In Gärten etwas fürs Leben lernen

Werden und Vergehen, Mühe und Arbeit, Vergeblichkeit und Misserfolg – über die geistliche Dimension von Gärten (3)

Fortsetzung von Das Paradies als Ort der Sehnsucht und Synonym für Segen, Frieden und Liebe

Mit diesem Beitrag beenden wir unsere dreiteilige Serie über Gärten in der Bibel und im Alltag.

Foto: Maik Schuck

Foto: Maik Schuck

Gott der Allmächtige pflanzte zuerst einen Garten, und er ist in der Tat die reinste der menschlichen Freuden.« (Francis Bacon) Immer, wenn wir einen Garten betreten, spüren wir, wie schön das Leben ist. Kein Wunder, dass Gärtner glückliche Menschen sind. »Ich leugne es nicht, dass unter allen irdischen Dingen nichts zu finden ist, das mich mehr und höher könne belustigen als ein schöner Garten«, schrieb Mitte des 17. Jahrhunderts der Pfarrer, Gartenliebhaber und Poet Johann Rist aus Wedel bei Hamburg.

»Glaubet mir, wenn ich eine liebliche Blume, ein wohl gebildetes Kraut, eine anmutig riechende Staude, einen zierlich gewachsenen fruchtbaren Baum mag sehen, so springt gleichsam mein Herz für Freuden. Und kann ich mir solche guten Gedanken darüber machen, dass ich meine Glückseligkeit auch mit dem allergrößten Reichtum nicht würde begehren zu tauschen.« Anscheinend geht es vielen Menschen ähnlich. Nicht alle haben ein Stück Erde, das sie gestalten können, manchen fehlen die Kenntnisse, die Zeit oder die Kraft.

Aber da gibt es immer noch den Blick in Nachbars Garten, den Spaziergang durch Parkanlagen oder die gern genutzte Gelegenheit, am Tag der Offenen Gärten hinter die Mauern zu schauen und sich mitzufreuen. Das tut der Seele gut.

Einen Garten anzulegen, ist ein schöpferischer Akt, der nie abgeschlossen ist. In jedem Gartenjahr kommen neue Ideen zum Zug. »Es gibt kein größeres und wunderbareres Schauspiel und keines, bei dem sich der menschliche Verstand in einem besseren Sinne unterhalten könnte«, schreibt Kirchenvater Aurelius Augustinus (gest. 430). »Hier kann er den ­Samen ausstreuen, Schösslinge pflanzen, Reiser aufpfropfen, junge Stauden setzen und dabei jede Wurzel- und Sprosskraft gleichsam nach ihrem Vermögen und ihren Grenzen fragen, nach deren Ursprung und nach dem, was sie aus sich und was sie mit Hilfe der ihr von außen zugewandten Pflege vermag. Und bei diesen Erwägungen kann er sich zu der Erkenntnis aufschwingen, dass weder der, der pflanzt, noch der, der begießt etwas ist, sondern der allein, der das Wachstum gibt, Gott.«

Gärten machen bescheiden. Man kann zwar mit Rollrasen und vorgezogenen Pflanzen eine Bundesgartenschau aus dem Boden stampfen – in Gärten von Dauer braucht es einen langen Atem. »Geduld ist des Gärtners Tugend«, heißt ein weiser Spruch. Was dem Gärtner üppig vor Augen steht, sieht in der Realität anfangs sehr unscheinbar aus. Nicht alles wächst so schnell wie gewünscht, nicht jede Blume gedeiht, gar manche wohl­überlegte Pflanzung enttäuscht. Anderes wirkt besser als gedacht. Es gibt Wachswetter und trockene Zeiten, fruchtbare Jahre und magere. Manchmal halten sich Unkraut und Schädlingsbefall in Grenzen, andermal nehmen sie überhand. Der Gartenplan mag noch so detailliert und gut durchdacht, die Arbeit noch so intensiv getan worden sein – das Ergebnis bleibt offen. Gärten erziehen zur Demut und lassen keine Überheblichkeit aufkommen.

Überhaupt lasse sich in Gärten ­etwas fürs Leben lernen, fand ein gewisser Pfarrer Moser anno 1890, und zwar fürs geistliche Leben eines Seelsorgers. Man lerne Geduld und Ausdauer, das Schwache zu pflegen und das Verwundete zu heilen. Man sehe, dass das Edle am langsamsten wachse und das Gemeine üppig und ohne Mühe aufschieße, dass zuweilen aus edlem Samen nichts Rechtes werde, während bereits Aufgegebenes und Kränkelndes sich fasse und erhole. Man müsse erleben, dass manches, über dessen fröhliche Entwicklung man sich gefreut habe, plötzlich welke und manch schöne Frucht innen faul sei. »Ja«, fasst er zusammen, »neben dem vergnüglichen Promenieren im Garten fasst man auch Mut und Trost, wenn es im geistlichen Leben der ­Gemeinde nicht besser geht.«

Der Garten zeigt also nicht nur, wie schön das Leben ist, sondern auch wie kompliziert. Er predigt von Gott, erinnert an das Paradies und schenkt Augenblicke des Glücks. Aber er spiegelt keine falsche Idylle. Werden und Vergehen, Mühe und Arbeit, Vergeblichkeit und Misserfolg gehören dazu. »Der Garten ist eine Gabe Gottes an uns Menschen, ein Impfstoff, der uns aufmerksam macht für das Leben, ­seinen Genuss und seine Gefahren.« (Bischöfin Maria Jepsen)

Christine Lässig

Schöpfers Segen

Wenn der Satan
mit seinen Gliedern
tobt und wütet,
so will ich ihn
verlachen
und des Schöpfers Segen,
die Gärten,
betrachten und genießen
zu seinem Lob.

Martin Luther

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