Hildegard von Bingen

18. September 2009 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de  
Abgelegt unter Kultur

Der Film »Vision« unter der Regie von Margarethe von Trotta kommt in die Kinos

Am 24. September startet bundesweit der Spielfilm »Vision«, der unter der Regie von Margarethe von Trotta das Leben Hildegards von Bingen erzählt.

Barbara Sukowa in der Rolle der Hildegard von Bingen. Foto: Concorde Filmverleih

Barbara Sukowa in der Rolle der Hildegard von Bingen. Foto: Concorde Filmverleih

Da steht sie, Hildegard von Bingen, im Klostergarten, aufgelöst, zornig und verzweifelt. Nichts ist geblieben von der Ruhe und Weisheit einer hochmittelalterlichen Äbtissin. Sie schreit ihre Mitschwester Richardis an, sie fleht und bettelt und wirft ihr schließlich vor, aus purem Egoismus zu handeln. Der Hintergrund: Richardis, gespielt von Hannah Herzsprung, die geliebte Vertraute von ­Hildegard, ist zur Äbtissin eines ­norddeutschen Klosters gewählt worden – und möchte die Wahl annehmen.

Hildegard klammert sich mit ­aller Gewalt an sie, den wichtigsten Menschen in ihrem Leben: Und zum ersten Mal muss auch sie sich von ­Richardis vorwerfen lassen, nur an sich zu denken, andere zu dominieren und ihren Willen rücksichtslos durchzusetzen. Es sind Szenen wie diese, die zeigen, dass die Regisseurin Margarethe von Trotta wenig Interesse an einer nachträglichen Überzuckerung ihrer Hauptdarstellerin, verkörpert von Barbara Sukowa, hatte. »Wenn man Hildegard auf Dinkelplätzchen und die Figur im Schrebergarten beschränken will, so ist das eine Reduktion«, sagt die Regisseurin.

Was fremd an ihr blieb, wird im Film nicht zurechtgestutzt. Hildegard von Bingen (1098–1179) war, das dürfte trotz der gewaltigen Zeitspanne gelten, die die Gegenwart von ihrer Zeit trennt, eine besondere Frau. Die Aufzeichnungen, die sie hinterlassen hat, belegen einen universal gebildeten Menschen, der sich in mittelalterlicher Theologie und Naturkunde bestens auskannte.

Einmalig die Szene, in der sie ihrem Sekretär, dem Benediktinermönch Volmar, der von Heino Ferch gespielt wird, einen Text über die Geschlechtslust des Mannes diktiert, dem die weibliche Begierde nach Empfängnis entspreche. Der vielleicht ein wenig zu herzensgut gespielte Mönch ist jedenfalls über das Wissen Hildegards ziemlich verdattert.

Es gelingt Margarethe von Trotta gleichwohl, die Fremdheit der Zeit und ihrer Menschen im Film zu bewahren. »Die zeitliche Einbettung der Menschen, Hildegards Weltbild mit der Hölle unten und Gott im Himmel und auch ihre tiefe Frömmigkeit sind mir fremd geblieben«, sagt Margarethe von Trotta. »Doch ihre geistige Kraft, die ja im Gegensatz zu ihrer körperlichen Schwäche stand, hat mich beeindruckt – immerhin hat sie zwei Klöster gegründet.«

Möglich, dass manche dem Film Längen vorwerfen. Doch die genaue Beobachtung physischer Details, eines Augenaufschlags, einer Gebetshaltung, einer plötzlichen Eingebung, macht dem modernen Beobachter die eigene rasende Lebensgeschwindigkeit nur umso stärker deutlich. Die Dreharbeiten fanden unter anderem im Kloster Eberbach in Hessen und im Kloster Maulbronn in Württemberg statt.

Christian König

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