In Gärten etwas fürs Leben lernen

25. Juni 2009 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de  
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Werden und Vergehen, Mühe und Arbeit, Vergeblichkeit und Misserfolg – über die geistliche Dimension von Gärten (3)

Fortsetzung von Das Paradies als Ort der Sehnsucht und Synonym für Segen, Frieden und Liebe

Mit diesem Beitrag beenden wir unsere dreiteilige Serie über Gärten in der Bibel und im Alltag.

Foto: Maik Schuck

Foto: Maik Schuck

Gott der Allmächtige pflanzte zuerst einen Garten, und er ist in der Tat die reinste der menschlichen Freuden.« (Francis Bacon) Immer, wenn wir einen Garten betreten, spüren wir, wie schön das Leben ist. Kein Wunder, dass Gärtner glückliche Menschen sind. »Ich leugne es nicht, dass unter allen irdischen Dingen nichts zu finden ist, das mich mehr und höher könne belustigen als ein schöner Garten«, schrieb Mitte des 17. Jahrhunderts der Pfarrer, Gartenliebhaber und Poet Johann Rist aus Wedel bei Hamburg.

»Glaubet mir, wenn ich eine liebliche Blume, ein wohl gebildetes Kraut, eine anmutig riechende Staude, einen zierlich gewachsenen fruchtbaren Baum mag sehen, so springt gleichsam mein Herz für Freuden. Und kann ich mir solche guten Gedanken darüber machen, dass ich meine Glückseligkeit auch mit dem allergrößten Reichtum nicht würde begehren zu tauschen.« Anscheinend geht es vielen Menschen ähnlich. Nicht alle haben ein Stück Erde, das sie gestalten können, manchen fehlen die Kenntnisse, die Zeit oder die Kraft.

Aber da gibt es immer noch den Blick in Nachbars Garten, den Spaziergang durch Parkanlagen oder die gern genutzte Gelegenheit, am Tag der Offenen Gärten hinter die Mauern zu schauen und sich mitzufreuen. Das tut der Seele gut.

Einen Garten anzulegen, ist ein schöpferischer Akt, der nie abgeschlossen ist. In jedem Gartenjahr kommen neue Ideen zum Zug. »Es gibt kein größeres und wunderbareres Schauspiel und keines, bei dem sich der menschliche Verstand in einem besseren Sinne unterhalten könnte«, schreibt Kirchenvater Aurelius Augustinus (gest. 430). »Hier kann er den ­Samen ausstreuen, Schösslinge pflanzen, Reiser aufpfropfen, junge Stauden setzen und dabei jede Wurzel- und Sprosskraft gleichsam nach ihrem Vermögen und ihren Grenzen fragen, nach deren Ursprung und nach dem, was sie aus sich und was sie mit Hilfe der ihr von außen zugewandten Pflege vermag. Und bei diesen Erwägungen kann er sich zu der Erkenntnis aufschwingen, dass weder der, der pflanzt, noch der, der begießt etwas ist, sondern der allein, der das Wachstum gibt, Gott.«

Gärten machen bescheiden. Man kann zwar mit Rollrasen und vorgezogenen Pflanzen eine Bundesgartenschau aus dem Boden stampfen – in Gärten von Dauer braucht es einen langen Atem. »Geduld ist des Gärtners Tugend«, heißt ein weiser Spruch. Was dem Gärtner üppig vor Augen steht, sieht in der Realität anfangs sehr unscheinbar aus. Nicht alles wächst so schnell wie gewünscht, nicht jede Blume gedeiht, gar manche wohl­überlegte Pflanzung enttäuscht. Anderes wirkt besser als gedacht. Es gibt Wachswetter und trockene Zeiten, fruchtbare Jahre und magere. Manchmal halten sich Unkraut und Schädlingsbefall in Grenzen, andermal nehmen sie überhand. Der Gartenplan mag noch so detailliert und gut durchdacht, die Arbeit noch so intensiv getan worden sein – das Ergebnis bleibt offen. Gärten erziehen zur Demut und lassen keine Überheblichkeit aufkommen.

Überhaupt lasse sich in Gärten ­etwas fürs Leben lernen, fand ein gewisser Pfarrer Moser anno 1890, und zwar fürs geistliche Leben eines Seelsorgers. Man lerne Geduld und Ausdauer, das Schwache zu pflegen und das Verwundete zu heilen. Man sehe, dass das Edle am langsamsten wachse und das Gemeine üppig und ohne Mühe aufschieße, dass zuweilen aus edlem Samen nichts Rechtes werde, während bereits Aufgegebenes und Kränkelndes sich fasse und erhole. Man müsse erleben, dass manches, über dessen fröhliche Entwicklung man sich gefreut habe, plötzlich welke und manch schöne Frucht innen faul sei. »Ja«, fasst er zusammen, »neben dem vergnüglichen Promenieren im Garten fasst man auch Mut und Trost, wenn es im geistlichen Leben der ­Gemeinde nicht besser geht.«

Der Garten zeigt also nicht nur, wie schön das Leben ist, sondern auch wie kompliziert. Er predigt von Gott, erinnert an das Paradies und schenkt Augenblicke des Glücks. Aber er spiegelt keine falsche Idylle. Werden und Vergehen, Mühe und Arbeit, Vergeblichkeit und Misserfolg gehören dazu. »Der Garten ist eine Gabe Gottes an uns Menschen, ein Impfstoff, der uns aufmerksam macht für das Leben, ­seinen Genuss und seine Gefahren.« (Bischöfin Maria Jepsen)

Christine Lässig

Schöpfers Segen

Wenn der Satan
mit seinen Gliedern
tobt und wütet,
so will ich ihn
verlachen
und des Schöpfers Segen,
die Gärten,
betrachten und genießen
zu seinem Lob.

Martin Luther

Willenserklärung künftig bindend

25. Juni 2009 von Gemeinsame Redaktion  
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Patientenverfügung: Parlament beschließt gesetzliche Grundlage – Kirchen sehen Entscheidung kritisch

Schriftlich abgefasste Patientenverfügungen sind künftig rechtlich bindend, egal,
in welchem Stadium der ­Erkrankung sich der Patient befindet.

Eine Patientenverfügung soll die Selbstbestimmung in medizinischen ­Behandlungsfragen bis zum Lebensende sichern.	Foto: Melodi T. (scx.hu)

Eine Patientenverfügung soll die Selbstbestimmung in medizinischen ­Behandlungsfragen bis zum Lebensende sichern. Foto: Melodi T. (scx.hu)

Mit einer Mehrheit von 317 Stimmen beschloss der Bundestag in der vergangenen Woche einen vom SPD-Abgeordneten Joachim Stünker und Bundesjustizministerin Brigitte Zypries vorgelegten Gesetzesentwurf. Er besagt, dass der Patientenwille künftig Vorrang hat: Wenn sich ein Patient nicht mehr äußern kann, hat der Arzt die Verfügung zu beachten, auch wenn die Erkrankung heilbar wäre. Wenn keine Verfügung vorliegt, sollen die Ärzte und ein Betreuer des Patienten dessen mutmaßlichen Willen im Dialog ermitteln. Sind sie sich nicht einig, muss ein Vormundschaftsgericht entscheiden.

Zuvor hatten die Abgeordneten noch einmal lebhaft über das Thema debattiert, denn mit den Gesetzesentwürfen von Wolfgang Bosbach (CDU) und Wolfgang Zöller (CSU) sowie dem Antrag des Unionspolitikers Hubert Hüppe, der gar keine Gesetzesregelung wollte, standen drei weitere ­Vorschläge zur Abstimmung an. Neue Argumente gab es in der Debatte, bei der ohne Fraktionszwang diskutiert wurde, allerdings nicht.

»Wenn wir es ernst nehmen, dass wir seit 2003 über dieses Thema streiten – dann haben die, die jetzt sagen, wir brauchen keine Regelung, die ­Diskussion verschlafen«, sagte der SPD-Abgeordnete Christoph Strässer, der den Entwurf von Stünker unterstützte. In der Debatte fiel vor allem der starke Riss auf, der sich durch die CDU/CSU-Fraktion zog: Wie in keiner anderen Partei verteilte sich die Zustimmung ihrer Mitglieder auf alle vier Entwürfe und Anträge. Dabei war der vom CSU-Politiker Zöller eingebrachte Text noch deutlich liberaler als der Stünker-Entwurf: Zöller plädierte dafür, auch mündliche Äußerungen der Patienten als Verfügung gelten zu lassen.

Der zunächst auch von der Evangelischen Kirche in Deutschland unterstützte Entwurf des Abgeordneten Wolfgang Bosbach (CDU) sah dagegen vor, dass Patientenverfügungen nur bei irreversiblen, in jedem Fall zum Tode führenden Krankheiten gelten sollten. »Wir haben versucht, zu bedenken, was bedacht werden muss, und nicht zur regeln, was nicht unbedingt geregelt werden muss«, sagte die Präses der EKD-Synode und Vizepräsidentin des Bundestags, Katrin ­Göring-Eckardt, die diesen Entwurf ebenfalls unterstützte.

