Unermüdlicher Einsatz für Indianer

13. Oktober 2010 von Gemeinsame Redaktion  
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Eine Kayapó-Indianerin und Bischof Erwin Kräutler bei einer Kundgebung. (Foto: epd-bild)

Eine Kayapó-Indianerin und Bischof Erwin Kräutler bei einer Kundgebung. (Foto: epd-bild)

Bischof Erwin Kräutler wurde mit dem »Alternativen Nobelpreis« ausgezeichnet.
 

Er ist ein unermüdlicher Verteidiger der Ureinwohner im Amazonasgebiet. Erwin Kräutler (71), katholischer Bischof von Xingu, gehört zu den aktiven Befreiungstheologen, die mit Wort und Tat die politische Kultur Brasiliens seit den 60er Jahren entscheidend mitgeprägt haben. Die Right-Livelihood-Stiftung in Stockholm sprach ihm als einem von vier Preisträgern den »Alternativen Nobelpreis« zu.

1939 im österreichischen Bundesland Vorarlberg geboren, folgte Kräutler 1965 seinem Onkel als Missionar nach Brasilien. Dort leitet er seit 1981 die Amazonas-Diözese Xingu. Als Vorsitzender des katholischen Indianermissionsrates CIMI steht er auf der Seite der Armen in Amazonien.

»Der Preis ist eine große Ehre für Dom Erwin«, sagte der CIMI-Vize-Vorsitzende Roberto Liebgott. In den vergangenen Jahren konzentrierte Kräutler seine Anstrengungen auf den Kampf gegen das Staudammprojekt Belo Monte am Xingu-Fluss, das große Regenwaldgebiete zerstören und Tausende Menschen vertreiben würde. »Belo Monstro«, pflegt Kräutler zu sagen: »Es ist ein pharaonisches größenwahnsinniges Todesprojekt.« Derzeit fühlt er sich durch die brasi­lianische Bischofskonferenz gestärkt. Aber er kennt auch andere Gefühle.

»Ich spüre Ohnmacht angesichts so vieler Ungerechtigkeit«, bekennt er in seinem Buch »Mein Leben ist wie der Amazonas«. Darin zeigt er sich »empört über all die Ausbeutung und Plünderung der Menschen und ihrer Mit-Welt«.

Der Begriff »Mit-Welt« ist zentral in Kräutlers Verständnis von Befreiungstheologie, die stark von der indianischen Weltsicht geprägt ist. Anders als in der Logik einer westlichen, vom rationalen Fortschrittsglauben beflügelten Entwicklungsideologie sieht er Mensch und Natur als Einheit.

Auch deswegen hat sich Kräutler zu einem wortmächtigen Gegenspieler von Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva im Amazonasgebiet entwickelt. »Im Fall Belo Monte erinnert die Arroganz der Regierungsplaner an die Zeiten der Militärdiktatur«, meint Kräutler, der in seinem Wohnort ­Altamira bereits Gastgeber mehrerer Großtreffen gegen das ökologisch und volkswirtschaftlich umstrittene Megaprojekt war.

In seiner Wahlheimat hat sich der Bischof durch sein unerschrockenes Auftreten viele Feinde gemacht. ­»Einflussreiche regionale Politiker, Großgrundbesitzer, Landspekulanten, Energieunternehmen, Holzhändler und Geschäftsleute« betrachteten ihn als Gefahr für ihre Interessen, heißt es auf seiner Website.

Kräutler, der 1987 bei einem Attentat schwer verletzt wurde, steht seit Oktober 2006 unter Polizeischutz. Zwei Jahre später setzten Unbekannte umgerechnet 367.000 Euro auf seinen Kopf aus.

»Die Auszeichnung kommt im richtigen Moment«, freut sich Kräutlers Mitstreiter Liebgott. Der »Alternative Nobelpreis« werde bestimmt die Protestbewegungen der indianischen Völker am Xingu und anderswo beflügeln.

Gerhard Dilger (epd)
 

Der »Alternative Nobelpreis«

Der »Alternative Nobelpreis« ist eine der höchsten Auszeichnungen für die ­Gestaltung einer besseren Welt. Mit der Auszeichnung werden Menschen ­geehrt, die praktikable Lösungen zu dringenden Problemen unserer Zeit ­finden und umsetzen. Der Preis wird an Personen, Organisationen und ­Repräsentanten sozialer Bewegungen vergeben, die sich mit praktischen ­Lösungen für menschwürdige Lebensweisen einsetzen. Die meisten Preisträger werden ausgezeichnet für Verdienste in den Bereichen Umwelt, Frieden, Abrüstung, Menschenrechte, Entwicklung, Kultur, Spiritualität, Bildung, ­Gesundheit, Energie und Ressourcenschonung.

1980 stiftete der Philatelist, Journalist und zeitweiliges Mitglied des Europäischen Parlaments Jakob von Uexküll den Preis. Zuvor hatte der Vorstand der Nobelstiftung seinen Vorschlag abgelehnt, einen Nobelpreis für Ökologie und Entwicklung zu vergeben, für den Uexküll die finanziellen Mittel bereitstellen wollte.

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