Verhältnis der EKD zur Russisch-Orthodoxen Kirche
30. Dezember 2009 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de
Abgelegt unter Glaube und Alltag

Martin Schindehütte, Vizepräsident des Kirchenamtes der EKD, ist als Leiter der Hauptabteilung »Ökumene und Auslandsarbeit« seit September 2006 Auslandsbischof der EKD. (Foto: EKD)
Zwischen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Russisch-Orthodoxen Kirche (ROK) kriselt es. Was die EKD darüber denkt, erklärt Auslandsbischof Martin Schindehütte im Gespräch mit Benjamin Lassiwe.
Herr Bischof Schindehütte, nach der Wahl der geschiedenen Frau Margot Käßmann zur EKD-Ratsvorsitzenden kündigte der Leiter des Außenamtes der ROK, Erzbischof Hilarion Alfeyev, an, die Kontakte zur EKD abzubrechen. Wie sieht die EKD zurzeit ihr Verhältnis zur Russisch-Orthodoxen Kirche?
Schindehütte: Unser Verhältnis zur Russisch-Orthodoxen Kirche darf man nicht eindimensional sehen. Wir haben derzeit einen offenkundigen Konflikt mit Erzbischof Hilarion und dem Außenamt der ROK, aus dem ein Problem für die Beziehungen mit der ROK insgesamt entstehen kann, aber nicht muss, denn wir hören auch Stimmen aus der Russisch-Orthodoxen Kirche, die an einer Fortsetzung des Dialogs interessiert sind. Dabei ist uns klar, dass wir keinen Dialog an unserer Ratsvorsitzenden Margot Käßmann vorbeiführen werden. Wenn Hilarion zur Bedingung macht, den Dialog nur mit mir als Auslandsbischof fortzusetzen, um Margot Käßmann zu umgehen, dann geht das nicht.
Was hat denn der Dialog der letzten 50 Jahre eigentlich gebracht, wenn man jetzt in so eine Situation gerät?
Schindehütte: Was wir jetzt erleben, ist eigentlich nichts Neues. Der Dialog mit der Russisch-Orthodoxen Kirche war immer auch schwierig. Meine Vorgänger Rolf Koppe und Heinz-Joachim Held standen als Auslandsbischöfe der EKD mehrfach vor Situationen, in denen die ROK damit drohte, den Dialog abzubrechen. Aber es ist immer weitergegangen – gerade zuzeiten des Eisernen Vorhangs waren die Gespräche mit der Russisch-Orthodoxen Kirche wichtige Brücken zwischen Ost und West.
Worum geht es denn bei den Dialogen mit der Russisch-Orthodoxen Kirche überhaupt?
Schindehütte: Ich will mal Beispiele nennen: 2008 haben wir über die Menschenrechte als christliche Verpflichtung gesprochen. Auch die Themen Säkularisierung und Globalisierung waren von Bedeutung. Russland befindet sich zurzeit in einem gewaltigen Säkularisierungsprozess. Wir in Deutschland haben bereits Erfahrungen damit, wie wir unter diesen Bedingungen unseren Glauben bezeugen können. Wir behandeln auch aktuelle Themen, von denen wir denken, dass wir voneinander lernen können.
Wie stellt sich die EKD eine Fortsetzung dieser Gespräche vor?
Schindehütte: Wir hoffen, dass die Russisch-Orthodoxe Kirche zur ökumenischen Grundhaltung zurückkehrt, wonach wir als Kirchen trotz aller Unterschiede miteinander reden, und akzeptieren, dass der ökumenische Partner manches anders macht als wir selbst. Dass russisch-orthodoxe Bischöfe im Dialog auf Margot Käßmann treffen, heißt ja nicht, dass sie deswegen in der eigenen Kirche Priesterinnen einführen müssen. Aber wir erwarten von ihnen, dass sie akzeptieren, dass wir uns für eine Bischöfin als Ratsvorsitzende entschieden haben – so wie wir es nicht zur Vorbedingung für einen Dialog machen, dass die Russisch-Orthodoxe Kirche Frauen im Priesterinnenamt zulässt.
Ende Januar findet vielerorts die Gebetswoche für die Einheit der Christen statt. Wie sollen evangelische Kirchengemeinden reagieren, wenn russisch-orthodoxe Geistliche und Gemeinden teilnehmen?
Schindehütte: Von evangelischer Seite gilt: Wir bleiben einladend und offen und freuen uns über jedes gemeinsame Gebet, das bei dieser Gelegenheit gesprochen wird. Wenn Geistliche der Russisch-Orthodoxen Kirche an der Gebetswoche teilnehmen wollen, sind sie dazu herzlich eingeladen. Wir werden definitiv niemanden in die Ecke stellen – denn wir sind ökumenisch offen, und wollen das auch bleiben, trotz aller Spannungen, die wir zurzeit mit Moskau haben.