Doch zum Schluss hatten sich beide großen Volkskirchen dafür ausgesprochen, besser gar keinen Entwurf zu unterstützen, als eine umstrittene oder mangelhafte Lösung. »Das jahrelange überparteiliche Mühen hat aber gezeigt, dass es für die schwierigen Fragen am Lebensende keine wirklich überzeugenden juristischen Lösungen gibt«, schrieb Sachsens Landesbischof Jochen Bohl erst in der vergangenen Woche in einem Beitrag der Berliner Kirchenzeitung. Ähnlich äußerten sich seit längerem etwa auch die Bundesärztekammer oder die Deutsche Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie. Den siegreichen Stünker-Entwurf lehnten die Kirchen stets ab.

Entsprechend zeugen die Stellungnahmen der Kirchen von Enttäuschung: Die Balance zwischen Selbstbestimmung und Fürsorge stimme in dem Stünker-Entwurf nicht, der insgesamt »keine Verbesserung gegenüber der bisherigen Rechtslage« biete, sagte der EKD-Ratsvorsitzende, Bischof Wolfgang Huber. Er bedauere, dass sich das ­Parlament für diesen Entwurf ausgesprochen hat.

Deutlich kritisierte auch der Vor­sitzende der römisch-katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Freiburgs Erzbischof Robert Zollitsch, die Parlamentsentscheidung. »Von jetzt an wird für den Fall, dass ein Patient aktuell einwilligungsunfähig ist, der in seiner Patientenverfügung vorab schriftlich erklärte Wille wie eine ­aktuelle Willenserklärung gewertet«, sagt Zollitsch. »An eine solche Gleichsetzung von vorab erklärtem Willen und aktuell entscheidendem Willen im Falle der Nichteinwilligungsfähigkeit haben wir berechtigte Anfragen.« Dies gelte vor allem für Wachkoma-Patienten: Nach dem neuen Gesetz könnte ihre Versorgung bei Vorliegen einer entsprechenden Verfügung eingestellt werden. Weswegen Zollitsch noch einmal betonte, dass »sich Wachkoma-Patienten und Menschen mit schwerster Demenz nicht in einer Sterbephase befinden.«

Beide Kirchen werden sich nun damit beschäftigen müssen, was die neue Gesetzeslage für die von ihnen seit Jahren propagierten christlichen Patientenverfügungen bedeutet.

Benjamin Lassiwe

»Sozialismus mit Gänsehaut«

25. Juni 2009 von Gemeinsame Redaktion  
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Jan Sokol erinnert sich:

Jan Sokol, Foto: Archiv

Jan Sokol, Foto: Archiv

Fragt jemand, was für mich ein Wunder ist«, sagt Jan Sokol, »dann antworte ich ihm: Die Art und Weise, wie der Kommunismus in der Tschechoslowakei gefallen ist.« Niemand im Land habe sich Ende der 80er-Jahre vorstellen können, wie das Regime anders hätte fallen sollen als mit schrecklicher Gewalt, erzählt der tschechische Philosoph, Bürgerrechtler und Politiker in einem Vortrag in der Dresdner Frauenkirche. Jan Sokol, 73, war Mechaniker und Goldschmied, ehe er es auf dem zweiten Bildungsweg zunächst zum Mathematiker und Programmierer, nach 1990 zum Philosophen brachte. Auch Politiker war er. Er hat sich an einer ökumenischen Bibelübersetzung beteiligt, 2004 ein Buch mit dem Titel »Mensch und Religion« veröffentlicht.

Alle Phasen der jüngsten tschechoslowakischen Geschichte hat er durchlebt. Die schlimmen 50er-Jahre mit mehr als 100000 politischen Gefangenen. Die Lockerung in den 60er-Jahren. Dann den Prager Frühling 1968. Als der niedergeschlagen wurde, befand er sich gerade auf einer Reise in Moskau. »Am 21. August erschienen keine Zeitungen«, erinnert er sich. »Düsenjäger flogen über die Stadt.« Ständig musste er den desinformierten Sowjetbürgern erklären, dass ihre Soldaten die Tschechoslowakei nicht von einmarschierenden NATO-Truppen befreiten.

Was folgte, sei keine schreckliche, aber eine traurige und hoffnungslose Zeit gewesen. Statt »Sozialismus mit menschlichem Antlitz« nun, wie man auf der Straße sagte, »Sozialismus mit Gänsehaut«.
Immer wieder, erzählt er, seien es »Kleinigkeiten« gewesen, die am Ende ungeahnt gewaltige Folgen für die Politik hatten. 1976 wurden nach einem Konzert die Musiker der »Plastic People of the Universe« verhaftet, eine der wichtigsten Rockgruppen der unabhängigen Kulturszene. Künstler, Intellektuelle, Arbeiter, Priester, ehemalige Kommunisten schrieben eine Petition gegen Menschenrechtsverletzungen. Sokol gehörte zu den Erstunterzeichnern. Berühmtheit erlangte diese »Charta 77« erst durch Berichte in den Westmedien.

»Wir machten die Erfahrung: Man kann etwas bewirken.« Einige Unterzeichner wurden verhaftet. »Es sah schon so aus, als sei unsere Aktion gescheitert.« Dann aber wurde eine Bürgerrechtsbewegung daraus. Wie wichtig sie war, sollte sich aber erst im Herbst 1989 zeigen. »Die Erst­unterzeichner waren sofort als Sprecher der Opposition legitimiert.«

Die politische Trennung der Tschechen und Slowaken habe er zunächst bedauert, sagt Sokol. Damals saß er für das Bürgerforum (OF) in der tschechoslowakischen Föderalversammlung, war stellvertretender Parlamentsvorsitzender. Später begriff er, dass es nicht anders ging.

Als Minister für Jugend und Schule erlebte er die übereilte Privatisierung der tschechischen Wirtschaft. »Ein Erdbeben mit bedenklichen Folgen.« Eine davon: Die ­riesige Korruption. Eine andere: Da die Geldinstitute nicht privatisiert wurden, kam es zu einer Finanz- und Bankenkrise. »Vielleicht aber haben deswegen die tschechischen Banken heute weniger Probleme. Wir haben die Krise bereits erlebt.«

Tomas Gärtner

Schweiz: Freidenker am Ende doch noch erfolgreich?

18. Juni 2009 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de  
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Die größte Kirchenzeitschrift der Schweiz – »reformiert.« – darf bei Schweizer Verkehrsbetrieben nicht mehr werben. Grund: Die Verkehrsbetriebe – unter ihnen die Postauto Schweiz – wollen keine »religiöse ­Werbung« in ihren Fahrzeugen mehr dulden.

Das umstrittene Plakat der schweizerischen Kirchenzeitung.

Das umstrittene Plakat der schweizerischen Kirchenzeitung.

Hintergrund der restriktiven Maßnahme ist eine Entscheidung der ­Verkehrsbetriebe mehrerer Schweizer Städte, die Plakate der Freidenker Vereinigung der Schweiz (FVS), nicht aufzuhängen. Die Freidenker wollten im Februar – analog zur Werbekampagne in Deutschland – in Bussen und Straßenbahnen mit dem Slogan werben: »Wahrscheinlich gibt es keinen Gott. Kein Grund zur Sorge, genieß das ­Leben.« Die Verkehrsbetriebe lehnten ab, weil sie keine Werbung wollten, die gegen weitverbreitete religiöse Überzeugungen der Bürger verstieß.

Es sollte eine Ablehnung mit ungeahnten Folgen werden. Denn als der Verlag der kantonalen Berner Ausgabe der Zeitschrift »reformiert.« eine Plakatkampagne für das Juni-Thema des Blattes lancieren wollte, zögerte die zuständige Plakatgesellschaft plötzlich. Die Werbeverbote hatten in der Zwischenzeit eine größere Debatte zum Thema »religiöse Werbung« vom Zaun gebrochen. Als die Redaktion von »reformiert.« bei »Bernmobil«, den Verkehrsbetriebe der Stadt Bern, nachfragte, meinte deren Sprecherin: »Die Direktion hat aufgrund dieser Debatte entschieden, inskünftig keinerlei Werbung mit religiösem Inhalt mehr zuzulassen.« Die Redaktion stellt jetzt betroffen fest: »Obwohl ­›reformiert.‹ Eine Zeitschrift ist – eine zudem, die redaktionell unabhängig ist und durchaus kritisch über Kirche und Religion berichtet –, fällt sie ­offenbar bei ›Bernmobil‹ unter eine Art ›Lex Freidenker‹.«

Ob die Botschaft des Plakates bei dieser Entscheidung mitgespielt hat? Es enthält nicht nur in großen Lettern das Thema der Juni-Ausgabe der Zeitung »Die Kirche am Ende. Am Ende die Kirche?«, sondern darüber noch fetter die Worte »ogott­ogott!«, wobei die »o« rot ausgefüllt sind.

