Besonders beliebt ist der Chor

12. März 2009 von Gemeinsame Redaktion  
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In der kleinen Kirche am Hafen von Puerto del Carmen auf Lanzarote wird samstags deutschsprachiger Gottesdienst gehalten. Foto: Ilsemarie Straub-Klein

In der kleinen Kirche am Hafen von Puerto del Carmen auf Lanzarote wird samstags deutschsprachiger Gottesdienst gehalten. Foto: Ilsemarie Straub-Klein

Als Ruhestandspfarrer auf der Vulkaninsel Lanzarote – Deutsche Gemeinde auch für Flüchtlinge aktiv

Die vor der Küste Marokkos liegende Inselgruppe der ­Kanaren erfreut sich ­zunehmender Beliebtheit bei Deutschen Touristen. Mehrere Tausend leben ständig auf der Insel.

Das Thermometer zeigt 15 Grad, und es weht ein leichter Wind. Normales Winterwetter auf der kanarischen Insel Lanzarote und ideal für einen Gottesdienst am Samstag Nachmittag in der kleinen katholischen Kirche am Hafen von Puerto del Carmen. Pastorin Thurid Poerksen ist dann auch mit der Anzahl der deutschsprachigen evangelischen Besucher zufrieden. In den heißen Monaten erhebt sich dagegen kaum einer aus seinem Liegestuhl, um in die Kirche zu kommen. Da ruhen dann die meisten Gemeindeaktivitäten.

Im spanischen Winter dagegen kommt ein Im spanischen Winter dagegen kommt einStamm von 25 bis 30 Deutschen in die Kirche von Puerto del Carmen. Weitere Gottesdienste werden sonntags am Mittag in der katholischen Kirche in Playa Blanca und nachmittags im Nachbarschaftshaus Avecost im Costa Teguise gehalten. Den Vertrag mit der EKD schloss Pastor Arend Bertzbach. Aus steuerlichen Gründen, wie er sagt. Denn seine Frau Thurid hat noch nicht das Ruhestandsalter erreicht. Für die Betreuung der Urlauber und der hier lebenden Deutschen ist auf Lanzarote keine ständige Stelle eingerichtet. Vielmehr kümmern sich pensionierte Geistliche um die seelsorgerlichen Belange. Das ist für die EKD bezahlbar. Für Lanzarote erhalten sie neben der Pension für Ruheständler noch eine Aufwandsentschädigung von 500 Euro sowie Wohnung und Auto gestellt.

Arend Bertzbach hatte sich in seiner Heimatgemeinde Bremen stark auf sozialem Gebiet engagiert. Dann musste er aus gesundheitlichen Gründen kürzer treten. Nach der Grenzöffnung übernahm das Ehepaar eine neue Aufgabe in Saßnitz auf Rügen. Als sich Thurid Poerksen dann mit 60 Jahren pensionieren ließ, suchte das Pastorenehepaar nach einer neuen Herausforderung – auf liebsten auf einer Insel im Süden. 2006 zogen sie nach Lanzarote um.

Neue Aufgabe gesucht – am liebsten im Süden
Die Aufgaben teilten sie von Anfang an. Bertzbach engagierte sich für musikalisches Gotteslob, begleitet die Lieder im Gottesdienst und gründete einen Chor. Der wird sehr gut angenommen – auch von Jüngeren und solchen Deutschsprachigen, die wenig in die Kirche gehen. Seine Frau ist eine leidenschaftliche Predigerin.
Auf der Vulkaninsel im Atlantik fühlen sie sich sehr wohl. Mit vielen Deutschen, die hier ständig oder auch nur zeitweise wohnen, haben sie ein freundschaftliches Verhältnis. Sie um­armen sich, wenn sie sich treffen. Das »Du« ist selbstverständlich. So sind sie auch über die privaten Belange informiert, und manchmal wird dann zum Beginn des Gottesdienste bekannt gegeben, wer und aus welchen Gründen heute nicht dabei sein kann.

An ihrem Fahrzeug steht »Tourismuspfarramt«. Die Seelsorger gehen aber nicht an die Strände, um dort zu »missionieren« oder Freiluftgottesdienst zu halten. »Reiseleiter und große Hotels sind von unserem Angebot unterrichtet«, sagt Poerksen, »und wer kirchlich eingestellt ist, findet auch im Urlaub zu uns.« Dazu gehören auch die wöchentlichen Bibelstunden im Pfarrhaus. Hier wird der Predigttext des Sonntags bearbeitet und gründlich darüber diskutiert.
Nach Schätzungen leben 7000 bis 8000 Deutsche ständig auf Lanzarote. Zu den Senioren gesellen sich die jüngeren deutschsprachigen Dienstleister, die im Hotelgewerbe arbeiten oder sich selbständig mach­ten. Unter den jährlich 437000 Lanzarote-Touristen nehmen die Deutschen den zweiten Platz ein.

Sorgen bereitet den Geistlichen die zunehmende Vereinsamung der älteren Menschen. Sie leben seit vielen Jahren auf der Insel und haben ihre Kontakte nach Deutschland abgebrochen. Stirbt nun der Ehepartner und benötigen sie Hilfe, können sie diese auf Lanzarote mangels Sprachkenntnissen oft nicht in Anspruch nehmen. Ein Seniorenheim für Deutsche gibt es nicht. Bertzbach und Poerksen plädieren daher für den Bau eines Mehrgenerationenhauses auf der Insel. Und fordern die Residenten auf, es ihnen gleich zu tun und unbedingt Spanischkurse zu belegen.

Herausgefordert von der Flüchtlingsproblematik
Eigentlich endet die Amtszeit der beiden Geistlichen in diesem Jahr. Auf Antrag der Gemeindeglieder haben sie jedoch noch eine einjährige Verlängerung bewilligt bekommen, damit Begonnenes nicht wieder zum Erliegen kommt. Denn für die Pastoren ist das soziale Engagement besonders wichtig. Mit einem Kreis von Gleichgesinnten setzen sie sich für die Hilfe der Flüchtlinge ein, die vor allem aus dem nahen Mauretanien kommen, in dem Hunger herrscht.

Die Gruppe um die deutschen Seelsorger sucht nicht nur das Gespräch mit ihnen, sondern sammelt auch Nahrungsmittel. Vor jedem Gottesdienst werden Reis, Nudeln und andere haltbare Waren vor dem Altar gesammelt und später von der Hauptstadt Arrecife aus nach Afrika verschifft. Dabei setzen sie sich auch für eine Änderung des EU-Asylrechts ein, damit die angelandeten Afrikaner eine Zukunft haben und ihre Angehörigen in der Heimat unterstützen können.

Ilsemarie Straub-Klein

Kontakt: Arend Bertzbach und Thurid ­Poerksen, Calle Princesa Teguise 46, E-35310 Puerto del Carmen (Insel Lanzarote), Telefon und Fax 0034-928-511600.

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