Als Ergänzung die Meinung ROK:
Brief des Präsidenten des Kirchlichen Außenamts des Moskauer Patriarchats an die Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Dr. Margot Käßmann, und an den Leiter der Abteilung für Ökumene und Auslandsarbeit der Evangelischen Kirche in Deutschland, Dr. Martin Schindehütte, vom 10. Dezember 2009.
Verehrte Doktorin Käßmann!
verehrter Doktor Schindehütte!
Im Namen seiner Heiligkeit, des Patriarchen von Moskau und ganz Rußland, Kyrill, danke ich Ihnen für Ihren Brief vom 13. November 2009. Seine Heiligkeit bedauert, daß die Feierlichkeiten zum 50- jährigen Jubiläum des theologischen Dialogs zwischen der Russischen Orthodoxen Kirche und der Evangelischen Kirche in Deutschland abgesagt wurden. Die Entscheidung zur Absage der Feierlichkeiten wurde in einseitiger Weise von der Evangelischen Kirche in Deutschland getroffen, ohne jede Verständigung mit unsrer Seite. Als einer der Gründe für diese Entscheidung dienten nach Ihren Worten meine Äußerungen aus Anlaß der kürzlich vollzogenen Wahl des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland. In der Tat habe ich meine Enttäuschung im Zusammenhang mit dieser Wahl zum Ausdruck gebracht. Allerdings kann man das, was ich zu dieser Frage gesagt habe, schwerlich als „nicht hilfreich“ bezeichnen, da es nichts für die Evangelische Kirche in Deutschland Verletzendes enthielt. Schließlich hat jeder Mensch das Recht, offen seine Meinung zu dieser oder jener Frage zu äußern, zumal wenn es sich um eine Frage von solcher Wichtigkeit handelt. Sie weisen mit Recht darauf hin, daß bislang die Tatsache der Ordination von Frauen kein Hindernis bei unsern Begegnungen und Gesprächen gewesen ist. Das hatte jedoch seine Gründe. Vor mehr als 30 Jahren hat der Heilige Synod unserer Kirche seine Meinung zur Frauenordination in folgendem Grundsatz zum Ausdruck gebracht: “Wir sehen keinen Grund zu Einwänden gegen irgendeine Entscheidung zu dieser Frage in Konferenzen, wo das Priestertum nicht als Sakrament anerkannt wird und wo infolgedessen aus der Sicht der Orthodoxie ein sakramentales Priestertum als solches überhaupt nicht besteht” (Botschaft des Heiligen Synods zur V. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen und seiner Ergebnisse. In: Journal des Moskauer Patriarchats 1976. No. 4, S. 9).
Ungeachtet der Tatsache, daß wir auch früher das Vorhandensein eines Priestertums in den protestantischen Gemeinschaften nicht anerkannt haben und diese infolgedessen auch nicht als Kirchen in unserem Verständnis dieses Wortes anerkannt haben, haben wir gleichwohl den Dialog mit einigen von ihnen in der Form von „Kirche zu Kirche“ geführt. Allerdings hat sich diese Situation nunmehr geändert, und eine Frau wurde Oberhaupt der Evangelischen Kirche in Deutschland. Damit stellt sich die Grundsatzfrage nach der Möglichkeit, den Dialog in der angedeuteten Form fortzusetzen. Denn mit einer solchen Wahl, ohne Rücksicht auf die 50 Jahre des Dialogs mit der Orthodoxie, hat die andere Seite einen Weg eingeschlagen, der in dramatischer Weise die Unterschiede zwischen unseren Traditionen vertieft.
Das führt unweigerlich zu der Grundsatzfrage: Was bedeutet unser Dialog, wenn als Ergebnis nicht die früher erklärte Bewegung aufeinander zu erscheint, sondern im Gegenteil höchstens die Bewegung von einem der an dem Gespräch Beteiligten in die Gegenrichtung? Wir können dabei auch nicht die Meinung unserer Gläubigen übergehen; denn für sie sind die Begegnung und das Gespräch mit einer Kirche, als deren Oberhaupt eine Frau gewählt wurde, völlig inakzeptabel.
Unter diesen komplizierten Umständen traf ich die Entscheidung, nicht zur Feier des fünfzigjährigen Jubiläums unseres Dialogs nach Deutschland zu fahren. Allerdings war ich bereit, meinen Vertreter als Leiter einer Delegation unseres Kirchlichen Außenamtes zu entsenden. Der Moskauer Teil der Feierlichkeiten sollte auf der früher geplanten hohen Ebene stattfinden, und es wäre für uns eine aufrichtige Freude gewesen, unseren jahrelangen Freund, Bischof Wolfgang Huber, als Leiter der Delegation der Evangelischen Kirche in Deutschland zu sehen. Doch zu unserem Bedauern wurden mit der Entscheidung der neuen Leitung der Evangelischen Kirche in Deutschland die Feierlichkeit abgesagt. Dabei wurde es nicht als notwendig erachtet, mit mir irgendeinen Kontakt aufzunehmen.