Bei den Verkehrsbetrieben scheint somit folgende Logik gespielt zu haben: Wenn wir schon Plakate verbieten, die Gott infrage stellen, dürfen wir aus Gründen der Fairness auch keine Plakate aushängen, die direkt für »Gott« werben. Sonst wäre unsere Neutralität gegenüber den Auftraggebern verletzt. Die Kirchen und ihre Publikationen werden nicht mehr als Träger einer staatstragenden Kultur wahrgenommen, sondern als religiöse Organisation, die in Konkurrenz zu andern – auch Organisationen mit ­einer atheistischen Philosophie – ­stehen. Ob das den Kirchen passt oder nicht. Oh Gott, oh Gott!

Der Verlag wird jetzt die Plakate auf Plakatsäulen und in einigen Verkehrsbetrieben aufhängen, die das immer noch gestatten und hofft, dass die Entscheidung bei den übrigen Verkehrsbetrieben nicht in Stein gemeißelt sei.

Fritz Imhof

Synonym für Segen, Frieden und Liebe

18. Juni 2009 von Gemeinsame Redaktion  
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»Heute wirst du mit mir im Paradies sein« – über die geistliche Dimension von Gärten (2)
Fortsetzung von Das Paradies als Ort der Sehnsucht


Von Gärten ist in der Bibel nicht allzu oft die Rede. Von der Schönheit und Fruchtbarkeit der Schöpfung schon. Die Psalmen wissen ein Lied davon zu singen. Pflanzen werden zum Gleichnis für Werden und Vergehen, für menschliches Verhalten, für göttliches Handeln. Aber ein Garten ist nicht ein Ausschnitt unberührter Natur, sondern ein umfriedetes, gestaltetes Stückchen Erde, das Ergebnis gottgeschenkter Möglichkeiten und menschlicher Kultur. Dort spielen nur wenige Geschichten in der Bibel. Wo es geschieht, sind es jedoch Orte, wo ganz Entscheidendes passiert. »In einem Garten ging die Welt verloren, in einem Garten ward sie erlöst.« (Blaise Pascal) Und auf einen Garten hofft sie, kann man hinzufügen.

Das Paradies, der Garten Gethsemane wie das Gartengrab nahe Golgatha und der paradiesische Platz im himmlischen Jerusalem stehen für Sündenfall, Heilsgeschichte und Zukunftshoffnung, für Gotteserfahrung und Selbsterkenntnis.

Quelle: picture-alliance

In einem Garten ging die Welt zugrunde, in einem Garten wurde sie erlöst. Blaise Pascal (Foto: picture-alliance)

Gärten sind in der Bibel nicht nur schöne Orte mit lebensspendendem Wasser, Bäumen und Blumen, Obst und Gemüse. Sie sind schon im Alten Testament Synonyme für Segen, Frieden, Liebe. Gott wird sein Volk in ein Land führen mit Bächen, Quellen und Grundwasser, ein Land mit Weizen und Gerste, mit Weinstock, Feigenbaum und Granatbaum, ein Land mit Ölbaum und Honig, verspricht Mose (5. Mose 8,7). Das durch Krieg zerstörte Israel soll wie der Garten Eden werden, prophezeit Hesekiel (36,35). Die Gott suchen und der Gerechtigkeit nachjagen, werden sein wie ein bewässerter Garten, verheißt Jesaja (58,11).

Baut Häuser und wohnt darin; pflanzt Gärten und esst ihre Früchte, schreibt Jeremia (29,5) nach Babylon, denn das Exil wird lange dauern. Salomos Hohelied vergleicht die Geliebte voller Poesie mit einem Garten voll erlesener Pflanzen. Die Erinnerung ans Paradies steht überall Pate.

Auch Jesus greift sie auf, und das in einer Situation, in der Worte ein besonderes Gewicht haben. »Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein«, verspricht er kurz vor seinem Tod einem der beiden Schächer am Kreuz (Lukas 23,43). Der verschlossene Garten Eden steht wieder offen. Christus ist der neue Adam, der durch keinen Cherub mehr vom Paradies ferngehalten wird. Was der alte Adam gesündigt hat, ist gesühnt.

Und so schließt sich der Kreis, wenn es in der Offenbarung des Johannes (2,7) am Ende der Bibel heißt: »Wer siegt, dem werde ich zu essen geben vom Baum des Lebens, der im Paradies Gottes steht.« In der Vision vom himmlischen Jerusalem findet sich auch der Paradiesstrom wieder, gesäumt von immer tragenden Bäumen des Lebens, deren Blätter zur Heilung der Völker dienen (Offenbarung 22,2).

Das Paradies am Anfang der Bibel und am Ende, ein Garten als Sehnsuchtswort für das irdische Leben und Sinnbild für das ewige. Zwischendurch die Leidensgeschichte, die mit einer durchwachten Nacht unter den Ölbäumen im Garten Gethsemane und dem Kuss des Judas beginnt und in einem Gartengrab nahe Golgatha endet. Dort begegnet Maria Magdalena dem Auferstandenen und – hält ihn für den Gärtner (Johannes 20,15).

Einsamkeit und Verzweiflung, Verrat und Tod, Trauer, Irrtum und Erkennen – auch das spielt sich in Gärten ab, von denen die Bibel erzählt. Selbst der Garten Gottes ist ja bei aller Vollkommenheit keine lebensferne Idylle, sondern auch Schauplatz des Sündenfalls. Gärten berühren die Seele und gehen ans Herz – so oder so.

Christine Lässig

Kirche muss in der Gemeinde stark sein

18. Juni 2009 von Gemeinsame Redaktion  
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Jahrzehnte Ehrenamt in der Kirche und sechs Jahre Präses der EKD-Synode: Barbara Rinke

Vom Küchentisch aus geht der Blick in den Garten des Reihenhauses. Wiese und Sträucher werden vom Regen gewaschen. Die Nordhäuser Oberbürgermeisterin Barbara Rinke bringt Kaffee. Zwei Anrufer muss sie noch vertrösten – später, jetzt ist sie im Gespräch. Familie, ­Politik und Kirche bestimmen das Leben der 62-Jährigen. Im kirchlichen Ehrenamt ist sie schon Jahrzehnte tätig, davon sechs Jahre als Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Barbara Rinke – die Nordhäuser Oberbürgermeisterin ist seit Langem für ihre Kirche engagiert. Foto: Dietlind Steinhöfel

Barbara Rinke – die Nordhäuser Oberbürgermeisterin ist seit Langem für ihre Kirche engagiert. Foto: Dietlind Steinhöfel

Barbara Rinke ist in Nordhausen aufgewachsen – mit Eltern und Großeltern in einer geräumigen Wohnung. Vor allem die Großmütter waren immer für sie da. Sie erzählt von der Kinderstunde in der Adventgemeinde, die sie besuchte, weil die im Hause war; vom Reformationstag, der für die Großmutter aus reformierter Tradition der wichtigste Tag im Jahr war; von Wanderungen im Harz …

Die Eltern besaßen ein Unternehmen für Maschinen-, Motorenbau und Reparatur. Mit 24 Jahren, als ihr Vater schwer erkrankte, übernahm sie die Betriebsleitung. Damals war der Betrieb noch »halbstaatlich« und die Enteignung stand bevor. Sie erinnert sich an eine Dame vom Rat des Kreises, die damals zu ihr kam. »Ich saß auf der Treppe, sie stieg einfach über mich drüber und sagte: ›Auch um Sie wird der Sozialismus ­keinen Bogen machen‹.« Der Sozialismus hat keinen Bogen gemacht, aber er hat sich 28 Jahre später verabschiedet, Barbara Rinke bekam ihren Betrieb zurück, trat in die SPD ein und engagierte sich in der Politik. Doch das war für die junge Frau 1972 noch nicht abzusehen.

Erstmal kamen Ehe und Kinder. Vier Töchter hat Barbara Rinke. Während der »Babyzeit« begann ihr Engagement in der evangelischen Kirche. Bis 1994 war sie im Gemeindekirchenrat von Nordhausen, wurde in die Kreissynode und die Synode der Kirchenprovinz gewählt. Mit den Theologen Markus Meckel, Friedrich Schorlemmer und Heino Falcke arbeitete sie im Ausschuss »Weltverantwortung« innerhalb des Konziliaren Prozesses. »Das war für mich eine wichtige Zeit, weil ich viel gelernt habe über demokratische Prozesse in der Kirche«, erzählt sie.

Ihr Glauben gibt ihr im Leben Halt. Vor allem vom Nordhäuser Propst Joachim Jäger habe sie erfahren, wie Glauben tragen kann. Mit ihren Kindern sei sie als junge Frau jeden Sonntag mit Begeisterung in den Gottesdienst gegangen. »Man braucht ein geistliches Fundament«, unterstreicht sie. Sie wisse, dass die Kraft, die Aufgaben zu bewältigen, nicht die eigene, sondern geschenkt ist.

