Sein Wirken ist polyfon

17. April 2011 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de  
Abgelegt unter Kultur

Zum 65. Geburtstag des Leipziger Prof. Martin Petzoldt.

Im Klang der Wirklichkeit – Musik und Theologie.« So lautet der Titel der Festschrift, die zu Ehren von Prof. Martin Petzoldt anlässlich seines 65. Geburtstages am 13. April 2011 erschienen ist. Martin Petzoldt ist Professor für Systematische Theologie und Ethik an der Evangelisch-Theo­logischen Fakultät der Universität Leipzig.

Martin Petzoldt beschäftigt sich ­vorrangig mit der theologischen Bachforschung. Foto: privat

Martin Petzoldt beschäftigt sich ­vorrangig mit der theologischen Bachforschung. Foto: privat

Für die in verschiedene akademische Disziplinen aufgeteilte Welt der Universität, ist es eine Besonderheit, zwei so unterschiedliche und anspruchsvolle Gebiete wie Musik und Theologie miteinander zu vereinen. »Interdisziplinarität«, heißt das Zauberwort und ist der »neuste Schrei« im universitären Alltag. Umso bemerkenswerter ist, dass dieses scheinbare »Novum« schon lange Zeit als spezifische Kontur des akademischen Profils Martin Petzoldts vorhanden ist. Eines seiner vorrangigen Beschäftigungs­felder ist die theologische Bachforschung. Er lehrt seit 1986 an der Universität Leipzig. Seine musikalische Bildung begann als Schüler an der Kreuzschule Dresden und als Mitglied des Dresdner Kreuzchores.

Aktuell arbeitet Petzoldt an der Vollendung seines vielleicht ehrgeizigsten Projekts – der Kommentierung des gesamten geistlichen Vokalwerkes Johann Sebastian Bachs. Zwei umfangreiche Bände »Bach-Kommentar. Die geistlichen Kantaten.« sind bereits erschienen – der dritte Band ist in Arbeit.

Petzoldt lehrt, forscht und publiziert außerdem zu Themen evangelischer Dogmatik und Ethik sowie zu Fragen kirchlicher Praxis. Flankiert und ergänzt werden diese Arbeiten durch zeittypische, lokal- und regionalspezifische Studien. Kürzlich ist ein kleines, wunderbar farbenfrohes Bändchen zu den Fenstern der Thomaskirche Leipzig, unter dem Titel »Leuchtende Erinnerung« erschienen. Martin Petzoldts Wirken ist im wahrsten Sinne des Wortes polyfon.

Er hat ein enges Verhältnis zu den praktischen Wirklichkeiten der Forschungsfelder, mit denen er sich beschäftigt. Als er von 1998 bis 2009 das Amt des Ersten Universitätspredigers innehatte, war er auf diese Weise auch mit dem praktischen Vollzug gottesdienstlichen Lebens in Form der Universitätsgottesdienste betraut – einer Institution, mit der die Universität Leipzig seit ihrer Gründung 1409 regelmäßig an jedem Sonntag und an Feiertagen Gottesdienst feiert. Selbst die Sprengung der alten Universitätskirche St. Pauli konnte dieser Institution nicht den Garaus machen. So ist es umso erfreulicher, dass gegenwärtig die Arbeiten am Neubau der Universitätskirche St. Pauli, die gleichzeitig die Aula des neuen Universitäts­campus sein wird, auf Hochtouren laufen. Als Vorsitzender des Verwaltungsrates des Diakonischen Werks der Inneren Mission Leipzig e.V., ein Amt, das er seit 1991 innehat, weiß er auch um die Herausforderungen kirchlich-diakonischer Arbeit, die sich in einer modernen und globalisierten Welt nicht zuletzt als ökonomische, das Management betreffende Aufgabe stellen.

Petzoldt ist Mitherausgeber der »Theologischen Literaturzeitung (ThLZ)«, der ältesten und umfangreichsten Rezensionszeitschrift für Theologie und Religionswissenschaft. Sie deckt das gesamte Spektrum theologisch-wissenschaftlicher Veröffentlichung ab.

Für die theologische Fakultät der Universität Leipzig und für die ­evangelisch-lutherische Landeskirche Sachsens bildet das Wirken Martin Petzoldts eine große Bereicherung. Der spezifische und in der Landschaft der deutschen theologischen Fakultäten einzigartige Forschungsbereich Martin Petzoldts bildet ein besonderes Herausstellungsmerkmal Leipzigs.

