Wir Christen sind zwar fröhlich, wir zeigen’s nur nicht so

29. Oktober 2010 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Im Blickpunkt

Reformationsgedenken: Mit Gottes Wort, Luthers Lehr’ und Kirchenclowns – Plädoyer für mehr Humor und Lachen in der Kirche
 
Humor und Lachen gehören weithin nicht zu den Markenzeichen der Christenheit. ­Dabei stände ihr das »Lachen der Erlösten« gut zu Gesicht.
 

Clown-1»Das Bein, das sich zum Tanze dreht, das wird im Himmel abgesägt!« – Nein, Lebensfreude, Humor oder gar Lachen hatten schon immer einen schweren Stand in der Kirche. Besonders in der der Reformation, die auch gern als »Kirche des Wortes« bezeichnet wird. Und des Ernstes, möchte man angesichts solcher Sprüche hinzufügen.

Auf den ersten Blick scheint die Bibel den Gegnern von Fröhlichkeit und Lachen Recht zu geben. Sucht man etwa anhand einer Konkordanz die Bibelstellen zum Thema Lachen heraus, so stellt man fest, dass es erstens gar nicht so viele sind, in denen das Wort explizit vorkommt. Zum anderen steht das Lachen oft in einem beklemmenden Zusammenhang: Als die altgewordene Sara ob der Ankündigung ihrer Schwangerschaft lacht, (1. Mose 21) wird dies als Ausdruck von Unglaube gewertet. Im Psalm 37 lacht Gott das Lachen des Siegers über den Gottlosen, frei nach dem Motto »wer zuletzt lacht, lacht am besten«. Nach dem Buch des Predigers (Kapitel 7, Vers 3) ist Trauern sowieso besser als Lachen. Und von Jesus wird kein Lachen berichtet, wohl aber, dass er weinte. Dass es durchaus humorvolle Bibelabschnitte gibt, man denke nur an manche Gleichnisreden von Jesus – etwa von Kamel und Nadelöhr – wird leicht übersehen.

Was Wunder, wenn schon in der frühen Christenheit Humor und Lachen keinen hohen Stellenwert hatten, als weltlich und sündig galten, und Theologen gegen das Lachen wetterten. Ein Paradebeispiel ist Johannes von Antiochia (349–407), ob seiner eindringlichen Predigten mit dem Beinamen Chrysostomos, zu deutsch Goldmund, versehen. Weil der Christ doch mit seinem Herrn gekreuzigt sei, dürfe er niemals lachen, sondern solle lieber weinen, predigte der Lehrer der Ostkirche. Eine Rigorosität, die laut der Legende wiederum für – allerdings unfreiwilliges – Lachen sorgte: »Wir wollen Tränen sehen!«, riefen prompt einige seiner Zuhörer. Was freilich auch dem Goldmund nicht gelang …

Allerdings ist in der Bibel ebenso von einem befreiten und befreienden Lachen zu lesen. Etwa im Psalm 126, wo vom ­Lachen der Erlösten, der aus der Gefangenschaft Befreiten die Rede ist. Die Erkenntnis Martin Luthers, dass der Mensch aus Gnade gerettet ist, recht ­verstanden, könnte also der Mund der Christen voll Jubel und Lachens sein. So jedenfalls sah es wohl auch der Wittenberger Reformator selbst. »Wo Glaube ist, da ist auch Lachen«, schreibt er seinen Nachfolgern ins Stammbuch. Denn: »Wenn Gott keinen Spaß verstünde, so möchte ich nicht im Himmel sein«, so seine Überzeugung. Und in seiner volksnah-derben Ausdrucksweise scheut er sich auch nicht, den Predigern folgenden Merkspruch mit auf den Weg zu geben: »Aus einem verzagten Arsch kommt nie ein fröhlicher Furz.«

In Luthers Reden und Schriften ist ­allerdings, insbesondere in der Auseinandersetzung mit wirklichen oder vermeintlichen Feinden, auch eine Note zu finden, die nichts mit Humor im eigentlichen Sinne zu tun hat. Gemeint ist die Ironie und der zuweilen beißende Spott. Sie sind geradezu das Gegenteil von echtem Humor. Denn Humor ist in der Lage, beiseite zu treten, um über sich selbst und die eigene Ernsthaftigkeit lachen zu können.

Der jüdische Schriftsteller Amos Oz glaubt deshalb sogar, im Humor ein »starkes Heilmittel« gegen den Fanatismus gefunden zu haben. »Ich habe niemals in meinem Leben einen Fanatiker mit Sinn für Humor gesehen, noch habe ich jemals gesehen, dass ein humorvoller Mensch zum Fanatiker geworden wäre, außer der- oder diejenige hätte ihren Sinn für Humor verloren. Fanatiker sind oft sehr sarkastisch, und einige von ihnen haben einen sehr scharfsinnigen Sarkasmus, aber keinen Humor. Humor beinhaltet die Fähigkeit, über sich selbst zu lachen«, schreibt der Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels in seinem Büchlein »Wie man Fanatiker ­kuriert«.

Genau um diesen Humor, um dieses Lachen über sich selbst, geht es auch den Kirchenclowns. Rund 30 dieser speziellen Kleinkünstler aus evangelischer wie katholischer Kirche versammelten sich am vergangen Wochenende zu ersten Mal zum Erfahrungsaustausch in Halle. »Clowns sind keine Kasper«, betonte dabei der frühere Magdeburger Bischof Axel Noack. Denn ein ­Kasper brauche das Gegenüber, auf ­dessen Kosten er Späße macht. Die Figur des Clowns dagegen nehme die Perspektive dessen ein, der selbst etwas ­erleidet, dem Missgeschicke passieren und der dennoch wieder aufsteht und ­tätig wird.

»Lachen tötet die Furcht und befreit. Es gehört unlösbar zu unserem christlichen Glauben und ist ein Ausdruck der Freude am Leben und auf das, was uns danach erwartet«, sagte der katholische Magdeburger Bischof Gernhard Feige in seiner Predigt zum ökumenischen Gottesdienst beim Hallenser Clowntreffen.

Als Clown in einer Kirche oder außerhalb überzeugend aufzutreten, setzt Begabung und ein gehöriges Maß an Professionalität voraus. Humor und Lachen auch in der Kirche Raum zu geben bedarf es dagegen oft nur einer veränderten Haltung. Und einer Besinnung auf die fundamentalen Erkenntnisse des Wittenberger Doktors, an die uns der Reformationstag erinnert.

Harald Krille

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