Diese Erfahrung hat sie mitgenommen in die gesamtdeutsche Synode, die sich 1991 wieder zusammenschloss. Es sei eine »gute geschwisterliche Gemeinschaft«. Sechs Jahre – von 2003 bis 2009 – stand sie ihr als Präses vor. Ein großes Vorhaben in dieser Zeit war die Vernetzung der großen evangelischen Vereinigungen der unierten Kirche (UEK), der lutherischen Kirche (VELKD) und der EKD, das sogenannte Verbindungs­modell. In diesem Frühjahr tagten deren Synoden zum ersten Mal zeitgleich.

Doch Strukturen, resümiert sie, sei das eine. Noch wichtiger sei die Arbeit an der Basis. »Die Kirche muss in den Gemeinden stark sein, damit sich die Menschen verstanden und angesprochen fühlen.« Und für die EKD-Synode, der sie weiterhin angehört, wünscht sie, »dass wieder mehr Diskussionsfreudigkeit entsteht, dass wir die Demokratie nicht aus den Augen verlieren und die Ökumene wieder deutlichen Aufwind bekommt«.

Dietlind Steinhöfel

Weniger Geld, weniger Mitarbeiter

11. Juni 2009 von Gemeinsame Redaktion  
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Nachgefragt: Was bedeuten die Kirchenfusionen für das traditionsreiche Leipziger Missionswerk?

Auch wenn die Existenz des Leipziger Missionswerks nicht in Gefahr ist – es muss sich auf neue Arbeits-
bedingungen einstellen.

logo-lmw_600-dpiDas Evangelisch-Lutherische Missionswerk in Leipzig (LMW) wurde bisher von den Landeskirchen Sachsens, Mecklenburgs und Thüringens getragen. Seit 1. Januar 2009 ist die aus der Fusion von Thüringen und der Kirchenprovinz Sachsen entstandene Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) Mitträger des Werkes. Durch die Pläne zur Pfingsten 2012 startenden Nordkirche überdenkt auch Mecklenburg die Kooperation. »Ich rechne fest mit einem Ausstieg«, so Michael Hanfstängel, der Direktor des LMW.

Andreas Flade drückt es vorsichtiger aus: »Im Rahmen der geplanten Kirche im Norden ist vorgesehen, dass alle drei beteiligten Kirchen ein gemeinsames Missionswerk anstreben«, so der Mecklenburger Oberkirchenrat. »Dies könnte den Ausstieg Mecklenburgs aus der Trägerschaft bedeuten.« Michael Hanfstängel entgegnet: »Wir müssen dann einen sozialverträglichen Ausstieg verhandeln.« Eine Überbrückung von drei Jahren durch finanzielle Zuschüsse könne er sich vorstellen.

Steigen die Mecklenburger aus, fehlen dem Missionswerk 138000 Euro. Im Sparen ist es geübt, 110000 Euro innerhalb von drei Jahren wurden aus dem Haushalt gekürzt. Missionarsstellen, die befristet sind, sollen nicht verlängert oder neu besetzt werden. Auch die Stelle des Ausländerbeauftragten kann nicht neu besetzt werden. Der Archivarin wurde betriebsbedingt gekündigt und eine Stelle in der Buchhaltung wird wegfallen.

Strukturfragen müssen geklärt werden
Mitte Mai tagte der Missionsausschuss, bestehend aus Vertretern der Landeskirchen, des Freundes- und Förderkreises und gewählten Mitgliedern aus den Bereichen Weltdienst und Theologische Fakultät. Eine Kommission setzt sich nun mit der Satzungsänderung und der Neuverteilung der Sitze auseinander. »Bis die Gesamtzahl der Entsandten aus der EKM geklärt ist, nehme ich an den ­Sitzungen teil«, so der Magdeburger Oberkirchenrat und Missionsbeauftragte Christoph Hartmann, der als ständiger Gast nicht stimmberechtigt ist.

Im Missionsausschuss wurde außerdem bestimmt, dass die Stelle des Papua Neuguinea-Referenten neu vergeben wird, allerdings zahlt Sachsen einen Großteil der befristeten Stelle. »Der sächsischen Landeskirche sind alle drei Partnerkirchen gleich wichtig«, freut sich Missionsdirektor Hanfstängel.
Denn nicht nur die Strukturen, auch die inhaltliche Ausrichtung verändert sich durch die Fusion der EKM. Die Tansaniaarbeit wird verstärkt, da die Traditionen dieser Arbeit aus beiden Landeskirchen zusammengeführt wurden. Der EKM-Tansaniafonds beinhaltet rund 300000 Euro pro Jahr.

Bisher wurden vom Missionswerk fünf lutherische Diözesen im Norden Tansanias unterstützt. Durch die starke Tansaniaarbeit der Kirchenprovinz begleitet das Werk seit 2009 auch sechs Diözesen im Süden Tansanias. »Diese Partnerschaften haben hohe Qualität und viel Tiefgang, da sie von unten, also von den Gemeinden und Kirchenkreisen, organisiert werden«, so Hanfstängel.

Auf dem Weg zu einem Zentrum der Ökumene?
Für die Zukunft sieht der Direktor Mission nicht als Einbahnstraße, sondern als gleichberechtigtes Programm zu beiden Seiten. Mittlerweile seien in Tansania und Papua Neuguinea mehr als doppelt so viele Menschen getauft als in den ostdeutschen Bundesländern. Seit vier Jahren kommen durch das Programm »Mission to the North« (Mission in den Norden) Menschen aus den Partnerkirchen nach Deutschland. »Sie bringen durch ihre oft auch unbequemen Fragen Denkprozesse in Gang«, konstatiert Hanf­stängel. »Sie sagen uns, dass wir unseren Glauben nicht verstecken sollen – der Schwerpunkt der Arbeit dreht sich also um.«

Außerdem wirbt Hanfstängel für eine Neuorganisierung – hin zum Ökumenezentrum, das alle kirchlichen Werke, die sich mit »Eine Welt«-Themen auseinandersetzen, unter ­einem Dach bündelt. Diese Änderungen werden wohl nicht bis zum 175. Jubiläum des Missionswerkes 2011 eintreten, aber vielleicht in fünf bis zehn Jahren.

Annika Falk


www.lmw-mission.de

Das Paradies als Ort der Sehnsucht

11. Juni 2009 von Gemeinsame Redaktion  
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»Und Gott der Herr pflanzte einen Garten in Eden« – über die geistliche Dimension von Gärten (Teil I)

Um Gärten in der Bibel und im ­Alltag geht es in einer neuen dreiteiligen Serie unserer Kirchenzeitung.

Wer von Gärten redet, muss bei Adam und Eva anfangen und der Geschichte vom Paradies, dem Garten aller Gärten. Im älteren der beiden alttestamentlichen Schöpfungsberichte wird erzählt, dass Gott nach der Erschaffung des Menschen als Erstes einen Garten anlegte: »Und Gott der Herr pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte. Und Gott der Herr ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. Und es ging aus von Eden ein Strom, den Garten zu bewässern, und teilte sich von da in vier Hauptarme. Und Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.« (1. Mose 2,8-10.15)

Erinnerung  Wer aus dem Garten kommt, vergisst nicht,  wie gut es ­einmal war, und sehnt sich ­danach, dass es wieder ­einmal  so sein könnte. Nikolaus Hermann

Erinnerung: Wer aus dem Garten kommt, vergisst nicht, wie gut es ­einmal war, und sehnt sich ­danach, dass es wieder ­einmal so sein könnte. Nikolaus Hermann

Trotz paradiesischer Zustände war auch dieser Garten demnach kein Schlaraffenland, wo man die Hände in den Schoß legen kann, sondern verlangte nach Gestaltung und Pflege. Aber die Voraussetzungen waren optimal: Wasser die Fülle, fruchtbares Land und schattige Bäume, schön ­anzusehen und nützlich zugleich. Für jeden ein Traum von einem Garten, für Nomaden und Wüstenbewohner in ganz besonderem Maße. In dieser heilen Welt leben Mensch und Natur im Einklang. Und nicht nur das. Hier kann man Gott begegnen und mit ihm reden. Ein Garten für Leib und Seele also, ein ganzheitliches Erlebnis.

Mit dem Sündenfall hat das ein Ende. Die verbotene Frucht vom Baum der Erkenntnis treibt Adam und Eva aus dem Paradies. Vorbei das Leben in der Geborgenheit einer geschützten Zone, vorbei die selbstverständliche Fülle an allem Guten. Das Böse bleibt nicht mehr außen vor. Leid und Schmerz, Zwietracht und Gottferne ziehen ein. Harte Arbeit, Misserfolge, die Sorge um das tägliche Brot bestimmen den Alltag. Disteln und Dornen wachsen auf dem Acker. Die Natur, die im umhegten und gestalteten Garten dem Menschen freundlich begegnet, wird zur Bedrohung. Das Leben ist mühselig geworden und gefährlich.

