Das Fest der »Jesus Freaks«

6. August 2009 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Kultur

Familientreff mit Jesus und E-Gitarre – das »Freakstock«-Festival

Das jährliche Treffen der »Jesus Freaks«, das »Freakstock« fand erstmals im nordrhein-westfälischen Borgentreich bei Höxter statt. Rund 4000 Teilnehmer feierten vom 29. Juli bis 2. August.

Ein Hauch von »Woodstock« liegt in der Luft. Teilnehmer des Freakstock-­Festivals.	Foto: epd-bild

Ein Hauch von »Woodstock« liegt in der Luft. Teilnehmer des Freakstock-­Festivals. Foto: epd-bild

Ein Hauch von »Woodstock« liegt in der Luft. Freaks, Punks und Grufties wiegen sich im Rhythmus, den die Rockband auf der Bühne vorgibt. Doch über der Bühne verkündet ein Banner, dass mehr als ein Musikfestival gefeiert wird: »Danke Jesus! Es geht nur um dich!«

Vor verzerrten E-Gitarren, aufpeitschenden und sich bis zur Heiserkeit verausgabenden Sängern finden die »Jesus Freaks« auf dem Gelände einer ehemaligen NATO-Kaserne Gemeinschaft und Spiritualität.
Ein junger Punk mit blondiertem Hahnenkamm, der sich »Stiefel« nennt, ist das erste Mal beim »Freakstock« und schon von Anfang an bester Stimmung. Beim Hauptseminar, einer Art Bibelstunde am Nachmittag, sitzt er ganz dicht vor der Bühne. »Hier brauche ich mich nicht zu rechtfertigen«, beschreibt »Stiefel« den Reiz dieser Gemeinschaft. »Ich bin Christ, und so werde ich hier auch angenommen«, erzählt der 17-jährige Hauptschüler aus Darmstadt. Dabei spiele es keine Rolle wie man rumlaufe.

Bei Nadine, die mit »Stiefel« Bekanntschaft geschlossen hat, zeugen vielleicht nur noch ihre schrill rot gefärbten Haare von ihrer Zeit in der Frankfurter Punk- und Drogenszene. Sie war damals am Ende und dachte immer öfter an Selbstmord, wie sie erzählt. Dann traf sie eine Gruppe der »Jesus Freaks«. »Das Leben mit Gott hat mich von den Drogen weggebracht«, erzählt die 31-jährige Frankfurterin, die seit zwölf Jahren kein »Freakstock« ausgelassen hat. Heute, inzwischen Mutter von drei Kindern, führe sie ein relativ normales Leben.

Den Besuchern gemein sei die Begeisterung für Jesus, erklärt »Freakstock«-Sprecher Martin C. Hünerhoff. »Für jeden, den das irgendwie interessant ist, ist das ›Freakstock‹ das richtige Festival.« Unter dem Festivalmotto »Hand aufs Herz« stehen tagsüber auch Seminare über Glaubens- und Partnerschaftsfragen sowie Schreibwerkstätten, Koch- und Tanzkurse auf dem Programm.

Die »Jesus Freaks« entwickelten sich aus der charismatischen »Jesus-People-Bewegung«, die in den 60er und 70er Jahren in den USA populär wurde. In Deutschland kamen Anfang der 90er Jahre die ersten »Jesus Freaks« im Hamburger Schanzenviertel zusammen. Zunächst waren es vor allem junge Punks und Anarchos. Ihre Gottesdienste hießen »Jesus-Abhäng-Abende«.

Die vergangenen zwölf Jahre feierten die »Jesus Freaks« das »Freakstock« auf dem Open-Air-Gelände einer Pferderennbahn in der Nähe von Gotha in Thüringen. Mit dem Umzug in das nordrhein-westfälische Borgentreich kam es zugleich zu einer bemerkenswerten Premiere: Die »Jesus Freaks« sind zu Gast bei der koptisch-orthodoxen Kirche, der das Festivalgelände in Borgentreich gehört.

Obwohl es auf den ersten Blick kaum einen größeren Unterschied gibt als zwischen einer orthodoxen Kirche mit einer fast 2000 Jahre alten Tradition und den freikirchlichen »Jesus Freaks«, verbindet sie das gemeinsame Interesse an Jesus, wie Bischof Anba Damian begeistert erzählt. Der Bischof ist auch selbst auf dem Festival zu Gast, er hält Gottesdienste und diskutiert mit den jungen unkonventionellen Gläubigen. Viele von den Festivalbesuchern möchten etwas über die älteste Kirche aus Ägypten erfahren, sagt Damian. So hat er die »Freakstock«-Besucher im Gegenzug auch in sein etwa 30 Kilometer entferntes Kloster eingeladen. (epd)

Holger Spierig

www.freakstock.de
www.jesusfreaks.de

Bookmark and Share
mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de ist ein Angebot der Kirchenzeitungen GLAUBE UND HEIMAT (Weimar/Magdeburg) und DER SONNTAG (Leipzig)

Für diesen Artikel ist der Bereich für Lesermeinungen geschlossen.