Faszinierende Epoche

3. September 2009 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Kultur

800. Domjubiläum: Das Kulturhistorische Museum Magdeburg zeigt Sonderausstellung »Aufbruch in die Gotik«

Die Ausstellung vermittelt Einblicke in eine Epoche, in der neben der Architektur auch die Kunst, Kultur und die Lebenswelt der Menschen einen Umbruch erfuhr.

Die sogenannte Kleine Ecclesia aus dem Straßburger Münster wurde um 1230 aus rötlichem Sandstein gearbeitet. Kunsthistoriker sehen in ihr aber eine Darstellung, die im 13. Jahrhundert sehr oft zu finden ist: die Königin von Saba. Nach alttestamentlicher Überlieferung trat sie vor König Salomo, um seine Weisheit zu prüfen. (Foto: Kulturhistorisches Museum Magdeburg)

Die sogenannte Kleine Ecclesia aus dem Straßburger Münster wurde um 1230 aus rötlichem Sandstein gearbeitet. Kunsthistoriker sehen in ihr aber eine Darstellung, die im 13. Jahrhundert sehr oft zu finden ist: die Königin von Saba. Nach alttestamentlicher Überlieferung trat sie vor König Salomo, um seine Weisheit zu prüfen. (Foto: Kulturhistorisches Museum Magdeburg)

Zwei mit brauner Tinte eng beschriebne Papierseiten erzählen die Geschichte zum Jubiläum: Am Palmsonntag 1207 zog der neue Erzbischof Albrecht II. von Käfernburg, aus Rom kommend, in Magdeburg ein. Am Karfreitag brach im Breiten Weg ein Feuer aus, das nicht nur die Stadt, sondern auch den Dom Kaiser Ottos vernichtete. Noch im selben Jahr ließ der Domkustos die stehen gebliebenen Mauern abreißen.

Die Magdeburger Schöppenchronik zählt nicht nur zu den wichtigsten Stadtchroniken des deutschen ­Spätmittelalters. Ihr erster Verfasser, ­Heinrich von Lamspringe, schrieb im 14. Jahrhundert die Ereignisse auf, die zur Grundsteinlegung für den Neubau des Magdeburger Domes im Jahr 1209 führten. Es ist die ausführlichste Quel­le zum damaligen Geschehen, in der sich auch das rege Interesse des Magdeburger Stadtrates widerspiegelt.

Für die sachsen-anhaltische Landesausstellung »Aufbruch in die Gotik«, die am 30. August zum 800-jährigen Domjubiläum im Kulturhistorischen Museum eröffnet wurde, ist die Chronik als Leihgabe der Staatsbibliothek Berlin nach Magdeburg zurückgekehrt. Weitere Leihgaben aus zehn europäischen Ländern und den USA, insgesamt rund 400 Exponate, berichten in acht Abteilungen über einen faszinierenden Abschnitt des Mittel-
alters. Der Magdeburger Dom, erste gotische Kathedrale auf deutschem Boden und das zweitgrößte gotische Bauwerk nach dem Kölner Dom, steht auch für einen Wandel auf anderen Gebieten.

Denn im Aufbruch waren nicht nur Baumeister, die die neuen Formen aus Frankreich nach Deutschland brachten und die Romanik als Baustil ablösten. Über den Kaiserdom Ottos des Großen, Neuerungen beim Bau des gotischen Domes und seine Vorbilder, die gotische Architektur insgesamt ­sowie Kirchenschätze informieren die Abteilungen eins bis vier der Schau. Der Sarkophag der Königin Editha, die Skulptur der heiligen Kunigunde vom Bamberger Dom sowie Goldschmiedekunst aus dem 13. Jahrhundert sind herausragende Exponate.

Geistliche, die an den neu gegründeten Universitäten in Italien und Frankreich ausgebildet worden waren, sorgten ab 1200 für einen Kultur- und Wissenstransfer, dem sich die fünfte Abteilung der Schau widmet. Im Abschnitt »Herrschaft und Gesellschaft« geht es um die Tatsache, dass sich unter dem Stauferkaiser Friedrich II. das politische Gewicht im Heiligen Römischen Reich auf weltliche und geistliche Landesherren verlagerte. In dieser Zeit schrieb Eike von Repgow das bedeutendste deutsche Rechtsbuch des Mittelalters, den »Sachsenspiegel«. In der Ausstellung ist hierzu die prachtvolle, um 1300 entstandene Heidelberger Bilderhandschrift vertreten. Kapitel sieben widmet sich dem »Bild von der Welt«, das um 1200 weit gereiste Kaufleute, Pilger und Kreuzfahrer in Bewegung brachten. Auch die Städte erlebten in dieser Zeit einen Aufschwung. Einblicke in das Leben wohlhabender Bürger bietet der letzte Teil der sehenswerten Schau.

Ergänzt wird sie um Begleitausstellungen, die sich ebenfalls unterm Dach des Kulturhistorischen Museums befinden. In »Der Dom und die Steine« ist zusehen, woher das Material für den Magdeburger Dom kam. Die Wanderausstellung »Von der Kunst, mit Vögeln zu jagen. Das Falkenbuch Friedrichs II.« informiert über eine der berühmtesten Handschriften aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Dem »Klang der Gotik« schließlich können Besucher in einem Musikerlebnisraum lauschen, den Fachleute für historische Musikinstrumente und Aufführungspraxis vom Schloss Wernsdorf bei Bamberg gestaltet haben.

Die Ausstellung »Aufbruch in die Gotik – Magdeburg und die späte Stauferzeit« im Kulturhistorischen Museum Magdeburg ist bis 6. Dezember zu sehen.

Angela Stoye


www.gotik2009.de

Bookmark and Share
mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de ist ein Angebot der Kirchenzeitungen GLAUBE UND HEIMAT (Weimar/Magdeburg) und DER SONNTAG (Leipzig)

Für diesen Artikel ist der Bereich für Lesermeinungen geschlossen.