Weniger Geld, weniger Mitarbeiter

11. Juni 2009 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Eine Welt

Nachgefragt: Was bedeuten die Kirchenfusionen für das traditionsreiche Leipziger Missionswerk?

Auch wenn die Existenz des Leipziger Missionswerks nicht in Gefahr ist – es muss sich auf neue Arbeits-
bedingungen einstellen.

logo-lmw_600-dpiDas Evangelisch-Lutherische Missionswerk in Leipzig (LMW) wurde bisher von den Landeskirchen Sachsens, Mecklenburgs und Thüringens getragen. Seit 1. Januar 2009 ist die aus der Fusion von Thüringen und der Kirchenprovinz Sachsen entstandene Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) Mitträger des Werkes. Durch die Pläne zur Pfingsten 2012 startenden Nordkirche überdenkt auch Mecklenburg die Kooperation. »Ich rechne fest mit einem Ausstieg«, so Michael Hanfstängel, der Direktor des LMW.

Andreas Flade drückt es vorsichtiger aus: »Im Rahmen der geplanten Kirche im Norden ist vorgesehen, dass alle drei beteiligten Kirchen ein gemeinsames Missionswerk anstreben«, so der Mecklenburger Oberkirchenrat. »Dies könnte den Ausstieg Mecklenburgs aus der Trägerschaft bedeuten.« Michael Hanfstängel entgegnet: »Wir müssen dann einen sozialverträglichen Ausstieg verhandeln.« Eine Überbrückung von drei Jahren durch finanzielle Zuschüsse könne er sich vorstellen.

Steigen die Mecklenburger aus, fehlen dem Missionswerk 138000 Euro. Im Sparen ist es geübt, 110000 Euro innerhalb von drei Jahren wurden aus dem Haushalt gekürzt. Missionarsstellen, die befristet sind, sollen nicht verlängert oder neu besetzt werden. Auch die Stelle des Ausländerbeauftragten kann nicht neu besetzt werden. Der Archivarin wurde betriebsbedingt gekündigt und eine Stelle in der Buchhaltung wird wegfallen.

Strukturfragen müssen geklärt werden
Mitte Mai tagte der Missionsausschuss, bestehend aus Vertretern der Landeskirchen, des Freundes- und Förderkreises und gewählten Mitgliedern aus den Bereichen Weltdienst und Theologische Fakultät. Eine Kommission setzt sich nun mit der Satzungsänderung und der Neuverteilung der Sitze auseinander. »Bis die Gesamtzahl der Entsandten aus der EKM geklärt ist, nehme ich an den ­Sitzungen teil«, so der Magdeburger Oberkirchenrat und Missionsbeauftragte Christoph Hartmann, der als ständiger Gast nicht stimmberechtigt ist.

Im Missionsausschuss wurde außerdem bestimmt, dass die Stelle des Papua Neuguinea-Referenten neu vergeben wird, allerdings zahlt Sachsen einen Großteil der befristeten Stelle. »Der sächsischen Landeskirche sind alle drei Partnerkirchen gleich wichtig«, freut sich Missionsdirektor Hanfstängel.
Denn nicht nur die Strukturen, auch die inhaltliche Ausrichtung verändert sich durch die Fusion der EKM. Die Tansaniaarbeit wird verstärkt, da die Traditionen dieser Arbeit aus beiden Landeskirchen zusammengeführt wurden. Der EKM-Tansaniafonds beinhaltet rund 300000 Euro pro Jahr.

Bisher wurden vom Missionswerk fünf lutherische Diözesen im Norden Tansanias unterstützt. Durch die starke Tansaniaarbeit der Kirchenprovinz begleitet das Werk seit 2009 auch sechs Diözesen im Süden Tansanias. »Diese Partnerschaften haben hohe Qualität und viel Tiefgang, da sie von unten, also von den Gemeinden und Kirchenkreisen, organisiert werden«, so Hanfstängel.

Auf dem Weg zu einem Zentrum der Ökumene?
Für die Zukunft sieht der Direktor Mission nicht als Einbahnstraße, sondern als gleichberechtigtes Programm zu beiden Seiten. Mittlerweile seien in Tansania und Papua Neuguinea mehr als doppelt so viele Menschen getauft als in den ostdeutschen Bundesländern. Seit vier Jahren kommen durch das Programm »Mission to the North« (Mission in den Norden) Menschen aus den Partnerkirchen nach Deutschland. »Sie bringen durch ihre oft auch unbequemen Fragen Denkprozesse in Gang«, konstatiert Hanf­stängel. »Sie sagen uns, dass wir unseren Glauben nicht verstecken sollen – der Schwerpunkt der Arbeit dreht sich also um.«

Außerdem wirbt Hanfstängel für eine Neuorganisierung – hin zum Ökumenezentrum, das alle kirchlichen Werke, die sich mit »Eine Welt«-Themen auseinandersetzen, unter ­einem Dach bündelt. Diese Änderungen werden wohl nicht bis zum 175. Jubiläum des Missionswerkes 2011 eintreten, aber vielleicht in fünf bis zehn Jahren.

Annika Falk


www.lmw-mission.de

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