Musikfestival von internationalem Rang

Flanders Recorder Quartet: Die vier Belgier gehören zur Weltspitze der Flötenmusik.	Foto: Flanders Recorder Quartet

Flanders Recorder Quartet: Die vier Belgier gehören zur Weltspitze der Flötenmusik. Foto: Flanders Recorder Quartet


Im September feiert das ­Musikfest Erzgebirge ­Premiere. Es ersetzt das ­frühere ­Festival für Alte ­Musik im Erzgebirge und soll künftig aller zwei Jahre stattfinden.

Vom 3. bis 12. September wird sich das Erzgebirge in eine internationale Musiklandschaft verwandeln. Das Musikfest Erzgebirge mit zehn Konzerten an zehn unterschiedlichen Veranstaltungsorten verspricht ein außergewöhnliches Highlight zu werden. Ein Festival »mit überregionaler Ausstrahlung, bei dem die reichen musikalischen Traditionen des Erzgebirges mit den Interpretationen renommierter internationaler Künstlerinnen und Künstler eine Verbindung eingehen«, so der Intendant Hans-Christoph Rademann. Dass die Idee, im ländlichen Raum ein Musikfestival von internationalem Rang zu kreieren, nicht aus der Luft gegriffen ist, beweist die große Resonanz. Für das Konzert des Leipziger Thomanerchores am 4. September sind die Karten seit langem ausverkauft. Zu 85 Prozent ausgebucht ist das Eröffnungskonzert am 3. September in Schwarzenberg, sagt Pressesprecher Oliver Geisler. Und auch für alle anderen Veranstaltungen seien mittlerweile die Plätze rar.

Die Musik hat im Erzgebirge historische Wurzeln, bedeutende Komponisten wie Johann Hermann Schein und der Thomaskantor Johann Kuhnau sind Söhne der Region, ihre Werke stehen daher auch auf dem Programm des Festivals.

Das Musikfest will an die reiche Musiktradition des Erzgebirges anknüpfen und darüber hinaus auf die schöne Landschaft der Region aufmerksam machen. Gäste des Festivals könnten Kunstgenuss im Zusammenhang von Landschaft, Architektur und Musik erleben, versichert Rademann.

So prägen zum Beispiel die St.-Georgen-Kirche und das Schloss das Bild der Stadt Schwarzenberg und ­ihrer Umgebung. Zu dem besonderen architektonischen Ensemble kommt beim Festival ein musikalisches Highlight. Im Eröffnungskonzert in der ­Kirche wird das Collegium Vocale Gent unter der Leitung von Philippe Herreweghe die h-Moll-Messe von ­Johann Sebastian Bach aufführen. Das Collegium Vocale Gent gehört zu den bedeutendsten heutigen Bach-Interpreten und tritt im Erzgebirge mit namhaften Solisten auf.

Am 5. September erklingt in der Marienberger St.-Marien-Kirche das Requiem in C-Dur von Johann Adolf Hasse (gest. 1783). Der Dresdner Hofkapellmeister habe die Dresdner Hofmusik und Oper zu europaweitem Ruhm geführt, betont Rademann. Obwohl ein Werk des Totengedenkens – verfasst anlässlich des Todes des Kurfürsten Friedrich August II. – sei das Requiem ein prächtiger Höhepunkt des italienisch-sächsischen Glanzes am Dresdner Hof.

Wegen des Ansturms auf Karten findet das Konzert des Flander Recorder Quartets am 6. September nicht wie ursprünglich geplant im Rittersaal des Schlosses Schlettau, sondern in der Stadtkirche St. Ulrich statt. Das belgische Ensemble für barocke Blockflötenmusik hat sich durch sein virtuoses Spiel und sein breites Repertoire einen Namen gemacht. »Die Konzerte der vier Musiker aus Belgien stehen für technische Perfektion, Klangschönheit und Überraschung«, wirbt das Musikfest Erzgebirge für das Ensemble. Es »zelebriert Flötenspiel in einer anderen Dimension«.

Zu den zu ihrer Zeit hoch geachteten, heute aber vergessenen Musikern gehört Daniel Bollius (ca. 1590 bis 1642). Er gelte als derjenige, der das erste deutsche Oratorium komponiert habe, erklärt Rademann. Das vor 1626 entstandene Werk bezeichnet der Intendant als »eine Rarität ersten Grades«. Beim Musikfest Erzgebirge wird es nach einigen Jahrhunderten eine Erstaufführung erleben. Das inter­national besetzte Ensemble Chelycus wird am 7. September in der St.-Nicolai-Kirche in Grünhain das Werk Bollius’ wieder zu Ehren bringen.

Bevor am 12. September die Marienvesper von Claudio Monteverdi in der großen spätgotischen Hallenkirche St. Annen in Annaberg-Buchholz einen glanzvollen Schlusspunkt des Festivals setzt, steht zuvor noch ein ganz besonderes Ereignis auf dem Programm: das Erzgebirgische Sängerfest am 11. September in der St.-Johannes-Kirche in Lößnitz. »Hier können die Kantoreien beweisen, was in ihnen steckt.« Der Intendant verweist auf die jahrhundertealte, lebendige Tradition der Kantoreien, von denen es im Erzgebirge zahlreiche gebe. Viele Kantoreien werden in Lößnitz zu einem riesigen Chor mit einigen ­Hundert Sängerinnen und Sängern zusammenwachsen und gemeinsam musizieren. Es erklingen Stücke aus Georg Friedrich Händels berühmtem »Messias«. Zudem wurde für dieses Konzert nach den Worten des Intendanten eine »Koryphäe« engagiert, der Chefdirigent des Berliner Rundfunkchors, Simon Halsey.

Mit diesem großen Auftritt solle das Engagement und die lebendige Tradition der zahlreichen Kantoreien im Erzgebirge gewürdigt werden, so Rademann.

Sabine Kuschel
www.musikfest-erzgebirge.de

Bookmark and Share
mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de ist ein Angebot der Kirchenzeitungen GLAUBE UND HEIMAT (Weimar/Magdeburg) und DER SONNTAG (Leipzig)

Für diesen Artikel ist der Bereich für Lesermeinungen geschlossen.