Griechenland: Kirchlicher Protest gegen Sondersteuer

3. Dezember 2009 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Eine Welt

Tzimurtas_Giorgio

Giorgio ­Tzimurtas berichtet für unsere Zeitung aus ­Griechenland.

Leere öffentliche Kassen und ein riesiger Schuldenberg – in Griechenland ist die Finanzlage hochgradig dramatisch. Höhere und neue Steuern sollen nach dem Willen der seit Oktober regierenden Sozialisten helfen, den Kollaps abzuwenden. Zu den anvisierten fiskalischen Neuerungen zählt auch eine einmalige Abgabe auf Immobilien. Besonders betroffen hiervon ist die griechisch-orthodoxe Kirche. Sie ist nach dem Staat der größte Land- und Hausbesitzer.

Der Klerus läuft Sturm gegen das »Unrecht«. Die Sondersteuer soll für die Kirche bei Grundstücken mit einem Wert ab 600000 Euro um 0,3 Prozent über dem Normalsatz liegen. »Weder Krieg noch eine Katastrophe« seien die Ursache für die aktuelle Situation, sondern allein eine missglückte Wirtschaftspolitik, sagt Erzbischof Theoklitos von Ioannina, oberster kirchlicher Finanzverwalter. Er stellt klar: »Wir weigern uns, für die Fehler anderer Leute zu zahlen.«

Nach den Plänen von Ministerpräsident Georgios Papandreou soll mit der Immobilien-Steuer die staatliche Unterstützung für arme Familien mitfinanziert werden. Die Regierung rechnet mit rund einer Milliarde Euro an Einnahmen. Die orthodoxe Kirche aber kontert, dass sie bereits »ein großes karitatives Werk« erbringe, dessen Fortbestehen nun bedroht sei. Sie unterhalte mehr als 800 Einrichtungen wie Waisenhäuser, Kindergärten, Kliniken oder Tafeln für Armenspeisungen. Erzbischof Theoklitos wirft der Regierung vor: »Sie nehmen es von den Bedürftigen für die Bedürftigen.«

Wenn schon die Steuer, dann solle die Kirche auch nur den normalen Satz zahlen. Und: Die Abgabe solle nur auf das Immobilienvermögen erhoben werden, das von der Kirche auch genutzt werden könne. Theoklitos erinnert zudem daran, dass der griechische Staat die Kirche schon mehrmals zur Ader gelassen habe. Zuletzt im Jahr 1952, als der bis heute gültige Staat-Kirche-Vertrag geschlossen wurde.

Das aktuelle Immobilienvermögen der orthodoxen Kirche Griechenlands belaufe sich auf rund 702 Millionen Euro, gab Theoklitos bekannt. Das ­Aktienvermögen bezifferte er auf neun Millionen Euro. Sollte es zur Auferlegung neuer Steuern kommen, würden die Körperschaften der Kirche vor dem Bankrott stehen, klagte der kirchliche Chef-Kassenwart. Doch auch der Staat hat gravierende Probleme: Das Haushaltsdefizit beträgt
12 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Die Regierung hält sich mit öffentlichen Reaktionen auf die Position der Kirche noch bedeckt. Doch hitzige Debatten scheinen gewiss.

Giorgio Tzimurtas

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