»Mannsbilder« verändern sich

30. März 2009 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Im Blickpunkt

Studie: Moderne Männer haben mehr Interesse an Religion, Familie und Kindern

Das Männerbild ist in Bewegung, wie eine Studie der kirchlichen Männerarbeit jetzt belegt.

Foto: Richard Dunstan (SXC)

Foto: Richard Dunstan (SXC)

Unter Männern wächst das Interesse an Religion und Familienleben. Das ergab eine bundesweite Studie zum Rollenverständnis von Männern, die die Evangelische Männerarbeit und die Gemeinschaft der Katholischen Männer Deutschlands (GKMD) unter dem Titel »Männer in Bewegung. Zehn Jahre Männerentwicklung in Deutschland« jetzt vorstellten. Im Vergleich zu ­einer ähnlichen Studie von 1998 sei »die Verbundenheit der Mitglieder mit ihrer jeweiligen Kirche und die Sympathie von Nichtmitgliedern« stärker geworden, sagte der römisch-katholische Erzbischof von Bamberg, Ludwig Schick.

Die Kirche werde von Männern sowohl als Bewahrerin traditioneller Lebensmodelle als auch als »innovativer Motor für Neues« gesehen. 31 Prozent der bundesweit repräsentativ befragten Männer ­erwarteten von den Kirchen demnach »Unterstützung bei der Neugestaltung ­ihrer Männerrolle«. 1998 waren das lediglich zwölf Prozent.

Insgesamt hat sich das Rollenverständnis der Männer deutlich gewandelt. Mittlerweile befürworten 19 Prozent der Männer eine »gleichberechtigte, partnerschaftliche Arbeitsteilung von beruflichem und familiärem Leben«. Aus Sicht der Autoren der Studie, dem katholischen Wiener Pastoraltheologen Paul Zulehner und dem evangelischen Düsseldorfer Sozialwissenschaftler Rainer Volz, sind das die sogenannten »modernen Männer«.

Traditionelle Männer, die sich als alleinigen Ernährer sehen, gibt es dagegen nicht mehr. In der Studie wird das konservativste Männerbild, dem 27 Prozent der Befragten zustimmen, als »teiltraditionell« bezeichnet: Auch die ursprünglich traditionellen Männer betrachten die ­Berufstätigkeit von Frauen und Müttern nicht mehr als etwas Negatives. Die größte Gruppe jedoch bilden die »Suchenden«, die ihren Platz in der Gesellschaft noch nicht gefunden haben. Ihr ­gehörten 30 Prozent der Befragten an. »Männer sind insgesamt stärker bereit, sich im Haushalt zu engagieren – wenn auch weniger mit Bügeln und eher mehr mit Autowaschen«, resümiert Zulehner.

Eine neue Sicht vermittelt die Studie auch auf das Eheverständnis: Denn die Ehe sei auch für »moderne Männer« kein Auslaufmodell, sagt Zulehner. »Heute ist aber eine partnerschaftliche und keine patriarchale Ehe gefragt.« Zugleich warnte der Theologe aber vor einer »Überromantisierung« der Ehe: Wo Treue und Verpflichtungen zu hoch bewertet würden, wachse die Zerbrechlichkeit einer Beziehung. Die Kirche dagegen sehe sich vor die Aufgabe gestellt, »ein modernes, weil gerechtes und gegenseitige Entfaltung ermöglichendes Verständnis von Ehe und Partnerschaft zu fördern«, so der EKD-Ratsvorsitzende, Bischof Wolfgang Huber.

Besorgt äußerten sich die Bischöfe und Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) dagegen über einen nach wie vor hohen Anteil an Gewaltbereitschaft unter den Männern. So würden es 48 Prozent der »teiltraditionellen« und 25 Prozent der »modernen Männer« akzeptieren, etwa in der Kindererziehung Gewalt anzuwenden. Der Studie zufolge sind unter ihnen Anhänger der Linkspartei und der rechtsextremen Republikaner deutlich überrepräsentiert. »Der Schlüssel gegen Gewalt sind Erziehung und Bildung«, sagte von der Leyen.

Aus Sicht der Ministerin finden sich noch immer zu wenig Männer dagegen in den Bereichen der Pflege und der Kindererziehung. In Kindertagesstätten arbeiteten zu 97 Prozent Frauen, in der Pflege seien es 85 Prozent, beklagte von der Leyen. »Hier sehe ich eine Chance für die Kirchen, den Weg der Modernisierung zu gehen.« Immerhin gehörten sie zu den größten Trägern sowohl von Pflegeangeboten als auch von Kindertagesstätten.

Von Benjamin Lassiwe
Die komplette 416-seitige Studie kann kostenlos im Internet heruntergeladen werden:

www.ekd.de/download/maennerstudie2009-03-18.pdf

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