Mit Laptop und Lamm

13. August 2009 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Kultur

Im 800. Jubiläumsjahr bezieht die Magdeburger Domgemeinde »Altarpositionen«/Bildtafeln

Franca Bartholomäi, freischaffende Künstlerin aus Halle, gewann mit ihren Tafeln aus Lindenholz den Wettbewerb um moderne Kunst für den gotischen Katharinenaltar im Magdeburger Dom. Foto: Viktoria Kühne

Franca Bartholomäi, freischaffende Künstlerin aus Halle, gewann mit ihren Tafeln aus Lindenholz den Wettbewerb um moderne Kunst für den gotischen Katharinenaltar im Magdeburger Dom. Foto: Viktoria Kühne

Die heilige Katharina auf dem Bild ist knapp bekleidet. In den Händen hält sie ein Buch. Es könnte aber auch ein Laptop sein. Über ihr schwebt ein Engel, der die als intelligent und wortgewandt geltende Frau im Kerker nährte und schützte. Die wie eine Kirche geformte Sprechblase steht für die Tatsache, dass Katharina ihren Glauben durch das Wort verteidigte. Der heilige Mauritius auf dem zweiten Bild kommt als moderner Soldat in dick gepolsterter Weste daher. Doch alles Kämpferische ist von ihm abgefallen. Kniend hält er ein Lamm – Symbol für Friedfertigkeit, Christus und den Opfertod. Rätselhaft schwebt über ihm ein schwarzer Kreis mit einem winzigen Gehirn darin. Sitz des Bewusstseins in der Unendlichkeit des Alls?

Der Magdeburger Dom ist um zwei Kunstwerke reicher. Am 9. August stellte die Gemeinde zwei Bildtafeln in den Dienst, die den knapp 700 Jahre alten Liturgiealtar mit Darstellungen der Schutzpatrone des Domes vervollständigen. Franca Bartholomäi, Absolventin der renommierten Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein Halle und heute als freie Künstlerin in der Saalestadt lebend, schuf sie aus Lindenholz. Die reliefartigen, schwarz und weiß gefassten Tafeln wirken wie aufgeschlagene Buchseiten.

Bartholomäis Arbeit mit dem Titel »Die Heilige Katharina und Der Heilige Mauritius« ging als Sieger aus einem Wettbewerb hervor, den die Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt und die Kirchengemeinde aus Anlass des 800-jährigen Jubiläums der Grundsteinlegung des gotischen Domes ausgelobt hatten. Ergänzt werden sollte der deutlich erkennbare freie Raum zwischen den Fialen des Aufsatzes und in der Mittelnische. Was sich an diesen Stellen einst befunden hat, ist nicht überliefert. Pfarrerin Jutta Noetzel berichtet, dass auf einem etwa 100 Jahre alten Foto der Altar – der erst seit 1955 als Liturgiealtar an seiner heutigen Position vor dem Lettner steht – schon damals Leerstellen aufwies. In der Sakristei des Domes sind bis 18. November die weiteren eingereichten Entwürfe ausgestellt.

Im Magdeburger Dom gab es einst 48 Altäre, von denen 16 erhalten sind. Mit der Ausstellung »Altarpositionen« vom 23. August bis 18. November will die Domgemeinde im Jubiläumsjahr die Nebenaltäre, die seit der Reformation ohne liturgische Funktion sind, ins Licht rücken.

Bei Dreien blieb die originale Ausstattung erhalten, weitere erhielten einen anderen Aufsatz.
Die Nebenaltäre ohne Retabel ­werden mit modernen Installationen ausgestattet, die von Burghard Aust, Johanna Bartl, Ludwig Ehrler, Klaus Friedrich Messerschmidt, Knut Mueller, Uwe Pfeifer und Babette Weidner stammen. Ihre Werke mögen, so die Hoffnung der Domgemeinde, den Betrachter anregen, nach der Bedeutung des Altars neu zu fragen.

Angela Stoye

Der Festgottesdienst zur Ausstellung »Altarpositionen« am 23. August im Magdeburger Dom mit Superintendent Michael Seils und Pfarrerin Jutta Noetzel beginnt um 10 Uhr.
Die Ausstellung eröffnet danach Kurator Dr. Friedrich Weltzien.

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