Synonym für Segen, Frieden und Liebe

»Heute wirst du mit mir im Paradies sein« – über die geistliche Dimension von Gärten (2)
Fortsetzung von Das Paradies als Ort der Sehnsucht


Von Gärten ist in der Bibel nicht allzu oft die Rede. Von der Schönheit und Fruchtbarkeit der Schöpfung schon. Die Psalmen wissen ein Lied davon zu singen. Pflanzen werden zum Gleichnis für Werden und Vergehen, für menschliches Verhalten, für göttliches Handeln. Aber ein Garten ist nicht ein Ausschnitt unberührter Natur, sondern ein umfriedetes, gestaltetes Stückchen Erde, das Ergebnis gottgeschenkter Möglichkeiten und menschlicher Kultur. Dort spielen nur wenige Geschichten in der Bibel. Wo es geschieht, sind es jedoch Orte, wo ganz Entscheidendes passiert. »In einem Garten ging die Welt verloren, in einem Garten ward sie erlöst.« (Blaise Pascal) Und auf einen Garten hofft sie, kann man hinzufügen.

Das Paradies, der Garten Gethsemane wie das Gartengrab nahe Golgatha und der paradiesische Platz im himmlischen Jerusalem stehen für Sündenfall, Heilsgeschichte und Zukunftshoffnung, für Gotteserfahrung und Selbsterkenntnis.

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In einem Garten ging die Welt zugrunde, in einem Garten wurde sie erlöst. Blaise Pascal (Foto: picture-alliance)

Gärten sind in der Bibel nicht nur schöne Orte mit lebensspendendem Wasser, Bäumen und Blumen, Obst und Gemüse. Sie sind schon im Alten Testament Synonyme für Segen, Frieden, Liebe. Gott wird sein Volk in ein Land führen mit Bächen, Quellen und Grundwasser, ein Land mit Weizen und Gerste, mit Weinstock, Feigenbaum und Granatbaum, ein Land mit Ölbaum und Honig, verspricht Mose (5. Mose 8,7). Das durch Krieg zerstörte Israel soll wie der Garten Eden werden, prophezeit Hesekiel (36,35). Die Gott suchen und der Gerechtigkeit nachjagen, werden sein wie ein bewässerter Garten, verheißt Jesaja (58,11).

Baut Häuser und wohnt darin; pflanzt Gärten und esst ihre Früchte, schreibt Jeremia (29,5) nach Babylon, denn das Exil wird lange dauern. Salomos Hohelied vergleicht die Geliebte voller Poesie mit einem Garten voll erlesener Pflanzen. Die Erinnerung ans Paradies steht überall Pate.

Auch Jesus greift sie auf, und das in einer Situation, in der Worte ein besonderes Gewicht haben. »Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein«, verspricht er kurz vor seinem Tod einem der beiden Schächer am Kreuz (Lukas 23,43). Der verschlossene Garten Eden steht wieder offen. Christus ist der neue Adam, der durch keinen Cherub mehr vom Paradies ferngehalten wird. Was der alte Adam gesündigt hat, ist gesühnt.

Und so schließt sich der Kreis, wenn es in der Offenbarung des Johannes (2,7) am Ende der Bibel heißt: »Wer siegt, dem werde ich zu essen geben vom Baum des Lebens, der im Paradies Gottes steht.« In der Vision vom himmlischen Jerusalem findet sich auch der Paradiesstrom wieder, gesäumt von immer tragenden Bäumen des Lebens, deren Blätter zur Heilung der Völker dienen (Offenbarung 22,2).

Das Paradies am Anfang der Bibel und am Ende, ein Garten als Sehnsuchtswort für das irdische Leben und Sinnbild für das ewige. Zwischendurch die Leidensgeschichte, die mit einer durchwachten Nacht unter den Ölbäumen im Garten Gethsemane und dem Kuss des Judas beginnt und in einem Gartengrab nahe Golgatha endet. Dort begegnet Maria Magdalena dem Auferstandenen und – hält ihn für den Gärtner (Johannes 20,15).

Einsamkeit und Verzweiflung, Verrat und Tod, Trauer, Irrtum und Erkennen – auch das spielt sich in Gärten ab, von denen die Bibel erzählt. Selbst der Garten Gottes ist ja bei aller Vollkommenheit keine lebensferne Idylle, sondern auch Schauplatz des Sündenfalls. Gärten berühren die Seele und gehen ans Herz – so oder so.

Christine Lässig

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