Aber die Erinnerung ans Paradies bleibt im Gedächtnis, der Garten Eden wird zum Sehnsuchtswort, das die bitteren Erfahrungen im Überlebenskampf hinter sich lässt. So schön könnte das Leben sein, wenn Einigkeit herrschte zwischen Mensch, Natur und Gott. Diese Gartengeschichte am Anfang der Bibel, vor nahezu 3000 Jahren aufgeschrieben, gehört bis heute zu den Schlüsseltexten jüdischer und christlicher Überlieferung und hat selbst profanes Denken geprägt. »Wer aus dem Garten kommt, vergisst nicht, wie gut es einmal war, und sehnt sich danach, dass es wieder einmal so sein könnte.« (Nikolaus Hermann)

Der Versuch, mit einem Garten ein Stück Paradies auf Erden zu schaffen, kann nur sehr unvollkommen gelingen, obwohl es jedes Gartenbuch verspricht. »Hol dir das Paradies nach Hause«, heißt der aktuelle Werbe­slogan eines Gartenmarktes. Ganz so simpel geht das nicht, weil dazu mehr gehört als ein paar Pelargonien und Schneckenkorn. Und doch können auch irdische Gärten Leib und Seele gut tun, schön anzusehen und nützlich zugleich sein. Sie ermutigen uns, mit der Natur zusammenzuarbeiten, statt uns über sie zu erheben. Sie können Orte werden, wo Menschen, Pflanzen und Tiere in Frieden miteinander auskommen. Und manch einer fühlt sich Gott näher als sonst, wenn er dem großen Gärtner auf der Spur ist, sich an der Schöpfung freut und selbst schöpferisch tätig wird. Ein Garten Eden wird das anvertraute kleine Stück Erde niemals werden können. Aber eine Vorstellung davon vermitteln schon.

Christine Lässig

Auch Religionsfreiheit trifft auf Grenzen

11. Juni 2009 von Gemeinsame Redaktion  
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Interview: Verfassungsrichter Udo Di Fabio zum Verhältnis von Staat und Religion

BU:Udo Di Fabio, Richter beim 2. Senat des Bundes­verfassungsgerichts    Foto: ddp/Michael Latz

BU:Udo Di Fabio, Richter beim 2. Senat des Bundes­verfassungsgerichts Foto: ddp/Michael Latz

Udo Di Fabio ist Richter am Bundesverfassungsgericht und Professor für Staatsrecht an der Rheinischen Friedrich-­Wilhelms-Universität in Bonn. Benjamin Lassiwe sprach mit dem Juristen.

Herr Professor Di Fabio, das Grundgesetz feiert in diesem Jahr seinen 60. Geburtstag. Wie steht es um das Verhältnis von Staat und Kirchen?
Di Fabio:
Die deutsche Verfassung ist offen für die Kooperation des Staates mit den Kirchen und Religionsgemeinschaften. Dieser Zugang hat sich bewährt. Der neutrale, religionsfreundliche Staat, der am Vorrang seiner liberalen und toleranten Werteordnung nicht rütteln lässt: Das ist die Grundregel des Staatskirchenrechts.

Wir haben in Berlin die Debatte um das Schulfach Ethik gehabt. Die Kirchen ­haben dem Staat vorgeworfen, in diese Regel einzugreifen. Wie stehen Sie dazu?
Di Fabio:
Das Neutralitäts- und Kooperationskonzept zwischen Staat und Kirchen geht nur auf, wenn die Kraft des Glaubens und der religiösen Gemeinschaften stark ist und Rückhalt in der Gesellschaft behält. Wenn in manchen Regionen die Mehrheit der Bevölkerung nicht mehr religiös orientiert ist, dann wird es schwierig mit der Kooperation, auch mit dem schulischen Angebot zum Religionsunterricht, von dem das Grundgesetz ausgeht.

Das heißt, die rechtliche Situation der Kirchen steht und fällt mit der Zahl ihrer Mitglieder?
Di Fabio:
Nicht nur mit der Mitgliederzahl. Es geht auch um das Engagement der Kirchenmitglieder. Dort, wo Gemeinschaften lebendig und gestaltungswillige Bürger aktiv sind, da reagiert der Staat auch entsprechend, und zwar mit Aufmerksamkeit und Interesse.

Neu ins Spiel gekommen sind ja in den letzten Jahren die Muslime. Man sieht, dass die Kirchen Mitglieder verlieren, und die muslimischen Gemeinschaften wachsen. Wo führt das hin?
Di Fabio:
Die Angst vor dem Wachsen muslimischer Gemeinden ist ein schlechter Ratgeber. Manche Vorschläge, die darauf zielen, vom bewährten staatskirchenrechtlichen Konzept des Grundgesetzes abzuweichen und eine stärkere Säkularisierung des Staates anzustreben, speisen sich aus der Furcht, dass wir sonst irgendwann genötigt wären, islamischen Mitbürgern entsprechende Zugänge, etwa zu den Medien, einräumen zu müssen wie den christlichen Kirchen und den jüdischen Religionsgesellschaften. Einige fürchten, dass die Muslime nicht so organisiert sind wie christliche Kirchen oder jüdische Gemeinden und wohl auch, dass ihr Glaube sich nicht parallel zur Aufklärung und zur gesellschaftlichen Säkularisierung entwickelt hat.

Gibt es nicht auch eine Furcht davor, dass die Frage nach den Grundwerten des Grundgesetzes von den Muslimen anders beantwortet wird?
Di Fabio:
Man müsste sich zunächst einmal darauf verständigen, was die Grundwerte sind. Aber natürlich ist die Vorstellung, die das Grundgesetz etwa von der Menschenwürde hat, personal und individuell konzipiert. Daraus folgen der Wert des Einzelnen und der aus seinem Selbstbestimmungsrecht wie seiner Gattungszugehörigkeit sich ergebende soziale Achtungsanspruch, der jeder Gemeinschaftsbindung, auch der religiösen, vorausliegt.
Damit wäre es beispielsweise unvereinbar, wenn der Austritt eines Erwachsenen aus einer Religionsgemeinschaft oder seine Entfernung aus den Familienbanden mit Gewalt unterbunden würde oder jungen Frauen der freie Zugang zu öffentlichen Räumen verwehrt wäre. Wenn jemand aus seinem religiösen Glauben heraus etwa den Geltungsanspruch der staatlichen Rechtsordnung bestreiten würde, dann hätten wir ein Problem; das gilt keineswegs nur oder ganz besonders für Muslime. Unter Berufung auf die Religionsfreiheit kann man nicht einfach den Gesetzesgehorsam verweigern. Man muss auch Konsequenzen tragen, die sich aus der Religiosität ergeben.

Das heißt, die Religionsfreiheit hat Grenzen?
Di Fabio:
Jeder Gebrauch von Freiheit trifft auf Grenzen. Es sind die Grenzen, die die Freiheit der anderen setzt. Dass man aus religiöser Überzeugung auch kritisch gegenüber staatlichen Normen sein kann, bis hin zum Ungehorsam, ist eine alte historische Erfahrung. Das Grundgesetz verlangt aber Rechtstreue. Derjenige, der sich aus religiöser Überzeugung gegen das Recht auflehnt, kann vor Gericht bei den Motiven vielleicht ein Zugeständnis erwarten. Er kann aber keine Sanktionsfreiheit erwarten.

Wo hört die Religionsfreiheit denn auf?
Di Fabio:
Ich nehme mal ein Beispiel aus der Kunstfreiheit: Wenn sich ein Aktionskünstler auf eine viel befahrene Bundesautobahn setzt, wird er die Grenzen der Kunstfreiheit schnell zu spüren bekommen. Nicht anders ist es bei der Religionsfreiheit. Sie ist eine weit bemessene Freiheit – der Staat schreibt nicht vor, was und wie die Menschen glauben. Aber wenn aus dem Glauben heraus Grundrechte Dritter verletzt werden, dann wird der Staat mit Recht die Grenzen sichtbar machen müssen.

Das Grundgesetz enthält auch Passagen, die aus der christlichen Prägung der Mehrheitsgesellschaft hervorgegangen sind, etwa den Schutz der Sonn- und Feiertage. Wie steht es damit, wenn die Kirchen schrumpfen?
Di Fabio:
Wir haben in Deutschland noch immer 50 Millionen Christen, die sich in den beiden großen Kirchen zusammengeschlossen haben. Aufs Ganze gesehen glaube ich, stellt sich eine solche Frage deswegen nicht mit der Schärfe, die manche Spürhunde des institutionellen Verfalls gerne an die Wand malen. Ich bin auch keineswegs sicher, dass der Schwund der Kirchen immer weiter anhalten wird.
Manches in unserer Gesellschaft deutet darauf hin, dass es eine religiöse Rückbesinnung gibt. Viele sind gerade deswegen auch irritiert, weil sie nicht nur im Blick auf den Islam religiösen Fundamentalismus fürchten. Aber andererseits wächst auch die Einsicht, dass eine areligiöse Gesellschaft auf Dauer vielleicht keine demokratische und humane Gesellschaft wäre.