Markus Franz

Der Autor ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Systematische Theologie/Ethik an der Universität Leipzig.

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Reaktionen unserer Leser

1 Lesermeinung zu “Sein Wirken ist polyfon”
  1. Frank Poschau sagt:

    Für Ihre Leser
    Frank Poschau
    Zum Barnahe 2a
    24634 Padenstedt

    Niedergang
    Aus dem Grabe, halb verfault,
    entstieg ein neuer Geist.
    Mein Fuß trat sie um, die Ruinen,
    rate wie ich heiß.

    Wurde geschunden, so ich die Masse bin,
    oft missbraucht.
    Die Schinder sehen aus wie ich,
    sie sind schuld an dem Ruinen Rauch.

    Heines Worte, leerer Bauch,
    so erhob ich mich.
    Sie schlachten nur noch halb,
    nennen es Demokratie und schlachten doch Dich.

    Sechzig Jahre habe ich mich mästen lassen,
    gegen jeder Vernunft.
    Alle Errungenschaften die ich errang,
    versinken im Politiker Sumpf.

    Moral erlag der Gier,
    so ließ ich mich verwalten.
    Wiedervereinigung ließ mich größer erscheinen,
    wo der Kopf, den hat das Kapital, die warten mit dem Alten.

    So schau ich wieder in die Grube,
    und sinke so tief.
    Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit,
    waren die Geister die ich rief.

    Geister wollen bewacht sein,
    für das Kapital sind es Gespenster.
    Du bist ein Teil von mir,
    erhebst du dich, bist du der Kopf, wir folgen Dir.

    F.Poschau
    24.02.10

    e-poschau@versanet.de

    Der Mensch,

    vom Kriechen sein Vorteil sah,
    erhoben für den Überblick,
    die nichterreichten Früchte nah,
    sank er immer wieder auf die Knie zurück.

    Den Stand gesichert, Feuer für sich erkannt,
    Ast zur Waffe gespitzt,
    meine Früchte,… zum Führer ernannt,
    in all und jedem sein Zeichen geritzt.

    Er lernte schnell,… lernte für sich,
    was nicht passte, passend gemacht,
    wie man Verträge bricht,
    ihn in den ewigen Streit gebracht.

    Er sprach viel, Moral, Ethik, dagegen,
    später Umwelt, doch nur für sich,
    saugend des Saugens wegen,
    kam er aus dem Gleichgewicht.

    Wäre er kriechend geblieben,
    sich genährt der Nahrung wegen,
    hätte er sich nicht selbst vertrieben,
    von meinem Rücken, für mich ein Segen.

    Er nannte sich Mensch.

    Frank Poschau
    26.08.11

    Hochzeitslied
    Es ist die Liebe,
    die Sehnsucht nach Wärme,
    die uns auf ewig bindet.
    Du bist von mir auserwählt,
    mit mir Leben zu teilen,
    ein Leben wo Vertrauen sich findet.

    Die Ehe ist der Weg
    die junge Liebe zu erhalten,
    die Seele das Notizbuch unseres Seins.
    Lass uns gemeinsam das Buch beschreiben,
    gemeinsam radieren,
    so bin ich auf ewig Deins.

    Wenn wir morgens erwachen,
    soll ein Lächeln uns begrüßen.
    Wenn das Tagwerk uns trennt,
    nie ohne einen Kuss, auf baldiges Wiedersehen.
    Wenn wir abends zum Schlafen uns legen,
    uns umarmen, was man Liebe nennt.

    Heute beschwören wir vor Gott,
    Mutter und Vater uns ewig zu halten.
    Aus tiefstem Herzen sage ich ja,
    ja zu der Liebe, die Du mir gibst,
    zu der Sehnsucht nach mehr,
    so bin ich immer für Dich da.

    So werden diese Worte gerahmt,
    aufgehängt, gutsichtbar und oft zitiert.
    Sollte eine Wolke drohend unserer Liebe kalt,
    wir uns des Dichters erinnern,
    unserem Schwur,
    es war die Sehnsucht nach Wärme, es war der Halt.

    Frank Poschau
    15.07.11