderen Erfindung zu tun, dem Buchdruck mit beweglichen Lettern, wie ihn Johann Gutenberg um 1445 in Mainz präsentierte. Das neue Verfahren ersetzte den aufwendigen Holzdruck, es leitete den Siegeszug des geschriebenen Wortes ein. Ohne diese Erfindung wäre eine Breitenwirkung, wie sie Luthers Schriften und das reformatorische Gedankengut entfalteten, kaum möglich gewesen.

In Wittenberg entstand eine ganze Druckindustrie, die Drucker-Verleger wurden reich, während Luther kein Honorar bekam. Doch die nun jedermann zugänglichen Schriften bahnten nicht nur neuen Denk- und Glaubensmodellen den Weg, manch einer sah damit auch die Moral gefährdet.

Stieß aber das Wort an seine Grenzen, bediente man sich anderer Mittel, um sein Ziel zu erreichen. Auch deshalb wurde das Schieß- oder Schwarzpulver, im Mittelalter »Donnerkraut« genannt, erfunden. Das war zwar hierzulande schon im 14. Jahrhundert, doch zur Lutherzeit wurde der gezogene Gewehrlauf entwickelt, in den das Pulver geladen wurde. Prompt wetterte der Reformator, die Fürsten seien Spitzbuben und Schalke, wo doch eigens für sie der gezogene Gewehrlauf erfunden worden wäre, dass sie anlegten auf ihre Untertanen.

Während Luther mit dem Gewehrlauf wohl kaum direkte Bekanntschaft machte, war ihm die Uhr ein unabding­barer Gebrauchsgegenstand geworden. Nutzte er eine mechanische Standuhr, die es seit dem 13. Jahrhundert gab oder besaß er schon eine der um 1510 von Peter Henlein in Nürnberg entwickelten Taschenuhren (nicht zu verwechseln mit dem »Nürnberger Ei«), die freilich ganz andere Ausmaße hatte als heute. Wir wissen es nicht genau.

Auf der Kanzel jedoch wusste er die Vorteile der altgedienten Sanduhr zu schätzen, die ihm stets 40 Minuten anzeigte. Denn so lange, und keine Minute länger, sollte nach Luthers Meinung ein Vortrag dauern, wollte er die Hörer erreichen.

Martin Luther wird vermutlich weder einen Globus noch eine Weltkarte gesehen haben. Für ihn war die Erde flach und eine Scheibe, ihr Zentrum war Rom oder Jerusalem - das hatte er gelernt, und davon wich er auch nicht ab. Foto: Wikipedia

Martin Luther wird vermutlich weder einen Globus noch eine Weltkarte gesehen haben. Für ihn war die Erde flach und eine Scheibe, ihr Zentrum war Rom oder Jerusalem - das hatte er gelernt, und davon wich er auch nicht ab. Foto: Wikipedia


 
Aus Nürnberg, dem »Auge und Ohr« Deutschlands, wie es Luther nannte, kam auch Martin Behaim, der 1491 den ersten Globus, den Erdapfel, baute, noch ehe Columbus Amerika entdeckte. Bereits 1507 erschien die Neue Welt, der deutsche Geographen versehentlich den Namen »America« gaben, auf der Weltkarte von Martin Waldseemüller. Luther wird vermutlich weder einen Globus noch eine Weltkarte gesehen haben. Für ihn war die Erde flach und eine Scheibe, ihr Zentrum war Rom oder Jerusalem – das hatte er gelernt, und davon wich er auch nicht ab. Ob die Kunde von den großen Entdeckungen, die das Weltbild so entschieden veränderten, überhaupt bis zu ihm gelangte, weiß man nicht.

Sylvia Weigelt

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