Sind das Lehren, die Sie aus dem real existierenden Sozialismus ziehen?
Di Fabio:
Wenn mit Sozialismus eine Herrschaftsform gemeint ist, die als Diktatur auftritt, gehört sie zu den negativen Erfahrungen des 20. Jahrhunderts, die in der Tat auch zeigen, dass der totale Politikanspruch mit dem Griff nach dem ganzen Menschen konsequent antireligiös ist. Daraus sind noch nie besondere Ruhmesblätter in Sachen Demokratie und Menschenrechte entstanden.

Wo sehen Sie denn die Zukunft der Kirchen und Religionsgemeinschaften in Deutschland? Wird es eine anerkannte muslimische Religionsgemeinschaft geben?
Di Fabio
: Die Muslime sind in ihrer Vielfalt nur schwer einzuschätzen. Wir haben beispielsweise in Deutschland eine große Zahl von Mitbürgern, die aus der Türkei stammen und mit der türkischen Religionsbehörde zusammenarbeiten. Damit sind wir mit einem Phänomen konfrontiert, das wir früher so nicht kannten: Ein anderer Staat nimmt Einfluss auf eine der Religionsgemeinschaften, mit denen wir zusammenarbeiten wollen. Das muss gar kein negativer Einfluss sein, aber das ist eine neue Erscheinung, über die nachgedacht werden müsste.

Hat das Konsequenzen für die Anerkennung der Muslime als Religionsgemeinschaft?
Di Fabio:
Das ist eine offene Frage. Für die Anerkennung als Religionsgemeinschaft kommt es darauf an, ob man von einer freien und selbstbestimmten Gemeinschaft als Grundrechtsträger sprechen kann.
Das Bundesverfassungsgericht mit Sitz in Karlsruhe ist das höchste Gericht Deutschlands und wacht über die Einhaltung des Grundgesetzes. Seine Entscheidungen sind unanfechtbar und bindend für alle Staatsorgane. Seit seiner Gründung 1951 gilt es als verlässlicher Garant für die Begrenzung und Kontrolle staatlicher Macht.

www.bundesverfassungsgericht.de

Udo Di Fabio veröffentlichte 2005 ein Buch über die künftigen Entwicklungs­perspektiven der bundesdeutschen Gesellschaft zwischen tradierten Werten und den Herausforderungen der Globalisierung. Darin plädiert er u. a. für eine Neubelebung Bindung stiftender Kulturgüter, zu deren Vermittler er auch die Kirchen zählt.

Di Fabio, Udo: Die Kultur der Freiheit,
C. H. Beck 2005, 295 Seiten,
ISBN 978-3-406-53745-5,
19,90 Euro

Bezug über den Buchhandel oder den Bestellservice Ihrer Kirchenzeitung:
Telefon (03643)246161

Dem Geheimnis des Glaubens nähern

4. Juni 2009 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de  
Abgelegt unter Glaube und Alltag

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Trinitatis zeigt uns, dass wir an einen Gott glauben

Ein Fenster als Symbol für die Dreieinigkeit.

Ein Fenster als Symbol für die Dreieinigkeit.

Wir Menschen sind begrenzt. Dabei gehen wir oft über Grenzen. Nicht nur Dank der inzwischen normal empfundenen Reisefreiheit, sondern auch, weil wir immer dann, wenn wir etwas lernen, über eine bis dahin gültige Grenze gehen und wachsen.

Wir neuzeitlichen Menschen mögen nicht gern, wenn uns Grenzen gesetzt werden, und merken gleichwohl, wenn es geschieht. Trinitatis zum Beispiel ist ein Fest, das unserem Denken Grenzen setzt. Wir haben uns ihm zunehmend entfremdet. Dabei prägt es zahlenmäßig das Kirchenjahr wie kein zweites. Bis zu 24 Sonntage nach Trinitatis kann es geben. Neben Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten fordert Trinitatis uns und unseren Glauben am meisten heraus.

Zweifel ist ein Ausdruck von Lebendigkeit
Die Diskussionen zur Osterzeit zeigten, dass es auch von vielen Christen wie ein hinter Dornen liegendes verwunschenes Schloss betrachtet wird. Dreieinigkeit – was ist das?
Das in seiner Zeit schlüssige Denken des Anselm von Canterbury entspricht uns nicht mehr. Es bedient in fataler Weise eher das abzulehnende Bild eines blutrünstigen Vatergottes. Benötigt Gott ein Opfer, das seinen Zorn stillt und ihm Genugtuung gibt? Ich persönlich glaube das nicht und die Begründung liefert uns das Trinitatisfest!
Im Alltag kennen wir die Anfragen zum Beispiel der Muslime, die uns Christen endlich wieder herausfordern, uns unseres Glaubens zu vergewissern. »Glaubt ihr nicht an drei Götter?« Haben sie Recht? Woran glauben wir eigentlich?

Würden wir dazu Alt und Jung in unseren Gemeinden befragen, hörten wir vermutlich vielfältige Antworten. Wie immer, wenn wir uns nicht sicher sind. Oder wir hörten klare Antworten, die keinen Zweifel und Widerspruch zuließen. Auch das ein Zeichen von Unsicherheit, die an Buchstaben Halt sucht. Dabei ist Zweifel ein Ausdruck von Lebendigkeit. Auch Jesus zweifelte im Garten Gethsemane! Wenn wir ernst nehmen, was wir im Glaubensbekenntnis sprechen, kommen wir nicht umhin für wahr zu halten, dass Glaube mehr ist als ein Wissen, das sich ausschließlich auf (Be)greifen gründet. Wer nur glaubt, was er auch anfassen kann, ist ein armer Tropf.

Trinitatis heißt Drei in einem. Was heute bei jeder Zahncreme unhinterfragt normal ist, will uns bei Gott nicht einleuchten? Wenn Gott in Jesus und dem Heiligen Geist der Eine ist, dann ist er auch nicht in blutrünstigen Vatergott und leidenden Sohn auseinanderzudividieren. Gott lässt sich herausdrängen ans Kreuz (Bonhoeffer). Er selbst ist in seinem Sohn am Kreuz. Er selbst besiegt den Tod, der bis in die Zeit Jesu der Ort der absoluten Gottesferne war: die Sheol, das Totenreich, und nimmt den Tod in sich auf und überwindet ihn.

Die Dreiheit Gottes in Einheit sehen
Das Auseinandertreten der Personen ist die Folge unserer Begrenztheit. Wir brauchen die Personen, um uns dem Geheimnis des Glaubens zu nahen. Doch sie beschreiben Gott nicht annähernd, er bleibt unbeschreibbar. Deshalb können unsere Worte nicht dazu dienen, aus ihm einen bösen Vatergott zu machen, der das Opfer seines Sohnes nötig hätte. Vielmehr ist es der Geist, der uns der Nähe Gottes unter uns vergewissert. Überall dort, wo Leben gelingt, Gemeinschaft trägt, Liebe erfüllt, ist er unverfügbar nah, die Stimme »schwebenden Schweigens« (Buber). Er holt den Vater aus dem Jenseits und Jesus aus der Vergangenheit in unsere Gegenwart hinein.

Trinitatis ist die Chance, die Dreiheit der Gottheit in Einheit zu sehen. Gott entäußerte sich selbst und nahm Menschengestalt (Philipper 2,7) an, um uns mit sich zu versöhnen. Das ist die Botschaft von Ostern. Er bleibt aber der Eine. Seine Erscheinung, wahrnehmbar in Jesus, bedeutet nicht, dass er nun aus zwei Personen bestünde. Himmelfahrt führt wieder zusammen, was nie wirklich getrennt war. Trinitatis hingegen zeigt uns, dass wir an einen Gott glauben. Wir vermögen das nicht zu begreifen, wir schauen wie in einen matten Spiegel und sehen ein unscharfes Bild von ihm, menschlich in drei Personen aufgeteilt, damit wir verstünden, was nicht zu (be)greifen ist. Dereinst aber werden wir ihn von Angesicht zu ­Angesicht schauen (1. Korinther 13,12) und den erkennen, der uns schon erkannt hat.

Kristóf Bálint

Nach uns die Sintflut?

4. Juni 2009 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Im Blickpunkt

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Anfang der 70er Jahre erklärten die Vereinten Nationen den 5. Juni zum »Tag der Umwelt«. Das ist Anlass auch für Christen zum Nachdenken über Schöpfungsverantwortung und den eigenen Lebensstil.

Das Zitat von Erich Fried wurde von einem Künstler an der »East Side Gallery« entlang der Mühlenstraße in Berlin nahe dem Ostbahnhof gestaltet.

Das Zitat von Erich Fried wurde von einem Künstler an der »East Side Gallery« entlang der Mühlenstraße in Berlin nahe dem Ostbahnhof gestaltet.

