Den Himmel geschenkt bekommen

24. Juni 2010 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Familie

Taufvorbereitung: Kinder machen gern mit. Foto: epd-bild

Taufvorbereitung: Kinder machen gern mit. Foto: epd-bild


Am besten ist, wenn ein Mensch am Anfang seines Lebens erfährt, dass Gott ihm ohne Wenn und Aber zugeneigt ist. Ein Plädoyer für die Kindertaufe.

Die Taufe an dem Baby war soeben vollzogen, da kam mein dreijähriger Sohn durch das Kirchenschiff nach vorne. Er stellte sich neben mich ans Taufbecken und reckte den Daumen nach, was so viel heißt wie »prima«, »gut-gemacht!« oder »schön!«. Ein Schmunzeln ging durch das Kirchenschiff. »Taufe ist schön!«, hatte ich zuvor in der Taufansprache betont, und eben nicht: Eine Taufe ist »ganz schön stressig«, wie das manche Familie erlebt. Wenn jemand getauft wird, ist das erst mal schön – für die Familie, Gemeinde und Kirche. Denn die Taufe ist ein schönes Signal. Es bedeutet, mich beschenkt jemand mit seinem Ja und ich gehöre zur Gemeinschaft der Christen. Jemand ist mir ohne Wenn und Aber zugeneigt. Allerdings ist dieses Ja Gottes zum Menschen und das Ja zur Taufe keine Selbstverständlichkeit. Es ist immer wieder in Erinnerung zu rufen.

Die Taufe ist einmalig und gilt für das ganze Leben
Die Taufe ist eine Erfindung Gottes, ein Sakrament, das er sich selbst ausgedacht hat. Sie ist eine einmalige Sache und gilt für das ganze Leben. Am besten erfährt man dies von Anfang an. Denn auch die Kindheit ist keineswegs eine Lebenszeit leidensfreien Genießens. Kinder haben echte Sorgen und Ängste – selbst wenn sie aus der Erwachsenenperspektive klein aussehen mögen. Kinder sind verletzbar. Sie können sich nicht so einfach gegen Widrigkeiten zur Wehr setzen. Sie haben wenig Mittel, sich gegen Demütigungen zu schützen. Sie sind in vielerlei Hinsicht ausgeliefert – die Berichte über Missbrauch in den letzten Monaten lassen das leider erahnen.

Es ist tragisch, sein Leben auf Kosten der Kinder zu führen. Es ist ein Drama. Doch fängt dies nicht erst an, wenn jemand Hand anlegt oder die Seele nicht achtet. Es bedeutet, auf Kosten von Kindern zu leben, wenn wir sie dazu drängen, unseren eigenen Traum zu leben; wenn wir die Erde mit ihren Schätzen zugrunde richten und die nachfolgenden Generationen ein »sinkendes Schiff Erde« vorfinden. Oder wenn wir meinen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf habe nur etwas mit der Anzahl von Krippenplätzen zu tun. Auch für unsere Eltern und Großeltern war es eine Herausforderung, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Wahre Kinderfreundlichkeit hat mit Zeit und Zuneigung zu tun!

Kinder achten – auf Kinder achten
Die Bibel warnt jedoch nicht nur vor Fehlverhalten. Sie erzählt auch von geglückter und glücklicher Kindheit. Ganz wesentlich dabei ist es, Kinder willkommen zu heißen. Wenn sie Grund zur Freude und Dankbarkeit sind; wenn ihnen mit einer Haltung der Offenheit begegnet wird: »Ich freue mich auf das, was sich durch dein Kommen verändern wird.« Ich kann dem Kind Unterstützung zuflüstern: »Ich will dich in der Entdeckung des Lebens begleiten, deinen Weg ­mitgehen.« Natürlich: Eine glückliche Kindheit kann nicht hergestellt werden wie ein Produkt in einer Fabrik oder wie ein Dispo-Kredit bei einer Bank … Aber es kann gefördert werden durch gute Worte wie die, die als Taufsprüche als Wort Gottes zugesprochen werden, und die man sich eben nicht selber zusprechen kann. So ist es eine schöne Idee, wenn Eltern oder Paten nicht nur eine Taufkerze gestalten, sondern auch zum Taufspruch ein Bild für das Kinderzimmer malen, das dem Kind dieses Bibelwort vor Augen malt.

Die Taufe an sich ist schon ein Signal, dass mein Leben nicht in meiner eigenen Hand liegt. Und wo man bereits als Baby zum Taufstein getragen wird, trägt dies zu dieser Grundhaltung bei: Andere haben mich (er)tragen, andere wollen mir als Paten
und Eltern von der Taufe und vom Glauben erzählen, andere sind in ­guten Gedanken und Gebeten bei mir – selbst wenn ich davon nichts ­mit­bekomme oder ahne.

Erziehung im Glauben, geborgen in der Gemeinde

Eltern sollten sich ruhig trauen, mit ihren Kindern zu beten oder sie zu segnen, indem sie zum Beispiel die rechte Hand auf die Stirn des Kindes legen und sagen: »Gott, der Herr, segnet dich und hat dich lieb!«

Eine Erziehung im Glauben ist jedoch nicht nur Sache des Elternhauses oder der Paten. Daher sollte schon im Gottesdienst neben Eltern und Paten auch die Gemeinde darauf verpflichtet werden, für das Kind zu beten, es im christlichen Glauben zu erziehen und an die Taufe zu erinnern. Taufkerze, Taufsprüche, ­Tauf­lieder, Tauftagfeier und Tauftexte, aber auch ein Tauffest der Kirchengemeinde weisen immer wieder auf das Geschenk der Taufe hin. Sie lassen über Christenlehre und Religionsunterricht hinaus ahnen, dass einem mit der Taufe der Himmel geschenkt wurde.

Reiner Andreas Neuschäfer

Medienempfehlungen
Hartmann, Christoph: Ein Stück vom Himmel. Wege zur Taufe – Wege mit der Taufe. DVD, Wartburg Verlag, ISBN 978-3-86160-191-3, 19,95 Euro
Küstenmacher, Werner Tiki: Tikis Evangelisch-Katholisch-Buch. Zusammen sind wir unschlagbar, Calwer Verlag, 32 S., ISBN 978-3-7668-4104-9, 6,95 Euro

Oberthür, Rainer/Meier, Hildegard: Die Bibel für Kinder und alle im Haus. Hörbuch mit vier CDs, Kösel Verlag, ISBN 978-3-466-45840-0, 21,95 Euro

Irmgard Weth: Neukirchener Vorlese-Bibel. Die Bibel von Anfang an. 32 Geschichten aus dem Alten und Neuen Testament, 144 S. mit 33 farbigen Bildern von Kees de Kort, Neukirchener Kalenderverlag, ISBN 978-3-920524-57-3, 14,90 Euro

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