Die Schöpfung – ein Zugang zum Glauben

27. August 2009 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Glaube und Alltag

Die Gottesbilder im Alten Testament (2): Der freundliche und helfende Gott

In einer mehrteiligen Serie fragen wir danach, wie die Bibel von Gott ­redet.

Gott als Schöpfer des Universums in einer Minitaur aus dem 15. Jahrhundert. Quelle: Uni Leipzig

Gott als Schöpfer des Universums in einer Minitaur aus dem 15. Jahrhundert. Quelle: Uni Leipzig

Gott sei Dank!« – ein Stoßseufzer, den wir alle kennen. In ihm ist die Erfahrung enthalten, aus einer Notsituation relativ oder unbeschadet ­herausgekommen zu sein. Gegenwärtig werden solche Erfahrungen eher mit dem Glauben an (Schutz-)Engel als mit dem an das Wirken Gottes verbunden. Aber das muss kein Widerspruch sein – denn Engel sind in vielen Religionen Boten des lebendigen Gottes, auch im Juden- und im Christentum.
Gott als der freundliche, helfende Begleiter, als der Vergebende und derjenige, der sich auch angesichts menschlicher Schuld versöhnen lässt: Das ist eine häufige Vorstellung in der Bibel.

Als Erstes ein Blick auf die Rede von Gott in 1. Mose 3. Nach dem ­»Sündenfall« der ersten Menschen wird beschrieben, wie Gott abends durch den Garten geht – für mich eine sehr einladende und freundliche Vorstellung: Der Schöpfer ist dem von ihm Geschaffenen nahe. Freilich: Solche Rede von Gott führte vermutlich mit zu dem fatalen Bild vom »alten Mann mit langem Bart«. Aber die Freundlichkeit bleibt, zumal Gott die Sünder in dieser Geschichte anspricht und nicht einfach vorver­urteilt.

Als er das erste Paar schließlich aus dem Paradies verbannt, geschieht auch dies nicht ohne einen Akt der Fürsorge: Sie erhalten Kleidung aus Blättern von ihm. Noch um die schuldig Gewordenen kümmert sich der Schöpfer!

Dass Gott, der sein Volk aus der Sklaverei befreit, darin grundsätzlich eine freundliche und den Menschen zugewandte Seite zeigt, liegt auf der Hand – wenn auch der strafende Gott hier nicht ausgeblendet werden kann. Was aber die Freundlichkeit Gottes angeht, möchte ich noch auf einen weniger bekannten Text des Alten Testamentes hinweisen: Bald nach der Geschichte vom Goldenen Kalb, der sich Strafe und Demütigung für das ungehorsame Volk anschließen, bittet Mose um ein Zeichen der Nähe Gottes, aber nicht nur für sich selbst, sondern auch für das schuldig gewordene Volk. Gott sagt Mose ein solches Zeichen zu: »Du hast Gnade vor meinen Augen gefunden, und ich kenne dich mit Namen.«

Mose soll sich auf einen Felsen stellen, Gott werde dann an ihm vorübergehen (schön hier Luthers Übersetzung: »Ich will vor deinem Angesicht all meine Güte vorübergehen lassen.«), und Mose darf dann hinter ihm herblicken. Aber das Angesicht Gottes kann niemand sehen, auch seine engsten menschlichen Vertrauten nicht, Mose darf hier das Äußerste ­erleben, was ein Mensch ertragen kann. Mehr ist nicht möglich, kein Mensch könnte weiterleben, dem Gott unmittelbar und schrankenlos begegnet wäre. Passend zu der Geschichte scheint mir die Formulierung Luthers zu sein: »Gott ist ein glühender Backofen voller Liebe.«

Eine mir wichtige Zwischenbemerkung: Wir werden die Texte der Bibel missverstehen, wenn wir sie als historische Berichte lesen. Natürlich sind auch geschichtliche Fakten in vielen von ihnen enthalten. Vor allem aber sind sie Glaubensaussagen aus den unterschiedlichsten Zeiten, die sich nicht selten widersprechen und jedenfalls grundverschiedene Akzente aufweisen. Umso hilfreicher ist unter diesem Aspekt ihre oft so wuchtige und beeindruckende Bildersprache, die dann etwa von Luther aufgenommen und weitergeführt wurde.

Nach wie vor ist für viele Menschen ein wichtiger Zugang zum Glauben der Blick in die Schöpfung: »Am Meer werde ich fromm«, »Im Wald finde ich meinen Gott« – solche Sätze sind uns bekannt. Diejenigen, die diesen Zugang angreifen und ablehnen, haben die Bibel nur sehr begrenzt auf ihrer Seite.

Denn der Lobpreis des Schöpfers und damit indirekt »das Hohelied der Natur«, ist durchaus ein wesentlicher Bestandteil biblischer Texte und sagt auch Wesentliches über die Freundlichkeit Gottes aus, der uns Menschen diesen Planeten voller Wunder als Raum zur Verfügung gestellt hat. ­Israel hat sich allerdings hier von Religionen seiner Umwelt insofern deutlich abgegrenzt, als dort Bäume, Steine und Ähnliches als Götter verehrt werden konnten. Dieser Schritt Israels war wichtig und bleibt es.

Wie sehr Gott durch die Natur zu uns sprechen kann und wie sehr die Vielfalt seiner Schöpfung uns sogar
da berühren kann, wo wir es gar nicht erwarten, ist mir bei Wüstenwanderungen immer besonders deutlich ­geworden. Manchmal sind auf glühend heißen Steinen mitten in der Wildnis die schönsten Pflanzen zu ­sehen, »Gottes harte Herrlichkeit«, nannte ein Dichter solche Bilder. Auch der freundliche Gott hat die Härte (menschliche und andere) geschaffen, und ist von ihr nicht zu trennen.

Ulrich Tietze

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