Das Weltklima und damit die irdischen Lebensbedingungen verändern sich im Zeitraffer. Ursache: Seit der ersten industriellen Revolution sind Weltbevölkerung (Zehn Prozent aller je auf der Erde lebenden Menschen leben heute) sowie Ressourcen- und Energieverbrauch exorbitant gewachsen. Fortschrittsoptimismus hat viel Verantwortungsgefühl des (un-)getreuen Schöpfungs-Haushälters Mensch verdrängt. Nie gehabter materieller Wohlstand pervertiert nicht selten gedankenlos in Maßlosigkeit. Intensiviert wird dies durch kollektives menschliches Fehlverhalten, das in egozentrischen Fragen wie »Warum denn ich?« bzw. »Warum denn ich nicht?« sein fatales Credo findet. Das gilt für Käufer und Verkehrsteilnehmer, bei der Freizeitgestaltung und in der Wahlkabine.

Dem biblischen Auftrag »Machet euch die Erde untertan« ist das Menschengeschlecht sehr wörtlich gefolgt. In dieser ein­seitigen Auslegung biblischer Botschaft sehen einige sogar die historische Ursache der ökologischen Krise. Nun befinden wir uns in ­einer ähnlichen Lage wie Noah, dem ­prophezeit wurde, es werde eine große Flut kommen und er solle rechtzeitig Vorkehrungen treffen …

Umweltschutz hat eine geistliche Dimension
Die Forschung beschreibt unsere Biosphäre als ernsthaft gefährdet. Vorboten endlicher Schöpfung? Dennoch scheinen die verheerenden Menetekel der ökologischen Bestandsaufnahme und Zukunftsprognose ihre Schockwirkung verloren zu haben. Sie sind unpopulär, fordern sie doch eigentlich »mich« heraus. Offensichtlich ist nichts so unglaublich wie die Wahrheit. Wenn dann Phantasten das Heil in noch mehr Konsum suchen, entspricht das einer Politik des »nach uns die Sintflut«! Die Probleme wurzeln in ethisch-geistlichen Defiziten. Wir zögern, unser Leben an Jesus Christus auszurichten, geschweige umzukehren. Aber der biblische Ruf zur Umkehr trifft uns beim Thema Umwelt ganz neu. Zwischen unserem Wissen über die Umweltbefindlichkeiten und unserem nicht umweltgerechten Verhalten liegen Welten.

Wir leiden am Unvermögen, unsere Erkenntnisse in geeignetes Handeln umzusetzen. Vor 20 Jahren, scheint mir, waren wir schon einmal weiter. Die damals von der Ökumenischen Versammlung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung gefundenen Orientierungen sind wegweisend bis in unsere Tage.
Daran müssen wir anknüpfen, sind wir doch Pflichtverteidiger der uns von Gott anvertrauten Schöpfung. Wir sollen sie nutzen und mit den zu Pflugscharen umgeschmiedeten Schwertern pfleglich bebauen. Und bewahren! Dieser Auftrag ist inzwischen von nie gehabter Brisanz. Deshalb muss er öffentlich wahrnehmbares Glaubenszeugnis werden, wenngleich die kirchliche Lehrtradition dafür kaum »Rezepte« liefert.

Weiter wie bisher geht nicht. Und: »Wer will, dass die Welt so bleibt, wie sie ist, der will nicht, dass sie bleibt«, sagte Erich Fried. Also dürfen wir nicht lediglich ­Zuschauer sein. Nein, wir müssen uns zeichensetzend einmischen. Wer, wenn nicht wir? In der uns geschenkten Zeit sind wir berufen, im Geist Jesu Christi für die Bewahrung der Schöpfung einzustehen. Können, Dürfen, Nichtdürfen und Sollen müssen wir mit Inhalt versehen und vorbildschaffend leben. Anderenfalls haften unsere Kinder und Enkel, von denen wir die Welt nur geliehen haben, für ihre Eltern. Und – die Buddenbrooks werden zum Modellfall für die überwiegend satte Spaß- und Überflussgesellschaft!

Für Selbstverpflichtung ganzer Landeskirchen
Gottlob gibt es in vielen Gemeinden dankenswerte Initiativen zur Bewahrung der Schöpfung. Doch nicht genug. Vielleicht ist es Denkhilfe, zu fragen: »Was hindert mich eigentlich, das zu tun oder zu unterlassen, was ich von anderen erwarte?« Der Zukunft verpflichtete Wege werden erst dann zu Wegen, wenn wir sie beschreiten. Etwa durch Kaufentscheidungen nach regionalen (kauft sächsisch, thüringisch, sachsen-anhaltisch …) und saiso­nalen Angeboten, freiwilligen Bezug von Öko-Strom, Beteiligung an kirchgemeindlichen Photovoltaikanlagen oder Bürgerkraftwerken, streng reglementierten Kauf und Gebrauch von Pkw, Haushaltgeräten, Chemikalien, Kontrolle von Zimmertemperatur und Waschmaschine, Ausschalten von Beleuchtung und Stand-by-Funktionen bei Nichtbedarf – Botschaften einfachen Lebens.

Über Bewahrung der Schöpfung »nur« zu predigen und zu beten, ist nicht genug. »Ich« muss das mir Mögliche tun! Dies umso mehr, als wir Licht der Welt und Salz im großen Diner des Lebens sind bzw. sein sollen. Unsere Landeskirchen sollten wie die Nationen in Kioto eigene Verpflichtungen benennen. Gemeindeglieder sollten sich diesen zuordnen können. Allein im Bereich energisch Energie sparen schlummern riesige Reserven. Oder was spräche dagegen, wie in anderen Landeskirchen zumindest zweijährlich einen Umweltpreis auszuloben? Und die Proklamierung einer Öko-Dekade ist längst überfällig!

Fazit: Viele kleine Menschen an vielen kleinen Orten können durch viele kleine Schritte mit Gottes Hilfe sehr wohl das Antlitz der Welt verändern. Viele Wenig machen ein Viel. Mögen also viele Noahs unter uns erwachen. Jedes Engagement zur Bewahrung der Schöpfung ist sinnvoll. Wie sonst könnten wir hoffend für unsere Erde weiterleben, vertrauten wir nicht dem von Gott in uns geweckten Glauben? Freilich – an Gottes Segen ist ­alles gelegen!

Ulrich Böhme
OKR i. R. Dr.-Ing. habil. Ulrich Böhme war von 1981 bis 2002 Baureferent der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens.

Ein fröhlicher Geburtstag

4. Juni 2009 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de  
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Kuba: Protestantische Lieder in den Straßen Havannas – Christen auf Kuba leben zwischen Hoffnung und Angst

Besonders seit den 90er Jahren wachsen auf der traditionell katholischen Karibikinsel auch die evangelischen Gemeinden.

Armut und liebevoll gepflegte alte amerikanische Straßenkreuzer gehören ebenso zum Alltag auf Kubas Straßen wie Gastfreundschaft und Lebensfreude. Foto: epd-bild/Rolf Schulten

Armut und liebevoll gepflegte alte amerikanische Straßenkreuzer gehören ebenso zum Alltag auf Kubas Straßen wie Gastfreundschaft und Lebensfreude. Foto: epd-bild/Rolf Schulten

Die Dunkelheit der Nacht verleiht den eng bewohnten Stadteilen der kubanischen Hauptstadt Havanna eine unbestreitbar romantische Atmosphäre. Plötzlich ertönt ein melodisches Summen. Gitarren werden gestimmt. Dann beginnt der Gesang von zehn talentierten Stimmen: »Zum Geburtstag viel Glück!« Ein morsches Holzfenster wird geöffnet. Die Silhouette eines schwarzen Kopfs taucht auf, mit leuchtenden Augen und einem freudigen, weißen Lachen. Der Gesang geht weiter: »Alles Gute liebe Analie, zum Geburtstag viel Glück!«

Evangelikale Kirchen sind auf dem Vormarsch
Vor einigen Jahren hat sich Analie ­einer evangelikalen Kirche angeschlossen. Wie überall in Lateinamerika wächst die evangelikale Bewegung auch auf Kuba. Heute engagiert sich Analie für den Aufbau einer christlichen Jugendgruppe. Sie sagt, ihr Glaube gebe ihr die Kraft, die sie im Alltag braucht, um die Entbehrungen hinzunehmen. Wie gerne würde sie zum Geburtstag eine Umarmung ihrer Mutter bekommen. Doch seit zwei Jahren kann sie nicht mehr in ­ihren Heimatort fahren. Dafür reicht das Geld nicht.

Vor der Revolution im Jahr 1959 waren die meisten Kubaner Katholiken, doch nur zehn Prozent von ihnen waren regelmäßige Kirchgänger. Die Protestanten bildeten eine kleine Minderheit, die vorwiegend auf dem Land lebte und zu den ärmeren Teilen der Gesellschaft gehörte. Als sich die Revolutionsregierung dem Marxismus-Leninismus zuwendete und die Partei nur noch Atheisten in ihren Reihen aufnahm, wurde das Leben für Christen schwieriger. 140 katholische Priester wurden des Landes verwiesen, 400 gingen freiwillig ins Exil. Die meisten Protestanten jedoch blieben auf Kuba. In den kompromisslosen Zeiten der 70er und 80er Jahre war es ihnen verboten, in die kommunistische Partei einzutreten. Bestimm­te Studiengänge an den Universitäten, vornehmlich in den ­humanistischen Fächern, blieben für Christen geschlossen.

