Dem Geheimnis des Glaubens nähern
4. Juni 2009 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de
Abgelegt unter Glaube und Alltag
Trinitatis zeigt uns, dass wir an einen Gott glauben

Ein Fenster als Symbol für die Dreieinigkeit.
Wir Menschen sind begrenzt. Dabei gehen wir oft über Grenzen. Nicht nur Dank der inzwischen normal empfundenen Reisefreiheit, sondern auch, weil wir immer dann, wenn wir etwas lernen, über eine bis dahin gültige Grenze gehen und wachsen.
Wir neuzeitlichen Menschen mögen nicht gern, wenn uns Grenzen gesetzt werden, und merken gleichwohl, wenn es geschieht. Trinitatis zum Beispiel ist ein Fest, das unserem Denken Grenzen setzt. Wir haben uns ihm zunehmend entfremdet. Dabei prägt es zahlenmäßig das Kirchenjahr wie kein zweites. Bis zu 24 Sonntage nach Trinitatis kann es geben. Neben Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten fordert Trinitatis uns und unseren Glauben am meisten heraus.
Zweifel ist ein Ausdruck von Lebendigkeit
Die Diskussionen zur Osterzeit zeigten, dass es auch von vielen Christen wie ein hinter Dornen liegendes verwunschenes Schloss betrachtet wird. Dreieinigkeit – was ist das?
Das in seiner Zeit schlüssige Denken des Anselm von Canterbury entspricht uns nicht mehr. Es bedient in fataler Weise eher das abzulehnende Bild eines blutrünstigen Vatergottes. Benötigt Gott ein Opfer, das seinen Zorn stillt und ihm Genugtuung gibt? Ich persönlich glaube das nicht und die Begründung liefert uns das Trinitatisfest!
Im Alltag kennen wir die Anfragen zum Beispiel der Muslime, die uns Christen endlich wieder herausfordern, uns unseres Glaubens zu vergewissern. »Glaubt ihr nicht an drei Götter?« Haben sie Recht? Woran glauben wir eigentlich?
Würden wir dazu Alt und Jung in unseren Gemeinden befragen, hörten wir vermutlich vielfältige Antworten. Wie immer, wenn wir uns nicht sicher sind. Oder wir hörten klare Antworten, die keinen Zweifel und Widerspruch zuließen. Auch das ein Zeichen von Unsicherheit, die an Buchstaben Halt sucht. Dabei ist Zweifel ein Ausdruck von Lebendigkeit. Auch Jesus zweifelte im Garten Gethsemane! Wenn wir ernst nehmen, was wir im Glaubensbekenntnis sprechen, kommen wir nicht umhin für wahr zu halten, dass Glaube mehr ist als ein Wissen, das sich ausschließlich auf (Be)greifen gründet. Wer nur glaubt, was er auch anfassen kann, ist ein armer Tropf.
Trinitatis heißt Drei in einem. Was heute bei jeder Zahncreme unhinterfragt normal ist, will uns bei Gott nicht einleuchten? Wenn Gott in Jesus und dem Heiligen Geist der Eine ist, dann ist er auch nicht in blutrünstigen Vatergott und leidenden Sohn auseinanderzudividieren. Gott lässt sich herausdrängen ans Kreuz (Bonhoeffer). Er selbst ist in seinem Sohn am Kreuz. Er selbst besiegt den Tod, der bis in die Zeit Jesu der Ort der absoluten Gottesferne war: die Sheol, das Totenreich, und nimmt den Tod in sich auf und überwindet ihn.
Die Dreiheit Gottes in Einheit sehen
Das Auseinandertreten der Personen ist die Folge unserer Begrenztheit. Wir brauchen die Personen, um uns dem Geheimnis des Glaubens zu nahen. Doch sie beschreiben Gott nicht annähernd, er bleibt unbeschreibbar. Deshalb können unsere Worte nicht dazu dienen, aus ihm einen bösen Vatergott zu machen, der das Opfer seines Sohnes nötig hätte. Vielmehr ist es der Geist, der uns der Nähe Gottes unter uns vergewissert. Überall dort, wo Leben gelingt, Gemeinschaft trägt, Liebe erfüllt, ist er unverfügbar nah, die Stimme »schwebenden Schweigens« (Buber). Er holt den Vater aus dem Jenseits und Jesus aus der Vergangenheit in unsere Gegenwart hinein.
Trinitatis ist die Chance, die Dreiheit der Gottheit in Einheit zu sehen. Gott entäußerte sich selbst und nahm Menschengestalt (Philipper 2,7) an, um uns mit sich zu versöhnen. Das ist die Botschaft von Ostern. Er bleibt aber der Eine. Seine Erscheinung, wahrnehmbar in Jesus, bedeutet nicht, dass er nun aus zwei Personen bestünde. Himmelfahrt führt wieder zusammen, was nie wirklich getrennt war. Trinitatis hingegen zeigt uns, dass wir an einen Gott glauben. Wir vermögen das nicht zu begreifen, wir schauen wie in einen matten Spiegel und sehen ein unscharfes Bild von ihm, menschlich in drei Personen aufgeteilt, damit wir verstünden, was nicht zu (be)greifen ist. Dereinst aber werden wir ihn von Angesicht zu Angesicht schauen (1. Korinther 13,12) und den erkennen, der uns schon erkannt hat.
Kristóf Bálint
