Eine Geschichte der Suche

Die Hauptdarsteller Alexander Beyer und Annika Blendl am Eingang der Dresdner Schifferkirche »Maria am Wasser« vor der Deutschlandpremiere des gleichnamigen Films in dieser Kirche. Foto: Steffen Giersch

Die Hauptdarsteller Alexander Beyer und Annika Blendl am Eingang der Dresdner Schifferkirche »Maria am Wasser« vor der Deutschlandpremiere des gleichnamigen Films in dieser Kirche. Foto: Steffen Giersch

Die Zeit scheint seit 20 Jahren stehen geblieben zu sein in dem winzigen Nest an der Elbe. »Maria am Wasser« heißt seine Kirche, »Frohe Zukunft« das Waisenhaus auf der anderen Seite des Flusses, in dem noch die Bilder aus DDR-Zeiten an den Wänden hängen. Und Maria (Marie Gruber) heißt auch dessen Leiterin. Alles ist düster, die Kirche verfallen, ihre Orgel kaputt. Der Pfarrer Conrad (Falk Rockstroh) mag sie seit langem nicht mehr spielen. Der Schäfer Hannes (Hermann Beyer) hat sich dem ­Alkohol ergeben, kann nicht mehr klar denken – nur noch schreiben, die Chronik des Dorfes.

Und da kommt plötzlich ein junger Mann, der sich als Marias Sohn ausgibt, den aber keiner erkennen will. Zu sehr erinnert er alle an ein dunkles Kapitel: Das Unglück auf der Elbe, als die Kinder des Waisenhauses mit einem Schwimmpanzer untergingen. Der junge Mann, Markus Lenz (Alexander Beyer) heißt er, will die Orgel der Kirche wieder reparieren. Und er will seine Vergangenheit finden. Denn er war vor 20 Jahren auch auf dem Panzer. Doch er hat das Unglück benutzt, um der strengen Zucht seiner Heimleiter-Mutter zu entkommen.

Es ist wie ein Märchen, das Regisseur und Drehbuchautor Thomas Wendrich in seinem ersten längeren Spielfilm erzählt. Der ausgebildete Schauspieler ist 1971 in Dresden geboren. »Maria am Wasser« heißt auch die Schifferkirche am Rande der Elbemetropole. Er habe schon immer ­einen Film machen wollen, der an diesem Ort spielt, sagt er. Seit 1999 hat er sich mit der Geschichte beschäftigt. Doch als das Drehbuch fertig war, kam 2002 die Flut. Die Dresdner Schifferkirche stand meterhoch im Wasser und war als Drehort denkbar ungeeignet. So entstand der Film schließlich 2006 im erzgebirgischen Dittersbach und in Neuhirschstein bei Riesa. Mit den Schauspielern hat Wendrich eine erstklassige Wahl getroffen. Der Film ist sogar für den Deutschen Filmpreis nominiert, der im März vergeben wird.

Es ist ein nachdenklicher Film, der selbst in traurigen Momenten nicht seinen leisen Humor verliert. Und es ist ein Film voller Mut und Hoffnung.
Thomas Wendrich sagt von sich, dass für ihn 1990 der spannendste ­Abschnitt seines Lebens begann. Doch für viele andere Menschen sei bald danach eine ziemliche Ernüchterung gekommen. »Der Galgenhumor der Figuren ist vom Wissen um die Endlichkeit des Lebens geprägt«, sagt er zu seinem Film. Und als Zeichen für den Untergang einer ganzen Epoche sei ihm ein Panzer gerade gut genug gewesen.

Mit seiner Anwesenheit holt der Filmheld Markus die Erinnerungen der Dorfbewohner hervor und sie damit in die Gegenwart zurück. Und so wie die Orgel die Seele jeder Kirche ist, scheint das Dorf seine Seele wiedergefunden zu haben, als die Orgel wieder klingt. Und zum Schluss gibt es sogar ein Happy End mit Alena (Annika Blendl), die wie Markus auf der Suche ist.
Die Dresdner Kirchgemeinde von »Maria am Wasser« kam am vergangenen Sonntag in den Genuss der Deutschlandpremiere des Films »Maria am Wasser«. Schauspieler und Regisseur waren gekommen und stellten sich den Fragen der Zuschauer. Eintritt verlangten sie nicht. Doch die Kollekte des Abends geht nach Brenna in den polnischen Beskiden an die Partnergemeinde der Dresdner Schifferkirche – für den Bau ihrer Orgel.

Christine Reuther

Am 26.Februar kommt der Film in die ­Kinos: Metropolis in Dresden, Puschkino in Halle, Capitol in Jena, Moritzhof in ­Magdeburg

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