Wer wird der Nächste sein?

11. März 2011 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de  
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Christen und Menschenrechtsaktivisten in Pakistan trauern um den ermordeten Minderheitenminister Shahbaz Bhatti – er galt als Symbol der religiösen Toleranz. (Foto: picture alliance/dpa/T. Mughal)

Christen und Menschenrechtsaktivisten in Pakistan trauern um den ermordeten Minderheitenminister Shahbaz Bhatti – er galt als Symbol der religiösen Toleranz. (Foto: picture alliance/dpa/T. Mughal)




Pakistan:
Der christliche Minister Shahbaz Bhatti trat für religiöse Toleranz ein – und wurde ermordet.

In Pakistan hat eine Hetzjagd gegen Minderheiten ­begonnen. Das Klima der ­Intoleranz und des ­Fanatismus kostete jetzt den Minister für religiöse ­Minderheiten das Leben.

Er sei der Nächste auf der Todesliste, hatte Shahbaz Bhatti vor Wochen erklärt. Am Mittwochmorgen der vergangenen Woche ­erschossen ihn bewaffnete Männer kaltblütig auf offener Straße in der Hauptstadt Islamabad. Zu dem Mord bekannten sich die pakistanischen ­Taliban.

Bhatti, ein Katholik, war der einzige Christ im Kabinett. Er hatte sich vehement für die Abschaffung des umstrittenen Blasphemie-Gesetzes ausgesprochen, das die Todesstrafe nach sich ziehen kann. Dies wurde Bhatti nun offenbar zum Verhängnis. Von einer Fatwa, einem islamischen Todesurteil, hatte sich der 42-Jährige nicht abhalten lassen.

»Wir müssen gegen diese terroristischen Kräfte kämpfen, weil sie das Land terrorisieren«, sagte Bhatti Mitte Januar. Die Fatwa islamischer Geistlicher rief Muslime dazu auf, den Politiker zu köpfen. Erst Anfang Januar war ein anderer prominenter Politiker und Gegner des Blasphemie-Gesetzes getötet worden: Gouverneur Salman ­Taseer starb durch Schüsse, die sein Leibwächter auf ihn abgab.

Minister Bhatti ahnte sofort, dass er das nächste Opfer werden könnte: »Ich kann den Sicherheitsmaßnahmen nicht vertrauen«, erklärte er. »Ich glaube, dass Schutz nur vom Himmel kommen kann, solche Bodyguards können dich nicht retten.«

In Pakistan häufen sich zurzeit Verurteilungen und Festnahmen wegen Gotteslästerung. Im November 2010 war die 45-jährige Christin Asia Bibi wegen Blasphemie-Verdachts zum Tod am Galgen verurteilt worden. Bhatti hatte sich ebenso wie Taseer für eine Begnadigung der fünffachen Mutter eingesetzt.

Nun sind beide Politiker tot.

Ist ein Mord am helllichten Tage schon schockierend, machte vielen Pakistanern die Reaktion darauf noch mehr Angst. Zehntausende Menschen gingen nach dem Tod von Taseer auf die Straße, um den Mörder zu feiern, mit Blumengirlanden zu behängen und gegen eine Revision des Gesetzes zu demonstrieren.

Die Regierung gab daraufhin bekannt, es werde keine Änderungen am Blasphemie-Gesetz geben. Menschenrechtsgruppen fordern schon seit langem seine Abschaffung, weil es oft dazu genutzt wird, persönliche Streitigkeiten auszutragen. Meist reicht ein bloßer Verdacht der Gotteslästerung aus, um jemanden monatelang ins Gefängnis zu werfen.

Der Tod von Taseer und Bhatti ist für viele Landeskenner Teil einer besorgniserregenden Entwicklung in Pakistan. Inzwischen müssen nicht nur Angehörige religiöser Minderheiten und couragierte Politiker um ihr Leben bangen. Nachdem Ende Februar ein Amerikaner in der ostpakistanischen Stadt Lahore zwei Pakistaner unter mysteriösen Umständen erschossen hatte, wird auch das Klima für Ausländer rauer.

Der britische Journalist George Ful­ton, der Talkshows und Dokumentar-Serien im pakistanischen Fernsehen moderierte, verließ nach neun Jahren das Land. In einem berührenden Abschiedsbrief in der Zeitung »Express Tribune« schrieb er: »Pakistan, du stehst am Abgrund. Eine hauchdünne Wand trennt dich von ­einem gescheiterten Staat.« Und mit Blick auf Angriffe auf Christen, aber auch auf schiitische Muslime und die als Sektierer betrachteten Ahmadiyyas fragt er: »Wer wird der Nächste sein?«

Agnes Tandler (epd)

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  1. [...] hierzulande. Doch in anderen Teilen der Welt sieht es leider ganz anders aus. Das hat zuletzt der Mordanschlag auf den pakistanischen Minister für religiöse Minderheiten, Shabhaz Bhatti, drastisch vor Augen [...]