Auch wenn von einigen Leuten in Rußland anderes behauptet wird, wurde weder von mir noch von einem meiner Mitarbeiter ein „Abbruch der Beziehungen“ mit der Evangelischen Kirche in Deutschland erklärt. Für uns haben die jahrelangen Beziehungen mit den deutschen Protestanten einen hohen Wert, und die Erfahrung des theologischen Dialogs wird unbedingt auch weiterhin von Nutzen sein.
Ich bin betrübt darüber, daß das Jubiläum unseres Dialogs, der so viele gute Früchte in der Vergangenheit erbracht hat, ausgerechnet jetzt in seiner bisherigen Form, in der er ein halbes Jahrhundert stattgefunden hat, zu Ende gegangen ist. Doch die Hauptursache dafür liegt nicht in irgendwelchen Äußerungen in den letzten Tagen, sondern vielmehr in Vorgängen, die sich seit einigen Jahrzehnten im Schoß des westlichen Protestantismus ereignet haben. Wir in der Russischen Orthodoxen Kirche sind höchst beunruhigt über die ständig zunehmenden säkularen Einflüsse auf die Entwicklung von Theologie und kirchlichem Leben in den protestantischen Gemeinden. Die Liberalisierung sittlicher Normen und die Abwendung von den apostolischen Regeln für die Kirchenordnung veranlassen uns, im Geist christlicher Liebe unseren Brüdern und Schwestern ein Zeugnis für die authentische christliche Tradition zu geben.
Heute wird der Abgrund immer tiefer, der die traditionellen christlichen Kirchen von jenen Gemeinden westlicher Kirchen trennt, die sich auf dem Weg einer Liberalisierung der Glaubenslehre, der Kirchenordnung und der sittlichen Normen in der Anpassung an die modernen säkularen Verhaltensweisen befinden. Daran sind nicht die Orthodoxen schuld, die durch die Jahre des Dialogs hindurch nicht einen Schritt zurückgewichen sind von ihren protestantischen Brüdern und Schwestern, sondern im Gegenteil den Verpflichtungen, die sich auf sich genommen haben, treu geblieben sind.
Indem sie eine Frau zum Oberhaupt der Kirche gewählt hat, hat die Evangelische Kirche in Deutschland ihre Entscheidung getroffen. Wir sind durchaus bereit, diese Wahl als eine innere Angelegenheit der Evangelischen Kirche in Deutschland anzusehen. Wenn es jedoch um einen Dialog geht, an dem unsere Kirche teilnehmen soll, behalten wir uns das Recht vor, eine Entscheidung über die Angemessenheit einer weiteren Fortsetzung dieses Dialogs zu treffen und über die Formen, in denen in Zukunft die weiteren Beziehungen zwischen uns zu gestalten sind. Ich würde es für richtig halten, wenn wir nach einiger Zeit unter ruhigen Umständen die schwierig gewordene Situation erörtern könnten. Zu diesem Zweck wäre ich bereit, im Frühling 2010 nach Deutschland zu kommen.
Mit Hochachtung.
Der Präsident des Kirchlichen Außenamtes des Moskauer Patriarchats, Erzbischof Ilarion von Volokalamsk.
Quelle: Internetdienst kath.net vom 16.12.2009
Liebe Frau Landesbischöfin Käßmann und
alle Christen im Kirchenamt der EKD,
mein ganzes Leben ist erfüllt vom Glaube an Gott und seinen Sohn Jesus Christus.
Wohl war hat Gott mich oft hart geprüft und dies hat ebend nicht meinen Glauben erschüttert oder verletzt.
Wir wissen alle, es gibt nur einen Gott und nur einen Jesus Christus , egal welcher Konfestion wir angehören.
Ich ersuche Sie im Namen Gottes, reden Sie mit den Brüdern den Orthodoxen.
In Gesprächen kann man oft eine Lösung finden.
Es ist wohl deutlich, niemand stört sich an der “Frauenordination” ganz im Gegenteil, es ist etwas neues, mit dem man auch Leben kann.
Jesus selbst, hat niemals das neue abgelehnt ,das wissen wir , er sagte:
“… lasset sie zu mir kommen …, und jeder konnte zu ihm gehen.”
Machen Sie nun diesen Schritt in das Miteinander und Gott wird alles richten.
Danke