Kirche muss in der Gemeinde stark sein
18. Juni 2009 von Gemeinsame Redaktion
Abgelegt unter Im Blickpunkt
Jahrzehnte Ehrenamt in der Kirche und sechs Jahre Präses der EKD-Synode: Barbara Rinke
Vom Küchentisch aus geht der Blick in den Garten des Reihenhauses. Wiese und Sträucher werden vom Regen gewaschen. Die Nordhäuser Oberbürgermeisterin Barbara Rinke bringt Kaffee. Zwei Anrufer muss sie noch vertrösten – später, jetzt ist sie im Gespräch. Familie, Politik und Kirche bestimmen das Leben der 62-Jährigen. Im kirchlichen Ehrenamt ist sie schon Jahrzehnte tätig, davon sechs Jahre als Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Barbara Rinke – die Nordhäuser Oberbürgermeisterin ist seit Langem für ihre Kirche engagiert. Foto: Dietlind Steinhöfel
Barbara Rinke ist in Nordhausen aufgewachsen – mit Eltern und Großeltern in einer geräumigen Wohnung. Vor allem die Großmütter waren immer für sie da. Sie erzählt von der Kinderstunde in der Adventgemeinde, die sie besuchte, weil die im Hause war; vom Reformationstag, der für die Großmutter aus reformierter Tradition der wichtigste Tag im Jahr war; von Wanderungen im Harz …
Die Eltern besaßen ein Unternehmen für Maschinen-, Motorenbau und Reparatur. Mit 24 Jahren, als ihr Vater schwer erkrankte, übernahm sie die Betriebsleitung. Damals war der Betrieb noch »halbstaatlich« und die Enteignung stand bevor. Sie erinnert sich an eine Dame vom Rat des Kreises, die damals zu ihr kam. »Ich saß auf der Treppe, sie stieg einfach über mich drüber und sagte: ›Auch um Sie wird der Sozialismus keinen Bogen machen‹.« Der Sozialismus hat keinen Bogen gemacht, aber er hat sich 28 Jahre später verabschiedet, Barbara Rinke bekam ihren Betrieb zurück, trat in die SPD ein und engagierte sich in der Politik. Doch das war für die junge Frau 1972 noch nicht abzusehen.
Erstmal kamen Ehe und Kinder. Vier Töchter hat Barbara Rinke. Während der »Babyzeit« begann ihr Engagement in der evangelischen Kirche. Bis 1994 war sie im Gemeindekirchenrat von Nordhausen, wurde in die Kreissynode und die Synode der Kirchenprovinz gewählt. Mit den Theologen Markus Meckel, Friedrich Schorlemmer und Heino Falcke arbeitete sie im Ausschuss »Weltverantwortung« innerhalb des Konziliaren Prozesses. »Das war für mich eine wichtige Zeit, weil ich viel gelernt habe über demokratische Prozesse in der Kirche«, erzählt sie.
Ihr Glauben gibt ihr im Leben Halt. Vor allem vom Nordhäuser Propst Joachim Jäger habe sie erfahren, wie Glauben tragen kann. Mit ihren Kindern sei sie als junge Frau jeden Sonntag mit Begeisterung in den Gottesdienst gegangen. »Man braucht ein geistliches Fundament«, unterstreicht sie. Sie wisse, dass die Kraft, die Aufgaben zu bewältigen, nicht die eigene, sondern geschenkt ist.
Diese Erfahrung hat sie mitgenommen in die gesamtdeutsche Synode, die sich 1991 wieder zusammenschloss. Es sei eine »gute geschwisterliche Gemeinschaft«. Sechs Jahre – von 2003 bis 2009 – stand sie ihr als Präses vor. Ein großes Vorhaben in dieser Zeit war die Vernetzung der großen evangelischen Vereinigungen der unierten Kirche (UEK), der lutherischen Kirche (VELKD) und der EKD, das sogenannte Verbindungsmodell. In diesem Frühjahr tagten deren Synoden zum ersten Mal zeitgleich.
Doch Strukturen, resümiert sie, sei das eine. Noch wichtiger sei die Arbeit an der Basis. »Die Kirche muss in den Gemeinden stark sein, damit sich die Menschen verstanden und angesprochen fühlen.« Und für die EKD-Synode, der sie weiterhin angehört, wünscht sie, »dass wieder mehr Diskussionsfreudigkeit entsteht, dass wir die Demokratie nicht aus den Augen verlieren und die Ökumene wieder deutlichen Aufwind bekommt«.
Dietlind Steinhöfel