Heute ist Analies 25. Geburtstag. Sie eilt die Treppenstufen hinunter zur Straße, um ihre Freunde zu umarmen, insbesondere Giosvani, einen Jungen mit asiatischen Gesichtszügen und einem großen Talent im Umgang mit der Gitarre. Zudem hat er die Gabe, gute Laune zu verbreiten. »Wir preisen den Herrn«, erklärt er. »Wir danken ihm für Analie. Sie ist eine bemerkenswerte Frau.«

Vorsichtige Reformen und neue Freiheiten
Viele der protestantischen Gemeinden Kubas sind im Laufe der 90er Jahre entstanden. Von der Regierung wird diese Zeit als »periodo especial«, spezieller Zeitabschnitt, bezeichnet. Damals ist der Kommunismus als Staatspolitik fast im gesamten Rest der Welt verschwunden. Die kubanische Regierung verlor ihren wichtigsten ­Alliierten, die Sowjetunion. Damals suchten viele Kubaner Unterstützung in der Religion. Einige hofften auf konkrete Hilfen durch die evangelikalen Gruppierungen, die gute Kontakte zu kanadischen und US-amerikanischen Missionaren pflegten.

Analie hat ihre Familie in der kubanischen Provinz Camagüey schon als Jugendliche verlassen, um in der Hauptstadt Havanna zur Schule gehen zu können. Wegen ihres schauspielerischen Talents hat der Staat ihr schon früh ein Stipendium gegeben. Heute arbeitet sie als Schauspielerin und ist bekannt für ihre Professiona­lität in der Ausübung der Kunst. Sie verdient das übliche Gehalt von 280 kubanischen Pesos, etwa 12 Euro im Monat. Sie ist zufrieden mit dem, was sie in ihrem Beruf erreicht hat: »Ich bin Afrokubanerin. Meine Hautfarbe war nie ein Problem. Hier auf Kuba ist es nicht wichtig, woher du kommst. Bauern oder Arbeiter, Männer oder Frauen, alle haben die gleichen Möglichkeiten. Das ist ­etwas, worauf wir Kubaner stolz sein können.«

Seitdem die Verfassung 1992 überarbeitet wurde, hat sich vieles geändert in der Beziehung zwischen der kubanischen Regierung und den christlichen Kirchen. Vermerke, die den Staat als marxistisch-leninistisch bezeichnen, wurden getilgt. Die Trennung zwischen Staat und Kirche führte zu einer Öffnung der Zivil­gesellschaft für Christen. Innerhalb weniger Jahre vervielfachte sich die Zahl der protestantischen Kirchgänger, was auch auf aggressive Missionsbemühungen aus Nordamerika zurückzuführen ist. Immer mehr evangelikale Glaubensrichtungen wie die Adventisten und die Pfingstbewegung breiteten sich aus. Heute sind offiziell rund 300000 protestantische Christen auf Kuba registriert.

Mit den politischen Reformen sind die Möglichkeiten der Kirchen zur Evangelisation größer geworden. Hier und da werden Missionsveranstaltungen in öffentlichen Sälen oder Stadien genehmigt und jeden Sonntag kann man im staatlichen Rundfunk zwei Ansprachen von protestantischen Predigern hören.

Dennoch: Die Angst vor Repressionen bleibt
Es ist Zeit für Geburtstagsgeschenke. Analie bekommt eine Zahnbürste, ein Kästchen Streichhölzer, einen Bleistift und als besondere Überraschung, eine parfümierte Seife. Freudestrahlend atmet sie den Duft ein und fühlt sich reich beschenkt.

Wenig später verabschiedet sie sich mit einem Kuss auf die Wange. Sie ist schon fast in der Dunkelheit verschwunden, als sie sich noch einmal umdreht. Mit besorgtem Gesicht sagt sie: »Wenn du etwas veröffentlichst, erwähne bitte nicht unsere wirklichen Namen. Keiner von uns hätte dir ein Interview geben sollen. Für uns ist das ein großes Risiko. Du wirst Kuba verlassen, aber wir werden bleiben. Ich kann es mir nicht leisten, meine ­Arbeit zu verlieren. Ich bitte dich, identifizier uns nicht.«

Andreas Boueke

Eine stählerne Imagination

4. Juni 2009 von Gemeinsame Redaktion  
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Glaubenshort und Häuptlingsgrab: Die alte Klosterkirche Ihlow wurde nachgebildet

Die Holz-Stahl-Konstruktion der »Schola Dei« entstand im Ihlower Forst rund zehn Kilometer südlich der ostfriesischen Stadt Aurich. 	Fotos: epd-bild

Die Holz-Stahl-Konstruktion der »Schola Dei« entstand im Ihlower Forst rund zehn Kilometer südlich der ostfriesischen Stadt Aurich. Fotos: epd-bild

Die »Schule Gottes« lag vor 500 Jahren südlich des ostfriesischen Aurich tief im Wald verborgen. 300 Jahre lang haben hier im Mittelalter Zisterziensermönche in der Abtei »Monasterium Sanctae Mariae in Schola Dei – Kloster der Heiligen ­Maria in der Schule Gottes« im Ihlower Forst gebetet und gearbeitet. Mit 68 Metern Länge, 34 Metern Breite und 45 Metern Höhe war sie die größ­te und bedeutendste Klosterkirche zwischen Bremen und Groningen.

Im Mai wurde die bundesweit einzige Holz-Stahlnachbildung einer Kirche in Originalgröße eingeweiht.
Zwischen 1228 und 1529 war die Schule Gottes der Glaubenshort in der Region. Häuptlinge, so nannte sich der ostfriesische Adel, ließen sich in der für damalige Verhältnisse gewaltigen Klosterkirche bestatten, um Gott näher zu sein. Doch dann kamen um 1520 die reformatorischen Ideen des ehemaligen Augustinermönchs Martin Luther (1483–1546) auch nach Ostfriesland und damit das Ende des Klosters.

Der letzte Abt wurde 1526 ­lutherischer Pastor im nahe gelegenen Larrelt. Etwas später zerstörte ein Bruder des Grafen Enno II. das Kloster, um Platz für ein Jagdschloss zu schaffen. Übrig blieben nur einige Grundmauern und der Altar, der seitdem in der lutherischen Lamberti-­Kirche in Aurich steht.

Über den Mauerresten wucherte bald wieder der Wald. Erst der ostfriesische Historiker Bernhard Buttjer machte es sich vor einigen Jahren zur Aufgabe, das Kloster im Wortsinn wieder auferstehen zu lassen. Unermüdlich warb er für seine Idee. Nach und nach begeisterte er Sponsoren und auch einen großen Stahlproduzenten. Der stiftete fast 300 Tonnen Stahl, so dass in den vergangenen Wochen in den Umrissen der alten Kirche eine Stahlnachbildung in großen gotischen Bögen entstand. »Keine Eins-zu-eins-Rekonstruktion, sondern eine Imagination – ein Projekt, das Platz lässt für die Fantasie des Besuchers«, betont Buttjer, der auch Vorsitzender der Klosterfreunde Ihlow ist. Zahlreiche staatliche, kirchliche und private Einrichtungen und Stiftungen haben insgesamt drei Millionen Euro gegeben.

Unter der ehemaligen Apsis und dem Chor richteten der Verein der Klosterfreunde und der Kirchenkreis Aurich einen »Raum der Spurensuche« ein. Zwischen Mauerfundament­resten und Grabstätten ostfriesischer Häuptlinge erfährt der Besucher viel über die Geschichte des Klosters. Die Ausstellung hat Holger von Neuhoff gestaltet, der schon für die berühmte »Titanic«-Ausstellung in Hamburg verantwortlich zeichnete. Herzstück des Raums ist ein neuer Altar des Bremer Bildhauers Gunther Gerlach. Er besteht aus einem aus vielen Buchenholzschichten gearbeiteten Tisch und dem Bronzeabguss eines Bruchstücks der alten Altarplatte, das hier ausgegraben wurde.

Vor einigen Wochen nahm der lutherische Regionalbischof Ostfrieslands, Detlef Klahr, in einem Gottesdienst den Altar in Gebrauch. Dass nach Jahrhunderten hier wieder ein Altar geweiht werde, reihe die Menschen in die Glaubensgeschichte dieses besonderen Ortes ein, sagt Klahr: »Eine Altarweihe ist etwas Besonderes. Wenn überhaupt, erlebt man das nur einmal.« Klahr kennt sich in der Tradition der Zisterzienser aus: Er ist Mitglied des Konvents des heute evangelischen Zisterzienser-Klosters Amelungsborn im Weserbergland.

Jörg Nielsen (epd)

www.kloster-ihlow.de