Von der Pleiße auf den Ölberg

19. November 2009 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Eine Welt

Begegnung in Jerusalem: Ein Leipziger Malermeister restauriert den Festsaal der Himmelfahrtskirche

Als Leipziger in Jerusalem: Malermeister und Restaurator Wolf-Christian ­Heindorf mit Sohn Peter vor der Auferstehungskirche. Foto: Harald Krille

Als Leipziger in Jerusalem: Malermeister und Restaurator Wolf-Christian ­Heindorf mit Sohn Peter vor der Auferstehungskirche. Foto: Harald Krille

Wolf-Christian Heindorf weiß genau, worauf es ankommt: »Die Farben dürfen nicht decken, sie müssen lasierend wirken.« Und: »Es geht gar nicht um Perfektion im Detail, sondern um den perfekten Gesamteindruck«, erklärt er im hellen Sonnenschein auf dem Jerusalemer Ölberg. Der Leipziger Malermeister und Restaurator gilt in der Messestadt seit Jahren als Spezialist für die Restaurierung von Gebäuden aus der Zeit des Historismus. Die hat Leipzig reichlich zu bieten, so dass Heindorf bisher, ­außer einem Auftrag in Bernburg, noch nie außerhalb gearbeitet hat.

Seit wenigen Wochen aber ist er mit seinem 21-jährigen Sohn Peter und drei weiteren Mitarbeitern in Jerusalem beschäftigt. Ihre Aufgabe: Bis Weihnachten soll der Festsaal der von Kaiser Wilhelm II. als Zeichen der Präsenz des deutschen Protestantismus im Heiligen Land gestifteten Himmelfahrtskirche auf dem Ölberg im alten Glanz erstrahlen. »Mein erster Auslandsauftrag und dann gleich hier, wo sozusagen alles begann«, zeigt sich der Meister begeistert. Für den evangelischen Christen ist es mehr als nur ein gewöhnlicher Auftrag.

Begonnen hatte alles mit einem Anruf der Leipziger Kulturstiftung im Frühjahr diesen Jahres. Deren Geschäftsführer Wolfgang Hocquél hatte anlässlich eines Besuches in Jerusalem dem Leiter des evangelischen Zentrums auf dem Ölberg, Pfarrer Michael Wohlrab, Unterstützung bei der Sanierung des Saales zugesagt. Während die Kirche schon Ende der 80-er Jahre von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) restauriert wurde, zeigte der Saal noch die Folgen des Erdbebens von 1927. In Jerusalem fehlte es vor allem an Spezialisten für die Restaurierung anspruchsvoller Ausmalungen aus der Zeit des deutschen Historismus. Und auch an den benötigten Materialien. Deshalb flog Wolf-Christian Heindorf im Mai nach Israel, erstellte zunächst eine Befundsanalyse, eine Kalkulation – »na und dann wurde da eben ein Auftrag draus«, so der Restaurator.

»Meine Frau hat allerdings erst mal die Hände über den Kopf zusammengeschlagen«, berichtet er. »Sie wissen schon, die Medienhysterie von wegen Gewalt und Terror …« Nach einer gemeinsamen Urlaubswoche in Jerusalem war sie dann aber überzeugt, dass es dort nicht gefährlicher als in Leipzig ist und der Auftrag natürlich eine große Chance bietet. Seitdem hält sie ihrem Mann zu Hause den Rücken frei. »Denn ich musste natürlich auch einige lukrative Aufträge in Leipzig ­absagen«, konstatiert Heindorf.

Der Festsaal soll als Teil des Evangelischen Pilger- und Begegnungszentrums der Kaiserin Auguste Victoria-Stiftung als repräsentativer Raum für Empfänge, Vorträge oder Theaterabende zur Verfügung stehen. Wobei sich die Verantwortlichen der EKD im Heiligen Land besonders dem Gespräch und der Begegnung zwischen Juden, Christen und Moslems verpflichtet sehen. Im restaurierten Saal wird dann auch wieder das inzwischen in Deutschland restaurierte großformatige Barbarossa-Gemälde des Leipziger Künstlers Max Seeliger (1865–1920) seinen Ehrenplatz einnehmen.

Bis dahin ist für die fünf Leipziger Restauratoren allerdings noch viel zu tun. Dennoch: »Wir halten Sonntagsruhe wie in der Heimat«, betont der Meister. Am Sonnabend wird in der Regel ein halber Tag für einen kleinen Kulturausflug in Jerusalem und der Umgebung genutzt, am Sonntag steht meist eine größere Unternehmung auf dem Programm. »Demnächst wollen wir uns mal die Bauhausarchitektur in Tel Aviv ansehen, verrät Heindorf noch, bevor er mit seinem Sohn wieder auf das Gerüst muss. Denn auf Termintreue kommt es dem Meister schließlich auch an.

Harald Krille

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